Werner Gschwandtner

Brücke zum Verrat 2

„Silverstar“ Benjann

 

6

 

Schüsse donnerten in der Ferne, aber nur gedämpft schwoll der Kampfeslärm durch den heftigen Regen in das Führungslager des neuen Kommandanten der britischen Armee. Admiral Shannon Fulbright.

Drei Monate waren seit der Ermordung der beiden Truppen Kommandanten Wayne und Woodard vergangen. King George hatte nach seiner Ankunft in South Carolina erfahren, das die Miliz den Waffenstillstand gebrochen hatte. So sah es zuminderst in den Augen des Königs aus. George II. übertrug Fulbright die Verantwortung über die britische Truppe und verlangte einen baldigen Sieg über die Amerikanische Rebellen Miliz. Dann reiste der König zurück nach England.

Fulbright koordinierte zusammen mit seinen neuen Vize-Admiral Wallace und Colonel Louis den Aufmarsch zur letzen Konfrontation gegen die Miliz. Kommandant Eugen Hunter, der auf die Seite der Britten gewechselt hatte, stand ebenfalls dem intriganten Fulbright zur Seite. Für die Miliz hatte der neue Krieg keinen Segen gebracht. Bereits beim ersten Ansturm wurde die Truppe hart getroffen und stark reduziert. Jetzt, fünfhundert Kilometer nach South Carolina „City Town“, in westlicher Richtung, in der weiten Steppe des Landes schien die Kapitulation unausweichlich. Es Regnete, in dicken Schnüren fielen unaufhörlich Wassermengen vom verdunkelten Himmel und gaben der gesamten Umgebung ein gespenstisches Aussehen.

„Hier“, Fulbright zeigte auf den Coyoten Canyon, der unweit der momentlichten Position der Miliz war und prophezeite, „genau hier, in dieser Schlucht, werden wir die Miliz für immer schlagen.“

„Und wenn sie den Canyon meiden? Was ist, wenn sie hier“, Vize-Admiral Samuel Wallace zog die Landkarte ein wenig näher an sich und zeichnete eine weitere mögliche Route ein,

„über diese Bergkette nach Norden abweichen und den Red Stone Fluss überqueren?“

„Ich denke“, Fulbright war sich Siegessicher und zweifelte zu keiner Sekunde an seine Überlegenheit, „das die Miliz den vermeintlich schützenden Canyon zum Basislager erwählen werde. Dadurch können wir sie unbegrenzt einschließen.“

Fulbright erwartete keinerlei weiteren Vorschläge. Er gab seinen Untergebenen unmissverständlich zu verstehen, das es so wie er es wolle gemacht werden musste und aus. Sein Wort war Gesetz und es musste nach seinen Ansichten ausgeführt werden. Nachdenklich verließ Wallace den Admiral. Er sah keinen Sinn in der unlogischen Handlung Fulbrights, aber er Freude sich auch innerlich über diese Sachlage, hatte er dadurch eine Option, seinen eigenen Plan aus zuüben.

„Fulbright geht zu weit“, Wallace regte sich gekünstelt auf, während er und Louis, durch die aufgewichte Steppe, zu ihrem Zelt zurück stapften. Der Colonel fluchte grimmig.

„Zum Teufel mit Fulbright und zum Teufel mit diesem Wetter. Seit beinahe einem Monat Regnet es andauernd. Wie lange soll ich noch durch diesen ekeligen Morast kriechen?“

„Fulbright wird auf die Nase fallen“, Wallaces Augen blitzten bedrohlich auf, doch Louis sah es nicht, „ich glaube nicht das die Miliz so blöde ist und sich freiwillig in einen Canyon fest setzten lassen wird. Die Burschen werden über den Red Stone Fluss nach Norden ausweichen, dafür lege ich meine Hand ins Feuer.“

„Aber was sollten sie in Norden wollen?“ Edward Louis schüttelte sich. Die Uniform war nass und klebte überall vom Schmutz. Auch Wallace hatte schon einen adretteren Eindruck gemacht. Dichte Bartstoppeln standen dem Vize-Admiral im Gesicht und die durch gearbeiteten Nächte, zeigten ihre ersten Merkmale. Rote Augen, in tiefen Höllen liegend und ein abstumpfender Blick, der dennoch eiskalte Berechnung widerspiegelte.

„Ich denke da an Benjann“, lange war dieser Name nicht mehr gefallen. Frank „Silverstar“ Benjann hatte Wallace am Tag der Ermordung Woodards öffentlich an den Pranger gestellt. Er hatte den damaligen Colonel mit einem Gewehr, unmittelbar nach dem Schuss gesehen. Fulbright setzte deswegen eine Ordnungsgemäße Anhörung an, Wallace hatte sich wegen dieses Verdachts zu Rechtfertigen.

„Benjann spionierte mir ab diesem Zeitpunkt hinter her“, Wallace knurrte erbost, „er ließ mich allgegenwärtig spüren, dass er ein Auge auf mich geworfen hatte.“

„Ja“, Colonel Louis hackte ein, „das ist zwar wahr, aber Benjann hatte keine Beweise und ihr wurdet ja von Fulbrights Untersuchung  entlastet. Dann, ungefähr vierzehn Tage später, verschwand der Captain spurlos. Fulbright gab Allgemein Kund, das Benjann Desertiert hatte. Er erklärte den Captain für Fahnenflüchtig. Ich habe aber immer angenommen, dass du ihn unauffällig beseitigt hättest. War dem nicht so?“

„Leider nicht“, Wallace spuckte aus, „Benjann war mir Gefährlich nahe gekommen. Für einen Moment habe ich geglaubt das Fulbright mich fallen lässt, er hätte sich auf diese schlaue weise einen Mitwisser entledigen können.“

„Darin liegt der Hase begraben“, Louis rezitierte schwungvoll, „Fulbright braucht uns. Keiner außer uns beiden, nicht einmal dieser Hunter, weiß so über die Absichten Fulbrights bescheid, so wie wir beide. Wenn er einen von uns fallen lässt, muss er ihn schon Umlegen, andernfalls würde Fulbright ebenfalls abstürzen.“

„Schon“, Wallace blickte gegen den Himmel, der Regen plätscherte hart gegen sein Gesicht. „aber andererseits, Fulbright hat sehr viel Ansehen. Deswegen hätte ich mich an seiner Stelle so schnell wie möglich von diesem unliebsamen Ballast befreit. So oder so.“

„Unke nicht Wallace“, Edward Louis bekam eine Gänsehaut, „Unglücksgedanken rufen Unglück herbei. Wir sollten froh darüber sein, das wir noch immer in der Gunst des Admirals stehen.“

„Aber wie lange steht der Admiral noch in der Gunst von mir?“ ein Grinsen machte sich über den müden Gesichtsausdruck des Vize-Admirals breit. Dieses Grinsen vertiefte sich. Nun glich das Lächeln Wallaces mehr einer teuflischen Fratze. „Wie lange brauche ich Fulbright noch? Das mein Lieber Louis, ist nunmehr die primäre Frage.“

Colonel Louis warf Wallace einen stillen Seitenblick zu. Diese Entwicklung gefiel ihm absolut nicht, aber was sollte er dagegen tun? Egal wer nun das Kommando führte, er war längst über die Brücke des Verrats geschritten. Ein Zurück gab es für Louis nicht.

 

7

 

Der Regen klatschte den geschundenen Männern der Miliz ins Gesicht. Seit drei Monaten versuchten die Rebellen gegen die britischen Armee stand zuhalten. Doch mit jedem Tag der verging, wurde die Lage Trostloser. Die schier unüberwindliche Übermacht der Briten wollte kein Ende nehmen.

Colonel Thomas Request lies zum Rückzug blasen. Auch diese Runde ging erneut an den Feind. Von Achthundert Mann, die sie vor Ausbruch des neuen Krieges noch gewesen waren, konnten sich jetzt nur mehr gute dreihundertzweiundzwanzig Soldaten auf den Beinen halten. Die Anderen waren gefallen.

Müde hockte der Colonel jetzt über der Landkarte dieser Region und versuchte einen Ausweg aus dieser verfahrenen Situation zu finden. Kundschafter hatten berichtet, das Fulbright den gesamten Osten blockierte. Eine Armee von tausend Mann kam der Miliz von Süden entgegen, weiter westlich befand sich ein Canyon, der zwar Sicher schien, aber man war darin auch Eingeschlossen. Logisch betrachtet blieb nur mehr der beschwerliche Weg nach Norden. Über die Falcon Mountain und dann das Flussbett des Red Stones entlang, bis… Ja, bis was? Wohin sollten sie sich wenden?

Ein Schatten huschte am Zelt vorbei. Request wurde durch diese Bewegung aus den Gedanken gerissen. Wer schlich zu dieser späten Stunde noch durch das Lager?

Hastig griff der Colonel zu seiner Waffe und spannte den Hahn des Revolvers. Dann trat er aus dem Zelt. Niemand war zu sehen. Hatte er sich das nur Eingebildet? Spielten seine angeschlagenen Nerven ihm einen Streich?

Noch im Überlegen wollte sich Request abwenden, doch da knackte unweit ein Ast. Das Geräusch schien aus seinem Rücken zukommen. Jetzt war wieder alles still. Ruckartig wirbelte der Colonel herum, keine Seele zeigte sich. War es doch nur eine Halluzination?

Request tat einen Schritt ins Zelt. Dann spürte er einen harten Gegenstand in seinen Rücken.

„Gehen Sie weiter Sir“, die Stimme sprach leise, aber bestimmt, „ich will ihnen nichts böses.“

Für einen Augenblick blieb der Colonel wie angewurzelt stehen. Der Lauf eines Gewehres drückte sich fester in den Rücken.

„Es ist nicht gerate Höfflich so einen Besuch zu machen Sir.“

„Korrekt Sir, aber ich hatte keine andere Wahl. Zumal ich nicht wusste, wie Sie mich aufnehmen.“

Request trat vollends ins Zelt. Der Gewehrlauf löste sich aus dem Rücken des Soldaten. Mitten im Zelt gebot der Eindringling den Colonel stehen zu bleiben.

„Halt Sir“, nun wurde die Stimme etwas deutlicher, „sie können sich nun umdrehen.“

Colonel Request wandte sich langsam seinem Gegenüber zu. Es dauerte nur wenige Sekunden, dann erkannte Request den nächtlichen Besucher.

„Captain Benjann? Was führt Sie in unser Lager? Berichten der Briten zufolge haben Sie Desertiert.“

„Das stimmt nicht ganz“, erläuterte er trocken, „aber in den Augen derer die ich Verfolge ist das eine strategisch wichtige Aussage.“

Captain Frank Benjann stellte das Gewehr ab. Colonel Request bot den Briten einen Platz an. Er konnte sich noch sehr gut an den jungen Offizier Erinnern. Ohne zu Zögern hatte er damals einen Mann aus seiner eigenen Kompanie der Verschwörung Angeklagt. Die Sachlage war klar gewesen, nur der Beweis fehlte. Colonel Samuel Wallace konnte sich aus der Geschichte heraus reden. Und Fulbrights Untersuchung untermauerten seine Angaben, er wurde Frei gesprochen. Und jetzt war er Vize-Admiral, Fulbrights rechte Hand.

„Wie stehen die Dinge?“ Frank Benjann nahm dankend die Tasse heißen Kaffees in Empfang und trank einen kräftigen Schluck.

„Konnten Sie Fulbright zurück schlagen?“

„Leider nein“, ein gekünsteltes Lächeln huschte über die Miene des Colonels, „die Miliz ist so gut wie am Ende. Ich befürchte das wir uns in weniger als einer Woche Ergeben müssen.“

Lange Zeit schwiegen beide. Benjann trank den frischen Kaffee hastig aus. Sofort goss Request die leere Tasse nach.

„Die Liste? Stehen die beiden anderen Männer noch auf der Liste?“

Request nickte.

„Dieser Lieutenant, Louis. Nicht wahr?“

„Ja, Edward Louis.“

„Genau, Louis und mein ehemaliger Commander Eugen Hunter verweilen noch immer im Schatten von Samuel Wallace.“

„Ich bin mir absolut sicher“, Benjanns Stimme wurde hart, „dass diese drei Männer für die Verschwörung vor drei Monaten verantwortlich sind. Sie haben den Plan ausgeführt, aber ein anderer, ein höherer hatte den Plan entworfen.“

„Wer?“

„Ich denke es war der damalige Vize-Admiral Shannon Fulbright. Nur er hatte einen wirklichen Grund um den Krieg nicht Enden zulassen.“

„Die Beförderung zum Admiral und das eigene Kommando über den gesamten Truppenzug der britischen Armee hier in South Carolina?“

„So ist es. Jetzt muss ich es nur noch Beweisen.“

„Und was ist mit den beiden Männer, die als Sündenböcke hingestellt worden waren?“ Colonel Request schüttelte sich.

„Nun, bei Laster Edington bin ich mir nicht sicher. Er war Tot als man ihn, von dem Säbel des Generals durchbohrt, vorfand. Er könnte nur als falsche Fährte benutzt worden sein.“ Benjann trank die zweite Tasse Kaffees aus.

„Aber bei Korporal James Brown Edington ist die Sachlage klar. Er sprang auf Woodard mit gezücktem Schwert los. James Brown schlitzte den linken Arm auf, so dass dieser Amputiert werden musste. Er war auf ganz Sicher mit drinnen und da Laster der Bruder war, glaube ich das auch der Korporal genau wusste was da abging und nur als Ablenkung Mundtot gemacht worden war. Was eignet sich besser, ein Attentat und ein zum schweigen gebrachter Attentäter.“

„Wie geht es nun weiter?“

„Welche Strategie verfolgen Sie Sir?“ Benjann beugte sich neugierig über die Landkarte.

„Ich habe noch nichts entschieden. Aber es gibt ja auch nicht viel zu entscheiden. Im Osten und Süden sind die Briten. Im Westen ein natürliches Gefängnis, daher bleibt nur der Weg über die Falcon Mountain.“

„Gut“, Benjann nickte, „ziehen Sie mit ihren Männer nach Norden. Vier Kilometer das Flussbett hinauf, werden Sie eine kleine Stadt mit dem Namen Chervil erreichen. Dort warten fünfhundert Mann auf ihren Befehl.“

„Ich verstehe nicht ganz“, Colonel Thomas Request erhob sich. Tief holte der Soldat Luft. Diese Aussage Benjanns konnte der Miliz-Offizier nicht einordnen.

„Wer sind diese Männer?“

„Es sind Soldaten ihrer Miliz. Sie wurden vor vier Monaten am Cheyenne-Pass gefangen genommen. Ich konnte sie befreien und führte sie nach Chervil. Jetzt erwarten diese Männer ihre Ankunft.“

„Vielen Dank, aber dennoch sind die Briten noch in der Überzahl. Fulbright selber Kommandiert über gut achthundert Mann und aus dem Süden kommen noch einmal tausend Mann dazu.“

„Korrekt“, der Brite konnte dem nur zustimmen, „aber glauben sie mir Sir, ich habe noch einen gewaltigen Trumpf im Petto.“ und dann witzelte Benjann ein wenig. „Nur mehr achthundert?“ er lachte etwas verbittert auf. „Vor drei Monaten waren es noch fünfzehnhundert. Da hat ihre Division bereits siebenhundert Mann beseitigt. Bei einem eigenen Verlust von nur knappen fünfhundert. Alle Achtung, da muss ich meinen Hut ziehen.“

Colonel Request musste nun ebenfalls lachen. Es war ja auch zu komisch. Nur über zweihundert Mann Unterschied, bei dieser doch sehr ungleichen Stärke.

 

„Sir, die Späher berichten, dass sich die Division Colonel Requests in Bewegung setzt. Sie ziehen in Richtung der Falcon Mountain.“

Fulbright horchte auf. Der Bote salutierte und trat aus dem Kommando Zelt. Vize-Admiral Wallace schlug sich mit der Faust in die hole Hand.

„Sehen sie Sir“, Wallace konnte es nicht lassen, er musste Fulbright mit der Faust auf die Tatsache stoßen.

„Ich habe es ihnen gesagt. Die Rebellen pfeifen auf ihren Canyon.“

Fulbright ignorierte die höhnische Aussage Wallaces.

„Aber was wollen sie im Norden? Dort gibt es nichts.“

„Aber anscheinend dennoch mehr, als in dem Canyon.“

„Wir müssen diese Milizleer stoppen. King George wird die Ereignisse der vergangenen Monate prüfen. Und auch wenn Frank Benjann verschwunden ist und als Deserteur da steht, seine Anschuldigung gegen sie ist nicht von der Hand zu weisen. Der König könnte Fragen stellen. Fragen, auf die sie keine plausible Antwort haben. Das sollten wir vermeiden.“

„Nun Sir“, Wallace richtete seinen kalten Blick auf den Admiral, „sollte es soweit kommen, dann Vertraue ich ganz auf ihre Fähigkeit die Dinge wieder ins rechte Licht zurücken.“

„Das wird mir vielleicht nicht möglich sein.“ Fulbright zeigte Besonnenheit.

„Wie darf ich das Verstehen Sir?“

Wallace war hellhörig geworden. Seine Arroganz schwand für einen Moment, scharf blickte er den Admiral in die Augen. Dieser lies den Blick abschweifen und hantierte an seiner Uniform.

„Das können sie Verstehen“, Fulbright wirkte Gelassen, „wie sie es wollen. Im Ernstfall sind Sie auf sich alleine gestellt. Ich Riskiere meine Position nicht wegen Ihnen.“

„Aber ich könnte sie mit hinunter ziehen“, Wallace knackte erzürnt mit dem Kiefer, „Glauben sie wirklich das ich ihre Suppe auslöffle?“

„Das werden sie müssen Wallace“, Fulbright lachte nun seinerseits höhnisch, „sie haben schlussendlich Woodard ermordet. Sie alleine stehen dadurch und durch Benjanns Anschuldigung im Fadenkreuz der Gerichte. Ich habe von nichts gewusst, das wird meine Aussage gegenüber King George sein.“

Fulbright wandte nun den Vize-Admiral den Rücken zu. Das war sein Fehler. Als der Hahn knackte, war an eine Gegenwehr nicht mehr zudenken. Langsam drehte sich Shannon Fulbright um. Seine Augen irrten unsicher durch das Zelt.

„Na nun hören sie aber auf Wallace. Was soll das werden?“

„Sie haben kein Ehrgefühl“, Wallace spuckte dem Admiral an, „sie Sir sind unfähig diesen Zug zu Kommandieren. Ich habe jeher auf diesen Moment hin gearbeitet. Alles was ich tat, tat ich für mich und meine Pläne. Und nun“, Samuel Wallace hob die Hand mit der Waffe höher, „werde ich ihre Position einnehmen und die Miliz noch in weniger als einer Woche zerschlagen. Haben Sie noch irgendwelche letzten Worte für mich? Eventuell Worte des Glücks?“ Wallaces Arroganz war zurückgekehrt, er lachte voller Hohn und Spott.

„Sie können nicht schießen“, Fulbright versuchte Cool zu bleiben, aber die Angst nagte an seinen Nerven, „der Lärm wurde das gesamte Lager Informieren. Was wollen Sie den Männern sagen“ höhnisch grinste Fulbright nunmehr den Vize-Admiral an. Doch dieser lächelnde nur Hinterlistig.

„Kein Problem Sir. Ich werde einfach sagen, sie Sir hätten sich auf Grund ihrer Andauernten Fehleinschätzungen das Leben genommen. Viele der Männer sehen ihr Verhalten genau so wie ich. Sie werden mir Glauben.“

Mit diesen Worten trat Wallace auf den Admiral zu und setzte die Pistole an dessen Schläfe. Dann, ohne ein weiteres Wort krümmte er den Finger. Der Schuss krachte, die Kugel durchschlug den Kopf und verteilte das Gehirn Fulbrights in Zelt. Im selben Augenblick lies Wallace die Waffe fallen und stürmte laut rufend aus dem Zelt.

„Sanitäter“, schrie er laut, „ich brauche einen Sanitäter, der Admiral hat Selbstmord begangen.“

 

8

 

Der Marsch über die Bergkette war für die dreihundertzweiundzwanzig Mann starke Division der Miliz ein Höhlen Trip. Sie hatten keine Ruhe gefunden und obwohl es endlich aufgehört hatte zu Regnen, brannte jetzt die Sonnen umbarmherzig hernieder.

Zwei Tage waren vergangen. Die Aktion, die am Tag des Aufbruches im Lager der Briten geschehen war, hatte sich noch nicht zu den Miliz Soldaten verbreitet.

Captain Frank „Silverstar“ Benjann hatte die Männer einen Tag lang bekleidet. Dann schlug er einen Weg ein, der den ehemaligen Offizier der britischen Armee ans Meer führen würde.

„Viel Glück Colonel. Ich werde in wenigen Tagen zu ihnen aufstoßen. Wenn meine Kontaktperson Wort gehalten hat.“

Mehr sagte der Captain nicht. Rüstig schritt er aus und verschwand nach wenigen Minuten hinter einer Bergformation. Seine Schritte halten noch lange nach, aber schließlich verstummten sie.

„Okay, los Männer. Nur keine Müdigkeit vortäuschen.“ Colonel Thomas Request trieb seine Männer härter an. Jede Minute war Kostbar. Die Briten würden bald, wenn sie es nicht ohne hin schon wussten, die Absicht der Miliz erkennen.

 

Der Zug der siebenten Regiments Truppe war vor einem Tag aufgebrochen. Der Selbstmord des Admirals hatte die Gemüter mancher Soldaten und Offiziere verdunkelt. Nur einige waren darunter, die anders über diesen Tot dachten.

Wallace hatte eiskalt das Schauermärchen über den fehlgeleiteten Selbstmord verbreitet. Keiner lies auch nur im Ansatz einen Zweifel aufkommen das es nicht so gewesen sein könnte. Keiner, außer einem. Colonel Edward Louis. Er kannte ja Wallaces Ziele.

Samuel Wallace hatte sich selber in den Rank des Admirals erhoben. Automatisch rückte Louis zum Vize auf und Eugen Hunter wurde zum neuen Colonel für die Truppenformierung ernannt. Jetzt hechtete das Regiment hinter der Miliz her. Einen ganzen Tag hatte diese gewonnen, doch Wallace machte sich darüber keine Sorgen. Er wusste das Captain Saunders, aus dem Süden, mit weiteren tausend Mann anrückte.

 

Captain Benjann schritt zügig aus. Er hatte nur fünfzehn Stunden Zeit um die Küste zu erreichen. Wenn seine Kontaktperson zu verlässlich Gearbeitet hatte, dann waren zwei Dinge ins Rollen gekommen. Erstens. Eine verschlüsselte Botschaft war an King George gegangen, in der Offenbart wurde, welche Hinterlistigen Verräter sich im siebenten Regiment aufhielten. Darin wurde auch die Erklärung abgegeben, dass er, Frank „Silverstar“ Benjann, nicht Desertiert hatte, sondern aus dem Untergrund, im geheimen, Beweise beschaffen wollte. Das war Admiral Woodards Befehle gewesen. Beweise hatte Benjann zwar im Moment noch keine, aber gegenwärtig rechte der ausgesprochene Verdacht schon aus um den König zum handeln zu zwingen. George II. musste auf dieses Kommunikee agieren. Ob er wollte, oder nicht.

Zweitens. Benjann hatte sich über inoffizielle Kanäle Kontakt zu den Franzosen verschafft. Die Seeflotte Frankreichs stand noch in der Schuld der Engländer. Benjann forderte diese Schuld nun ein. Dieser Wahnsinn, den Shannon Fulbright vom Zaun gebrochen hatte musste sein Ende finden.

 

Durch das kühlende Nass des Süßwasserflusses hatten die Miliz Soldaten wieder einigermaßen Kräfte sammeln können. Seit vierzig Stunden waren die Männer nun Unterwegs. Nach den Berechnungen Benjanns und Requests, müsste die Stadt Chervil in weniger als einer halben Stunde in Sicht kommen. Es war auch an der Zeit. Was nützte es, wenn sie um gut fünfhundert Mann stärker wären, wenn keine Möglichkeit mehr verblieb, dass die dreihundertzweiundzwanzig Soldaten ausruhen konnten.

„Ich weiß Männer“, Request spornte sie noch mal an, „ihr und genauso ich, wir sind alle gleich viel geschafft. Aber dennoch. Die letzten paar Kilometer bringen wir auch noch im schnell Schritt hinter uns. Davon hängt vieles ab, eigentlich sogar alles.“

Die Soldaten, die sich bereits mühsam einen Schritt nach dem anderen vorwärts schleppten, verstanden den schleifenden Ton ihres Kommandeurs und obwohl es eine enorme Belastung war, setzte die Miliz noch ein gutes Stück Tempo hinzu. Hier hieß es jetzt alles oder nichts.

 

Vier Fregatten der französischen Flotte ankerten unweit der Nord/Westlichen Küste South Caralinas. Sechzehn Beiboote waren zu Wasser gelassen worden und hatten am Stand angelegt. Die französische Seemarine entsandte insgesamt fünfhundert Soldaten für den Kampf der Gerechtigkeit.

Nachdem die ersten hundert Männer ausgestiegen waren, machten sich die Beiboote auf um die nächste Fuhre zu tätigen.

„Capitan Benjann?“

„Silverstar“ Benjann grüßte militärisch. „Aye Sir. Das bin ich.“

„Ich bin Gall Sion. Hier ist meine Ordre de marche.“

Benjann übernahm das offizielle Schreiben und überflog es kurz. Es war nur ein Bekleidsatz, in dem die französische Regierung ihre Unterstützung bekannt gab.

„Vielen Dank Monsieur Sion. Wenn Sie ihre Truppen soweit haben, dann können wir los ziehen.“

„Aye Capitan. Aber sprechen Sie mich prière mit Marshal an. Das ist meine Condition.“

„Selbstverständlich Sir“, Benjann verneigte sich kurz, „Verzeihen Sie bitte meine Unachtsamkeit.“

„Pardon gewährt Monsieur Capitan. Wir wollen non temps verlieren.“

Damit war für den Moment alles gesagt. Eine Stunde später waren alle fünfhundert Soldaten an Land und Abmarsch bereit. Captain Frank „Silverstar“ Benjann und der französische Marshal Gall Sion führten die Garnison an. Dieser Tag neigte sich bereits dem Ende zu.

 

9

 

King George lief in seiner Resistenz unruhig auf und ab. Vor einem Tag hatte der König eine Depesche von einem seiner Soldaten aus Amerika erhalten. Darin wurde Offenbart, das Colonel Wallace, jetzt Vize-Admiral an der Ermordung Woodards beteiligt und wahrscheinlich sogar das durchführende Organ gewesen sei. Captain Frank Benjann schrieb weiteres, das er in den Untergrund gehen musste um Beweise für seine Behauptung zu finden. Das alles regte den König schon sehr auf, aber der letzte Absatz, brachte das Fass zum Überlaufen.

„Ich bin der Ansicht dass dieses Komplott nicht nur von britischen Offizieren eingefädelt worden war. Es müssten auch Männer der Miliz daran beteiligt gewesen sein. Das vermeintliche Überlaufen des Commander Eugen Hunter spricht Bände. Weiteres bin ich der Ansicht das der ehemalige Vize, jetzt Admiral, Shannon Fulbright hinter der ganzen Aktion steht.“

„Greenfield”, King George rief nach seinem Stabschef, „Greenfield. Rufe den Kriegsrat ein, wir ziehen nach South Carolina.“

General John Greenfield verstand dieses ersuchen nicht. Aber er fragte auch nicht. Das Wort seines Königs war ihm Gesetz.

 

Das Glück hatte es gut mit den Soldaten der Miliz gemeint. Noch vor dem Abend hatten sie das Städtchen Chervil erreicht. Die Begrüßung unter den Kameraden war Herzlich. Es wurde gut gegessen und dann durften die dreihundertzweiundzwanzig Soldaten endlich einmal wieder eine ganze Nacht lang durch schlafen.

Heute, waren alle frisch und Munter.

Der Vormittag verlief noch ruhig. Abwechselnd wurde Gewacht. Man wollte von den Briten ja nicht Überrascht werden. Colonel Thomas Request und Captain Jack Marine, der die fünfhundert Milizleer bisher angeführt hatte, verstärkten die Befestigungen der Stadt und inspizierten die Schlüsselpositionen, damit keine Lücke in der Abwehr entstehen konnte. So wie bei den letzten Schlachten, ein offensiv Angriff, Mann gegen Mann mit vorgehaltenem Bajonett, konnte Request nicht länger Verantworten. In diesem barbarischem Blutsport waren die Briten die besseren Kämpfer. Das sollte aber auf keinen Fall als Kompliment auf gefasst werden.

„Status Lieutenant?“ Colonel Request überprüfte zum Abschluss die bereits verdoppelten Wachen und erwartete den Report des Soldaten.

„Noch keinen Feind gesichtet Sir. Status, alles gesichert Colonel Sir.“

„Weiter machen Lieutenant.“

Request war zufrieden. Alles was zu bedenken war, ist bedacht worden. Jetzt hieß es abwarten und auf das weitere Glück vertrauen. Und wenn alles nach Plan funktionierte, dann gab es da ja auch noch den geheimnisvollen Trumpf aus Captain Frank „Silverstar“ Benjanns Ärmel.

Stunde um Stunde verstrich. Die Mittagszeit war seit unzähligen Momenten vorüber. Der Tag näherte sich bereits wieder dem Abend.

Da, urplötzlich schellte die Glocke am Hauptplatz von Chervil.

„Alarm Sir. Die Briten rücken vor. Alle Mann an die Waffen.“

Dieser Ruf durch zuckte alle Miliz Soldaten wie ein Blitz. Wie durch einen elektrischen Schlag, sprangen alle auf die Beine und bereits nach wenigen Minuten hatte jeder Mann seine vorher bestimmte Position eingenommen.

Colonel Request beobachtete das siebente Regiment durch seinen Fernstecher. So weit er es überblicken konnte, waren dies die achthundert Männer unter der Führung von Admiral Fulbright. Die Truppen aus dem Süden waren also noch nicht zu diesen Soldaten gestoßen. Das konnte man sehen wie man wolle, auf der einen Seite war es ein Vorteil. Auf der anderen Seite aber wieder nicht. Das Regiment kam näher. Jetzt konnte Request und auch Jack Marine mittels des Fernstechers die einzelnen Personen erkennen. Verwundert suchte Colonel Request nach Admiral Fulbright. Er konnte schließlich aber nur Wallace als Führer der Truppe ausmachen. Nachdem die Briten in einer Entfernung von hundert Metern zum Stillstand gekommen waren, konnte Request sehen, das Samuel Wallace nun die Rangabzeichen eines Admirals trug. Was war geschehen? Die Ruhe vor dem Sturm hatte begonnen.

 

 

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Teil 2, „Silverstar“ Benjann »

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