Jochen Dormann

Scheuderfahrt

-Samstag-

In der Nacht war Schnee gefallen. Nicht viel, aber es reichte um sämtliche Spuren des noch jungen Winters unter einer makellosen Decke zu verstecken. Die Luft war angenehm trocken, und so waren die Minusgrade leicht zu ertragen als Stefan aus der Tür trat und die kalte Morgenluft tief einatmete. Erleichtert seufzte er sie wieder aus seiner Lunge heraus. Er hatte sich eben wieder mit seiner Mutter gestritten. Sie konnte nicht akzeptieren, dass er Mitte dreißig immer noch Junggeselle war. Eigentlich wollte er immer schon aus dem Elternhaus ausziehen, aber nach seinem Studium fand er eine interessante Stelle in der Nähe und da es ihn nicht in die Stadt zog, war er zufrieden damit das Dachgeschoss um einen eigenen Eingang zu erweitern und nach seinen Vorstellungen ausbauen zu können. So konnte er einigermaßen selbst entscheiden, ob er seiner Mutter begegnen mochte oder nicht. Stefan wohnte gerne in dem kleinen Dorf. Wenn er wollte war er in zwanzig Minuten in der Stadt, aber die Ruhe und die Freundlichkeit der Menschen, die er und die ihn alle schon seit seiner Geburt kannten wollte er nicht gegen die Hektik und Anonymität einer Stadt eintauschen.
Der Winter war dieses Jahr überraschend früh nach einer nur kurz andauernden Herbstperiode über Gersfeld hereingebrochen. Stefan mochte den Winter nicht. Die langen Nächte boten nur wenig Zeit sich mit seinen Freunden zu treffen. Seltsamerweise war es im Sommer kein Problem jemanden um acht Uhr abends anzurufen, oder bei ihnen mit dem Fahrrad vorbeizufahren um ein Glas Wein in gemütlicher Runde zu trinken ? im Winter tat er so was nicht. Die meisten in seinem Freundeskreis waren verheiratet oder wenigstens liiert. Stefan war da eine Ausnahme, denn nach ein paar wenig erbaulichen Erfahrungen in seiner Jugendzeit, war er jetzt schon jahrelang alleine. Es lag wohl daran, dass er sich immer mehr aus dem öffentlichen Leben zurückzog. Er fuhr lieber Motorrad, statt sich in ein Cafe zu sitzen und auf eine Bekanntschaft zu hoffen. An den Wochenenden war er meistens unterwegs beim Segelfliegen und in den letzten Jahren kamen nur selten neue Leute in seine Gruppe. Eigentlich störte es ihn nicht so sehr, dass er solo war, aber die langen Winternächte, die er oft lesend vor seinem Kaminofen verbrachte, ließen in ihm oft die Sehnsucht nach einer Freundin aufkommen. Wie gerne würde er mit ihr nach einem langen Spaziergang im winterlichen Wald in seinem gemütlichen Wohnzimmer einen Glühwein trinken und kuscheln.
Stefan stieg in sein Auto, ein fast 30 Jahre alter Mercedes, den er sich vor einigen Wintern gekauft hatte, um seinen offenen Triumph-Roadster vor Salz und Rost zu bewahren. Er mochte ungewöhnliche Autos. Seiner Meinung nach hatten die Alten Fahrzeuge noch echten Charakter. Ihre Schwächen nahm er als liebenswerte Eigenschaften hin und freute sich über die Formen, die damals noch ein Designer allein nach seinem persönlichen Geschmack schuf und nicht eine Horde von Ingenieuren, welche die letzte markante Linienführung in der Karosserie zugunsten einer allgemeingültigen wohlgefälligen Geschmacksstudie ausmerzten.
Sein 280er Ponton sprang nach der ersten Kurbelwellenumdrehung an und Stefan machte sich auf den Weg. An diesem Samstag morgen hatte er ein ungewöhnliches Ziel. Er hatte von seinen Freunden eine Mitgliedschaft in einer Partnervermittlung geschenkt bekommen. Eigentlich wollte Stefan den Gutschein verfallen lassen, aber nach einem sehr einsamen Abend zuhause nahm er sich ein Herz und fuhr in die Stadt um sich die Sache mal anzusehen. Er war von der Seriosität des Instituts überrascht und ließ sich zu der Beantwortung eines umfangreichen Fragebogens und eines kleinen Video-Interviews überreden. Das war alles schon ein paar Wochen her, als er ein kleines Paket erhielt in dem er eine Videokassette und ein paar Schriftstücke von der Partnervermittlung fand. Zuerst sah er sich die Interviews an und war wenig begeistert, was er da zu sehen bekam: Eine Blondine Ende Dreißig, die bereits zwei Kinder hatte und nun einen Mann suchte, der mit beiden Beinen auf der Erde stehe. Sie wäre von Ihrem Exmann wegen einer jüngeren verlassen worden und suche nun nach einem ruhenden Pol. Das zweite Interview war mit einer kleinen, kurzhaarigen Frau geführt die aussah, als hätte sie die letzten Jahre in einer Raucher-WG gelebt, welche wohl notorischem Geldmangels zufolge vor allem auf Lebensmittel verzichtet hatte. Sie schaffte es bei nahezu jeder Frage auf ihre vegane Lebensweise als die einzig Richtige hinzuweisen, und die dritte Sequenz auf der Kassette zeigte eine sehr hübsche Frau Anfang dreißig, die Stefan aber durch ihr Auftreten aber sofort in die Schublade ?verwöhnte, anspruchsvolle Zicke? schob. Die Kassette war noch nicht zu Ende, aber als das nächste Interview begann, zog sich auf einmal ein breiter Flimmerstreifen über den Bildschirm, und es war nichts mehr zu erkennen oder zu hören, außer ein Rauschen. Wie es schien war das vierte Interview wohl einem Aufnahmefehler beim Überspielen zum Opfer gefallen.
Stefan besah sich etwas enttäuscht die Blätter die außer der Kassette noch in dem Paket waren. Es waren die gleichen Fragebögen, die auch er im Institut ausgefüllt hatte, und er überflog die ersten drei nur kurz, denn sie waren in der Reihenfolge wie die Video-Interviews angeordnet. Den vierten Fragebogen las er etwas genauer. Es war auch dort kein Foto zu sehen, aber die Antworten machten ihn sehr neugierig. Es war wohl eine lebenslustige Frau, ohne Kinder und auch nicht geschieden, welche die Fragen beantwortet hatte. Bei Freizeitbeschäftigungen hatte sie Drachenfliegen angegeben und bei bevorzugte Reiseziele sein über alles geliebtes Norwegen! Stefan war froh, bei der Rubrik Religion eine klare Aussage zu finden. Sie war evangelisch und betonte, dass sie an Gott glaube was ihn beeindruckte. Er war selbst katholisch und fand es immer lächerlich, wenn die Leute auf solche Fragen antworteten, sie würden schon an etwas glauben, irgendwas überirdisches, aber sicher nicht an Gott. Wie konnte man nur so einen Schwachsinn sagen. Gott war doch nur ein Name. Gib diesem irgendwas einen Namen, vielleicht einen kurzen, sagen wir vier Buchstaben z. b. G ? O ? T ? T, und was kommt dabei heraus?
Stefan las noch weiter im Fragebogen und fand immer mehr Übereinstimmungen. Würde es Sinn machen, sich mit der Unbekannten zu treffen? Die Fragebogen waren alle mit Namen versehen. Allerdings waren dies nicht die echten Namen der Kunden, sondern von der Vermittlung ausgewählte Decknamen. Die Unbekannte war unter ?Fee? geführt. Er selbst war der ?Zauberer?. Allein diese Kombination aus der Märchenwelt war schon ein netter Zufall, oder? Er wusste nicht wie sie aussah, aber er hatte einen Hinweis darauf gefunden, wo er sie vielleicht treffen konnte ohne die Partnervermittlung zu benötigen. Sie hatte bei ?Technisches Verständnis? darauf hingewiesen, dass sie ein eigenes Go-Kart hatte an dem sie auch selbst schraubte. Es gab im Umkreis von 50 km nur eine Kartbahn, und die befand sich in einer Halle im Gewerbegebiet der nahen Stadt. Stefan wusste, dass Privatfahrer nur am Samstag vormittag mit ihren Fahrzeugen trainieren konnten, die restliche Zeit konnte man Leihkarts mieten und die Strecke war dann für Privatfahrer gesperrt. Wenn ?Fee? also in der Gegend wohnte, war sie sicher einmal auf der Bahn anzutreffen!
Er hatte schon zwei mal ohne Ergebnis die vollen vier Stunden Trainingszeit ausgeharrt, aber es war ja Winter, und es hatte etwas voyeuristisches, die Kartfahrergemeinde von der Zuschauertribüne aus zu beobachten.
In seiner Pagode hatten die mit der Patina von drei Jahrzehnten überzogenen Ledersitze bald Stefans Körperwärme angenommen und er schaltete das Radio an. Die Musik des Senders regte nicht sehr zum träumen an, so legte er eine Kassette ein von den Eagles. Bei ?There´s a new kid in town? cruiste er über die verschneite Landstraße und versank in seinen Träumen. Immer wieder ermahnte er sich nicht zuviel Wert auf die Optik von ?Fee? zu verwenden. Wenn ein Mädchen so interessante Hobbys und Eigenschaften besaß, konnte es sicher nicht so attraktiv sein, dachte er sich. Aber immer wenn er gedanklich abschweifte, hielt er eine schlanke, hübsche Brünette mit langen, glatten Haaren in den Armen. Ihre Augen schienen ihn förmlich zu durchdringen. Er lag mit ihr auf einer flauschig weißen Decke vor einem offenen Kamin und fühlte sich geborgen während sie ihm liebevoll über den Kopf strich. Er verlor sich in seiner Phantasie und fuhr in das Gewerbegebiet. Er hatte freie Parkplatzwahl, denn so früh am Samstag waren nur einige Transporter mit Teamaufschriften und Pkw mit Aluminiumverkleideten Anhängern auf dem Platz vor dem Eingang.
Er wartete bis der Song der gerade lief zuende war, schloss das Auto ab und ging in die Karthalle. Die Geräuschkulisse holte ihn hart aus seinen Träumen in die Realität zurück. Er ging zur Kasse, aber es war niemand da. ?Beim Training ist zuschauen kostenlos?, warf ihm ein Jugendlicher mit Lederanzug und Helm entgegen, der gerade sein Kart von der Strecke schob. ?Danke?, erwiderte Stefan. Er ging auf die Tribüne und suchte sich einen Platz, der ihm einen guten Blick in das Fahrerlager ermöglichte. Auf der Strecke jagten vereinzelt Karts einer neuen persönlichen Bestzeit entgegen, und im Fahrerlager waren die Teams beim Schrauben. So sehr sich Stefan bemühte, er konnte kein Mädchen entdecken. ?Vielleicht war sie gerade auf der Strecke? dachte er sich und wechselte nach einiger Zeit den Sitzplatz um weiter unten auf der Tribüne besser die Strecke beobachten zu können. Irgendwann stand er auf und stellte sich unten an die Absperrung direkt neben der Strecke. Die Karts schossen nur wenige Meter an ihm vorbei und in den Schutzanzügen war eine Frau kaum von einem Mann zu unterscheiden. Er war mittlerweile schon über zwei Stunden an der Strecke gestanden, als ein Kart direkt vor ihm ins Schlingern geriet und in einen Reifenstapel krachte. Das Kart lag auf dem Rücken und den Fahrer hatte es aus seinem Sitz katapultiert, so dass er neben seinem Gefährt zum Liegen kam. Das Fahrerlager hatte noch nichts von dem Trainingsunfall mitbekommen, und so sprang Stefan kurzerhand über die Absperrung zu dem verunglückten Fahrer. Er lag auf der Seite. Es waren nur einige Sekunden vergangen als Stefan sich über den
Bewegungslosen Körper beugte um Erste Hilfe zu leisten. Er hatte seinen Zivildienst beim Roten Kreuz abgeleistet und es dabei bis zum Rettungssanitäter gebracht. ?Hallo, können sie mich hören?? sprach er mit fester Stimme den Verletzten an. ?Verdammt?, kam es aus dem Helm, ?so schnell war ich noch nie unterwegs und jetzt das!? ?Haben Sie Schmerzen?? , fragte er. ?Ich kann meinen rechten Fuß nicht bewegen, das sticht total!? erwiederte der Verletzte. ?Sie sollten erst mal den Helm abnehmen?. Stefan drehte den Fahrer vorsichtig auf den Rücken, und half ihm den Helm abzunehmen. Er traute seinen Augen nicht, aber als der Fahrer seine Handschuhe auszog, um das Helmschloss zu öffnen kamen zwei zwar nicht sonderlich saubere, aber doch eindeutig feminine Hände zum Vorschein. Als die Verletzte den Helm abnahm, blickte Stefan in die hübschesten brauen Augen, die er jemals gesehen hatte. Ihr brünettes Haar hatte sie zu einem Zopf geflochten, der im Kragen ihrer Lederjacke verschwand.
?Würden sie bitte zurück hinter die Absperrung gehen? hörte er hinter sich. Einige Fahrer waren mittlerweile aus dem Fahrerlager zum Unfallort gekommen. Stefan erwiderte sofort: ?Wenn Sie erlauben würde ich gerne helfen. Ich bin Sanitäter und wie es aussieht hat unsere hübsche Rennfahrerin sich einen Fuß gebrochen. Bitte rufen Sie einen Krankenwagen, ich kümmere mich solange um Sie.? Sichtlich überrascht ob der Schlagfertigkeit seiner Antwort machten sich zwei der zu Hilfe eilenden auf den Weg den Rettungsdienst zu rufen, während ein Dritter bei Stefan und der Fahrerin zurückblieb. ?Kann ich irgendwie helfen??, fragte er. ?Ich werde mal nachsehen, ob unserer Patientin sonst noch was fehlt, aber auf jeden fall könnten wir einen Eisbeutel oder so was gebrauchen. Eine Decke wäre auch nicht schlecht! Haben Sie eine Erste Hilfe Box hier? Meistens ist da ein Kältebeutel zum Knicken drin.? ?Werd´ gleich mal nachsehen!? sagte der Fremde und verschwand Richtung Fahrerlager. ? Hallo, mein Name ist Stefan, wenn sie nichts dagegen haben, würde ich gerne mal kurz ausschließen, dass sie sich sonst noch was getan haben.? ?Nein ist schon okay?, sagte sie mit schmerzverzerrtem Gesicht ?scheint so, als ob sie wüssten was sie täten. Ich heiße übrigens Katja?. Stefan fühlte zuerst ihren Puls. Er war zwar erhöht, aber es schien nicht das sich seine Patientin in einen Schock hineinsteigern würde. Anschließend tastete er ihren Körper ab, bog die Gelenke vorsichtig ein und achtete auf ihr Gesicht um eventuelle Schmerzen frühzeitig zu erkennen. Bis auf den rechten Fuß war offensichtlich alles in Ordnung. Mittlerweile war der Typ mit dem Eisbeutel und der Decke gekommen. ?Hören Sie?, sagte Stefan, ?Mal eine Dumme Frage Katja, hängen Sie an Ihrer Hose??. ?Wie meinen Sie das?? stammelte die Fahrerin. ?Nun ja, ich bin lange Zeit im Rettungsdienst gefahren. Bei so einem Beinbruch fackeln die Sanitäter meistens nicht lange, und schneiden die Hose einfach vom Bein. Geht schneller als das Teil vorsichtig auszuziehen und ist halt weniger Risiko und so. Wenn Du mich fragst machen wir aber nichts kaputt, wenn wir es mal versuchen. Ich fahr´ selbst Motorrad und weis was die Anzüge kosten. Die Entscheidung liegt bei Dir?. ?Also das Lederkombi war wirklich nicht billig. Außerdem war es eine Sonderanfertigung. Wenn es irgendwie geht, würde ich das schon gerne retten!? antwortete Katja. Stefan nickte ihr zu und kniff die Augen dabei kurz zusammen: ? Also, du musst erst mal den Verbindungsreißverschluss von Jacke und Hose öffnen. Dann ziehen wir Dir vorsichtig die Schuhe aus und anschließend werde ich deine Ferse umfassen und Deinen Fuß auf Zug belasten. Das wird kurz stechen, aber solange ich den Fuß dann auf Zug halte, kann unser Freund hier die Hose über Deinen Fuß ziehen. Okay??
Katja öffnete den Reißverschluss und behutsam zog Stefan ihr die Schuhe aus. Er fasste anschließend behutsam und doch fest ihre Ferse und zog vorsichtig den Fuß in die Länge. Katja schrie kurz auf, aber war schnell wieder gefasst. Der Typ mit dem Eisbeutel zog nun vorsichtig nach Stefans Anweisung erst über den gesunden Fuß und anschließend Stück für Stück über den von Stefan stabilisierten Fuß über seinen Arm. Erst als das Bein komplett heraus war, ließ Stefan den Fuß behutsam los. ?So, fast geschafft!? beugte er sich nochmals zu Katja hinunter. Er nahm die Decke, rollte sie der Länge nach halb zusammen, drehte Katja vorsichtig auf eine Seite und legte die Decke unter die Gesunde Bein. Danach drehte er sie wiederum vorsichtig auf die andere Seite, so dass er den zusammengerollten Teil unter ihr zu fassen bekam und herausziehen konnte. Schon als Katja die Hose ausgezogen wurde, bewunderte er ihre zarte Haut. Sie hatte wunderschöne Beine und er fand es ziemlich sexy, wie sie da mit ihrem Slip, der ein wenig unter ihrem T-Shirt hervorlugte lag.
Schließlich umwickelte er den Eisbeutel mit einer Mullbinde an der Bruchstelle und schlug die Decke über ihren Füßen zusammen. ?So, das hätten wir erst mal?. Katja sah ihn bewundernd an. Jetzt wo sie erst mal versorgt war, wusste er nicht, was er tun oder sagen sollte. Er war erleichtert als auf einmal zwei Sanitäter mit einer Krankentrage hinter ihm standen. ?So so, der Stefan. Na, da haben wir wohl nicht mehr viel zu tun, was?? Hörte er eine Stimme hinter ihm. ?Mensch Kalle! Bist du immer noch beim Rettungsdienst, oder wie?? fragte Stefan seinen ehemaligen Arbeitkollegen, den er sofort wiedererkannte. ?Nur noch ehrenamtlich ab und zu. Ich kann´s halt nicht lassen? und zu Katja gewandt sagte Kalle:? Da sind sie ja in gute Hände gekommen! Der Stefan war früher einer unserer besten Zivis!?
?Hab´ ich schon gemerkt! Vielen Dank, Stefan!? und sie zwinkerte ihm zu. Stefan wurde rot. Komplimente vertrug er gar nicht. Kalle und der andere Sanitäter legten Katja auf ihre Trage und fuhren Sie aus der Halle hinaus in ihren Krankenwagen. Ein paar andere Fahrer kümmerten sich um ihren Kart und ihre Sachen. Stefan setzte sich erst mal in das Cafe im Eingangsbereich und bestellte sich einen Capuccino.
Er dachte an Katja, an ihre hübschen Augen, an ihre Tollen Beine und er wusste: er war verliebt! Später setzte sich einer der Fahrer der vorher geholfen hatte zu ihm. ?Man o man, da hat es Katja wohl etwas übertrieben. Wenn man vorher zwei Wochen in Urlaub war, sollte man es etwas langsamer angehen lassen!?. Sagen sie mal, fragte Stefan und versuchte es ziemlich beiläufig klingen zu lassen: ?gibt es bei ihnen eigentlich mehr Frauen im Kartsport??. ? Ein paar Freundinnen der anderen Fahrer setzen sich schon mal auf die Gokarts ihrer Männer, aber Katja ist die einzige bei uns die ein eigenes Kart hat und es auch ohne Mechaniker wartet. Sie ist auch solo, zumindest hab´ ich noch nie einen Kerl bei ihr gesehen! Weis der Teufel warum, so toll wie sie aussieht!?
Stefan unterhielt sich noch eine Weile mit dem Fahrer, zahlte dann und fuhr anschließend nach Hause. Die ganze Fahrt über geisterte nur noch Katja in seinem Gehirn. Sein Herz fing heftig zu klopfen an, wenn er an sie dachte und ein wohliges Gefühl breitete sich in seinem ganzen Körper aus.

-Sonntag-


Sonntag früh schreckte Stefan in seinem Bett plötzlich hoch, als er etwas kaltes nasses in seinem Gesicht spürte. ?Oh man Donny?, fuhr es aus ihm heraus, ?Ok, ich steh ja schon auf?. Sein Labrador stand wedelnd vor seinem Bett. Stefan war um halb sieben schon mal wach gewesen, hatte sich aber dazu hinreißen lassen, noch ein wenig von Katja zu träumen und war wieder eingeschlafen. Mittlerweile zeigte die Uhr auf halb zehn was für den Hund, der an Stefans als Frühaufsteher gewohnt war, wohl eindeutig spät war. Stefan zog sich seinen Trainingsanzug an, nahm die Autoschlüssel und verlies die Wohnung während Don ihn umschwänzelte. Er fuhr in ein nahes Waldstück und begann zu laufen. Er war keine große Sportskanone, aber irgendwie schaffte er es doch ein- bis zweimal die Woche zu joggen. Der Waldweg war ein vielbegangener Wanderweg, und so musste sich Stefan nicht durch hohe Schneewehen kämpfen, während Don ihn ständig umkreiste und sichtbar mit Freude durch den hohen Schnee am Rande des Weges stob.
Wie er so durch den winterlichen Wald lief, wunderte er sich einmal mehr, wie nüchtern so manches starke Gefühl am nächsten Morgen war. Er hatte Katja ja nur kurz gesehen. Er hatte ihr geholfen okay, aber er war Realist genug um sich nichts vorzumachen. ?Sie wird mich eh´ kaum attraktiv finden?, dachte er. Schon immer hatte er eine stämmige Figur und seine Geheimratsecken waren von Jahr zu Jahr mehr ausgeprägt. Von einem 3-Tage-Bart konnte man bei ihm auch nicht mehr sprechen, er hatte gerade im Winter einen dicken Bart, den er hin und wieder in Form brachte, um nicht allzu Wild auszusehen. Insgeheim fand er sich allerdings mit Bart viel interessanter, aber er bekam hin und wieder einen Seitenhieb von den Frauen in seinem Bekanntenkreis. Die meisten hatten keinen Bart, was wohl indirekt der Grund für Stefans war. Er wollte nicht so sein wie die andere. Das hatte er mittlerweile bewiesen, aber er ging auch allein durch diese Welt.
Wieder zuhause stieg Stefan erst mal unter die Dusche. In seinem Bademantel setzte er sich an den Küchentisch und blätterte gelangweilt in der Sonntagsausgabe seiner Tageszeitung, als das Telefon klingelte. ?Kreiswehrersatzamt Nairobi-West? meldete er sich. Ein alter Scherz seines Bruders, den er irgendwann übernommen hatte. Sonntag Vormittag rief sicher ein Kumpel an, da konnte man solche Scherze bringen.?Weist Du wer ich bin?, drang eine lachende Frauenstimme aus dem Hörer. Stefan erkannte sie sofort, auch wenn er sie gestern zum erstenmal gehört hatte. ?Ich hab´ von dem netten Sanitäter Deinen Namen erfahren, und im Telefonbuch gab es nur einen Eintrag. Ich hoffe ich störe nicht am Sonntag, aber mir war so langweilig und ich wollte mich noch mal für die Hilfe gestern bedanken.? Stefans Herz schlug höher. Er konnte es kaum glauben. Da rief ihn doch tatsächlich das Mädchen an, in das er sich gestern unter verrückten Umständen verliebt hatte. ?Kein Problem?, stammelte er und versucht ein wenig mehr Fassung zu bewahren. Innerlich schlug ihm das Herz bis zum Hals: ?In welchem Krankenhaus bist Du denn gelandet??. ?Im Katharinenkrankenhaus. Ist halt nur die Wochenendsparbesetzung hier, aber der Arzt gestern hat mich gefragt, wie ich denn die Hose runterbekommen hätte. Seiner Meinung hätte das so schmerzhaft sein müssen, dass ich das aufgegeben hätte. War aber gar nicht so schlimm! Dank Dir hat es mein Kult-Lederkombi unbeschadet überstanden! Hey, echt noch mal Danke dafür!? ?So im Katharinen also, das ist ja ein Zufall! Da fahre ich heute ja eh´ noch vorbei? log Stefan. ?Wenn Du nichts dagegen hast, schau´ ich mal auf einen Sprung vorbei.? ?Das würde mich total freuen? kam es begeistert vom anderen Ende der Leitung, ?Wie ich schon gesagt habe, fällt mir hier die Decke auf den Kopf und auf Besuch kann ich auch nicht hoffen.? ?Also bis später! Ich wird´ nach dem Mittagessen vorbeikommen, bis dann!? sagte Stefan und konnte kaum seine Erregung unterdrücken. ?Ja toll, bis dann!? drang es an sein Ohr und er legte auf.

Auf dem Weg zum Krankenhaus hielt Stefan noch am Bahnhof an und kaufte 3 rote Rosen. Er zweifelte schon ob es nicht zu aufdringlich war, aber bei Katja wollte er alles riskieren. Zu oft war er in den letzten Jahren zu passiv gewesen, wenn es um ein Mädchen ging. Er parkte auf dem Personalparkplatz und ging über die Notaufnahme in das Gebäude. Er kannte den diensthabenden Pförtner und fragte nach der Zimmernummer von Katja. Schließlich stand er vor der Zimmertür und klopfte an. ?Ja?? kam es durch die Tür und er trat ein. Katja lag auf dem Bett in einem Krankenhaushemd. Sie hatte ihre Bettdecke über den Gesunden Fuß gelegt, nur das Gipsbein schaute heraus. Stefan fand sie wunderschön und als er zu ihr ging um ihr die Blumen zu überreichen, bemerkte er wie angenehm sie roch. ?Ich hab´ schon lange keine Rosen mehr von einem Mann bekommen?, sagte sie und zog ihn zu sich herunter um ihm einen Kuss auf die Backe zu geben, ?und gleich Drei!?. ?Die Zahl hat was zu bedeuten? meinte Stefan. ?Sagt Dir der Name ?Zauberer? etwas?? ?Tut mir leid, damit kann ich nichts anfangen?, erwiderte sie. ?Warst Du nicht in der letzten Zeit mal bei einem Partnervermittlungsinstitut?? fragte Stefan etwas verwundert. ?Doch schon, woher weißt Du das?? wunderte sich nun Katja. ?Ich hab´ eine Mitgliedschaft geschenkt bekommen und war vor ein paar Wochen mal dort. Man hat mir dort den Nicknamen ?Zauberer? gegeben, und etwas später ein Paket mit 4 Videointerviews und den dazugehörigen Fragebögen. Leider war das Interview mit ?Fee? beim überspielen gelöscht worden. ?Fee bin ich!? sprudelte es aus Katja heraus. ?Ich weis?, sagte Stefan ?In deinem Fragebogen stand dass Du ein eigenes Gokart hast und ich wusste dass man nur am Samstag Vormittag mit Privatkarts in der Gokarthalle fahren darf. Deshalb bin ich da mal hingegangen, um Dich zu treffen. Gestern war ich zu dritten mal da, und es hat´ geklappt, wobei ich Dich eigentlich nur mal sehen wollte. Deshalb die drei Rosen?. ?Ich bin erst am Donnerstag vom Urlaub zurückgekommen und war noch nicht auf der Post, um meine Pakete abzuholen. Deshalb hab´ ich Dich nicht erkannt? sagte Katja. ?Das mit den Rosen ist ja echt lieb? flüsterte Katja ihm zu während sie zärtlich seine Hand in die Ihren nahm und ihn mit verliebten Augen anschaute. Es wurde ein langer Nachmittag. Sie erzählten beide von sich und sie vergaßen die Zeit völlig. ?Wolltest Du nicht noch woanders hin?? erinnerte ihn Katja. ?Eigentlich hab´ ich gefunden was ich suche? lächelte es sie verschmitzt an. Erst die Nachtschwester konnte ihn überreden, dass morgen auch noch ein Tag sei.

Ich freu´ mich über Benotungen und Kommentare!

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Viel Spaß beim lesen, Jochen Dormann
Jochen Dormann, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.09.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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