D. K. Densa

Der betrunkene Pfarrer

Pünktlich mit dem Ausklang des letzten Glockenschlags der evangelischen Markuskirche in Erlenstrauch stimmte die Orgel ohne weitere Überleitung das Kyrieleison an. Die alte Orgel mit den goldlegierten Pfeifen hatte schon vor zwei Jahren ihren Dienst versagt, statt dessen kam jetzt die Musik aus einem Synthesizer. Der Geselle des örtlichen Schreiners hatte den Rohbau des über zweihundert Jahre alten Instruments stehen gelassen, eine neue Tastatur eingearbeitet und die neuen Funktionsteile hinter der alten Verkleidung versteckt. Pfarrer Herrmann öffnete wie gewöhnlich bei den letzten Takten die Tür zur Kanzel und stieg hinauf. Die Kanzel befindet sich etwa drei Meter über dem Altar auf gleicher Höhe wie die Empore, wo auch die Orgel steht. In den ersten Reihen war daher nach einer halbstündigen Predigt eine schlimmere Genickstarre zu erwarten als an gleicher Stelle im Kino nach einem Film mit Überlänge, vorausgesetzt, man schaute den Pfarrer an, nicht den Altar. Der verstorbene Architekt war in den Augen der meisten Kirchgänger ein Stümper gewesen. Der Pfarrer schwankte schon ein wenig, als er die Kanzel betrat. Gemeindeschwester Waltraud und Vikar Noesel ahnten bereits, dass Herrmann diesmal selbst bei der Predigt nicht nüchtern sein würde.
„Hallo, liebe Gemeinde..."
Jetzt mußte es auch den fünfzig bis sechzig anderen Anwesenden aufgefallen sein. Herrmann besaß eine Stimme, die selbst den ältesten und taubesten Ohren klar verständlich erschien: nicht hoch oder tief aber volltönend in allen Frequenzen. Hallo, das hatte er noch nie gesagt. Sein Gesicht hatte die violette Färbung, wie man sie manchmal bei Säufern sieht, um die man sich - meistens zu spät - anfängt Sorgen zu machen.
„... singen wir aus dem evangelischen Kirchengesangbuch Nummer 431, ein feste Burg ist unser Gott."

Für die Vorstandssitzung am Freitagabend hatte sich Herrmann noch entschuldigen lassen, er müsse an seiner Predigt arbeiten. Dabei stand noch die Entscheidung aus, wem überhaupt die Kollekte zukommen sollte. Der Posaunenchor wollte sich mit einem Flügelhorn verstärken, der Jugenddiakon beharrte auf einem Billardtisch. Hätte es sich um eine wichtige Feiertagspredigt gehandelt, jeder hätte dafür Verständnis gehabt. Es war jedoch ein Gottesdienst mitten in den Sommerferien. Nach dem ersten Choral mußte Herrmann die Tageslosung vorlesen: Apostelgeschichte 7, Vers 34 - 59, vom Tod des Stephanus, der wie alle guten Märtyrer erst stirbt, nachdem er seinen Steinigern vergeben hat. Schon beim Lesen verfiel er leicht in Dialekt. Später, bei der Predigt gab er diesem Hang vollends nach. Vikar Noesel registrierte das sofort, wobei er zunehmend unruhiger auf seinem Stuhl hin und her wackelte. Gemeindeschwester Waltraud flüsterte ihm zu, er solle damit aufhören.
Noesel machte sich schon seit längerem Sorgen um den alten Pfarrer. Bis zu seiner Pensionierung war es immerhin noch ein Jahr. Kurz nach der letzten Kirchenvorstandswahl hatte Herrmann sämtlichen ehrenamtlichen Funktionen abgegeben, auch seine Haus- und Krankenbesuche nahmen rapide ab. Da ihm Noesel als Vikar direkt unterstand, beauftragte er ihn, diese Aufgaben mit zu übernehmen. Er wolle sich auf seine alten Tage mehr mit dem Predigen beschäftigen, hatte er als Begründung angegeben.
Noesel gehorchte und übernahm das meiste. Seine Besuche waren oft sehr kurz, dafür brachte er als gelernter Gärtner das Gelände rund um die Kirche zum Ergrünen, sorgte für bequemere Sitzkissen auf den harten Bänken und erarbeitete sich so nach und nach das Vertrauen des Küsters und des Jugenddiakons. Den Konfirmandenunterricht hatte sich Pfarrer Herrmann nicht aus den Händen nehmen lassen, doch mit der Planung der traditionellen Konfirmandenfreizeit beauftragt, kaufte ihm Noesel auch hier den Schneid ab. Bei alledem war Noesel in der Gemeinde (bei den Leuten, die mehr oder weniger regelmäßig kirchlich organisierte Veranstaltungen besuchten und bei den abtrünnigen Ortsansässigen, deren Familien schon seit Ewigkeiten in Erlenstrauch lebten) nicht sonderlich beliebt. Er war zu übereifrig. Seine Frau und seine sechs Monate alte Tochter lebten noch im achtzig Kilometer entfernten Kassel. Daher war er ständig am Rotieren. Wohin er kam, er verursachte Hektik. Das waren im Allgemeinen die Dinge, die gegen ihn beim Dorftratsch vorgebracht wurden. Seine Sorgen um Herrmann schienen sich eher darauf zu konzentrieren, ob der auch alles richtig mache als auf dessen Gesundheit. Oder sie wirkten irgendwie affektiert, bzw. opportunistisch, denn Pfarrer Herrmann war ohne viel zu tun stets eine Autorität im Dorf gewesen. Er hatte schon mit zweiundzwanzig bei der Wehrmacht als Armeepfarrer gedient und hatte den führenden Offizier seiner Abteilung in Frankreich zur Aufgabe bewegen können, obwohl man die SS im Nacken hatte. Später, als die Stelle des 1951 verstorbenen Pfarrer Grimm frei wurde, ging er die Sache sehr ruhig an. 'Ich bin froh, in einer Gemeinde zu leben, in der es allen so gut geht', pflegte Herrmann zu sagen, wenn er darauf angesprochen wurde, dass er mit seiner Arbeit eigentlich nicht viel zu tun habe. Seine bei aller Direktheit unaufdringlich freundliche Art mochten die Leute. Erst nachdem er mit zwei Söhnen und vier Enkeln für Nachkommenschaft gesorgt hatte, seine Frau vorzeitig an Krebs gestorben war und seine Ablösung durch Vikar Noesel eine abgesprochene Sache schien, da erst fing er an zu trinken. Innerhalb von zwei Jahren verschwand der Bonus des Pfarrers, wenn auch nicht zu Gunsten Noesels, der, indem er jede auftretende Lücke, die Herrmanns Lebenswandel hinterließ, ausfüllte, dessen Trinksucht noch weiter förderte. Selbst der Bürgermeister von Welsa hatte dem Pfarrer gelegentlich Besuche abgestattet, da dieser sich nur allzu selten in der Öffentlichkeit blicken ließ. Darauf angesprochen, was bei solchen Besuchen herausgekommen wäre, antwortete der Bürgermeister wie in der Provinz üblich wie ein Hobbydiplomat. Man sei sich näher gekommen und der Pfarrer vertrete durchaus interessante Thesen, doch er unterstrich immer den privaten Charakter seiner Besuche, und wenn der Pfarrer Probleme habe, wolle er diese nicht in der Öffentlichkeit breittreten. (Seine halbherzige Loyalität sollte sich jedoch nicht bezahlt machen. Oder bezahlt schon. In der Personalabteilung bei VW verdient er heute mehr als sein gewählter Nachfolger, der erste christdemokratische Bürgermeister der Region, Manfred Watz.
Dass sich Herrmann in seiner Zurückgezogenheit ausschließlich dem Predigen widme, nahm ihm so leicht keiner ab. Dafür waren die Themen seiner sonntäglichen Reden zu abgedroschen. Etwa die Umweltverschmutzung, das Miteinander im Dorf, die Erziehung zur Nächstenliebe, sie sprühten alle nicht gerade vor Originalität und Ideenreichtum. Mitglieder des Kirchenvorstandes, die ab und zu bei ihm rein schauten, wußten zu berichten, der Pfarrer sehe viel fern.
Plop.
Herrmann hatte plötzlich eine geöffnete Dose Bier in der Hand und prostete der Gemeinde zu. Die darauf einsetzende Unruhe wurde durch die sich überschlagende Stimme der Gemeindeschwester übertönt.
„Pfarrer Herrmann", schrie sie, als sei damit alles gesagt. Einige Konfirmanden kicherten nervös.
Jawohl, liebe Gemeinde, Ihr alle kennt doch meine Neigung. Warum soll ich nicht hier an diesem Ort, wo ich am liebsten bin, mal einen trinken. Auf euer Wohl, versteht sich."
„Herr Herrmann", echote Noesel.
„Ruhe, Schnoesel. Heute nicht. Hört lieber zu, was ich zu sagen habe."
Noesel war von seinem Sitz unweit des Aufgangs zur Kanzel aufgesprungen, doch Schwester Waltraud zog ihn rigoros auf seinen Stuhl zurück.
Plop - die zweite Dose.
„Fünfzehn Mann auf des toten Manns Kiste houh - und ne Buddel voll Rum", grölte Herrmann.
Einige der älteren Besucher verließen fluchtartig die Kirche. Sie selbst machten sich später Vorwürfe, wenn überhaupt jemand hätte Einfluss auf den Pfarrer ausüben können, dann nur jemand aus seiner Generation. Nachdem er seine Pipi Langstrumpf Rezitation von sich gegeben hatte, begann Herrmann mit der Predigt. Es war eigentlich weniger eine Predigt als pure Pöbelei.
Er kannte so gut wie jeden, den er mal in seiner Kirche gesehen hatte mit Namen. Jetzt ging er sie alle der Reihe nach, von links nach rechts, auf der Empore hinten angefangen, einzeln durch und beschimpfte sie für das, was sie seiner Meinung nach Böses in der Welt getan hatten. Die, die er nicht mit Namen kannte, ordnete er meist folgerichtig den nächst sitzenden als Verwandte oder Bekannte zu und handelte sie nur kurz ab; etwa mit Worten wie, ‚gehe in dich' oder ‚pass auf dich und deine Nächsten auf. Bei einem sagte er bloß ‚Schwachkopf', nachdem er zuvor einen deutlich sichtbar Verwandten beschuldigt hatte, die Milch seiner Kühe sei vergiftet und er schlage seine Frau, wenn der fünfjährige Cäsar mit vollgemachter Hose heulend vom Spielplatz kommt.
Nicht ganz so derb, aber ähnlich ging er mit fast allen um, und am Schluss dieser Reihe stand Noesel. Vor Noesel war nur noch Gemeindeschwester Waltraud dran.
„Sie waren nie besonders ehrlich zu mir, Schwester. Und ich rate ihnen, verschwinden sie hier. Is besser für sie. Un guggen se nidt auf Schnoesel. Zu dem komme ich gleich."
Wie ein Iltis, der sich eine Kreuzotter zum Frühstück holen will, wackelte Noesel auf seinem Stuhl vor und zurück. Allerdings steckte bei ihm kaum Angriffslust dahinter, vielmehr Unentschlossenheit, ob er weglaufen, sich nur ducken, ihm die Stirn bieten und in die Augen sehen sollte, oder ob er die Schimpftirade eines betrunkenen Pfarrers nicht doch einfach gelassen über sich ergehen lassen sollte. Letzteres hätte er sicher am liebsten getan, doch wusste Herrmann etwas über ihn, was ihm, wenn es bekannt wurde, seiner Meinung nach als angehendem Pfarrer hier in Erlenstrauch das Genick gebrochen hätte.

Die Ereignisse, die Noesel so sehr belasteten lagen schon über fünfzehn Jahre zurück. Um keinen Preis wollte er daran erinnert werden.
Im Alter von dreizehn Jahren gehörte Noesel einer Gruppe von Kindern an, die Gräber öffneten und Gebeine, teilweise sogar frische Leichenteile klauten. Manches davon kaufte ihnen eine Hexe oder Pseudo-Hexe aus Ahnatal ab. Anderes landete in Mülleimern, Bächen und Abwässerkanälen. Als sie einem ungeliebtem Lehrer eine halbverweste Hand in den Briefkasten steckten hatte ihr Treiben ein Ende. Die Polizei vermutete richtig, dass die Hand aus einem tags zuvor geschändeten Grab stammte, und der Lehrer hatte einen berechtigten Verdacht. An den Stiefeln von zweien der vier Verdächtigen fand man noch Friedhofserde. Noesel, der seine Schuhe geputzt hatte, gestand unter den strengen Augen seiner Eltern sofort die ganze Palette seiner Schandtaten, beteuerte aber von Anfang an dagegen gewesen zu sein. Er hätte viel lieber Fußball gespielt usw. . Die Hexe wurde nach einem denkwürdigen Prozess zunächst zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Dabei hatte sie versucht den Staatsanwalt zu bespucken, verfluchte mit allem klischeehaften Brimborium den Richter und benahm sich überhaupt so, wie sich eine sensationsarme Lokalpresse eine richtige Hexe vorstellte. In einem Berufungsverfahren wurde schließlich Maßregelvollzug auf unbestimmte Zeit angeordnet. Sie arbeitet heute als Heilpraktikerin in Ruhrstadt.
Die Eltern wurden wegen Verletzung der Fürsorgepflicht zu Geldstrafen verurteilt. Einer der vier, von dessen allein erziehendem Vater niemand wusste, was der eigentlich machte, wurde Pflegeeltern zugewiesen.
Noesels Mutter war aus allen Wolken gefallen. Im Leben hätte sie ihrem immer so verständigen Sohn eine solche Blasphemie nicht zugetraut. Ihr Verhältnis wurde frostig, während sie maßgebliche Entscheidungen dem in Erziehungsangelegenheiten eher desinteressierten Vater überließ. Noesel selbst zog sich weitestgehend von seinen Eltern zurück, ohne dass er viel mit Freunden unterwegs gewesen wäre. Er las viel. Eines Tages gastierte eine Zeltevangelisation mit einem amerikanischen Prediger im Nachbarort, und er ging hin. Egal, wie weit Schuldgefühle, wie weit echte Überzeugung eine Rolle spielten. Bei der obligatorischen Frage, wer sich heute abend auf dem Podium zu Jesus bekennen möchte, hob Noesel die gespreizten Finger und verschwand bald darauf mit einem Seelsorger zu einem Gespräch unter vier Augen. Diese absolute Kehrtwende kam seinen Eltern zwar merkwürdig vor, doch unterstützten sie durchaus seine neue Haltung, zumal sein religiöses Erwachen keine Eintagsfliege blieb. Der Junge beschloss, Pfarrer zu werden.

Plop - die fünfte oder sechste Dose.
Immer wenn sich Herrmann eine neue Dose holte, musste er sich vorher bücken und war so einen Augenblick hinter dem Geländer verschwunden. Diesmal ließ er sich mit dem Aufstehen Zeit. Zunächst hielten das alle für Effekthascherei, um noch mehr Aufmerksamkeit für seine Abrechnung mit Noesel zu bekommen. Einige vermuteten, der Pfarrer sei eingeschlafen, doch kamen Geräusche von der Kanzel die sich so recht keiner erklären konnte. Als Herrmann nach Minuten aufstand, (außer Noesel, der unbeholfen an der Tür zum Aufgang gerüttelt hatte, schien niemand seinen Platz verlassen zu haben) da konnte jeder sehe, dass er sein Jagdgewehr zusammengebaut hatte. Eine Panik brach aus. Herrmann schoss ein Loch in die Decke und einen Strahler kaputt. Ein junger Mann in Slippern stürzte auf der Treppe und blockierte kurzzeitig diesen Fluchtweg.
„Hiergeblieben", schrie Herrmann und feuerte eine Salve dicht über die Köpfe derer, die sich schon am Ausgang befanden. Die Gruppe der Vordersten suchte Deckung hinter den Bänken. Damit hatte Herrmann von seiner Position aus alle Wege unter Kontrolle. Er ließ etwas Zeit verstreichen bis es wieder still wurde.
„Ich tu ja niemandem was. Ich wollte nur sicher gehen, dass auch alle bis zum Schluss bleiben." Er rülpste bedingt durch die Akustik der Kirche schauderhaft laut.
„Noesel hat euch nämlich etwas zu beichten."
Wäre Noesel mit dreizehn kein Grabschänder gewesen, wäre er wahrscheinlich auch kein Pfarrer geworden. Diese Fügung des Schicksals bereitete ihm schon seit langem Kummer. Manchmal zweifelte er so sehr an sich, dass er glaubte, er sei nur das Werkzeug einer bösen Macht, egal wieviel er sich bemühte, Gutes zu tun. Vielleicht hätte er darüber reden können, aber nicht unter Druck, wie vor einem Gericht. Seine Frau nahm seine Schuldgefühle nicht ernst, hielt sie für die weit her geholten Hirngespinste eines abgehobenen Theologen. Dadurch sah er sich dazu veranlasst, ständig bei anderen um Vertrauen zu werben. Und jetzt, wo er glaubte zumindest zu Gemeindeschwester Waltraud, dem Küster und dem Jugenddiakon ein gutes Verhältnis zu haben, drohte Herrmann, alles zunichte zu machen.
Pfarrer Herrmann, ich bitte Sie", flehte Noesel von seinem Platz aus und machte tatsächlich Anstalten sich hinzuknien. Ein alter Kettenraucher bekam seinen sporadischen Hustenanfall.
„Erzähl ihnen von deinem Pakt mit der Hexe."
Noesel sah die Augen der Gemeindeschwester neben sich und die des Küsters hinter einer Säule hervorlugen. Sie sahen fragend aus. Das war der wunde Punkt.
„Sie lügen, sie Schwein", schrie er.
Denn auch der Seelsorger damals hatte ihn gefragt, ob die Hexe sie zu einem Bund mit dem Satan genötigt hätte. Doch der einzige Schwur, den sie abgelegt - und gebrochen hatten - war sich gegenseitig niemals zu verraten. Mit der Hexe war es, soweit man davon reden kann, ein fairer Handel gewesen. Geld gegen Leichenteile, Leichenteile gegen Geld. Oder waren da nicht noch Bücher gewesen, die man besser nicht lesen sollte, schoss es Noesel durch den Kopf. Wie zur Antwort meldete sich Herrmann.
„Die Weisheiten aus deinen Teufelsbüchern behalt aber für dich", sagte er, die vorherige Beleidigung ignorierend.
Erlaubte die besondere Situation es Herrmann, seine Gedanken zu lesen? In seiner Verzweiflung sprang Noesel auf und trat mit einem Tritt das Schloss kaputt, das ihn daran hinderte, zu Herrmann zu gelangen und ihn zum Schweigen zu bringen.
„Hoh. Der Herr angehende Pfarrer will sich um seine Beichte drücken", rief Herrmann seinem versteckten Publikum zu.
„Ich werd ihn Mores lehren."
Er schulterte sein Gewehr und lief Noesel entgegen. Wenige Sekunden später krachte ein Schuss. Die Köpfe der Gemeindemitglieder kamen neugierig aus der Deckung hervor. Noesel taumelte blutüberströmt in ihr Blickfeld. Doch nicht sein eigenes Blut klebte ihm in den Haaren und am ganzen Körper. In seinen Händen hielt er noch das Gewehr. Er schmiss es auf den Boden und flüsterte.
„Ich kann nichts dafür."
Dann setzte er sich wieder auf seinen Platz. Pfarrer Herrmann war tot.

Noesel wurde nicht angeklagt. Er sagte aus, Herrmann habe ihm das Gewehr zugeworfen und sei dann in ihn hineingelaufen. Dabei habe sich ein Schuss gelöst, der Herrmann in den Hals getroffen habe. Keine Zeugen, doch der Gerichtsmediziner bestätigte, dass es so gewesen sein könnte. Als Noesel aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, machte er seinen Matrosenschein und ging zur See. Das Schiff, das ihn mitnahm, die Louis XVI, ein Containerschiff mit dreizehn Mann Besatzung plus Noesel ging auf dem Weg nach Havanna, fünfhundert Kilometer vor der Küste Floridas unter.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.02.2002. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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