Wir lassen den letzten Tag noch einmal Revue passieren.
Aufwachen. Einschlafen. Ausschlafen. Verschlafen. Falsches Ticket gegriffen. Fahrrad vergewohltätigt. Mountainbikes sind scheiße.
Frauen die bei Crysler arbeiten sind attraktiv. Frauen die für die Deutsche Bahn Fahrkarten knipsen sind es nicht.
Nach einer wirklich "schönen" Zugreise landete ich also doch noch auf dem heimischen Bahnhof und tat den Abend nichts weiter außer
mir einen Happen zu essen einzuwerfen und zu hoffen dass die Wäsche rechtzeitig trocken würde.
Die Nacht war also so spannend wie "Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands".
Und nun: "Nachschlag bitte"...
Wie schon am Morgen zuvor hatte ich Augen, welche einen Außenstehenden wahrscheinlich an ein Erdmännchen oder ein ähnlichen Vertreter der Gattung "Nagetier auf Drogen" erinnern würden.
„Was für ein verrückter Tag“, dachte ich mir.
Meine Mutter war natürlich wieder eher wach als ich und packte schon wieder meine Tasche zur Abreise. War schön - aber nach 12 Stunden Anwesenheit muss auch mal Schluss sein!
Immernoch schönen Mädels hinterher träumend, griff ich, wie selbstverständlich über meinen Kopf hinweg zu meinem Wecker - welcher nicht nur nicht auf diesem Nachttisch stand,
sondern auch gleich garnicht in der selben Stadt! Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Da greift man in Genthin schonmal nach einem Wecker der im 150km entfernten Wernigerode steht.
Man erinnert sich? Wernigerode, die Stadt in der ich damals meine Lehre -oder zumindest einen Teil davon- bestritt.
Nach dieser Erkenntnis stand ich auf. Nachdem ich die wichtigsten Geschäfte des Tages zusammen mit dem Klopapier abgewickelt hatte, stand meine Mutter schon mit Frühstück bereit!
15 Stunden zuvor kam ich, total erschöpft von den Strapazen die ich morgens durchgemacht hatte, zu Hause an. Nun schon sollte ich mich wieder auf den Rückweg machen.
Zu diesem Zeitpunkt war es das zweite Mal das ich diesen Weg mit der Bahn fuhr. Das hieß dass ich die Fahrpläne noch nicht auswendig kannte. Nur bei einem war ich mir sicher:
Der Zug von Genthin nach Magdeburg fuhr jede Stunde, zur halben Stunde. Halb 8. Genau diesen Zug musste ich bekommen. Noch schnell die heiße Schokolade, die Puddingschnecke und die
belegten Brötchen in den kleinen Schnitzelfriedhof schmeißen und zack 07:10 Uhr ging es los. Zurück nach Wernigerode - dieser Touristenhölle mit dem Durschnittsalter des Dalai Lama.
Punkt 07:30 Uhr stand ich also am Bahnhof und beschwerte mich darüber dass die Bahn zu spät kam und noch nichtmal eine Ansage kam...
Gelangweilt von dieser Stümperei lief ich am Fahrplan vorbei, schaute desinteressiert auf den Fahrplan und bekam im selben Moment einen Gesichtsausdruck der gut und gerne eine Million Euro
wert gewesen wäre. 07:21 Uhr. Mein Zug fuhr bereits 07:21 Uhr. Sollte es einen Gott, mehrere Götter oder wenigstens irgendwo nen Götzen geben, hassten Sie mich alle...
Schneller als George Bush im Iraq, marschierte auch ich wieder bei meiner Mutter in die Wohnung ein und führte DAS Telefongespräch. Als Koch-Azubi den Chef anzurufen um anzusagen dass man
wahrscheinlich etwas später kommt. Das ist ungefähr vergleichbar mit dem Gedanken dass sich ein Baumwollsklave zur Kolonialzeit vor den Auspeitscher gestellt hätte und vorsichtig versucht
den guten Mann davon zu überzeugen dass er mal heute etwas früher abhauen müsse weil er sonst den geplanten Aufstand bei einer anderen Plantage verpasse.
Ich wählte also die Nummer meiner Planta...meines Arbeitsgebers und hörte mir als Gesprächsabschluss Folgendes an:
"Das passiert Ihnen EINMAL, Herr Gryczke - EINMAL passiert Ihnen das! Sonst passiert was! - Aber schön dass sie angerufen haben. Aber Herr Gryczke? EINMAL!"
Als das Telefonat beendet war, war auch ich beendet. Hosen hätte ich quasi wechseln können und mein Gesicht hatte kurzzeitig Ähnlichkeit mit dem Michael Jacksons.
Um`s kurz zu machen:
Ich kam dennoch pünktlich an. Und zwar ultra-super-mega-bäm in your face-pünktlich.
Dass ich mich dazu in einem fahrenden Taxi umziehen musste, der Taxifahrer des selbigen eine Klaus-Kinski-Attitüde hatte und ich meinen Chef mit einem fröhlich-kackfrechen
"Tach`chen......BIN DOCH PÜNKTLICH!" begrüßte, mir 2 Monate später die Fingerkuppe abschnitt und weitere 6 Monate später sowieso kündigte....-und jetzt muss ich mal kurz Luft holen-
...DAS steht dann doch aber auf einem ganz anderen Blatt.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.08.2004.
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