Silvana Hoffmann

Der (T)Raumbaum .



Endlich mal wieder ein wenig Zeit für mich, dachte sie. Aber was sollte sie nun damit machen?
Es fielen ihr einige Sachen ein, die sie schon lange nicht mehr getan hatte. Aber ihre gewonnene Freizeit war begrenzt. Schon in wenigen Stunden würde der Alltag seinen Einzug nehmen. Bis das aber geschehen würde, wollte sie sich Zeit für sich nehmen. Diese brauche sie wirklich einmal. Ihre gesamte Umgebung riet ihr dazu, sich mal zu erholen. Leichter gesagt, als getan.
Heute wollte sie, anders als sonst, die Zeit nehmen um etwas zu tun, was nur für sie gut war. Nicht auf Andere Rücksicht nehmen, nicht die Wünsche Anderer an erster Stelle zu nehmen und sich damit selbst zurückzustufen.
Nein, nicht heute. Nicht jetzt.

Gedankenlos und ohne ein Ziel vor den Augen ging sie einfach aus dem Haus und bog mal hier und mal da ab.
Dann geschah etwas Sonderbares. Sie entdeckte einen Weg, den sie vorher nie gesehen hatte. Oder hatte sie ihn nur nicht bemerkt? Es gab ihn bestimmt schon lange, aber immer wenn sie früher an diesem Weg vorbei gegangen war, war sie in Eile.
Voller Neugier konnte sie nicht anders und ging diesen kleinen Pfad entlang.
Auch wenn ihr kleine Zweige ab und an ins Gesicht schlugen wurde sie nicht mutlos, nein das Gegenteil war der Fall. Sie wollte herausfinden, wohin der Pfad führte.
Wie lang sie so durch das Gestrüpp des Waldes lief konnte sie im Nachhinein nicht sagen. Die Fessel der Zeit hatte sie abgelegt, da sie ihre Uhr zu Hause liegengelassen hatte.
Plötzlich sah sie eine kleine Lichtung und dann sah sie ihn.
Er stand in seiner vollen Pracht da und unterschied sich, im ersten Augenblick, nicht von den Anderen.

Ein Baum.
Es wurde ihr klar, dass es nicht einfach ein Baum ist. Etwas Mystisches strahlte er aus. Was, das vermochte sie noch nicht zu sagen. Um ihn näher betrachten zu können ging sie auf ihn zu.
Jetzt stand sie direkt vor ihn. Seine Blätter waren bunt und farbenfroh. Beim genaueren Hinsehen stellte sie fest, dass einige schon etwas verwelkt, manche mit einem so satten Grün bestückt waren, dass sie sich nicht Sattsehen konnte.
Und der Geruch erst.
Wonach roch dieser Baum? So etwas glaubte sie nie zuvor gerochen zu haben. Ein Gemisch aus Blütenduft, Himmelsfrische, Lebendigkeit, Wärme, Widererneuerung und Leben.
Doch, der Geruch kam ihr bekannt vor, nur woher. Die Erinnerung ließ sie im Stich.
Zu ihrer Verwunderung stellte sie fest, dass die Müdigkeit sie überkam.
Lächelnd sah sie den Baum an und lehnte sich an ihn. Er vermittelte ihr Geborgenheit, ein Gefühl, was sie in letzter Zeit vermisste. Dann beschloss sie, sich in seiner Geborgenheit auszuruhen.

Sie schloss die Augen und sie hatte das Gefühl, als spräche der Baum zu ihr. Ein Flüstern vernahm sie. Dann schlief sie ein.
Und wie sie schlief!!!
Behütet und beschützt von einem wunderbaren Traum, den der Baum ihr zum Geschenk machte.
Sie erinnerte sich in ihren Traum an längst vergangene, nicht unwichtige, Dinge. Traurige wie schöne Dinge. Lachen musste sie und auch weinen. Spürte Schmerzen und Freude.
Entspannt wachte sie auf und konnte nicht fassen, was sie soeben erlebt hatte.

Beim Aufstehen streichelte und küsste sie ihn.
Mit dem Baum im Rücken und ein Lächeln auf den Lippen ging sie zu dem kleinen Pfad, um sich auf den Rückweg zu begeben.
Auf halbem Wege drehte sie sich um, da sie das Gefühl nicht loswerden konnte, der Baum rief ihr etwas hinterher.
„Ja, mein Freund, ich komme bald wieder zu dir. Danke, dass Du mich behütest und beschützt hast.“ rief sie.
Und noch lauter rief sie: „ Danke für den wunderbaren Traum!“
Denn dadurch konnte sie sich an den Geruch erinnern, den sie Anfänglich, unter seinen Blättern, nicht einordnen konnte.
So roch ihr Kind, als man es ihr, das erste Mal, in den Arm legte. Ihr Glück nicht in Worte fassend, sah es an und nahm diesen Geruch war.
Ein Gemisch aus Blütenduft, Himmelsfrische, Lebendigkeit, Wärme und Leben.

Diese Geschichte ist die Anlehnung aus der Kategorie „Besinnliches“zu meinem Gedicht:DER TRAUMBAUM.
Ich muss gestehen, dass ich jetzt beim Verfassen des Autorenkommentars noch immer Tränen im Gesicht habe. Mein Herz schlägt ein wenig lauter und ich lächle und weine zugleich. Es bewegt mich immer noch sehr und grade in diesem Augenblick wünsche ich, besonders den Müttern, dass positive Geschehnisse immer die Oberhand über negative Geschehnisse behalten.
Silvana Hoffmann, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.08.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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