Andrea Renk

Sternenstaub für Veronica

 

 

Als Lisa aufwachte, da war es ihr, als hätte sie heute Nacht ganz besonders tief geschlafen. Sie rieb sich die Augen. Ihr war so heimelig im Bett, das sie sie gar nicht aufmachen wollte.

Als sie dann doch die Augen aufschlug, staunte sie nicht schlecht.

Ihr Bett war über und über mit Sternenstaub bedeckt.

Wenn ihr doch nur sehen könntet wie es blitze und strahlte, wie Himmelsgold und Sternendiamanten.

 

Als sie den Sternenstaub ganz fasziniert durch ihre Hände laufen lies, erinnerte sie sich an das was geschehen war.

 

Gestern hatten sie in der Schule von Gott gesprochen und vom Beten. Jeder sollte sich einen Wunsch überlegen, den er dann an Gott richten sollte.

Sie wollten dann zusammen beten und die Wünsche Gott vorbringen.

Das mit dem Beten war so eine Sache. Das war für Lisa ein bisschen komisch, das war wie Selbstgespräche führen. Und das machen doch nur Menschen, die...na ja die einen kleinen Schuss hatten. Die nicht ganz klar im Kopf waren.

Nicht das sie nicht Beten wolle, aber der liebe Gott hat ihr noch nie eine Antwort gegeben, wenn sie mit ihm geredet hat. Ob er ihr überhaupt zuhörte?

Da hatten viele ganz viele Wünsche. Die Jungen wünschten sich Geschenke, oder das sie im Fußball ein Tor schießen, oder gleich ganz gewinnen. Luis, das war klar, wünschte sich eine ganze Bücherwand. Man sah ihn immer mit einem Buch in der Hand.

Henry wünschte sich ein Fernrohr mit Spiegel, mit dem er den Mädchen unter den Rock schauen konnte um allen zu verraten, was für eine Farbe der Schlüpfer hatte.

Sie glaubte nicht wirklich daran, das der liebe Gott so einen Wunsch erfüllen würde.

 

Valerie wünschte sich eine Barbieküche. Manu wünschte sich Frieden auf der Welt und als Veronika ihren Wunsch sagte, wurden alle ganz still.

Sie wünschte sich, dass ihr Papa aufhörte zu trinken. Wenn er trank, hatte sie schon mal erzählt, dann war er immer so komisch. Und das war unheimlich für Veronika.

Keiner konnte sich so richtig was drunter vorstellen. Nur manchmal hatte sie blaue Flecken, dann musste sie auch nicht mitturnen. Dann war sie auch immer so ruhig. Und keiner wusste was er dann machen sollte. Auch Lisa war dann ganz unsicher. Veronika erzählte immer, dass sie sich wehgetan hatte, aber manchmal  hatte Lisa ein Gefühl, so als ob das nicht stimmen würde. Nur wusste sie ja nicht, was sie sonst haben könnte. Manche tuschelten und meinten, dass ihr Papa sie dann bestrafen würde, wenn sie nicht lieb war und sie dann hauen würde. Aber Lisa konnte sich nicht vorstellen, dass Veronica böse ist. Sie war doch immer so ruhig.

Wie auch immer. Lisa konnte sich nicht vorstellen, das irgendein Erwachsener ein Kind so hauen würde, das es dann blaue Flecken hat. Sie glaubte Veronica, das sie sich beim spielen weh getan hatte.

 

Lisa überlegte: Was konnte sie sich wünschen vom lieben Gott. Sie überlegte vor allem, wie das ist beim beten. Wenn sie alle zusammen beteten und jeder sagte seinen Wunsch und alle zur selben Zeit, dann war es doch wahrscheinlich so, das der liebe Gott nicht alles auf einmal hören und sich behalten konnte. Und wenn er dann einen besonders wichtigen Wunsch nicht hörte?

 

 

Überhaupt! Was waren eigentlich wichtige Wünsche? War ein Spiel zu gewinnen wichtig? War ein Barbiehaus wichtig?  Sie wusste immer noch nicht, was sie sich wünschen sollte. Etwas zum spielen wollte sie nicht. Das fand sie irgendwie nicht richtig. Wenn sie sich was zum spielen wünschen wollte, dann gab es ja Weihnachten oder den Geburtstag.

Frieden war doch auch so ein Wunsch, den jeder hatte. Es sollte doch ein persönlicher sein, einer, der einem ganz besonders am Herzen lag.

Ihr fiel einfach keiner ein. Sicher hatte sie viele Wünsche. Aber sie war der Meinung, das man nicht jeden Wunsch vorbringen sollte.

Sie bekamen als Hausaufgabe auf sich zu überlegen, was sie sich wünschen wollten.

 

Am nächsten morgen ging Lisa mit einem guten Gefühl in die Schule. Sie hatte sich überlegt, was sie sich wünschen wollte.

Sie hatte das Gefühl, dass es ganz wichtig war für Veronika, dass ihr Vater aufhört zu trinken.

Sie wollte den lieben Gott bitten, ihr den Wunsch zu erfüllen. Denn sie konnte sich vorstellen, dass es nicht schön war, wenn jemand betrunken war und das auch noch jeden Tag.

Frau Kern erklärte ihnen dann im Unterricht, worauf es beim beten ankam. Da war es nicht wichtig, das man laut sprach dabei. Auch, dass es egal war, wo man betete. Das Gott die Gebete hört, egal wo man gerade ist und betet. Sie erklärte auch, dass man nicht halbherzig beten solle, dann denke Gott, das der Wunsch ja gar nicht so wichtig ist und das man es nicht so ernst meint. Gebete sollen direkt vom Herzen kommen, sozusagen Herzenswünsche sein.  Lisa fand das ganz schön anstrengend und sie fragte sich, ob der liebe Gott immer so anstrengend war. Aber wenn es denn was nützt, dann würde sie auch alles das befolgen.

Jeder saß still an seinem Platz und betete. Frau Kern sagte, das sich jeder soviel Zeit nehmen soll, wie es nötig ist für das Gebet und das bei einem persönlichen Gebet auch keine bestimmte Wortfolge brauche, sondern das man so beten soll, wie es einem im inneren bewegt.

Sie war unsicher. Wusste nicht, wie sie anfangen sollte. Aber dann erzählte sie ohne zu sprechen von Veronicas Wunsch und das sie ihr helfen wollte. Das sie dachte, das er, der liebe Gott, dann doppelt so viel auf Veronica verwenden könne, wenn sich Lisa das selbe wünschte. Ist ja dann eben nur ein Wunsch für 2 Kinder und würde dann nicht so viel Arbeit machen. Und er hätte mehr Zeit für Veronica, also genaugenommen doppelt so viel. Irgendwie kam sie durcheinander. Aber sie hoffte, dass der liebe Gott wusste, was sie meinte. Das erklärte sie Gott in ihrem Gebet und hoffte, das er sich das überlegen würde. So als Schlusssatz sagte sie dann noch, das es ja schon schön wäre, wenn er sich irgendwie melden könnte, weil sie wenigstens wissen wollte, ob er ihren Wunsch gehört hat. Wenn nicht, dann würde sie noch mal beten wollen. Weil ihr das so wichtig wäre, dass es Veronica besser geht.

 

Sie hatte ein gutes Gefühl nach dem Gebet und war gespannt was passieren würde.

 

Abends ging sie ins Bett wie jeden Abend. Sie erzählte der Mama noch wie ihr Tag war, das machten sie jeden Abend. Und dann schlief sie schnell ein. Sie war ja auch sehr müde.

 

Der Mann im Mond rief sie. Lisa komm herauf, die Sterne warten auf dich. Sie möchten dir etwas geben. Lisa schlug die Augen auf. Wie von Zauberhand schwebte sich aus ihrem Bett, aus dem Fenster hinaus und dem Himmel entgegen. Es dauerte nicht lange, bis sie zu den ersten Sternen kam. Es war unbeschreiblich, wie schön die Sterne von nahem aussahen. Sie konnte es kaum fassen. Sie war bei den Sternen. Ob jemals ein anderes Kind so nah bei den Sternen war. Auf einem Stern, da saß ein kleines Mädchen. Es winkte Lisa zu sich.

 

Lisa, ich soll dir ausrichten, dass der liebe Gott eure Gebete, deins und das von Veronica gehört hat. Er weiß nun, das es Veronica nicht gut geht und wird versuchen ihr zu helfen. Du hast, weil du für sie gebetet hast, ganz viel dazu beigetragen, das es ihr bald wieder besser geht. Nimm diesen Sternenstaub mit und berichte Veronica von mir. Teile den Sternenstaub mit ihr und glaubt ganz fest daran, das ihr geholfen wird. Manche Dinge dauern etwas länger. Aber ihr könnt sicher sein, dass Gott euch nie vergisst.

 

War das doch kein Traum gewesen? Lisa saß in ihrem Bett und konnte es kaum fassen.

Da hatte ihr der liebe Gott tatsächlich ein Zeichen gegeben. Sie war sprachlos.

Sie wusste nun, dass er da war. Mama sagte immer wenn sie über Gott sprachen, dass manche Menschen ein sichtbares Zeichen brauchten. Das war eines, nur für sie und Veronica.

Sie holte ein kleines Stofftuch, schob etwas von dem Sternenstaub darauf und ging glückselig in die Schule. Sie konnte es kaum abwarten Veronica zu erzählen, was geschehen war und dass sie nun keine Angst mehr haben müsse.

Als sie ihr alles berichtet und ausgerichtet hatte, sah sie erschrocken zu Veronica. Diese hatte Tränen in den Augen. Lisa war auf einmal wieder unsicher. „Aber Veronica, es wird doch alles gut, warum weinst du nun?“ „Ich weine vor Freude Lisa, weißt du, mein Papa hat mich viel gehauen, deshalb konnte ich manchmal nicht mitturnen. Ich hab mich nur nicht getraut das zu erzählen. Aber wenn der liebe Gott mir nun hilft, dann wird Papa vielleicht damit aufhören.“

Lisa gab Veronica den Sternenstaub. Das glitzern spiegelte sich in Veronicas Tränen. Sie schaute auf und ein zaghaftes Lächeln zauberte sich auf Veronicas Gesicht. „Wir müssen nur ganz fest dran glauben Veronica, das Sternenmädchen hat mir versprochen, das der liebe Gott dir hilft.“

 

2 Monate später nahm Veronica Lisa in der Pause zur Seite. „Lisa stell dir vor: Mein Papa geht heute in ein Krankenhaus. Das ist extra für Menschen, die wie er, zu viel trinken. Mama hat gesagt, das er aufhören will zu trinken. Und das ihm das alles ganz furchtbar leid tut. Und sie solle mir sagen, das er mich lieb hat und alles tun wird, dass er wieder gesund wird. Lisa es war gut, das wir gebetet haben. Danke das du für mich mitgebetet hast!“

 

 

Veronicas Papa schaffte es...............nicht zuletzt, weil er in seiner Zeit im Krankenhaus lernte zu beten.........

 

 

 

a.r. 24.08.2004

 

 

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