Werner Kistler

Munli geht nicht zur Schule

Stattdessen sitzt sie mit anderen Kindern an der Teppichknüpfmaschine und stellt in mühevoller Hand-
arbeit, Teppiche her. Hier in dem dunklen Verschlag sind die Arbeitsbedingungen einfach entsetzlich.
Der Raum ist schmutzig, dunkel und die Luft unerträglich warm. Viel lieber würde die Jugendliche, mit den anderen Kindern, an der frischen Luft spielen und der Wunsch, etwas richtiges zu lernen, wurde immer stärker.
Aber sie muss die Schulden ihres trunksüchtigen Vaters abarbeiten. Beinahe täglich erscheint er bei dem Besitzer und bettelt um neues Geld. Aber gestern hat der Meister den Trunkenbold vor die Tür gesetzt und ihm nachgebrüllt, dass er sich zum Teufel scheren solle. Auch er hätte kein Geld zu verschenken und wenn ich weiter so langsam arbeiten würde, brauchte ich wohl noch dreihundert Jahre, bis ich die Schulden meines Vaters abgearbeitet hätte. Außerdem liefen die Geschäfte schlecht, denn die Aufkäufer kämen nicht mehr so oft, um neue Ware zu kaufen. Ganz genau würde die Ware jetzt geprüft und es dürfte ja kein Fehler im Muster sein. Diese Teile könnte er nur noch verramschen. Das würde er sich auf keinen Fall erlauben. Da müsse er Geld dabei legen.
Am Abend hat mein Vater mich dafür verprügelt. Weder sitzen noch stehen konnte ich am nächsten Tag.
Trotzdem musste ich mich auf die Mustervorlage konzentrieren und bereits am Vormittag taten meine Beine weh und das Kreuz lahmte. Zwölf Stunden dauerte der Dienst und jeden Tag der Woche. Dieses Leben wollte ich so nicht mehr führen. Das hatte ich am Vorabend beschlossen. Weglaufen sah ich als einzige Alternative, zu meinem jetzigen Dasein. Daher hatte ich bereits Vorsorge getroffen und einige Kleidungsstücke in einen Beutel gepackt.Diesen kleinen Sack auf dem Bauch gebunden, war ich wie immer, heute morgen zur Arbeit gegangen. Ich hatte aber nicht den gewohnten Weg eingeschlagen, sondern war sofort zur Hauptstraße gelaufen. Vielleicht nahm mich ein Auto mit? Plötzlich hielt ein “Sternenauto“! Ein weißes Fahrzeug, so wie es nur die Reichen fuhren.
Der Fahrer sprach mich durch das geöffnete Verdeck an und lud mich zu einer Mitfahrt ein. Meine Mutter hatte mich immer vor der Mitfahrt gewarnt. Schließlich gab ich mir doch einen Ruck und stieg ein. Wie groß so ein Auto von innen war.
Nach einer kurzen Fahrt hielt der Fahrer das Auto in einem Waldstück an und beugte sich zu mir rüber.
Mulini hatte einen neuen “Meister gefunden“
Werner Kistler

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Werner Kistler).
Der Beitrag wurde von Werner Kistler auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.09.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  Werner Kistler als Lieblingsautor markieren

Buch von Werner Kistler:

cover

Ohne Bewährung & Ostdyssee von Werner Kistler



'Ohne Bewährung': Ein unbescholtener Familienvater hat einen tragischen Autounfall, bei dem eine ältere Dame tödlich verletzt wird. Ihn trifft keine Schuld, doch der Spruch des Richters : Schuldig! Der Boden wird ihm unter seinen Füßen fortgerissen und er flieht, da sich ihm die Chance dazu bietet, doch nur um noch ein letztes mal für sehr lange Zeit seine Familie zu sehen ...

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Lebensgeschichten & Schicksale" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Werner Kistler

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Geld regiert die Welt von Werner Kistler (Ernüchterung)
Das Leben: Love Hurts von Angie Pfeiffer (Lebensgeschichten & Schicksale)
Kollektive Einsamkeit? von Christa Astl (Mensch kontra Mensch)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen