Christina Zabel

Hm...

Kann es sein, dass mein einziger Trost der ist, zu wissen, dass es anderen Menschen ebenso ergeht wie mir? Es relativiert im globalen Kontext mein Problem. Individuell bleibt es etwas, was mich kotzen lässt.
Ich habe gelernt, dass es etwas bringt darüber (worüber auch immer) zu schlafen. Zumindest für den Moment - bis am neuen Tag die erneute Melancholie ausbricht über eben jenes Problem. Ich habe auch viel über mich gelernt. Nämlich, dass ich bei anderen immer weiß, was zu tun ist und bei mir selbst versage. Trotz pädagogischer Reflexion wie mein Studium es mich lehrte. Nun, ich bin schon recht besonnen und überlege etwaiger Konsequenzen meines Handelns und dennoch stürze ich mich zuweilen in ein Chaos, dessen Herrschaft ich nicht mächtig bin. Und Schuld an allem ist wie immer die Liebe. Wenn wir die Liebe nicht hätten, hätten wir ein gesellschaftliches Konstrukt weniger, dem wir die Schuld für unser ganz persönliches Elend in die Schuhe schieben könnten.
Aber, es gilt auch hier die Divise: nicht die Perspektive verlieren! Rein wirtschaftlich gelte ich im Vergleich zu Millionen anderer verlorener Seelen auf Erden als saniert, habe ein stabiles sonstiges soziales Umfeld (man sagt auch schlicht „Freunde“ dazu) und meine Eltern lieben mich. Mittlerweile dürften sie sogar gelernt haben mich bedingungslos zu lieben. Und wenn sie dies nicht schon eh immer taten, dann waren sie am Ende meiner Pubertät dazu gezwungen als ich mich als Liebende outete.
Ich habe gelernt, dass es hilft darüber zu reden (worüber auch immer). Und dennoch komme ich über das Schreiben selten hinaus. Zu hoch ist die Scham als schwülstig abgestempelt zu werden und die Scham vor mir selbst. Ich hasse Tragödien à la Rosamunde Pilcher und vollziehe doch in regelmäßigen Abständen eine davon. Bin ich jetzt ein Fall für den Therapeuten? Wohl nicht. Wenn, dann bräuchten wir globale Therapie für alle, die Lieben gelernt haben. Ich habe auch gelernt, dass zur Liebe oft eine gehörige Portion Masochismus dazu gehört. Und doch bleibt sie das schönste im Leben. Egal auf welchen Ebenen sie abläuft. Die Liebe zum Objekt der Begierde, zur Mutter, zum Haustier. Man sieht es daran, wie man sich ansieht, was man füreinander tut. Soziale Interaktion nennt man das wohl im Fachjargon.
Gehört mir die Welt, weil ich allein bin? Oder gehöre ich der Welt, weil ich allein bin?

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.05.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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