Manfred H. Freude

Der Chorleiter




Der Chorleiter




Der Chorleiter betrat den Raum und, brummte. Er brummte einen Ton, der wohl seinen derzeitigen Tageszustand ausdrückte, seinen Seelenzustand.
Einen Ton der zeigen sollte, wie er den weiteren Verlauf der Proben gestalten würde.
Der Brummton klang wie „guten ...“ zeigte aber gleichzeitig,: „na freut euch nicht zu früh“.
Noch hatte er keinen Blickkontakt, es war nur dieser Brummton, der beim Hinsetzen auf den Klavierhocker in ein Ausbrummen überging, was die Anwesenden wohl mit „na dann wollen wir mal gleich anfangen“ interpretierten.
Alle Anwesenden empfanden erst mal die darin enthaltene Musik
ja es konnte vorkommen, das einige Stimmen im Chor dieses Brummen für das Vorgeben des Grundtones annahmen und gleich mit dem Anstimmen begannen. Worauf der Chorleiter nur antwortete „ ich habe noch keinen Ton angegeben“.
Das Brummen, das leichtere Ausbrummen, und dann das Krachen. Krachen des Klavierhockers, auf dem sich hundertachtzig Kilo niederließen. Wumm.
Dieses Wumm, war das Zeichen, bei dem sich die einzelnen Chormitglieder ihrem Nebenmann zuwandten und ihn jeweils vielsagend anschauten.
Sie schauten sich an, und innerhalb weniger Sekunden lief eine lange Geschichte von Auge zu Auge. Und dies gleich zwanzigfach mal zwei und das hin und her, wie ein Gewitter im Gehirn
in den Nervenzellen, die bereit waren sich in einem Blitz zu entladen, bis, ja plötzlich wurden alle wieder aufgeschreckt durch ein hartes KLACK.
KLACK, jetzt hatte der Chorleiter den Klavierdeckel hochgeklappt. KLACK.
Das Ritual war fast vollendet. Klack das war das Zeichen, der Ton, den der Chorleiter in seinem Notengedächtnis brauchte. Klack, wenn er diesen Ton hörte, wusste er, jetzt geht’s los, jetzt war er wieder Musiker. Klack das war sein Ton.
Wie für einen Hundertmeterläufer der Startschuss. Aber es war noch mehr. Während dieses Klack, öffnete sich eine Reihe schwarz-weißer Tasten. Tasten, die nach dem Klack, riefen, riefen wie die Zähne eines Raubtieres. Grrrrrrr, wehe wenn wir berührt werden. Aber dieses konnte den Chorleiter nicht schrecken.
Man weiß auch nicht, wollte er mit dem Klack sich selber Mutmachen oder Aufwecken oder die Tasten erschrecken. Alle Anwesenden wussten, was nun geschah, aber sie starrten gebannt und erwartend auf den Chorleiter. Wie war seine Stimmung?
An wen würde er sich auslassen? An den einzelnen Sänger, an den Chor, an den Tasten?
Der Chorleiter starrte auf die Tasten und griff mit weit ausgebreiteten Armen über die Tasten. Die Arme schwebten über den Tasten, so als wolle er ausprobieren, wie weit er wohl mit seinen Armen komme. Dies kontrollierte er indem er zuerst bis zur rechten Hand blickte und dann bis zur Linken.
Es wirkte als wären die Arme etwas kurz, aber sie waren nicht kürzer als bei anderen Menschen von gleicher Größe, aber bei diesem massigen Körper wirkten die Arme einfach zu kurz. Man musste sich aber wundern, das diese zu diesem Klavier aber völlig ausreichten.
Und man wunderte sich, das er nun nicht plötzlich mit dem Klavierspiel loslegte. Nein,
er senkte mit ausgestreckten Armen seinen Kopf, so dass seine Nase fast die weißen Tasten berührte, um ihn gleich wieder zu heben. Er schaute hoch, fast durch den Chor, der mittlerweile in zwei Reihen vor ihm stand, hindurch. Dann zog er seine Arme zusammen, presste die Hände mit offenen Handflächen gegeneinander um dann die Rechte Hand hochzuheben und mit dem Zeigefinger gegen den Himmel zeigte, als ob er darauf hinweisen wollte, wo Gott wohnt um dann den Finger herunterstürzen zu lassen und eine weiße Taste zu treffen, so als hätte er mit einem Karateschlag zwei Ziegelsteine durchschlagen.
Durch den Raum ertönte ein Piiinnnnnnnnngg.
Ein Ton, mein Gott ein Ton, ein richtiger Ton. Das erste Lächeln trat auf sein Gesicht.
Wie gelöst ging auch zunächst ein Lächeln durch den Chor. Man blickte sich wieder an, diesmal wesentlich gelöster, um dann einem Gemurmel überzugehen, ja Einige waren nun so gelöst, das sie zu leichtem Witz und Lachen übergingen.
Der Chorleiter hatte sich inzwischen wieder gefasst und schickte soeben einmal ein hartes und ganz kurzes „Ruhe“, in den Raum. So kurz wie dieses Klack des Klavierdeckels, oder das Ping des herabstürzenden Zeigefingers.
„Ruhe, wir wollen doch alle endlich anfangen“
Dazu war nichts zu sagen. Alle und Endlich. Wozu nun diese Gemeinsamkeit? Und wer bitte verzögerte hier die Chorproben mit der unsäglichen Selbstinszenierung.
Gewiss, nur die wenigsten im Chor wussten, das der Chorleiter auf diesen Moment schon seit zwei Stunden gewartet hatte, bis endlich alle Mitglieder mit insgesamt zehn Minuten Verspätung eintrafen ging er im Vorraum des Proberaumes auf und ab.
Aber nun war seine Zeit, nun war er am Zug und alle könnten nun mal auf ihn warten und ihm die Aufmerksamkeit zuwenden. Die Aufmerksamkeit, die er auch aufzubauen versuchte.
Es gehörte ebenfalls zu seinem Ritual die Spannung zu Beginn der Proben aufzubauen.
„Ruhe, wir beginnen mit den Proben“ so waren immer seine Worte, wobei er sich mit beiden Händen am Klavier festhielt, seinen gewichtigen Körper versuchte über die schwarz-weißen Tasten zu bringen, in den Knien durchdrückte und das enorme Körpergewicht aus dem Drehhocker zu wuchten.
Viele sagten, das er, den leibhaftigen Organisten, wahrhaft verkörperte.
Manche glaubten in ihm den fleischgewordenen Johann Sebastian Bach zu sehen.
Sicher ist, das einem die Tasten leid tun konnten wenn man an die Masse dachte, die auf sie einwirkte.
„Wir beginnen mit einigen Lockerungsübungen“ sagte er. Was nicht ironisch gemeint war. Bei diesen Lockerungsübungen machte er nur insoweit mit, soweit sie seine Hände betrafen.
Sämtliche Ganzkörperbewegungen und das strecken der Arme machte er nur mit seinen Händen nach und kam auch gleich zum musikalischen Teil.
Einige Stimm- und Tonübungen, den Mund, den Unterkiefer, die Stimme zu lockern.
Und immer wieder Widerholungen, die er mit einem kurzen „und“ forderte.
Etwa so, immer die Tonleiter: la-la-la-la-la-la-la „und“ la-la-la-la-la-la-la. Dies forderte er in einer fast immer gleichen Reihe von Übungen, bei denen er im Halbkreis um seinen Hocker herumging,
mit der rechten Hand den Takt vorgab und immer wieder sein kurzes, die Wiederholungen forderndes „ und“ bei dem er wie ein kleines Häkchen mit einem imaginären Taktstock vor sich schlug.

Nachdem diese Übungen abgeschlossen waren, kam es zum eigentlichen Singen. Mit einem: „so“, setzte er sich und spielte einige Zeilen aus einer Kindersendung, etwa die Biene oder die Maus oder aus der Werbung bekannte Stücke. Dies diente wieder zur Auflockerung und erfreute, sobald einige das Stück erkannten.
Es wurde gelacht und der Chorleiter ging ansatzlos zum Spielen des Stückes über, das nun gesungen werden sollte.
Auch hierbei riefen wieder diejenigen, die das Stück erkannten, den Namen des Stückes in den Raum. Wieder allgemeine Heiterkeit.
Das waren so die Spielchen die seinem kindlichen Gemüt entsprachen, einem Gemüt, das man in einem Riesenteddybären wohl kaum vermuten würde.
Und schon hätten wir auch den richtigen Ton getroffen; das heißt
wir wären auf den Punkt gekommen oder hätten den Nagel auf den Kopf getroffen.
Unser Riesenbaby von Chorleiter spielte nämlich zu Hause,
und dies bitte nicht weiterzusagen, mit Teddybären.
Jetzt gibt es ja nun viel zu sagen, wie vereinbart sich Orgelspiel mit Teddybären?
Ist der Teddybär der richtige Ausgleich für einen Organisten?
Hat Mann innerhalb seiner Lebensentwicklung
zum Chorleiter ein Teddydefizit?
Das alles trifft für unseren Chorleiter nicht zu.
Organist und Chorleiter ist die eine Schiene, Teddybären die andere.
Vielleicht kam von den Teddybären auch der Brummton.
Aber genug der Bösartigkeiten.
Sobald der Chorleiter seine Proben zuende hatte oder das Orgelspiel in seiner Kirche, in der er hauptamtlicher Organist war, beendet hatte, zog es ihn nach Hause.
Ein Zuhause voller Teddybären in allen Größen und Farben.
Sein Kuschelreich.
Hier konnte er abschalten, wenn er die verkratzte, hunderttausende Male gespielte Platte, oh Teddybär, abspielte.
Manchmal begleitete er Sie am Klavier, wenn er sehr gut aufgelegt war.
Wenn er dann die Platte auflegte, den Plattenarm ansetzte und fast gleichzeitig zur anderen Seite des Raumes hechelte. Dort, wo das Klavier stand und um noch einige Tasten anzuschlagen, ehe er noch sein Bazillensieb in der Hand hatte.
Bei diesen Gelegenheiten setzte er sich nicht auf den Klavierhocker.
Er stand, das rechte Bein seitlich nach vorne abgewinkelt und wippte den Fuß auf dem Absatz, wie ein Twisttänzer.
Gleichzeitig gab er den Takt wie ein Luftgitarrespieler.
Mit seinem Kopf bangte er vor und zurück und wiederholte immer wieder: „oh Teddybär, oh“. Dabei rollte er das R bei Bär, wie im Englischunterricht, wenn der Englischlehrer erklärt, die Zunge so zu rollen, das man fast die Zunge verschluckt.

Wenn der Kopf hochrot wird, dann wird es gewöhnlich Zeit, die Zähne weit auseinander zuziehen, die Zunge zu greifen und sie schnell aus dem Hals zu ziehen, ehe man völlig erstickt.
Und wenn dann die Platte endete, und er ganz prima drauf war, gab er nach dem Teddybär, statt dem einfachen oh,
noch ein langgezogenes: oh yeah.
Hierbei zog er das yeah zu einem langgezogenen und immer lauterwerdenden yääää und konnte gar nicht mehr aufhören die letzte Taste auf dem Klavier zu malträtieren und immer wieder yää, yää, yää zu frohlocken.
Ein Beobachter konnte glauben, das war kein Elvis Song sondern ein Beatles Song. yää yää yää, und es entsprach auch nicht seinem
Hauptbetätigungsfeld, als Chorleiter.
Einmal so auftreten und nicht immer diese ewigen Bach Fugen,
Beethoven Sonaten, oder Felix Mendelssohn Messen.
Als Chorleiter duldete er keine Töne, die sich nicht genau an die Notenblätter hielten.
Das Original ist noch immer am besten, behauptete er.
Nicht die Übersetzungen von einer Sprache in die andere oder Änderungen in den Noten.
Da war er sehr gewissenhaft.
Wenn es soweit war konnte er gar nicht mehr aufhören, bis, ja bis
wieder Zeit war..

So war der Chor der Chor der immer so schön und geschlossen, zumindest aus der Sicht des Chors, dastand.
Der Chor den die Gemeinde bewunderte.. wie schön war doch die Chorgemeinschaft, welch schöner Chor, wie schön im Chor, eine Kirchengesanggemeinschaft, eine Harmonie, ein Organ.
Ja, ja, das Organ und der Organist. Das waren schon zwei, eins und eins sind zwei und zusammen noch eins das macht schon drei und drei ist schon ein vielfaches.
Ja so war das harmonische Organ der Chor. Vielleicht erreichte man einmal, wenn’s gut geht zweimal eine Harmonie. Harmonie, welch schönes Wort.
Monos der Einzelne und Harmonie der Zusammenklang der Einzelnen.
So etwas von wir Gefühl.
Doch nichts von alledem.
Aber dafür gab es zu viele Ungleichheiten der Charaktere im Chor.
Vom Alter, von den einzelnen Interessen und von Musik, von dieser besonders.
Wie sollte da auch eine Einigung zustande kommen.
Da gab es die unterschiedlichsten Wünsche. Alleine was die Kirchenmusik betraf, gab es die verschiedensten Ansichten, ja man kann sagen, jeder, jeder im Chor hatte eine andere Auffassung.

Doch das konnte den Chorleiter in seiner Übung nur bestärken und dies zeigte sich auch in seinem verkniffenen, breiten Gesicht.
In den Querfalten über der Stirn, den zwei wulstigen Falten direkt über der Nase, die großen hellen buschigen Augenbrauen über den kleinen grüngrauen Augen. Die dicken Backen, hochgezogen, man konnte nicht erkennen ob diese Backen und die Augen lachten oder böse wurden. Und dann sein musikalisches Kinn, das sich immer bei
seinen Äußerungen bewegte, das dicke, spitze Kinn und in der Mitte eine Kuhle, ja eine Kuhle in der man gut und gerne einen Bleistift hineinstecken konnte.
Er stand dort vor dem Chor wie ein Licht, ja wie eine Leuchte.

Es war wieder einmal Zeit der Proben.
Das Klavier war vor dem Chor aufgestellt und er begann das übliche Prozedere.
Seine Gedanken waren weit weg aus diesem Raum. Irgendwo im Bärenland. Er spielte aber all seine Erfahrung aus. Seine Instruktion folgte ständig dem gleiche Schema und seine jahrelange Erfahrung war geradezu phänomenal.
Der Chor stand nur davor und staunte. Was alle mitgebracht hatten waren die Stimmen und diese Stimmen zu fördern, herauszulocken, aufzubauen, auszubeuten, bloßzulegen, zusammenzufügen, auszunutzen, das war seine Aufgabe und dieser Aufgabe wollte er gerecht werden.
Hiermit konnte er hier und jetzt spielen.
Manchmal standen die Sänger so im Halbdunkel, das er diese im einzelnen nicht erkennen konnte, aber das störte ihn kaum.
Er sah mit seinen Ohren.
Er hörte die Töne und Geräusche, die Richtigen und die Falschen.
Ich weiß nicht wer, aber irgendwo im Alt sind Töne die nicht dahingehören.

Wie gebannt blickte dann der Alt auf sein Kinn, um dann den richtigen Ton zu wiederholen, den er auf dem Klavier vorgab.
Ab und an stach ein Lichtstrahl durch die hohen Kirchenfenster und
traf entweder den Chorleiter, wie ein Fingerzeig, oder er lief über den Chor hinweg wie ein Nachtstrahler, der entlaufenen Sträflingen nachging, so leckte er über die Gesichter des Chors hinweg.
In diesem diffusen Licht wirkte der Chor wie ein auf der Straße zusammengesuchter Haufen, einer Ansammlung von Statisten.

Und manchmal verirrte sich wieder ein falscher Ton in die Proben,
wobei er plötzlich die Proben unterbrach und versuchte den Grund für den Fehler herauszufinden, spielte er die vorhergehenden Noten Neu und dann erneut die Stelle an der Fehler war und seht, seht, seht ihr so, so muss das gespielt, so muss das gesungen werden.

Ein Fremder konnte aber nicht erkennen, ob er mit sich selber, oder ob er mit dem Chor sprach.
Und wie war das mit dem Chorgesang?
Die Frage ist, muss man singen können um bei einem Chor mitzusingen und welche Rolle spielt der Chorleiter?

Es ist so, man muss um in einem Chor mitzusingen nicht singen können. Wer singen kann braucht keinen Chorleiter und keine Stimmbildung.
Es geht im Chor um das gemeinschaftliche singen.
Und hier ist es die Aufgabe des Chorleiters die guten Stimmen erbarmungslos niederzumachen um dann den ganzen Chor auf ein Repertoire auf ein Niveau zu bringen.
Die Guten werden erniedrigt, die Schlechten werden erhöht werden. Anhand seines Notenmaterials bringt er die Superstimmen auf eine Stimme, die dem jeweiligen Sänger gar nicht liegt, und das ist ihm schließlich egal.
Er bringt den gesamten Chor auf eine ihm gewünschte Stimmigkeit und die kann nun hoch oder niedrig liegen, je nach der Qualität des Chorleiters.
Jeder Chor ist nun mal nur so gut wie sein Chorleiter.
Und unser Chorleiter brachte es auf den Level 4 + Tendenz zur 3 -,
er brachte den Chor zu einer Stimmigkeit, manchmal.

Ja manchmal, das lag natürlich sehr am häufigen Fehlen bei den Proben. Bei jeder Probe fehlten die Hälfte der Leute, und immer wieder andere, so das man sagen konnte, bei viermal Proben hatte gerade jeder einmal miteinander geprobt.
Das zeigte sich natürlich auch in der Qualität des Chors wieder.

Und so kam es auch, das bei den Vorkonzerten in der Kirche sich schon die ersten Gläubigen beim Pfarrer beschwerten.
„Bei diesem Chor muss man sich zu sehr auf den Gesang und die Stimmigkeit konzentrieren. Es kommen immer wieder Fehler vor, so dass man sich nicht mehr auf den Glauben konzentrieren kann.“
Was war das? Was wurde da gesagt, auf den Glauben? Wo sind wir den hier? In der Meditation?
Kann man nicht froh sein, das es hier Menschen gibt, die sich zusammentun und singen?
Und wenn man meditieren will kann man das auch in einer Waldkapelle, oder zu Hause auf dem „Stillen Örtchen tun“
……ja wo sind wir denn hier.
Es war wirklich so, das diese Äußerung zu Verärgerung und Missstimmungen in der Gemeinde und im Chor führte.

Da musste sich der Chorleiter erst einmal etwas einfallen lassen.
Er hatte sich nun einmal um die Musik zu kümmern.
Genauer gesagt zunächst einmal um die Orgelmusik als Organist und dann um die Chormusik, der er sich nun einmal verschrieben hatte und der er sich verpflichtet fühlte; der religiösen Kirchenchormusik.

„Religiösen….“, das war natürlich ein weiter Begriff.
Sollte nun gesungen werden die Bachfugen und Kantaten und Oratorien von Bertholdy, Messien, Rutter, Haydn, ….oder soll hier nun das Gotteslob gesungen werden: „vom Himmel hoch da komm ich her“.
Das war wirklich eine fundamentale Frage, der er so nicht gewachsen war.
Das musste er erst einmal mit sich, zu Hause, mit seinen Teddybären ausmachen und besprechen.
Wie konnte man so etwas von ihm verlangen und ihn so unter Druck setzen. Druck konnte er nun mal sowieso nicht vertragen, schließlich war er Künstler.
Damit musste er sich erst einmal auseinandersetzen.
Einen Chor wie diesen von Anfängern, Amateuren zu führen, ja wie sollte das eigentlich gehen, davon hatte er nun so gar keine Vorstellung.
Da spielte er nun mal seine Orgel vor und der Chor musste dem nachziehen. Denn Orgelspielen das konnte er, ja das konnte er das würde ihm auch keiner nachsagen und alles andere würde sich schon richten. Er würde schon die Stimmen zusammenbringen und wenn nicht konnte er die Orgel ja etwas lauter spielen.
So oder irgendwie hatte er sich das schon vorgestellt.

Und wieder war ein neuer Probentag.
Ein völlig verregneter Tag, nasskalt und ungemütlich.
Heute wird es in der Kirche wieder unangenehm,
In den Fenstern..
In drei, nein fünf, nein es sind bestimmt 8 Meter Höhe fehlen in den Kirchenfenstern einige Scheiben und es zieht von dort wie Hechtsuppe,
insbesondere, wenn die Große Türe zum Kirchenschiff geöffnet ist.
Das hat schon so manchem Chormitglied einige Tage Bettruhe, oder eine ordentliche Grippe gebracht.
Und die klamme Nässe zog wie ein Fluss durch das Kirchenschiff und die Kälte zog mit ihr, wie der Nachwuchs der Lachse, die es ständig zur Mündung zieht.
Da trieft es auch schon einmal von den Wänden. Ganz genau so wie es von den Nasen trieft. Und das Husten und das andauernde abwechselnde Husten und räuspern.













letzter Stand::...Dienstag, 28. September 2004

************************* Autoreninfo ******************************
Manfred Hubert Freude (* geb. am 02.04.1948 in Aachen NRW)
Kunst-, Musik- und Lyrik, Gedichte (auch in Mundart Aachener Platt)
er lebt seit 1948 in Aachen. *********************************************************************
© 2003 Manfred H. FREUDE

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.09.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Buch von Manfred H. Freude:

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FREUDE - Das dichterische Werk 2002 - 2006. Freude beim Lesen von Manfred H. Freude



Gedichte Edition. Manfred H. Freude, geboren in Aachen, lebt und arbeitet in Aachen. Erste Gedichte 1968. Er debütierte 2005 mit seinem Gedichtband: Alles Gedichte – Keine Genichte. Weitere Gedichte und Essays in verschiedenen Anthologien, Zeitschriften; Prosa und Lyrik im Rundfunk und in weiteren sechs Gedichtbänden. 2007 wurde eines seiner Dramen mit dem Titel: Im Spiegel der Ideale aufgeführt; 2008 sein Vorspiel zum Theaterstück: Faust-Arbeitswelten. Sein letzter Gedichtband heißt: Vom Hörensagen und Draufsätzen. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Anerkennungen. Er studiert an der RWTH Aachen Literatur, Kunst und Philosophie.

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