Andrea Renk

Wir verschenken Glück........






„Hey du alter Bappsack, wo machsten rum? Hat deine Mama dich mal raus gelassen? Hey hast ihren Rockzipfel vergessen. Sonst lutschste doch auch immer dran rum.“
„Was fragst du Penner? Geht’s dich was an?“ „Was glotzt ihr so, seid wohl neidisch. Kann eben nicht jeder so cool sein wie ich.“

Sammy war es leid. Immer war er der Buhmann hier in der Siedlung. Er wusste ja auch nicht warum das so war. Seine Mutter beruhigte ihn immer indem sie sagte, das sie einfach nur jemanden suchen, an dem sie ihren Frust ablassen können.
Aber warum musste unbedingt er das sein. Können die sich keinen anderen ausgucken?
Er wollte weiter als sie schon wieder anfingen.

„Du denkst auch noch, dass du cool bist. Ich lach mich schepp. Dabei weiß du doch wohl am besten, wie es ist, wenn man so doof ist. Will ja keiner was mit dir zu tun haben..“

„Und warum bitte schön soll ich doof sein?“

„Guck dich doch mal an, so coole Klamotten wie du hat doch keiner gröhhhllllll. Die hat dir bestimmt deine Mama heute morgen hingelegt. Und überhaupt. Geht mit 12 Jahren mit seiner Mama händchenhaltend zum einkaufen. Wie uncool.............“


Sie bewarfen ihn mit Pflaumen, das bat sich gerade an, da die grad anfingen von den Bäumen zu fallen. Und wer isst die Dinger schon?
Obst ist ja so was von ungesund. Von Sven die Mama sagt immer, man bekomme davon den Flitzkacke....da lässt man doch lieber die Finger davon. Er verzog sich. Eigentlich schade, dass er wie geschaffen dazu schien Opfer zu sein. Er ließ sich aber auch so gut aufziehen.


Eines Tages. Spielten die Kinder im Keller mit Feuer. Eben genau die Kinder die auch Sammy immer hänselten und ärgerten. Sie hatten von ihren Eltern Feuerzeuge gemopst und sich damit in den Keller verzogen.
Sammy war zu dem Zeitpunkt im Nachbarkeller, bekam das gefährliche Spiel aber nicht mit.

Die Kinder zündeten Papierschnipsel an und hatten ihre Freude daran zuzuschauen, wie das Papier abbrannte.
Als sie einen besonders großen Schnipsel Papier fanden und ihn anzündeten, flogen Funken.
Sie konnten gar nicht so schnell reagieren, so schnell sprangen die Funken über und in Null komma nix stand ein Keller in Brand.
Schnell rannten die Kinder weg und vor lauter Angst, erzählen zu müssen was sie gemacht hatten, rief auch keiner die Feuerwehr.

Von den Kindern wusste ja keiner das Sammy in einem der Nachbarkeller war.


Sammy hatte sich im Keller nicht bemerkbar gemacht. Er wollte nicht, dass die anderen schon wieder über ihn lachten und ihn hänselten.
Er hatte seine Autosammlung schön ordentlich in Kisten verpackt und suchte sich nun einen sicheren Platz dafür.
Dabei fand er, wie es im Keller so ist, allerhand Dinge die er längst vergessen hatte und bemerkte gar nicht, was den anderen passiert war.
Auch von dem Feuer bemerkte er nichts. Solange nicht bis es hinter ihm sehr heiß wurde.

Als er sich umdrehte, schaute er direkt ins Feuer. Die Keller neben ihn brannten bereits lichterloh.
Er wollte sich einen weg aus den Flammen bahnen aber er schaffte es nur halb bis in den Vorkeller, dort brach er zusammen.

Das er aber bis in den Vorkeller kam, rettete ihm das Leben. Als das Feuer entdeckt wurde und die Feuerwehr eintraf, wurde er von der Feuerwehr gefunden und sofort ins Krankenhaus gebracht.
Er hatte eine schwere Rauchvergiftung und hatte auch Verbrennungen an den Armen und im Gesicht.
Er wird sein leben lang Narben davon zurückbehalten.

Die anderen hatten natürlich mittlerweile ein riesiges Schlechtes Gewissen. Sie hatten den Erwachsenen auch schon gestanden, wie das Feuer entstanden ist.


Sie beschlossen sich bei Sammy zu entschuldigen. Dies war das wenigste was sie tun konnten.
Da sie wussten, das Sammy sehr gerne Comics las, legten sie alle zusammen, erkundigten sich bei seiner Mutter, welche er schon besaß, dass sie keins doppelt kauften und machten sich schweren Herzens auf den Weg ins Krankenhaus.

Da lag er nun, hatte eine Atemmaske auf, die Hände und Arme verbunden. Und große Wunden im Gesicht.

So manch einem von den „so coolen, harten Jungs“ stahl sich eine Träne aus dem Augenwinkeln.
Sie standen sehr geknickt vor ihm und entschuldigten sich. Einer nachdem anderen. Und so manch einer konnte Sammy nicht in die Augen gucken dabei.
Sie versprachen Sammy, dass sie ihm helfen würden, wo sie nur konnten um das er wieder gesund werden würde. Soweit es eben ging. Sie wollten ihm abwechselnd im Krankenhaus Gesellschaft leisten und versprachen ihm, ihn nie wieder zu hänseln und zu verspotten.

Als sie wieder zuhause waren, saßen sie zusammen und sprachen über das was passiert war und über Sammy.
Wenn sie ganz ehrlich waren, dann verspotteten sie ihn ja nur deshalb, weil sie neidisch waren.

Die Mutter von Sammy schien so ganz anders zu sein wie ihre Mütter. Also Carlos z.b. konnte sich nicht daran erinnern, außer als er ganz klein war natürlich, dass er mit seiner Mama händchenhaltend zum einkaufen gegangen wäre. Auch wenn er zu seiner Mama ging und kuscheln wollte, schickte sie ihn weg. „Du bist doch ein großer Junge, was sollen denn deine Kumpels von dir halten, wenn die das erfahren.“
Dabei würde er das gerne mal tun.
Und so richtig was unternehmen taten seine Eltern auch nie was mit ihm. Er bekam immer nur gesagt, er solle draußen spielen. Sie hätten so viel zu tun und er solle nicht nerven.

Da gab es ein Mädchen hier das erzählte sie spiele mit ihren Eltern Mühle oder Mensch ärgere dich nicht oder Karten.
Also sein Eltern haben das noch nie mit ihm gespielt. Und so hatte jeder Vorschläge was sie gerne mal mit ihren Eltern machen würden. Es kamen dolle Dinge dabei raus, die meisten gar nicht so teuer oder ganz und gar kostenlos. Das war wichtig, weil viele hier nicht so viel Geld hatten.
Sie sammelten alles zusammen, schrieben alle Wünsche an ihre Eltern auf und machten ein Großes Plakat. Dann mussten alles Eltern der Kinderversammlung kommen und bekamen die Wünsche ihrer Kinder mitgeteilt, jeder trug was vor, sie machten das alle gemeinsam. Und mitten unter ihnen war Sammy, zwar noch ein bisschen verbunden, er war das Symbol für einen Neuanfang............und über eins waren sich alle Kinder einig.....

...wenn sie das alle gemeinsam schafften..........dann verschenkte jeder, jedem, ein kleines

bisschen ...und alle zusammen ein großes Stück vom Glück......



a.r. 08.08.2004

Das ist die Vorlage zu einem Theaterstück, das wir in unserem Regenbogentreff (Caritas) mit den Kindern in einen Gottesdienst einbinden und aufführen werden. Andrea Renk, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.08.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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