Claudia Adena

Unvergessene Liebe - Teil 3

Anita war wie erstarrt und plötzlich wusste sie, was zu tun war.
“Ich weiss einiges über Sie“, begann sie. “Das Wichtigste ist, dass Sie verheiratet sind. Also, was wollen Sie von mir?“
Wieder lachte er, dann wurde er ernst.
“Wissen Sie, Anita, eigentlich sind Sie nicht mein Typ. Ich liebe weibliche Frauen. Frauen, die sich ihrer Wirkung auf Männer bewusst sind. Sie sind ganz anders. Sie verstecken sich hinter einer unweiblichen Frisur und unweiblicher Kleidung. Doch ich habe sofort erkannt, was Sie in Wirklichkeit für eine Frau sind.“
“Und was für eine Frau bin ich?“ wollte sie wissen.
“Eine sehr leidenschaftliche und zärtliche Frau“, fuhr er fort. “Und wissen Sie, woher ich das weiß? Es war der Blick in Ihren Augen, als Sie mich angesehen haben. Das hat mich beeindruckt. Ich spürte, dass Sie mich wollten und ich will Sie - vom ersten Augenblick an.“
Anita war sprachlos angesichts dieser maßlosen Arroganz und schwieg.
“Ich bin ein Mann der schnellen Entschlüsse“, fuhr er fort. Wollen Sie das Wochenende mit mir in den Bergen verbringen?“
Er ist verrückt, dachte sie fassungslos, Manfred hatte recht. Er glaubt, sich mit Geld alles kaufen zu können.
“Ich bin einverstanden“, hörte sie sich sagen. “Vorher aber möchte ich etwas klarstellen. Ich will nicht, dass irgend jemand von diesem Wochenende mit Ihnen erfährt. Immerhin sind Sie verheiratet. Und nun geben Sie mir die Adresse.“
Reinhard versprach ihr, niemanden etwas über sie zu erzählen und gab ihr die Adresse, unter der er sie am Freitag Abend erwartete.
Anita saß noch lange nachdem sie aufgelegt hatte, regungslos vor ihrem Schreibtisch.
Er plant seine Affäre mit mir wie irgendein Geschäft, kam ihr in den Sinn. Noch niemals zuvor hatte sie einen so arroganten und gefühllosen Menschen getroffen. Dass er einen Mord begangen hatte, verwunderte sie nicht mehr.
Sollte Anita noch letzte Zweifel gehabt haben, ob sie die Sache nicht der Polizei überlassen sollte, so waren diese jetzt verschwunden.

Die folgenden Tage vergingen rasch und dann war es soweit. Es war Freitag Mittag.
Anita hatte alles, was sie brauchte in ihrem Kofferraum verstaut und machte sich auf den Weg ins Gebirge.
Sie hatte sich komplett neu eingekleidet. Das rote Stretchkleid, das sie trug, war hauteng und kurz, dazu steckten ihre langen schlanken Beine in den passenden roten Schuhen.
Es war gegen sechs Uhr abends, als sie an dem abgelegenen kleinen Wochenendhäuschen ankam. Reinhards schwarzer Porsche parkte vor dem Haus. Reinhard stand am Fenster, als sie eintraf und öffnete ihr die Haustüre.
Mit weit geöffneten Augen musterte er sie von oben bis unten. “Ich hätte dich fast nicht erkannt. Du siehst toll aus“, sagte er und führte sie ins Haus. Galant nahm er ihr den schwarzen Blazer ab und hängte ihn auf einen Kleiderhaken.
Anita musste zugeben, daß Reinhard unwiderstehlich aussah. Er trug enge weiße Jeans und durch sein weit geöffnetes hellgemustertes Hemd konnte man einen Blick auf seine stark behaarte Brust werfen.
Anita folgte ihm ins Wohnzimmer und nahm auf der Couch Platz.
“Soll ich im Kamin Feuer machen?“ fragte er sie. “Wir könnten uns ein wenig vor den Kamin setzen.“
Sie nickte lächelnd und beobachtete wie er sie vor dem Kamin hinkniete und Feuer machte.
“Komm her!“ forderte er sie auf und reichte ihr die Hand. Anita legte ihre Handtasche auf die Couch und setzte sich neben ihn auf den weichen hellen Teppich. Ehe sie zum Nachdenken kam, hatte er sie zu Boden gedrückt und küßte sie. Fast gleichzeitig wanderten seine Hände unter ihr Kleid.
Anita musste sich zusammenreißen, um nicht laut loszuschreien und ihn wegzustoßen. Sanft schob sie ihn von sich.
“Wir haben das ganze Wochenende Zeit“, meinte sie. “Warum hast du es so eilig?“
“Entschuldige!“ meinte er und grinste anzüglich. “Das ist die Macht der Gewohnheit. Wenn ich etwas sehe, das ich haben will, dann will ich es sofort. Egal, ob es sich dabei um eine Firma oder eine Frau handelt.“
Du mieses Schwein, dachte Anita voller Verachtung. Wie lange würde es ihr gelingen, ihre wahren Gefühle zu verbergen?
“Willst du einen Drink?“ unterbrach er ihr Schweigen. Wortlos nickte sie. Reinhard ging zu der kleinen Bar am anderen Ende des Zimmers und schenkte zwei Gläser Whisky Cola ein.
Anita schmiegte sich eng an ihn und küßte ihn auf die Wange.
“Hast du vielleicht eine Kleinigkeit zum Essen da?“ fragte sie. “Ich bin so schnell es ging hierher gekommen, um bei dir zu sein und hatte keine Zeit mehr etwas zu essen.“
Lächelnd nickte er. “Ja, natürlich! ich mache dir ein Brot.“
Gebannt sah Anita ihm nach wie er in die Küche ging. Sie atmete mehrere Male tief durch, bevor sie sich erhob und zu ihrer Handtasche ging. Nervös warf sie einen Blick zur Türe, doch man hörte Geräusche aus Küche. Es würde noch eine Weile dauern, bis er zurückkam. Sie entnahm ein kleines Päckchen aus ihrer Handtasche und setzte sich zum Kamin. Hastig riss sie das Päckchen auf und goß den Inhalt in Reinhards Glas. Mit einem Finger rührte sie das Getränk um. Hastig versteckte sie das leere Päckchen unter dem Teppich. Kurze Zeit später kam Reinhard zurück.
“Laß uns ein Glas auf uns trinken!“ bat sie ihn liebevoll und reichte ihm sein Glas.
Wortlos stießen sie miteinander an und tranken beide ihre Gläser leer. Sekundenlang hatte sie Angst, er könnte etwas bemerkt haben, doch das schien nicht der Fall zu sein.
Langsam begann sie das Brot zu essen, während er einige Holzscheite in die Flammen warf.
“Du hast nicht viele Erfahrungen mit Männern, nicht wahr?“ fragte er und sah sie lange an. “Du hast Angst vor mir.“
“Ja, du hast recht“, gestand sie ihm und legte den Arm um ihn. “Wenn du es genau wissen willst: ES gab erst einen Mann in meinen Leben. Ist das ein Problem für dich?“
Grob drückte er sie zu Boden und legte sich auf sie.
“Ich bin zu alt für irgendwelche Spielchen“, sagte er zynisch. “Du wusstest, worauf du dich eingelassen hast, als du hierher kamst. Ich werde jetzt mir dir schlafen. Danach kannst du verschwinden - wenn du willst.“
Reinhard küßte sie und seine Lippen wanderten über ihren Hals bis zu dem Ausschnitt ihres Kleides.
Regungslos lag Anita da und ließ es mit sich geschehen. Mein Gott, dachte sie, wie lange kann ich seine Berührungen noch ertragen?
“Warte!“ bat sie ihn. “Du zerreißt mir das Kleid. Ich ziehe es aus.“
Reinhard ließ sie los. Mit zitternden Händen zog sie sich das Kleid aus. Während dessen begann er seine Hose aufzuknöpfen. Da bemerkte Anita, dass er wankte.
“Warum bin ich nur so müde?“ fragte er. Dann brach er zusammen und fiel zu Boden. Minutenlang stand Anita da und starrte ihn an. Dann zog sie sich an. Sie nahm ihre Jacke und ihre Handtasche und ging zum Wagen. Mühsam schleppte sie den schweren Benzinkanister ins Wohnzimmer, vergoß Benzin im ganzen Wohnzimmer. Ein letztes Mal blickte sie zurück auf den bewusstlosen Reinhard.
Die Tränen liefen ihr über die Wangen und ihre Hände zitterten, als sie nach der Streichholzschachtel in ihrer Handtasche griff.
“Frank!“ flüsterte sie. “Frank, ich muss es tun. Für dich, mein Liebling.“
Sie nahm ein Streichholz und zündete es an. Das brennende Streichholz warf sie mitten ins Benzin. Sofort stand der halbe Raum in Flammen. Mit schnellen Schritten verließ Anita das Haus und stieg in ihren Wagen. Noch einmal warf sie einen Blick auf das brennende Haus zurück und atmete erleichtert auf, als wäre ihre Seele von einer schweren Last befreit worden.

Am Montag morgen kam Anita fast eine Stunde später als sonst ins Büro.
Manfred sah sie verwundert an. “Geht es dir nicht gut?“
Sie schüttelte den Kopf. “Ich bin auch nur ein Mensch. Ich habe verschlafen.“
Sie setzte sich an ihren Schreibtisch und öffnete die Post. Plötzlich hob sie den Kopf und sah ihn fragend an.
“Du wirst den Verlag doch nicht verkaufen, oder?“
Ernst sah er sie an. “Reinhard Birner ist in seinem Wochenendhaus verbrannt.“
Anita stand auf und sah zum Fenster hinaus. Nachdenklich beobachtete er sie. Sie wirkte irgendwie verändert. Er wusste nur nicht wie. Jetzt fiel es ihm auf. Sie lächelte. Das erste Mal seit langer Zeit lächelte sie.
Sie war es, schoß ihm ganz plötzlich durch den Kopf. Er wusste nicht wie oder warum, aber er war sich sicher.
Minutenlang herrschte Schweigen zwischen den beiden.
“Ist irgend etwas?“ fragte sie und wandte sich ihm wieder zu. “Warum starrst du mich so an?“
Sekundenlang überlegte er, sie zu fragen. Doch irgend etwas hielt ihn davor zurück. Langsam trat er auf sie zu und legte den Arm um ihre Schulter.
“Nein, Anita, es ist nichts! Es ist alles in Ordnung. Lass uns an die Arbeit gehen!“


Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Claudia Adena).
Der Beitrag wurde von Claudia Adena auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.06.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

WortSinfonie: Lyrik und ein Drama von Madelaine Kaufmann



Der Gedichtband „WortSinfonie“ beinhaltet neben Lyrik auch ein Drama (Tragödie) namens „Jonathan und Estelle“.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Liebesgeschichten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Claudia Adena

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Grüne Augen in der Nacht von Claudia Adena (Fantasy)
Stanniolvögel von Ingrid Drewing (Liebesgeschichten)
Gläserrücken von Katja Ruhland (Unheimliche Geschichten)