Georg Kaiser

alles über Monika

Eigentlich mag ich Monika,sie ist unkompliziert,direkt,manchmal vielleicht zu direkt für gewisse Leute.Ich kann mich gut vorstellen,dass viele Männer sie begehren,denn Monika etwas auffälliges hat (und das ist nicht im negativen Sinne gemeint),sie verfügt über die seltene Fähigkeit frech und sexy zu sein ohne billig zu wirken und hat eine ausgesprochene Schwäche für feine Stoffe und ehrlich gesagt das kann sie sich leisten was sie in ihrer Umgebung bemerkbar macht.

Monika hat ein Leben im Saus und Braus hinter sich,sie weiss was es bedeutet in einem Privatjet zu sitzen um im Ort X zu frühstücken und dann im Ort Y abendzuessen,sie weiss auch was wie man es fühlt wenn in 3 Tagen Geld ausgegeben wird wofür andere ein halbes Jahr schuften und das lobenswerte daran ist,dass sie trotzdem eine Herausforderung sucht:viel geld zu haben,kein Problem,schon gehabt,kann sie haben wenn sie will,Karriereleiter emporklettern?,null Problemo,schon manche Stufe erreicht,aber damit nicht genug,weitere breitere Horizonten tun sich auf und Monika will sie erforschen,die Herausforderung nahm die Form eines Biochemie-Studiums an der Universität,erstaunlicherweise bekam sie einen Job im Institut für Molekularbiologie schon vor ihrem ersten Vordiplom und zwar bei der Modellierung von Proteinen am Computer,als sie mir darüber berichtete lachte sie weil das Institut mit einem älteren Software arbeitete.Sie hatte die neuere Version zu Hause schon installiert lange bevor eine solche Arbeit in Frage kam,einfach so aus purer Neugierde.

Monika gehört zu den Menschen die vieles erreichen können ohne dass sie es überhaupt merken.Sie fing das Studium mit der Nonchalance derjenigen an,die ein erfülltes aber etwas langweiliges Berufseben vor der Hochschule hatten und diese fast als eine interessante Nebenbeschäftigung ansehen,ihre Welt geht nicht unter falls eine Semesterarbeit nicht angenommen wird,manchmal denke ich,dass das beste was sie tun kann ist Zielen erreichen,Etappen nacheinander absolvieren aber ohne die krampfhafte Anstrengung ihrer Konmilitonen,sondern auf eine beinahe traumwändlerischer Art und mit einem verlegenen Lächeln auf den Lippen.Monika ist eine Erfolgsfrau trotz ihr.

Sie ist Mitte dreissig,von kleiner Statur aber wohlgeformt,hat lange schwarze Haare und braune Augen,ihre Bewegungen sind schnell aber geschmeidig so wie ihr Schritt,ich kannte sie durch meine Tätigkeit als Privatlehrer im Fach Mathematik.Unser erstes Gesprächsthema waren die Differentialgleichungen ersten Ordnung mit Störfaktor,nach 2 Monaten Privatunterricht brachte uns das Schicksal zusammen als Thekennachbar im Bar “Josef“,wir waren die ganze zeit vorher nie in den Ausgang,wir hatten nicht einmal Automatenkaffe in den Lernpausen getrunken und dann diese zufällige Begegnung mit Frühstück danach,ich lernte sie als Frau kennen,nicht mehr als Privatstudentin die sich mit uneigentlichen Integralen und Jakobi-Matrizen herumplagt,ich erhielt einen Blick in ihrer Vergangenheit.Die Geschichte ihres Lebens teilte sich in 2 Abschnitten:Während ihm und nach ihm und beide Abschnitten konnten unterschiedlicher nicht sein.

Denn es gab eine Monika während ihm und eine nach ihm.

Wie er hiess kann ich mich nicht erinnern,ich glaube sogar,dass sie seinen Namen nie erwähnte,es ist aus ihrem Gedächtnis ausgelöscht,entfernt,deleted,entsorgt.Das spezielle an dieser Beziehung war die Tatsache,dass es nichts besonders gab:eine ganz normale erste Liebe in einer ganz normalen Kleinstadt ohne grosse Turbulenzen,sie waren 10 Jahren zusammen und alles deutete auf dem ersten Blick daraufhin,dass daraus eine ganz normale glückliche Ehe werden musste.Dementsprechend wurden sämtliche Vorbereitungen vom ihm getroffen,irgendwann kaufte er einen grossen Wagen mit genug Platz für Nachwuchs,liess ein gemeinsames Haus bauen,wählte die Möbel,Tapeten und Küche und er machte Pläne für die baldige Hochzeit und die gemeinsame Zukunft,Monika sagte nichts dagegen,denn sie dachte alles liege wohl in der Natur der Sache wie das Essen,schlafen und arbeiten
und es sei O.K so weil schlussendlich “alle“ irgendwann heiraten und “alle“ waren ausnahmslos Freunde des künftigen Lebenspartners bis eines Tages sie sich selber die Frage stellte: “gibt es andere Lebensarten als diese?,und wenn...will ich diese überhaupt?“.

Als die Antwort auf ihre selbstgestellte Frage immer deutlicher die Formen eines“neins“ annahm liess Monika das ganze platzen: Die Hochzeit,das gemeinsame Haus,die Pläne für die Zukunft,keine Ehe,keine Verpflichtungen und das Skandal in ihrer unmittelbarer Umgebung konnte nicht grösser sein,denn kurz nach der Entscheidung nahm sie ihre ersten Liebhaber.

Sie betrachtet die zehnjärige Beziehung mit einer Mischung aus Spott,Ekel und eine kleine aber dezente Prise Selbstmitleid,Schade um die lange Zeit,Schade um die verpasste jüngere Jahre mit einem Typ der sich am liebsten nach getaner Arbeit kochen lässt und im Leben nichts anders als “seine Ruhe“ wollte,es galt nach der plötzlichen Trennung das nachzuholen was ihr zwar nicht ausdrücklich verboten aber verborgen blieb.Es galt die Devise: Bloss nicht so werden wie die frühere Bekannte,mir ist lange aufgefallen,dass wenn Monika über sie redet tut es mit einem gewissen Abscheu,wie vor dem Pathologischen Bild einer seltener aber virulenter Hautkrankheit,vor allem nach einem Besuch bei A+B,alle so träge,so pseudo-gesittet,so stinknormal und doch neidisch auf ihre neu errungene Freiheit.Monika reduziert ihren Ex-Freund samt Gattin und ehemalige Freunde auf eine Gruppe nette,kleinbürgerliche,materialistische und zugleich harmoniebedürftige Zeitgenossen.Ich hege den Verdacht,dass sie solche sporadische Besuche bei ihnen abstattet um sich selber zu überzeugen,dass diese Welt in Wirklichkeit nie ihre war.

Nein,das war wohl nie ihre Welt,sie behauptet sie sei nie verliebt gewesen (und lacht dabei),wenn eine Frau in ihrem Alter das behauptet,muss man ihr Glauben schenken und staunen,dass “trotz“ ihr Alter keinerlei Anzeichen von Torschlusspanik hat,im Gegenteil:sie pflegt die Beziehung zu ihren anderen Liebhaber mit der selben Lockerheit wie sie ihr Studium angepackt hat:Man (Frau) kann nichts dabei verlieren,nur gewinnen.Nein meine Damen und Herren;Monika ist keine seelenlose Männerfresserin,mag sein,dass sie keine Liebe kennt,sondern nur Begierde und verlangen,aber sie lebt ihren Weg konsequent aus,verfolgt ihre Ziele im Wissen,dass man zu zweit auch mutterseelenallein sein kann.


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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.10.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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