Florian Schäfer

Liebe und Verzweiflung

Liebe und Verzweiflung

............ Die Sonne steht schon sehr tief und versinkt langsam in einem leuchtenden Rot hinter dem Horizont. Der Himmel wird in ein warmes Orange getaucht, als würde er brennen. Ein Schauspiel, was sich seit Jahrmillionen wiederholt. Man achtet viel zu selten auf solche alltäglichen und doch wunderschönen Ereignisse........
Nun ist die Sonne nur noch ein schimmernder Schweif am Ende der unendlichen Weiten des Himmelszeltes. Ein einsamer Mann steht auf einem Hügel und beobachtet dieses Wunder der Natur. Er ist ein Mann wie jeder andere. Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied: Dieser Mann ist unglücklich verliebt. Sein Gesicht wird von den letzten Strahlen der Sonne erhellt. Die Tränen, die langsam über seine Wangen laufen, glitzern wie kleine Diamanten. Ja, er weint und er schämt sich nicht dafür. Es sind menschliche Emotionen, die zum Menschsein gehören. Es stellt sich ihm die Frage, was ist eigentlich ein Mensch? Nur eine Figur auf einem großen Schachbrett oder doch mehr? Der Mann hat keine Antwort darauf. Er sucht, fast wie alle, nach den Antworten des Lebens.
In seiner Trauer wird ihm klar, dass er seine große Liebe vielleicht nie wirklich in die Arme schließen kann.
Seine Angebetete scheint so nah und doch so fern.
Ein kluger Mensch sagte einmal: Es ist nicht die falsche Nähe, sondern der richtige Abstand, der in der Liebe zählt. Dieser Spruch mag schon stimmen, wobei es die Entfernung zu seinem geliebten Mädchen ist, die diesen Mann umbringt. Jeder Blick von ihr ist wie ein Geschenk des Himmels für ihn. Am liebsten würde er zu ihr gehen, auf die Knie fallen und ihr ein Liebesgeständnis machen. Es ist nicht sein Stolz, der ihn davon abhält sondern die Angst, diese Schönheit für immer zu verlieren. Das Mädchen weiß, wer er ist, aber sie weiß nichts von seiner Liebe zu ihr. Eine einseitige Liebe, die tief aus dem Herzen des jungen Mannes kommt. Die Beziehung dieser beiden Personen könnte man als lockere Freundschaft ansehen. Sie kennen sich seit einigen Monaten, obwohl sie nie viel zusammen unternommen hatten. Die gemeinsame Zeit war jedoch so schön, um sich in das Mädchen zu verlieben. Er könnte sich ohrfeigen, dass er es ihr nicht schon längst gebeichtet hat.
Das erste Gespräch der beiden hatte gereicht, um den Mann zu verzaubern. Die Worte aus dem Mund des Mädchens klangen so sympathisch, so träumerisch, dass er ihr nicht widerstehen konnte. Sie redete von den großen Flächen und den klaren Nächten hoch im Norden. Das funkeln in ihren Augen war so schön, wie der Glanz der Sterne in einer dieser klaren Nächte.
Er fühlte sich in ihren Bann gezogen und wusste nicht, wie er sich daraus befreien sollte. Nie wollte er sich wieder verlieben. Er hatte, und hat noch Angst davor. Seine Gedanken kreisen, während der Mond immer heller beginnt, am Firmament zu leuchten. Dieser kalte, weiße Gesteinsbrocken, der doch so anziehend wirkt.
Langsam werden auch die ersten Sterne sichtbar. Einer dieser Sterne im Zeichen des Schwans dachte er seiner Geliebten zu. Er war nicht besonders hell, aber doch mit bloßem Auge erkennbar. Immer wenn der Mann zum Himmel aufblickt und diesen Stern in den Weiten des Alls beobachten würde, würde er an sie denken.
Es scheint, als würde das Bild von ihr, wie eine Holographie vor seinem inneren Auge, erscheinen.
Zunehmend wird es kälter. Ein leichter Wind kommt auf, doch er bleibt stehen. Noch will er nicht gehen. Die Stille um ihn herum ist beruhigend. Die Stimmung entspannt und locker. Keiner da, der stört, keiner der was von ihm will, keiner der ihm hilft. Doch der Mann möchte auch keine Hilfe. Er muss alleine damit fertig werden, ob er will oder nicht.
Plötzlich kommt ihm eine Idee: Er könnte sie einladen und versuchen, mit ihr ein Gespräch zu beginnen, in dessen Verlauf er später seine Liebe zu ihr gesteht. Natürlich ist es riskant. Er weiß, dass eine Absage alles andere als gut für ihn wäre, aber dann hat er wenigstens Gewissheit. Die einzige Problematik besteht darin, sie an einen Ort zu schaffen, an dem sie sich wohlfühlt und an dem die Beiden in Ruhe reden können.
Nachdem er diese Idee verworfen hatte, die ihm zu verrückt vorkam, sah er über die dunkle Landschaft, die mit einem Lichtermeer überzogen war. Kaum vorstellbar, dass so viele Menschen auf doch so engem Raum zusammen leben können. Er stellt sich vor, wie es wohl wäre, wenn er mit ihr zusammen wohnen würde. Wahrscheinlich hätten sie ein kleines Häuschen mit Garten und vielleicht zwei Kinder. Er würde ganztags und sie, wenn sie es wollte, halbtags arbeiten. Abends würden sie zusammen vor dem Kamin oder auf der Terrasse im Garten sitzen. Bei dieser Vorstellung wurde ihm ganz warm um sein gleichmäßig pochendes Herz. Es war ein Gefühl der Geborgenheit und Zufriedenheit.
Plötzlich wird ihm klar, wie unsinnig dieser Gedanke ist. Warum denkt er bloß immer nur solche Dinge? Er weiß auch auf diese Frage keine Antwort und versucht, wieder in die Realität zurück zu kommen. Doch ist es wirklich die Realität, in die er zurückkehrt? Vielleicht kehrt er auch in einen Traum zurück und entfernt sich immer weiter aus der Wirklichkeit. Woher weiß man, dass nicht alles nur Fassade ist und die Wirklichkeit nicht ganz anders aussieht? Keiner kann es beweisen, weder Wissenschaftler noch Theologen. Er ist der Überzeugung, dass man nur das als wahr ansieht, was man persönlich als echt empfindet. Vielleicht ist wirklich alles nur eine perfekt funktionierende Illusion, die uns alle gefangen hält. Was macht es schon für einen Unterschied? Er wird weder in der realen Welt noch im Traum seine Geliebte jemals für sich gewinnen können. Es sind praktisch zwei Welten, die aufeinander treffen würden. Wie Feuer und Wasser und doch so harmonisch. Wenn er sich selbst beschreiben sollte, würde er sich als Träumer bezeichnen. Er nimmt natürlich alles wahr, was um ihn herum passiert, aber gelegentlich ist er so in seine Gedanken versunken, dass er an nichts anderes mehr denkt. Sie dagegen steht fest im Leben, wobei sie auch eine sehr romantische Seite hat. Solche gefühlvollen Menschen trifft man selten in seinem Leben, denkt er so bei sich. Dies ist mit großer Wahrscheinlichkeit auch ein Grund, warum er sich so schnell in sie verliebt hat.
Wie er so dort steht, mit den Händen in den wärmenden Taschen seiner dünnen Jacke, und ihm all diese Gedanken und Emotionen durch den Kopf schießen, entscheidet er spontan, endlich zurück nachhause zu gehen. Es ist schon sehr spät. Die Nacht ist herein gebrochen, der Himmel ist in ein dunkles Blau getaucht. Auf dem Heimweg blickt er ein letztes Mal hoch zu den Sternen, die so strahlend schön , wie in einer klaren Nacht im Norden, still vor sich hin träumend, die Blicke aller Verliebten auf der ganzen Welt, miteinander verbinden und ihnen Hoffnung geben......

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.06.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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