Mylène Frischknecht

Vom Glück, eine Katze zu haben

Hallo, mein kleiner Stubentiger. Weißt du eigentlich, wie viele Momente des Glücks ich dir zu verdanken habe? Wenn ich abends müde und oftmals frustriert von der Arbeit nach Hause komme, obwohl der Tag trotz meiner positiven Grundstimmung nicht so verlief, wie ich es mir gewünscht hatte? Ich fahre mit dem Auto auf den Parkplatz vor dem Haus und du sitzest auf der ersten Treppenstufe und schaust mich erwartungsvoll an. Gell, du erkennst meinen Wagen am Geräusch und spurtest ihm entgegen, um rechtzeitig dort zu sein, wenn ich in Sichtweite komme. Mit aristokratischer Würde beobachtest du, wie ich aussteige und sich ein Lächeln auf meinem Gesicht abzeichnet. Mein süsser kleiner getigerter Tomcat - du spitzest deine Ohren und lässt ein freundliches Mauzen verlauten. Schwer bepackt, mit Handtasche, Einkaufstüten und dem Autoschlüssel gestikulierend steige ich aus und deine lang erwartete Streicheleinheit muss warten, bis ich meinen Ballast abgeworfen, mich mit einem Glas kühlem Wasser aufs Sofa gesetzt und dich auf meinen Schoss gelassen habe. Du stupfst mich mit deiner feuchten Nasenspitze an - noch mehr davon! Schnurrend legst du deine Pfote auf meine Hand und schmiegst dich in meine Armbeuge. Was auch immer draussen geschehen mag, was der Tag auch an Unerfreulichem für mich bereit gehalten hatte, alles vergessen für einen kleinen Augenblick, während ich mit der Hand durch deinen weichen Pelz fahre und mich deinem Atemrhythmus anpasse. Danke, dass du mich die letzten 18 Jahre begleitet hast und jeden Abend - ohne Ausnahme - für mich da warst.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.10.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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