Hans Pürstner

Das erste Mal


Nervös stand ich neben dem Eingang zum Personalhaus des kleinen Ferienhotels am Wörthersee und trat von einem Fuß auf den anderen. Immer wieder schaute ich nach oben zum Fenster meines Zimmers, erwartete sehnsüchtig das verabredete Zeichen. Es war ein wunderschöner Nachmittag, das Mittagsgeschäft im Restaurant war vorbei und normalerweise wäre ich bei diesem Wetter zum Strandbad gegangen. Aber heute hatte ich etwas Besseres vor als Baden! Sabine war schon voraus geeilt, um zu vermeiden, dass wir zusammen gesehen wurden, wenn wir nach oben gingen. Heute war er gekommen, der Tag X, lange, viel zu lange schon ersehnt und herbei gefleht von mir. Sie war Auszubildende für den Kellnerberuf in unserem Hotel. Immer wieder steckte ich ihr heimlich kleine Leckerbissen zu als Zeichen meiner Wertschätzung. Wie es so schön heisst, mit Speck fängt man Mäuse, so können Köche alles von Kellnern haben, wenn sie ihnen bloß etwas Essbares in Aussicht stellen. Schließlich und endlich hatte sie mich doch noch erhört, wenn auch erst nach vielen, vielen kleinen Leckerbissen. Mein Werben um Sabine erhöhte den Wareneinsatz der Küche nicht unbeträchtlich. Doch mir war jetzt nicht so sehr nach essen zumute. Ich hätte eher etwas Trinkbares gebraucht.Die Aussicht darauf, in der nächsten Stunde meinen Status als männliche Jungfrau zu verlieren, hatte meinen Mund vor Aufregung austrocknen lassen wie einen Salzsee in der afrikanischen Steppe kurz vor Beginn der Regenzeit. An letztere erinnerte mich auch meine Blase. Schon zum dritten Mal war ich in das Gebüsch an der Rückseite des Personalhauses geschlichen, um mein Wasser abzulassen. Ich konnte es kaum noch erwarten, endlich nach oben zu gehen, fast genauso sehr wie auf das Treffen mit Sabine freute ich mich darauf, endlich meine Toilette in der Nähe zu haben. Ob der Anstieg meines Hormonspiegels in der Unterleibsregion sich auch auf die Blase ausgewirkt haben sollte?
Das Ganze war ja fast generalstabsmäßig organisiert, meinen Küchenchef und Zimmergenossen Ralf hatte ich sogar dazu gebracht, nach langer Zeit mal wieder seine Freistunden am Nachmittag im Strandbad zu verbringen, statt wie sonst träge auf dem Bett in unserem Zimmer herum zu liegen und Jerry Cotton Romane zu lesen. „Ich tue ja Alles,“ hatte er heute morgen noch augenzwinkernd gelästert „damit du deinen Hormonstau endlich abreagieren kannst“. Die im Kühlraum vorgekühlte Flasche Schlumberger wurde nach Beendigung der Mittagsschicht unauffällig in mein Zimmer geschmuggelt, auch zwei Sektflöten gelang es mir in meinen Hosentaschen zu verstecken. Ralf war in geradezu rührender Weise bemüht gewesen, sie dem Oberkellner abzuschwatzen. Schließlich bewegte sich doch noch der Vorhang von meinem Zimmerfenster, das war das Signal, nach oben zu kommen. Mit einem flauen Gefühl in der Magengegend schlich ich mich nach oben in den zweiten Stock, irgendwie hatte ich mir mein erstes Mal etwas lustiger vorgestellt. Gut dass zumindest Sabine schon etwas Erfahrung bei diesen Sachen hatte, es war richtig süß, wie sie mir half, meine Verlegenheit wenigstens etwas abzuschütteln. Sie legte gekonnt langsam meinen für sie viel zu großen Bademantel ab, darunter trug sie nur eine Garnitur olivgrüner Spitzenunterwäsche. Ich glaube, dass ich sie wohl mit offenen Mund anstarrte, denn sie fing schallend an zu lachen. Nun begann ich auch noch, nervös am Verschluss der Sektflasche herum zu fummeln. Mit einem lauten Plopp schoss der Korken an die Decke und der Inhalt schäumte über, um sich in der nächsten Sekunde über den Bauch Sabines zu ergießen. Kreischend drehte sie sich weg, aber ich warf mich über sie und leckte den Sekt von ihrem makellosen Körper ab.
„Du bist mir ja ein ganz schlimmer!“, meinte sie schelmisch lächelnd und verdrehte genießerisch ihre Augen. Wie ein Kaleidoskop liefen die Bilder in meinem Kopf ab, Kapitel für Kapitel aus der Aufklärungsserie von Oswald Kolle, d e m Experten schlechthin zur damaligen Zeit für alles was mit Sex zu tun hatte. In dem Bemühen, ja alles richtig zu machen, vergaß ich beinahe meine eigene Lust, so sehr war ich damit beschäftigt, Sabine nach allen Regeln der Kunst in einen Taumel von Wollust zu stürzen. Der Verschluß ihres BH´s erwies sich nach mehreren vergeblichen Versuchen ihn zu öffnen leider als unüberwindlich. Dabei hatte ich doch extra einmal heimlich Mutters gutes Stück für entsprechende Übungen zweckentfremdet, dabei hatte es noch mit verbundenen Augen geklappt. Aber jetzt, na ja. Verständnisvoll übernahm sie die Arbeit für mich und nun verschlug mir der Anblick ihrer kleinen festen Teenie Brüste endgültig die Sprache. Wie in Trance entledigte ich mich meiner ziemlich unerotischen Unterwäsche Marke Doppelripp und zog, nein riss Sabine den kleinen süßen Slip nach unten. Von da an entzieht sich das Geschehen weitgehend meiner Erinnerung, ich weiß nicht, waren es Stunden, Minuten oder wohl eher Sekunden, bis mich das unerhörte Glücksgefühl durchströmte. Auf jeden Fall kam ich danach nur langsam wieder zu mir, blickte auf das wunderschöne Mädchen an meiner Seite, wie es sich langsam aber zielstrebig wieder anzog. Schade, eigentlich wäre es jetzt an der Zeit gewesen, das in den Aufklärungsschriften so heftig angemahnte Nachspiel auszuführen. Aber Sabine lächelte nur und schob meine Hand weg, die noch so viele zärtliche Berührungen vorgehabt hätte. „Laß nur, für heute ist es genug, ich muß mich fertigmachen für den Spätdienst.“
Sie hauchte mir nur noch einen Kuss über ihre Handfläche zu und verschwand durch die Tür nach unten. Ich wußte nicht so recht, ob ich mich freuen sollte oder nicht, egal, es war geschafft. Ich war endlich ein Mann!

Dies ist nur eine Geschichte, auch wenn sich einiges in Wirklichkeit so ähnlich zugetragen hat. Namen und Örtlichkeiten sind erfunden.Hans Pürstner, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.05.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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