Sabrina Abels

Hoffnung

“Was soll das?“ Mara sah ihre Freunde an. In ihrem Gesicht stand Wut aber auch Trauer.
“Warum hat mir keiner von euch gesagt was los ist? Warum lasst ihr mich so ins Messer laufen? Ich dachte ihr seit meine Freunde!“
“Jetzt beruhige dich und hör uns erst einmal zu.“
Justin versuchte auf Mara einzureden, aber sie beachtete ihn kaum.
Ihr war es völlig egal, ob sie eine gute oder eine schlechte Erklärung hatten. Sie war sich nicht sicher, ob sie überhaupt eine hören wollte. All ihre Freunde hatten es nicht für nötig empfunden ihr auch nur ein Wort zu sagen. Ihre Schwester lag im Sterben und keiner sagte auch nur ein Wort darüber. Als sie nach Hause gekommen war, hatten sich alle gefreut. Lange genug war sie ja weg gewesen. Dann als sie nach ihrer Familie gefragt hatte, hatten alle immer nur das Thema gewechselt. Egal wie oft sie nachgefragt hatte, nie war einer von ihnen darauf eingegangen. Nun hatte sie es allein herausgefunden. Nicht einmal ihre Eltern hatten ihr gesagt was los war. Maja hatte es nicht gewollt. Na klasse und wer fragte sie? Sie würde ihre Schwester verlieren, ihren Zwillig, ihren Seelenverwandten. Sie hatte die ganze Zeit gespürt, dass etwas nicht stimmte. Deswegen war sie ja überhaupt hierher gekommen. Als sie dann gefragt hatte, wo Maja sei, sagte man ihr sie sei verreist. So ein Unsinn. Maja hasste es zu reisen. So sehr Mara es liebte so sehr hasste Maja es. Das war in vielen Dingen so gewesen.
“Maja hatte uns gesagt, dass du kommen würdest. Sie sagt auch, dass wir es dir nicht sagen sollen. Du solltest sie so in Erinnerung behalten wie sie war.“
Luisa versuchte erneut Mara alles zu erklären, doch die wurde nur noch wütender.
“Hätte ich nicht diesen dummen Unfall gehabt hätte ich es nie erfahren. Ich hätte nie erfahren, dass ich meine Schwester nie wieder gesehen hätte. Ist denn niemand auf die Idee gekommen, dass ich mich vielleicht verabscheiden will?“
“Doch natürlich. Wir alle wollten es dir ständig sagen, doch wir sind doch auch Majas Freunde und wir hatten es versprochen.“
Pia erntete für ihre Erklärung nur einen wütenden Blick ihrer Freundin.
Eigentlich konnte Mara die ganze Sache ja nachvollziehen. Sie selbst hätte wohl genauso gehandet. Sie musste lächeln bei diesem Gedanken. Obwohl es daran keinen Grund dafür gab. Sie wunderte sich nur, wie zwei Menschen gleichzeitig so gelich und doch so verschieden sein konnten wie Maja und sie.
In vielen Dingen waren sie sich so ähnlich. Manchmal war es ihnen so vorgekommen, als ob sie sogar das Selbe dachten.
Und dann wieder konnten sie kaum begreifen, was der andere an so komischen Dingen, wie Klavier oder Fußball spielen fand.
Maja war immer eher fürs Künstlerische gewesen, Mara war der srotliche Typ.
Mara drehte sich einfach um und verließ den Raum. Sie hörte, wie die anderen ihr hinterher riefen doch sie drehte sich nicht einmal mehr um. Sie wusste genau, dass sie ihnen verzeihen würde, denn sie konnte sie ja verstehen. Aber es würde noch ein wenig Zeit brauchen. Sie lief die paar Straßen zum städtischen Krankenhaus. Als sie auf die Intensivstation kam sah sie ihre Schwester dort liegen. Angeschlossen an Schläuche und Apperate. Sie wusste, dass Maja sie nicht verstehen könnte. Aber sie fing trotzdem an, mit ihr zu sprechen. Tränen stiegen ihr in die Augen, sie wichte sie hastig mit dem Ärmel ihres Pullovers weg. Sie hatte nicht die geringste Ahnung, wie sie das überstehen sollte, aber es würde bestimmt alles gut gehen. Maja hatte ihr gezeigt, dass sich immer alles zum Guten wendete. Als würde ihre Schwester spüren, dass Mara da war, zuckten ihre Augenlider. Mara dachte erst sich verguckt zu haben, doch einen Herzschlag später, öffnete Maja die Augen. Ganz leicht nur, aber sie öffnete sie. Mara klingelte nach dem Arzt. Es würde bestimmt alles gut werden.Auf Majas Gesicht erschien ein kleines Lächeln.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.06.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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