Georg Kaiser

Ivanas 2-Zimmerwohnung


Ich mag die langsame Stunden in diesem Bar ganz in der Nähe deiner 2-Zimmerwohnung,hinter seinen grossen Fenster sehe ich die grauen Gebäude,die vorbeifahrenden blauen Autobusse der Linie 33,ich sehe die halbsaubere Strassen und den halbschmutzigen Tisch meines Nachbars,ich denke,dass die Zeit obwohl nicht alle Wunden heilt,kann diese gut verstecken. Es könnte vor langer Zeit gewesen sein,aber es ist nicht so.

Der Juli ist ein helles Echo der sich nur langsam und mühsam entfernt und aus diesem Echo sind deine Gesichtszügen klar erkennbar,deine Figur deutlich umrissen und deine laute Art zu lachen ist immer noch in der Dämmerung des Hochsommers unwerwechselbar.

Ganz in der Nähe deiner 2-Zimmerwohnung steigen die Leute aus den blauen Autobussen und der späte Augustwetter malt Gesichter hinter diesen nassen Fenster,lang und grau.Manche haben kleine Punkte in welchen müden Augen zu erkennen sind und wie die in Fleisch gewordene Fortsetzung des Regens aussehen. Die Stunden in diesem Bar sind dehnbar,nikotingetränkt und langsam und der nie endende Regen stammt aus einem Himmel deren Zeichen ich nicht entziffern kann.Die Erinnerung an deinen Körper überrascht mich dreist aus dem Reflex der runden Lampen auf den Fenster,aus dem Geschmack des Weines,sogar aus den tapezierten Wänden des Bars den du so magst,alles hier spricht deine Sprache.

Die Lichter der Werbereklame und der Scheinwerfer spielen auf den schwarzen Tümpel aus toten Blätter,Regenwasser und urbaner,nächtlicher Schlaflosigkeit,die Autobusse sehen immer verlassener aus.Noch eine Welle aus der unruhigen Oberfläche meines Gedächtnisses und ich sehe ein weiteres Mal deinen Körper auf den weissen Decken,deine Haaren auf dem Kissen und deine Augen,die sich langsam öffnen und zusammen mit einem ersten Lächeln des Tages etwas sagen was keiner von uns aussprechen kann oder will.Die Erinnerung kann ein kostbares Gut sein und manches ist einprägsamer als Sex,Zum Beispiel der Kaffe am Morgen und der Duft aus deiner offenen Bluse als Abschied...trotz Regen,nasse Strassen,und ganze Heeren von rauchenden Gästen alles hier riecht für einen Augenblick nur nach dir.

Szenen aus dem Bar "Plüsch",Aemtlerstrasse 11,ZürichGeorg Kaiser, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.08.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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