Susanne Kobrow

*Mein erster Schultag*



Als ich heut gegen Mittag vom Einkaufen heimgehen wollte, begegnete mir an der Ampel in unserem kleinen Ort eine Gruppe Kinder, ich musste lächeln als ich feststellte das es I-Männchen waren und ich verfing mich ins Träumen an *Meinen ersten Schultag.*

Ich weiß noch ganz genau wie ich morgens aufwachte, ich war schon sehr nervös denn heute ging es endlich in die Schule, denn ich war ganz versessen darauf zu lernen.
Nach dem Waschen, durfte ich mich nicht wie sonst gleich ankleiden, meine Mami meinte ich solle im Hemdchen frühstücken da ich viel zu zappelig heute sei, das ich bestimmt meinen Kakao verschütten würde. Ich konnte nicht schnell genug fertig werden, wusste ich doch dass ich mein neues Kleidchen anziehen durfte und dazu auch noch meine schwarzen Lackschühchen die ich sonst nur sonntags tragen durfte wenn wir zu den Großeltern fuhren.
Ich war mächtig stolz und ließ mir von meiner Mami sogar ohne murren meine langen Haare bürsten und sie mir zu Zöpfen flechten.
Aber das schönste kam natürlich zum Schluss, meine Mami gab mir eine riesige große rot/blaue Schultüte die mächtig schwer war und fast so groß wie ich selber!
Am liebsten hätte ich sie gleich auf gemacht aber meine Mami sagte dass man das erst nach dem ersten Schultag machen dürfte, also musste ich mich gedulden, was mir sehr schwer fiel. Ich tastete über das dunkelblaue Krepppapier mit dem leuchtend roten Band und fühlte etwas rundes Weiches; was das wohl sein mochte dachte ich bei mir und kam zu dem Entschluss das es Wolle sein müsse. Aber was sollte ich mit Wolle? Tat man Wolle in eine Schultüte?
Inzwischen waren wir an der Schule angekommen, auf dem Pausenhof empfing uns eine junge Dame und fragte nach unserem Namen, dann meinte sie wir sollten am Ende es Flures in den Raum gehen und dort warten bis auch sie käme. Ich war so aufgeregt dass mir richtig schlecht war und ich Angst bekam, aber noch war meine Mami ja da und hielt meine Hand fest, das tat soooo gut!
Als alle Mamis und Kinder in dem Raum versammelt waren kam auch die junge Dame, sie stellte sich als unsere Lehrerin(sogar ihren Namen weiß ich noch) Fr. Tofall vor und begrüßte alle.
Sie bat nun die Mütter zu gehen, uns aber um 9.45 Uhr wieder ab zuholen und wir dann den Tag mit einem kurzen gemeinsamen Rundgang durch unsere Gemeinde beenden würden.

Wir Kinder waren alle so auf gedreht und sabbelten in einer Tour, dass Fr. Tofall uns gleich zu Ruhe ermahnen musste. Sie tat dabei so streng das ich vom ersten Tag an Respekt vor ihr hatte. Nachdem wir alle ruhig waren, sagte sie uns dass wir uns setzen sollten und auf das vor uns liegende Blatt Papier unseren Namen schreiben sollten wenn wir das schon könnten.
Ich schrieb mit großen eckigen Buchstaben *Susanne* auf das Papier, kaum war das geschehen musste ich wieder an meine Schultüte denken die neben mir auf dem Stuhl lag. Was mochte bloß ihr Inhalt sein? Wirklich Wolle oder was ist sonst so rund und weich?
Ich stellte mir so ziemlich alles vor: Ein Apfel mit Mütze oder Socken, Handschuhe, Schal?
Langsam tastete meine Hand wieder über das blaue Krepp, es knisterte und raschelte so laut das meine Lehrerin aufmerksam wurde und mit lauter strenger Stimme rief: “Susanne, dies ist eine Schule und kein Spielplatz hier herrscht Ruhe!“
So hatte ich mir das hier nicht vorgestellt, dachte ich mit Tränen in den Augen, aber jetzt musste ich da wohl durch.
Endlich war die Stunde vorüber und unsere Mütter holten uns wieder ab. Bevor wir zu dem gemeinsamen Rundgang aufbrachen teilte die Lehrerin uns noch mit wann wir morgen wieder in der Schule erscheinen müssten, aber dann alleine.
Wir starten den Rundgang, und genau wie die Kinder heut Mittag gingen wir schon vor über 36 Jahren über diese Straße in mitten unsers Dorfes.
Tja, und heut Mittag hörte, ich als alle Kinder die Ampel überquert hatten, eine bekannte Stimme.
Die Stimme meiner damaligen Lehrerin die mich ansprach mit den Worten: Hallo Susanne, wie geht es dir? Habe dich ja schon lange nicht mehr gesehen!
Ich war so überrascht und berührt zugleich, dass meine alte Lehrerin mich immer noch kannte, wo sie doch jedes Jahr neue Kinder kennen lernt.
Aber es war auch sehr schön, denn es zeigt uns wieder dass man doch nicht so vergessen ist wie man manchmal glaubt!
Ach ja beinahe hätte ich es vergessen …. In meiner Schultüte damals befand sich keine Wolle und auch kein Apfel mit Mütze, sondern eine wunderschöne Negerpuppe, die heute zu Gast bei meiner Tochter weilt!

© by Su 7.9.2004

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.09.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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