Martine Meyer

Florida Love Story

15.08.
Liebes Tagebuch,
Heute war ein schrecklicher Tag. Alles fing damit an, dass Diablo, dieses Biest, meinen Fön, den ich kurz auf den Rand der Badewanne gelegt hatte, ins Wasser gestoßen hat und in allen zehn Parteien des Hauses mit der grünen Außenwand in der 47th Street der Strom ausfiel. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, wenn nicht ausgerechnet heute jeder einen wichtigen Termin zu haben schien: Mrs Jones und ihr Sohn Roger wollten Mr Jones auf der Arbeit besuchen, doch vorher mussten noch im Eiltempo die Hemden und Blusen und Hosen der Familie gewaschen und gebügelt werden; Mrs Figg musste zum Arzt, aber sie konnte ihre Enkelin nicht ohne Aufsicht lassen, die, zwar erst 3, doch schon ziemlich aufgeweckt, die gesamte Wohnung verwüstet hätte, weshalb Mrs Figg jeden, den sie kannte oder auch nur kurz gesehen hatte, dazu überreden wollte, dass er babysittete, natürlich über das Telefon, das bekanntlich ja nur mit Strom läuft; und Mr Smith erst, er wollte seiner Frau zu ihrem Hochzeitstag ein ganz besonderes Frühstück machen: Kaffee, Pfannkuchen, Eier, frisch gepresster Orangensaft. Aber wie, wenn die Kaffeemaschine, der Herd, der Eierkocher und die Saftpresse keinen Strom mehr bekamen? Das alles und noch viel mehr erfuhr ich, als ich mit nassen, verwuschelten und strähnigen Haaren im Bademantel im Flur stand und versuchte das ganze irgendwie zu klären. Am Anfang schienen alle gewaltig böse auf mich zu sein und wollten, dass ich den durch das Missgeschick entstandenen Schaden voll übernehme. Doch dann kam Kenny, sehr zu meiner Verwunderung, da mir seine Mutter, Mrs James, noch gestern erzählt hat, dass er in einem College in South Carolina aufgenommen worden wäre und gestern dorthin losgefahren wäre. Kenny bekam das Ganze dann ziemlich schnell in den Griff, indem er den Strom einfach wieder anstellte, auf die Idee hätten die anderen auch kommen können. Na ja, wenn man im Stress ist vergisst man eben so einiges. Nachdem die anderen sich wieder in ihre Wohnungen zurück gezogen hatten und Kenny und ich alleine im Flur standen, äußerte ich laut stark meine Verwunderung: "Ich dachte du wärst in South Carolina auf einem College, von dem du mir nicht mal ein Wort gesagt hast! Hältst du es nicht mehr für nötig deiner Freundin zu sagen, wenn du für immer weg fährst?" "Was für ein College denn?`" fragte er verdutzt, "von was sprichst du überhaupt?" "Deine Mutter hat gesagt, dass du jetzt in South Carolina aufs College gehen würdest, und das du gestern abgefahren wärst!" sagte ich. Er lachte laut auf und meinte, "Ach das! Meine Mutter wollte dich bloß auf den Arm nehmen! Ich war für einen Tag bei meiner Tante in Jacksonville! Ich würde doch meinen Krümel nicht allein lassen!" Er legte mir den Arm um die Schultern und lächelte liebevoll. Bei diesem Lächeln könnte ich ihn immer umarmen und ihm sagen, wie sehr ich ihn mag, wie ich es meistens auch machte. "Das will ich aber auch schwer hoffen," meinte ich mit einer gespielt gekränkten Miene, "Ich freu mich schon, wenn, ... . Oh Mann, schon so spät, ich muss los!" Mir war gerade aufgefallen, dass ich ja mit Nick verabredet war und zwar in 10 Minuten, die Zeit brauchte ich normalerweise um mich anzuziehen! Und ohne ein weiteres Wort für Kenny rannte ich in die Wohnung, zog mir den erst besten Rock an den ich finden konnte, und als Oberteil nahm ich nur meinen Bikini. Ich stopfte meinen Surfanzug in meinen Rucksack, schnappte mir die Schlüssel zu meinem Roller, den ich über alles liebe, nur Nick liebe ich mehr, und rannte zur Tür und durch das Treppenhaus, in dem ich Kenny noch einmal traf, nach draußen. Ich sprang auf meinen Roller und flitzte los. Doch da begann auch schon das zweite Unglück! Ich wollte eigentlich auf dem Weg zum Strand noch tanken, doch das hatte ich leider vergessen. Nun ja, was soll ich sagen, mitten auf der Berlin - Bridge hielt mein Baby an und wollte keinen Meter mehr weiter fahren. "Was mach ich jetzt nur? Verdammt, bitte Baby spring wieder an, wir sind doch bald da!" Ich fluchte und schimpfte, doch es hatte keinen Sinn, ich brauchte Hilfe. Also rief ich Nick über mein Handy an: "Nick, mein Roller hat versagt! Ich steh mitten auf der Berlin - Bridge und komm nicht vorwärts! Kannst du mich holen?" Am anderen Ende konnte ich erst mal nur hören, wie Nick in lautes Gelächter aus gebrochen war. "Das ist nicht lustig!" fauchte ich. "Ich hab dir doch schon immer gesagt, dass dein Roller irgendwann den Geist aufgibt!" sagte er, "Der is einfach zu alt! Aber mach dir keine Sorgen, ich bin in ein paar Minuten da!" Er legte auf und ich suchte mir einen Platz auf dem Gehweg, wo ich meinen Roller gut anschließen konnte. Zu allem Unglück kam auch noch Kenny auf seinem Fahrrad vorbei. "Was ist denn mit dir los?" fragte er. "Mein Roller hat kein Benzin mehr!" sagte ich genervt. Schon da hatte ich erkannt, dass das nicht gerade mein Glückstag war. "Soll ich dich mitnehmen? Wohin willst du denn?" Kenny ist immer so besorgt um einen, dass ist zwar eigentlich süß, aber heute ging es mir irgendwie auf den Zeiger. "Nein, nein! Ich werde schon mitgenommen!" antwortete ich. "Ja, " entgegnete er schnippisch, "das sehe ich!" Er grinste. "Idiot! Ich meine es kommt gleich einer, der mich mitnimmt!" Langsam wurde ich richtig wütend. "Und wer ist das, wenn man fragen darf?" Kenny grinste und schaute mich erwartungsvoll an. "Darf man nicht!" schnappte ich sauer. "Das ist meine Sache!" "Nun sag schon, du erzählst mir doch sonst auch alles!" Ich wusste zwar, dass es keine gute Idee war, es Kenny zu erzählen, aber ich hatte seine Bettelei satt: "Nick! Wir waren eigentlich am Strand zum Surfen verabredet, aber mein Roller musste ja stehen bleiben!" Bei der Erwähnung von Nicks Namen reagierte Kenny genau, wie ich es mir gedacht hatte, er verzog das Gesicht, wütend und angeekelt zu gleich, und entgegnete: "Warum gibst du dich mit so einem ab? Wir könnten doch auch zusammen surfen gehen! Ich kann es wenigstens, im Gegensatz zu ihm!" "Mann Kenny, sei nicht so kindisch. Kannst du deinen Hass gegen ihn nicht einfach mal vergessen? Ich mag ihn nun mal und wir können morgen surfen gehen, wenn du willst!" Wenn ich mit Kenny über Nick spreche, fühle ich mich immer wie eine Kindergärtnerin, die einem 4 - jährigen erklären muss, dass man nicht jeden mögen muss, aber ihn deshalb auch nicht ungerecht behandeln soll. Wenn ich mit Nick über Kenny spreche, ist das ganz anders, da fühl ich mich eher wie die Trainerin eines Boxers, die ihren Sportler dazu überreden muss, dass er seinem Gegner nicht umbringt. "OK, abgemacht. Morgen gehen wir surfen! Ich hol dich um halb neun! Ich fahr dann mal besser weiter, bevor dein aufgeblasener Freund noch kommt!" Doch es war schon zu spät. Genau in diesem Augenblick hielt ein blau - schwarzes Motorrad neben Kenny und der Führer des Motorrads nahm den Helm ab. Es war Nick. Er und Kenny sahen sich kurz an, und es war mehr als Abneigung, was in ihren Augen stand, es war blanker Hass. Ich weiß nicht, warum sie sich so hassen, immer wenn ich einen der beiden darauf angesprochen habe, haben sie das Thema gewechselt oder irgendwie um die Antwort herumgeredet. Aber es wäre auch komisch, wenn sie Freunde wären, denn verschiedener könnten zwei 17 - jährige Jungen gar nicht sein: Kenny ist groß mit dunkler Haut und dunklen, kurzen Haaren. Er war in der Schule immer Klassensprecher, Schülersprecher, Klassenbester und hat sich immer für alles und jeden eingesetzt. Eigentlich ist er sehr ruhig und überlegt alles, was er macht, aber er kann auch spontan und richtig wild sein. Er ist sportlich, aber nicht die Wahnsinns Sportkanone.
Nick ist etwas größer als Kenny, hat von der Sonne gefärbte Haut und ohrlange blonde Haare. Sein größtes Hobby ist Sport, das sieht man ihm auch an, er hat mehr Muskeln, als seine gesamte Highschool Abschlussklasse zusammen. Seine größte Stärke in der Schule war natürlich Sport, er war Captain der Baseball -, Football -, Basketball - und der Fußballmannschaft. Doch auch in den anderen Fächern war er gut, nicht super, aber gut. Er ist spontan und unberechenbar, mit ihm kann man alles machen ohne an die Folgen denken zu müssen. "Können wir los?" Nicks Stimme riss mich aus meinen Gedanken. "Klar!", antwortete ich, "Ciao Ken, bis morgen!" Ich setzte meinen Helm auf und schwang mich hinter Nick auf das Motorrad und er fuhr los. Ich schlang meine Arme um seinen Bauch und legte meinen Kopf auf seinen Rücken. Ich spürte seinen Waschbrettbauch durch sein weißes T - Shirt. Bis zum Strand, an dem ich mein Surfbrett liegen hatte, es gibt an einigen Stränden hier Boxen, wo man seine Bretter einschließen kann, waren es nur ein paar Minuten, doch Nick fuhr fast eine halbe Stunde, bis er endlich anhielt. Ich stieg von dem Motorrad und sah mich um, wir standen am Rand eines kleinen Sandstrandes. Kein anderer Mensch war hier und es fuhren auch kaum Autos auf der Straße. "Wo sind wir hier?" fragte ich und drehte mich zu ihm um. "Ein knappes Stück hinter Fort Lauderdale! Das ist ein Privatstrand, er gehört meinem Vater! Hier sind wir ganz für uns allein!" Bei diesen Worten kam er ein paar Schritte auf mich zu, so dass sich unsere Oberkörper fast berührten. Mein Herz pochte mir bis zum Hals, auf diesen Moment wartete ich schon seit Monaten. Er strich mit seiner Hand mein Haar zurück, legte seine Hand an meine Wange und beugte sich langsam zu mir herunter. Doch kurz bevor sich unsere Lippen berührten klingelte mein Handy. Ich wollte es ignorieren, doch Nick schob mich von sich weg und wartete darauf, dass ich an mein Handy ging. Etwas genervt nahm ich ab: "Ja?" "Hi! Hier ist Kenny! Ich wollte dich nur an unsere Verabredung mit Mum in einer Stunde erinnern! Nicht, dass du das noch vergisst, vor lauter Nick anhimmeln!" Er kicherte. "Und wie weit seit ihr schon gekommen? Wie viel hast du noch an? Ich wette mit dir, dass er den BH nicht aufkr... ." "Kenny! Halt´s Maul! Und sag deiner Mutter einen schönen Gruß, ich komme nicht!" Wütend, und ohne ein Abschiedswort, legte ich auf. Kenny konnte einem wirklich auf den Nerv gehen! Doch dann dachte ich wieder an den Kuss, den ich beinahe von Nick bekommen hätte, und drehte mich, mit wieder besserer Laune, zu ihm um. "Wo waren wir stehen geblieben?" fragte ich mit süßer Stimme. Doch er hatte wohl keine Lust mehr mich noch mal zu küssen, statt dessen sagte er: "Lass uns schwimmen gehen! Ich hab auch ein Surfbrett hier!" Er lief zu einem kleinen Häuschen und kam mit einem blauen Surfbrett wieder heraus. "Bist du schon mal zu zwei gesurft?" fragte er. Ich schüttelte noch etwas verdutzt und unsicher den Kopf. "Dann komm! Macht wirklich riesig Spaß!" rief er euphorisch, und fing schon damit an sich aus den Klamotten zu schälen und in den Surfanzug zu zwängen. Nun ja, wenn kein Kuss, dann wenigstens Spaß, dachte ich und zog mir ebenfalls meinen Surfanzug an. Das zweier surfen machte wirklich riesigen Spaß, man stand zu zweit auf dem Brett, der vordere hatte das Segel in der Hand und der hintere war eigentlich nur zum Beschleunigen da. Wir tobten den ganzen Tag am Strand herum und am Abend, nachdem Nick mich am Anfang des Weges, der zu meiner Haustür führt, abgesetzt hatte, geschah doch noch etwas besonderes. "Vielen Dank fürs Fahren!" sagte ich und wollte schon in Richtung Haus gehen, als Nick, der von seinem Motorrad gestiegen war, mich am Handgelenk packte und zurück hielt. "Es war wirklich schön!" sagte er, und seine blauen Augen leuchteten in der spärlichen Beleuchtung, die von der Straßenlaterne, unter der wir standen, ausging. "Aber leider wurden wir ja an der schönsten Stelle unterbrochen!" meinte er lächelnd und beugte sich zu mir hinunter. Als sich unsere Lippen berührten, machte mein Herz einen riesigen Satz und ich wollte, dass dieser Moment ewig dauert. Doch leider wurden wir abermals von Kenny unterbrochen, der wohl auf der Treppe zur Haustür auf mich gewartet hatte, und der Nick, als dessen Hand gerade auf meinem Hintern angekommen war, mit seiner Lieblingssteinschleuder einen Stein auf seine Hand schoss. Dieser löste sich sofort von mir und rieb sich unter Flüchen die Hand. "Was ist denn los?" fragte ich verdutzt, denn ich hatte überhaupt nichts gespürt. "Das weiß ich auch nicht so genau! Aber irgendwas hat meine Hand getroffen, sieh mal!" er streckte mir seine Hand entgegen, auf der eine rote, dicke Beule stark pulsierte. "Sieht böse aus!" sagte ich, "Soll ich dir ein bisschen Eis geben?" Nein, nein! Ich bin ja gleich zu Hause, da hab ich selbst welches!" meinte er, "Trotzdem danke!" Und mit einem letzten Wangenkuss, schwang er sich auf sein Motorrad und fuhr mit einem: "Ich ruf dich morgen an!", davon. Etwas enttäuscht, dass der Kuss nur so kurz gewesen war, lief ich den Weg Richtung Haustür entlang bis ich auf Kenny traf. Er stand vor der Tür in seiner linken Hand hielt er die Steinschleuder, als ich dass gesehen hatte, bin ich total wütend geworden: "Was fällt dir eigentlich ein! Du hast kein Recht zu entscheiden, wie, wann, wo und mit wem ich mein Leben verbringe! Und noch weniger hast du darüber zu entscheiden, wer mich wann und wie küsst, und wo er seine Hand hinlegt! Verstanden?" Ich schrie so laut, dass wahrscheinlich die gesamte Nachbarschaft mithören konnte, ohne sie anstrengen zu müssen. Doch es war mir egal. "Hast du das mit dem Anruf auch geplant? Hast du uns etwa am Strand gesehen?" An seinem Gesichtsausdruck erkannte ich sofort, dass ich Recht hatte. "Ich fass es nicht! Was fällt dir eigentlich ein so in mein Leben reinzupfuschen?" "Mir fällt ein, " schrie er fast genauso laut wie ich, "das ich dich liebe, und dich nicht wegen so einem Arschloch verlieren will!" Einen kurzen Moment war ich sprachlos. Ich hatte immer gedacht, dass Kenny und ich nur Freunde wären, und dass seine Annäherungsversuche nur Spaß wären, doch anscheinend hatte ich mich getäuscht. Aber ich hatte mich fast sofort wieder gefangen und entgegnete etwas, das ich jetzt tief bereue: "Aber ich liebe dich nicht! Ich hasse dich! Ich will dich nie wieder sehen!" Während ich ihn anschrie kamen mir die Tränen und mit diesen Worten riss ich mich von Kenny, der noch versucht hatte mich zurückzuhalten los und rannte die Treppe hinauf in meine Wohnung. Dort warf ich mich aufs Bett und weinte erst einmal über eine halbe Stunde. In dieser Zeit hatte Kenny ungefähr fünf mal versucht mit mir zu reden, doch ich hatte ihm nicht die Tür geöffnet. Jetzt hat er es glaub ich aufgegeben, denn er hat schon seit einer Viertelstunden nicht mehr geklopft. Ich mache mir Sorgen um ihn, doch ich weiß nicht, wie ich ihm wieder gegenüber treten kann, ich habe ihn wahrscheinlich so sehr verletzt, dass wir jetzt keine Freunde mehr sind! Ich habe Angst davor, wie es jetzt wird, was aus uns wird. Ich glaube ich sollte einfach eine Nacht drüber schlafen, vielleicht finde ich morgen eine Lösung!

Damit klappte Samantha ihr Tagebuch zu und legte sich ins Bett. Sie schlief sofort ein.
Am nächsten Morgen wurde Samantha von einem vehementen Klopfen an der Tür geweckt. Schlaftrunkend stolperte sie aus dem Bett und öffnete die Tür. Doch es stand niemand davon. Stattdessen sah sie nur einen riesigen Strauß roter Rosen, der in Augenhöhe vor ihr schwebte. Wegen ihres überstürzten Aufstehens und des ohnehin frühen Morgens dachte sie gar nicht daran den Grund dafür zu finden, warum die Blumen in der Luft schwebten. Doch auch dieses Rätsel löste sich ein paar Sekunden später, als eine fiepsige Stimme ein: "Tut mir leid!" hinter dem Blumenstrauß hervor piepste. Samantha glotzte die Blumen erst einige Sekunden an, bis sie begriff, dass wohl nicht die Blumen gesprochen hatten und schob dann den Blumenstrauß mit einer Hand ein Stück zur Seite. Dahinter erschien Kennys schuldbewusstes Gesicht, wenn man genauer hin sah, bemerkte man jedoch, dass er sich sehr anstrengen musste um nicht laut los zu lachen. "Tut mir leid!", sagte er noch mal, aber diesmal mit seiner normalen Stimme, "wegen ges... ." Doch weiter kam er nicht, denn Samantha hatte schon ihre Arme um seinen Hals geschlungen, ihm einen Kuss auf die Wange gedrückt, und knuddelte ihn jetzt so fest, dass er kaum noch Luft bekam. "Was ist denn in dich gefahren?" fragte Kenny verdutzt, als Samantha sich nach ein paar Minuten wieder von ihm gelöst hatte. "Ich dachte du hasst mich und willst mich nie wieder sehen!" fügte er mit einer hochgezogenen Augenbraue hinzu. Doch Samantha antwortete ihm nicht, sondern schnappte ihm die Blumen aus der Hand, stellte sie in eine Vase und schnappte sich ihre Surftasche, die noch vom Vortag gepackt in einer Ecke gestanden hatte. "Freunde sollte man immer schnell verzeihen! Vor allem wenn sie einem zum Strand fahren!" sagte sie mit einem schnippischen Lächeln und blitzenden Augen und zog Kenny am Handgelenk mit sich vor die Tür, wo Kennys Fahrrad stand. Er sträubte sich nicht, war jedoch wegen ihrer Knuddelattacke noch sehr verwirrt, als sie ihm sein Fahrrad in die Hand drückte und sich auf den Gepäckträger setzte, Kennys Tasche als Kissen benutzend. Kurz schien Kenny völlig die Fassung verloren zu haben, doch dann besann er sich und setzte sich vor Samantha auf den Sattel. Bis zum Strand war es nicht weit, etwa 10 Minuten mit dem Roller, doch die Hälfte der Strecke ging bergauf und da man mit dem Fahrrad, mit doppelter Gepäckträgerlast, so wie so langsamer ist, brauchten sie trotz Kennys durchtrainierten Beinen mehr als das Doppelte der Zeit. Doch Samantha störte das nicht. Sie freute sich, dass sie wieder auf dem Gepäckträger ihres besten Freundes sitzen konnte und sich an seinen Rücken lehnen und die Arme um seinen Bauch schlingen konnte. Kenny fand das auch nicht so schlecht! Er fand es sogar so gut, dass er absichtlich einen kleinen Umweg machte!
Am Strand angekommen war das Fahrrad fahren schnell vergessen, denn jetzt wurden die Surfanzüge angelegt, die Surfer aus den Kabinen geholt und zusammen gebaut. Wenn Kenny und Samantha zusammen surfen gingen machten sie meistens, als erstes, zum warm werden, ein Wettrennen, vom Strand bis zu der Bojenreihe, die die Bucht von dem offenen Meer trennte. Und so wollten sie es auch heute machen! Doch mit einer kleinen Änderung. Heute wollten sie am Strand entlang und auf die Felsen, auf denen ein kleines Cafe stand, zu surfen und dann an der Bojenreihe entlang, die auch am Felsencafe entlang führte, und bei der 15. Boje wieder Richtung Strand surfen. Sie stiegen auf die Bretter, zogen die Segel aus dem Wasser und auf 1...2...3 ging es los. Samantha übernahm sofort die Führung. Sie surfte schon länger als Kenny und ihr Brett war die Concorde unter den Surfern. Es lief alles super! Der Wind blies, Samantha lag in Führung und Kenny hatte keine Gelegenheit aufzuholen. Doch als sie am Cafe vorbei surfte, bemerkte Samantha etwas das ihre Konzentration für das Surfen verblassen ließ. Dort, ganz am Rand, praktisch direkt über dem Meer, saß Nick. In dem Moment in dem Sam zu ihm hochsah, beugte er sich gerade über den Tisch und gab dem Mädchen, das ihm gegenüber saß, einen langen, temperamentvollen Kuss! Mit Zunge! Samantha war so schockiert, dass sie das kleine unterirdische Riff erst bemerkte, als Kenny von hinten laut schrie. Sie fuhr mit voller Geschwindigkeit über die scharfe Spitze des kleinen Felsens und ihr Surfer überschlug sich. Sam landete im Wasser und stieß sich an einem weiteren Riff den Kopf an, so dass sie sofort ohnmächtig wurde.

17.08.
Liebes Tagebuch,
Oh Mann! Das war ja was gestern! Aber richtig "Oh Mann" wurde es erst als ich wieder aufgewacht bin! Kenny hat die ganze Nacht an meinem Bett gesessen und ständig vor sich hingeschluchzt. Das hat mir die Schwester erzählt. Und als ich dann aufgewacht bin hat er mich so fest an sich gedrückt, dass ich fast keine Luft mehr bekommen hab. So was macht er sonst nie! Hm na ja, und was soll ich sagen! In dem Moment ist mir eigentlich erst richtig klar geworden wie wichtig Kenny für mich ist, und dass er immer für mich da ist, egal wie scheiße es ihm geht, wenn es mir auch dreckig geht, ist er trotzdem da und hilft mir. Ich glaube da hab ich erkannt, dass ich Nick nie richtig geliebt habe. Sondern die ganze Zeit nur Kenny, aber weil es schon so normal war, dass er bei mir war und so, ist es mir wohl nie aufgefallen.
Na ja und weil ich in solchen Momenten nie weiß was ich sagen soll, hab ich ihn einfach ein Stückchen von mir weg geschoben. Damit ich ihn küssen konnte. Er war total verdutzt, aber super glücklich.

Kenny konnte sein Glück kaum fassen. Er hatte es sich immer so vorgestellt. Seit fünf Monaten waren die beiden jetzt ein Paar. Es hatte sich zwar eigentlich nichts in ihrem Leben geändert, doch man merkte doch, dass sie "die nächste Stufe" erreicht hatten. Und sie hatten sich geschworen, dass sie immer zusammen bleiben würden.

The End

Joa also! Das is die erste Geschichte, die ich irgendwem anders zum Lesen geb! Eigentlich schreib ich meine Geschichten mehr für mich selbst, wenns mia mal nich so gut geht oda so! Ich hoffe sie gefällt euch!

Schreibt bitte viele Komentare!!!

Cu Martine
Martine Meyer, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.07.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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