Hans Pürstner

Der Mörder war nicht der Gärtner, Teil 9


Der Kreis hatte sich zu schließen begonnen. Im Büro von Kriminaloberrat Berger trafen die Mitglieder der Sonderkommission Rabbisch zusammen, um Bericht zu erstatten. Der Oberrat strahlte übers ganze Gesicht, sah er sich doch schon bei der obligaten Pressekonferenz stolz den Täter präsentieren. „Moment, Chef, freuen wir uns noch nicht zu früh! Der Haftrichter hat zwar zwei Haftbefehle ausgestellt, gegen Morell und Bellmann, wegen Verdunklungsgefahr. Aber wenn wir kein Geständnis bekommen, sehen wir alt aus, mit den paar Indizien. Im Grunde genommen haben wir gar kein Motiv, nur einen Verdacht. Wahrscheinlich ist Rabbisch mit den Beiden ähnlich umgegangen wie mit vielen anderen seiner Lieferanten. Erst abhängig gemacht und dann solange im Preis gedrückt, bis nichts mehr ging. Aber wie gesagt, das ist nur ein Verdacht!“
Enttäuscht wandte sich Berger an Woldmann und polterte los. „Dann bringen sie doch die zwei zu mir zum Verhör. Ich werde ihnen schon Dampf machen. Irgendwann hat bei mir noch jeder gestanden!“. “Na ja, Aber nur weil wir ihm die notwendigen Beweise verschafft hatten“, dachte Woldmann ärgerlich.

Während Pallhuber und Britta Wilhelm ihren Dienst-Golf auf dem kleinen Parkplatz vor dem Waldschlösschen abstellte, genügte schon ein kurzer Blick zum Eingang hin um zu sehen, dass etwas nicht stimmte. An der Tür stand ein älteres Paar und lugte neugierig durch die dunklen Bleiglasscheiben in den Innenraum des Lokals, offensichtlich ohne irgendeinen Hinweis auf darin befindliche Personen zu finden. Ärgerlich nahm der Mann seine Begleiterin an die Hand und drängte sie zurück in Richtung Parkplatz. „Unverschämtheit, gestern abend haben wir einen Tisch reserviert für heute und nun ist das Lokal geschlossen!“, raunte er den beiden Beamten zu. Die wollten sich zuerst persönlich davon überzeugen und gingen an die Rückseite des reetdachgedeckten Gebäudes. Neben einem großen Müllbehälter war eine kleine füllige Frau damit beschäftigt, einen Eimer mit Speiseresten in ein dafür vorgesehenes Gefäß zu entleeren. Pallhuber zeigte seine Dienstausweis vor und fragte sie, wer sie sei und warum das Lokal geschlossen habe. „Ich bin Jovanka, die Küchenfrau. Ich komme aus Slowenien. Die Chefin war vor einer Stunde hier und hat gesagt, Jean Paul, unser Koch ist weg. Einfach so, verschwunden. Und ohne Koch können wir das Restaurant nicht aufmachen. Die Chefin ist nach Rissen gefahren, dort wohnt Frau Leber, die ist gelernte Köchin und hilft manchmal hier aus. Vielleicht kann sie Martha überreden, wieder bei uns zu arbeiten. Jedenfalls solange, bis Jean Paul wiederkommt.“ Pallhuber hatte zuerst vergeblich versucht, den Redefluss der Küchenhilfe zu stoppen, aber nun war er froh es nicht getan zu haben. Sie schien ziemlich gut informiert zu sein und die beiden ärgerten sich, die Frau nicht schon früher vernommen zu haben. „Arbeiten sie schon lange im Waldschlösschen, Jovanka? Ich darf sie doch so nennen, oder?“ fragte Britta weiter. „Ja, natürlich, mein Nachnamen Bredajovic ist ja für Deutsche nicht so leicht auszusprechen. Ich arbeite schon seit acht Jahren hier, und in Deutschland lebe ich schon seit 1972.Hier im Waldschlößchen wird zwar ganz gut bezahlt, aber es ist auch ganz schön viel Arbeit“, meinte sie mit sorgenvollem Gesichtsausdruck. Das erinnerte Britta an ihre Studentenzeit, als sie zur Finanzierung ihres klapprigen Gebrauchtwagens nebenbei in einer Kneipe jobbte. Auch dort schmiss eine jugoslawische Küchenhilfe den Laden, während der Koch die meiste Zeit vorne am Tresen saß und mit den Stammgästen klönte. „War denn Jean-Paul die ganze Zeit schon Koch hier, oder kam er erst später?“, fragte sie weiter. „Nein“, antwortete Jovanka, „vorher war Martha bei uns, Frau Leber. Aber dann kam eines Tages Jean-Paul zu Besuch. Die kannten sich von früher, der Chef und er. Die Chefin war gar nicht so froh, ihn zu sehen, hatte ich das Gefühl. Auf jeden Fall saß er tagelang am Tresen und redete auf Herrn Scholz ein. Und eines Tages kam Frau Leber heulend aus dem Büro und verabschiedete sich von mir. „Die wollen einen französischen Luxusschuppen aus dem Waldschlösschen machen“, sagte sie empört und ging weg. Erst Monate später kam sie wieder vorbei um hallo zu sagen. Und Frau Scholz hat sie gleich überredet, wenigstens als Aushilfe wieder hier zu arbeiten. Doch Jean-Paul und sie verstehen sich nicht besonders. Jetzt kommt sie nur noch für spezielle Anlässe wie Familienfeiern oder Hochzeiten. Dann haben wir manchmal Gäste, die lieber deutsche Traditionsgerichte essen wollen. Dann ist Jean-Paul froh, dass sie das macht“
Nun versuchte Pallhuber, auch einmal zu Wort zu kommen.
„Sie sprechen aber wirklich ausgezeichnet Deutsch, Frau Jovanka“, begann er schmeichlerisch. Als sie ihn verlegen lächelnd ansah, fuhr er fort. „Wissen sie denn noch mehr über die frühere Verbindung von Herrn Scholz und Jean-Paul?“. In diesem Fall erwies es sich die Geschwätzigkeit der Frau als überaus hilfreich, den sie antwortete sofort „Eigentlich nicht. Aber wir haben doch diesen Stammgast, den bekannten Rabbisch. Die scheinen sich alle drei von früher zu kennen. Ich hab mal Jean-Paul über Rabbisch schimpfen gehört, da hat er etwas gesagt, dass dieser Mann über Leichen gehen würde. Aber ich hab das nicht besonders ernst genommen, weil er hat oft über mich gelästert, dass ich immer in dem Rabbisch Markt einkaufen gehe. Wie soll ich denn sonst meine Familie satt kriegen, bei den Preisen heutzutage“. „Bisher ist sie wohl immer satt geworden, die gute“, dachte Pallhuber im Stillen nach einem Blick auf ihren wohlgerundeten Körper, ließ sich aber nichts anmerken und ermunterte sie weiterzusprechen. „Beim Rabbisch ist halt alles viel billiger“, rechtfertigte sie sich. „Jean-Paul meint, die Qualität der ganzen Lebensmittel würde den Bach runter gehen wegen dieser Billig-Hysterie, wie er es nennt.“ Sie rückte ganz nahe an den Beamten und flüsterte beinahe „Der Rabbisch wird noch mal dran glauben müssen, hat er gesagt. Meine Existenz hat er zerstört, und die meines Freundes“
„Und wer war dieser Freund? Herr Scholz etwa?“ fragte Britta Wilhelm interessiert. „Nein, der Alwin, der arbeitet bei Rabbisch als Gärtner hat Jean-Paul gesagt. Und seine Frau ist dort Haushälterin.“ Diese Aussage genügte den beiden, sie verabschiedeten sich hastig und fuhren zurück ins Büro, um mit ihrem Chef das weitere Vorgehen zu besprechen. Auf dem Flur des LKA-Gebäudes trafen sie auf einen früheren Kollegen, der zu einer ruhigeren Dienststelle gewechselt war. Er begrüßte sie erfreut und meinte „Das ist gut, dass ich euch hier treffe, ich hab nämlich gerade eine Anfrage der französischen Polizei aus Strassburg bekommen. Die haben dort einen Selbstmord zu bearbeiten und der Tote war seinen Papieren zufolge Deutscher und zuletzt in Hamburg gemeldet. Der Name kommt mir bekannt vor, ich kenne den Fall Rabbisch zwar nur aus der Zeitung, aber er kam in dem Artikel vor.“ „Und wie heißt der Mann?“ fragten Britta und Pallhuber unisono. „Bellmann, Alwin Bellmann.“

nun kommen wir der Sache schon näher. Aber immer daran denken: Der Mörder war........ siehe oben.Hans Pürstner, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.09.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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