Hans-Jürgen Rüstau

Die schönsten Augen dieser Welt (1) Augen



Augen

Es war ein Tag, wie jeder andere.
Es war ein Herbsttag Anfang November. Glitschig, kalt und trübe.
Und doch war an diesem Tag alles ganz anders.
Sie stand mir gegenüber und ließ diesen doch so öden Tag in den Hintergrund
treten.
Sie war eher klein, schlank und von einer interessanten Schönheit geprägt,
welche meinen Puls wiederum zu Höchstleistungen inspirierte.


Plötzlich sah ich nur noch Augen, wunderschöne, wahnsinnig große Augen.


Große, runde Augen
schauen fragend in den Tag.
Fallen mir sofort auf,
Augenblicke wie ich sie mag.
Es macht im Herzen Klick.
Dieser Wahnsinnsblick.
Große Augen schauen mich an
von sinnlicher Schönheit umgeben.
Hier läuft das wahre Leben.
Augen lassen mich nicht mehr los,
so groß, schön wie die Sünde.
Gibt es zu Leben andere Gründe?
Augen bezaubern dieses Gesicht.
Lippen aus denen
die Sprache der Liebe spricht.
Ein Körper
der sich im Takt ihrer Worte bewegt,
dabei mich und meine Gedanken erregt.
Bin in dir versunken,
höre dir zu.
Augen haben mich hypnotisiert,
egal was passiert.
Kann mich nicht lösen, hab keine Ruh
Im Traum balanciere ich auf einer riesigen Welle.
Sie spült mich zu dir an das Land.
Ich habe den waren Sinn des Lebens erkannt.



Sie waren einfach da, beherrschten den Raum, füllten ihn mit Wärme und
Fröhlichkeit aus.
Unter dieser Augenpartie sah ich vollendet geformte Lippen, einen Mund,
welcher sich auf einmal zu bewegen begann.
Sinnlich, einfach schön.
Der Mund sprach irgendeinen norddeutschen Dialekt in einer Art und Weise,
in Gleichnis einer Musik,einer wunderschönen Melodie.
Diese Melodie wiederum war gezeichnet von einem auf und ab der Töne,
die im Raum nur so herumsprangen.
Nachdem meine Ohren sich an diese Töne gewohnt hatten, nachdem mein
Gehirn das Gesagte ihres Mundes aufnahm, war eine Menge Zeit vergangen.

Ich muss doch ziemlich wie ein Depp ausgeschaut haben, denn ihre Augen
und ihre Lippen wurden von einem Lächeln überzogen, welches mich nur noch
mehr aus der Fassung brachte.
Ich war sozusagen ziemlich fassungslos, regelrecht sprachlos.
Das Mädchen hatte begriffen, dass ich vom Gesagten wenig aufgenommen hatte
und wiederum bewegte sie ihre Lippen und erst jetzt drangen auch die Worte
an meine Ohren.
Das Mädchen, zu der die Lippen gehörten sagte, sie sei meine neue Nachbarin
und heißt Anka.
Dabei schauten mich ihre großen Augen fragend an.
Ich stand immer noch wie angewurzelt mitten im Raum und stammelte nur Peter,
ich heiße Peter.
Anka sagte lässig o.K., wir sehen uns doch bestimmt noch öfters und entschwebte
wieder aus dem Raum und es herrschte gedankenversunkene Leere.
Es verblieb ein Duft im Raum, wie Weihnachten und Ostern gleichzeitig.
So kam es mir jedenfalls vor.
Ich glaube, dass ich mich minutenlang nicht bewegt habe, um vor allem das
Gesehene und Gehörte gründlich zu verdauen.
Was war das jetzt eben? Eine Sprachlosigkeit, die ich von mir selbst im
entferntesten nicht gewohnt war.
Es waren ihre Augen, sagte ich im Dialog mit mir selbst, ihre Augen haben mich
verzaubert, ihre wahnsinnig großen, schönen Augen.
Ich versuchte in Gedanken, ihr Bild wieder in mein Gedächtnis zurückzurufen.
Es funktionierte überraschend gut.
Sie stand vor mir. Klein, kess, herausfordernd, ihre Augen den ganzen Körper
beherrschend.
Ich begann im Traum mit ihr zu reden.
Das heißt, ich sprach, sie hörte mir dieses mal zu.
Sagte ihr, wie schön ich sie finde und erzählte von meinen, ihr unbekannten
vergangenen Zeiten.
Sie hörte zu.
Erzählte ihr von Liebe und Liebesschmerz, redete über Musik, welche ich mag.
Sie hörte zu.

Plötzlich klingelte es an meiner Tür, ich erwachte aus meinem Tagtraum und
stand noch an der gleichen Stelle im Raum, als das Mädchen den diesen verließ.
Wie gesagt, es klingelte.
Ich öffnete.
Da stand sie wieder.

Anka.

Sie lächelte mich an, vergessen war alles, was ich ihr in meinem Traum erzählte.
Ich schaute sie an.
Hallo Peter, ich muss dich noch einmal stören. Ich habe noch nicht alles
einkaufen können. Kannst du mir etwas Zucker borgen?
Na klar, sagte ich, als sei es die selbstverständlichste Sache der Welt.
Komm bitte herein.
Sofort begann ich nach Zucker zu suchen.
Da ich den Kaffee immer ungesüßt trinke, musste ich tiefgründig in meiner Küche
danach suchen.
In irgendeinem Schrank sollte doch welcher sein.
Fand welchen.
Hatte die Zuckertüte in der Hand, stand ihr gegenüber und dachte an das Gesagte
im Traum, was mich nur noch unsicherer machte.
Die Tüte glitt mir aus der Hand und der ganze süße Traum rieselte auf dem Boden.
Gleichzeitig bückten wir uns um zu retten was zu retten war.
Dabei begegneten sich zu unsere Blicke.
Sozusagen Auge in Auge.
Es war eine Situationskomik, welche, keiner Erklärung bedurfte.
Anka fing sofort laut an zu lachen, ein Lachen, dass sofort ansteckend wirkte.
Ich stimmte mit ein. Wir standen inmitten einer Lache von Zucker.
Ihr Lächeln wirkte da einfach noch süßer.
Da muss ich ja nun doch noch einkaufen gehen, sagte Anka und fügte hinzu,
dass sie ja ohnehin keinen Wein im Hause hätte und sie ihn gleich mitbringen
könnte.
Denn den würde sie ja benötigen, um heute Abend mit mir auf unsere erste
Begegnung anstoßen zu können.
Ich käme doch, fragte sie beiläufig?
Natürlich, antwortete ich ohne zu überlegen.
Das war meine erste Begegnung mit Anka, welcher noch viele schönere folgen
sollten, denn ihre wunderschönen großen Augen konnte ich nie vergessen.

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