Bernd Sterzel

Fuji (-Pfutschi) - oder Schein und Sein

Die Dinge von denen man nicht lassen kann. Sie kommen immer wieder. Vielleicht einen Sommer lang. Jeder kennt das: du siehst irgendwas, probierst es und es begeistert dich auf Anhieb: ein Kleidungsstück oder eine CD oder ...ein Apfel. Ein Fuji.

Auf einer Messe haben wir uns kennen gelernt. Es war Liebe auf den ersten Blick. Und auf den ersten Biss. Die glänzenden rot-grünen Wangen, wie schön er in der Hand lag und sich anfühlte, das Geräusch ...riiiitsch... das entstand, wenn die Zähne sich in ihn, seine dicke, knackige Schale, hinein gruben und ... graaabbb... einen Teil aus ihm herausrissen. Saftig, kernig, unbeschreiblich.

Fortan war er nicht mehr wegzudenken. Wir waren wie ein Paar. Ich holte ihn mir kistenweise. Er begleitete mich täglich ins Büro, abends zum Sport. Er lag beim Zeitungslesen und Fernsehen in meiner Hand. Er wurde an liebe Kollegen verschenkt.

Er versüßte und bereicherte mein Leben. Wenn ich an ihn dachte oder ihn sah, dann wurde mir warm ums Herz, ein zufriedenes Lächeln lag auf meinem Gesicht und mir lief das Wasser im Munde zusammen. Es hätte doch ewig so bleiben können. Sollte es aber nicht.

Es fing mit kleinen Fehlern an. Nichts Schlimmes. Hier ein unschönes Pünktchen, dort eine Macke oder eine etwas runzelige, schlaffe Schale. Ich sah zunächst darüber hinweg. Aß auch diese Exemplare, so als ob nichts wäre. Später plötzlich Schimmelfleckchen, erst einzelne Äpfel, dann an mehreren in der Kiste. Schnell die Dinger aussortieren, nicht mehr dran denken. Alles wieder ok!

Es kam aber immer schlimmer. Es oder er wurde heimtückischer. Einmal war es sogar ein besonders schönes Exemplar. Erst knackige Bisse, lecker, saftig, wie gewohnt. Es war nur noch der Stumpen übrig mit etwas Fruchtfleisch an den Enden. Die Zähne gruben sich schließlich in den Außenteil und ...ääääh, nein! Ein eklig-bitterer Geschmack auf der Zunge! Ein kurzer Blick brachte es ans Tageslicht: eine dunkelbraune Masse an der Stelle, wo reines Fleisch vermutet wurde, vergangen, verdorben, zersetzt.

Unsere Liebe endete schließlich an dem Tag, als ich wieder in freudiger Erwartung in eine wunderschön-rot-leuchtende Frucht biss. Ohne Nachzudenken. Schon war es zu spät. Die Zähne trafen bereits beim ersten Zubeißen in die scheußlich-braune Masse, verfault von innen her, überall. Ich kaute geistesabwesend kurz darauf, schluckte glücklicherweise noch nicht. Ein Ekelgefühl stieg in mir hoch. Ich rannte zur Toilette, spuckte alles aus, versuchte dann unterm Wasserhahn auch das letzte Überbleibsel dieses Geschmackes loszuwerden.

Seitdem bin ich geheilt. Vorerst jedenfalls. Dabei fing es doch so verheißungsvoll an. Warum müssen schöne Dinge manchmal so enttäuschend enden?

Scheinbar im Mittelpunkt dieser Geschichte und vielleicht doch nicht jedem bekannt. Hier also ein paar Details:

Der Fuji-Apfel ist eine japanische Kreuzung der Sorten „Ralls Janet" und „Red Delicious". Er stammt aus dem Jahre 1939. Der Fuji wird mittelgroß bis groß, hat eine feste, hellgrün-rötliche Schale und ein weißes bis cremefarbenes Fruchtfleisch. Er ist ein sehr saftiger, knackiger und süßlich-betonter Winterapfel. Am besten isst man den Apfel pur.
Bernd Sterzel, Anmerkung zur Geschichte

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Bernd Sterzel).
Der Beitrag wurde von Bernd Sterzel auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.06.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  Bernd Sterzel als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Spreewaldlyrik von Götz Grohmann



Dieser zauberhafte Gedichtband ist geschrieben für Naturfreunde. Lassen Sie sich entführen in den Spreewald, eine märchenhaft schöne Flußlandschaft südöstlich von Berlin. Dort zweigt sich die Spree auf in hunderte kleiner Fließe, die durch stille Wälder und einsame Seen führen. Begeben Sie sich mit dem Autor auf eine poetische Reise Eisvogel, Schwan und Reiher begleiten Sie auf einer Kanutour durch endlose Wälder, vorbei an schilfgedeckten Häusern, durch idyllische Dörfer, die kaum Straßen haben und oft nur vom Wasser aus mit dem Kahn erreichbar sind Waldgegenden und Lichtungen wechseln sich ab mit einsamen Höfen und Gasthäusern. Kähne huschen fast lautlos vorüber. Blumenfelder verschönern die Ufer, dort stehen Trachtenfrauen mit ihren Kleidern ebenso prächtig geschmückt. Begegnen Sie seltenen Wasservögeln und erleben Sie unvergessene Sonnenuntergänge. Die bildhafte Sprache des Autors ist wunderschön. Sie vermittelt Ihnen unvergeßliche Eindrücke der vielfältigen Landschaftsbilder mit ganz typischen Reizen aus vier Jahreszeiten. Details.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Einfach so zum Lesen und Nachdenken" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Bernd Sterzel

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Was ist Glück von Norbert Wittke (Einfach so zum Lesen und Nachdenken)
Wie ein frisches Brötchen Freude machen kann. von Christine Wolny (Wahre Geschichten)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen