Uwe Härtel

Uwi in Singapur

Asien, Asien und immer wieder Asien! Ich liebe diesen Teil unseres Planeten einfach, daher zog es mich auch in dieser einen Urlaubs- bzw. Ferienwoche erneut zu diesem Kontinent. Diesmal sollte die Insel Singapur das Ziel sein, auch dort habe ich eine Mail-Freundin, die ich gerne einmal besuchen wollte.

Los ging es am Freitag Nachmittag direkt nach der Arbeit. Nach einem reichlichen Mahl beim Inder (quasi schon mal zur Asien-Einstimmung) begab ich mich schnurstracks zum Flughafen Tegel und setzte mich voller Vorfreude in die 18:15-Maschine der KLM nach Amsterdam. Von dort aus sollte es nach etwa einer Stunde mit dem Langstreckenflug nach Singapur weitergehen. 20:45 von Gate F2. Soweit so gut. Doch dann begannen die Probleme...


Ungeahnte Verzögerungen

Etwa eine halbe Stunde vor dem geplanten Abflug wurde plötzlich eine Veränderung des Gates ausgerufen und alle die etwa 200 Reisenden begaben sich etwas verdutzt auf Wanderschaft von F2 nach F3. Keine 15 Minuten später wurde die Veränderung jedoch rückgängig gemacht und alle schlurften wieder zum F3. Dort hatte jedoch mittlerweile eine kleine, nicht ganz unbedeutende Änderung stattgefunden: Das Flugzeug war weg! Die Boing 747 war vom Gate abgezogen worden.
Gegen 21.00 wagten dann die ersten Reisenden, beim offensichtlich total überforderte Bordpersonal der KLM nachzufragen, da auch an den Anzeigetafeln keine Verspätungen oder ähnliches zu finden war. Zunächst einmal gab es jedoch überhaupt keine Informationen. Kurze Zeit später steigerte sich die allgemeine Verwirrung noch, als plötzlich die Reisenden der First und Business Class von einer Stewardess hinfort geführt wurden.
Nach einigen Hin und Her stellte sich schließlich heraus, das der Flug auf Grund „technischer Schwierigkeiten“ gestrichen worden war. Den Reisenden wurde nahe gelegt, sich zum KLM-Serviceschalter zu begeben, der sich eine Etage tiefer befand. Dort wurde mir dann nach etwa 1stündiger Wartezeit eröffnet, das es keinen Ersatzflug gebe, man mich für eine Nacht in einem Hotel in der Nähe des Flughafens unterbringen würde und ich meine Reise eventuell (!) am Samstag Abend um die gleiche Zeit fortsetzen könne. Kurzerhand wurden mir ein Hotelvoucher und eine Art Überlebens-Kulturbeutel ausgehändigt (ich kam ja nicht an mein eingechecktes Gepäck heran) und ich wurde auf den Vorplatz des Flughafens geschickt, wo mich ein Bus zum Hotel bringen sollte. Leider verfügte das Hotel jedoch nur über 2 Kleinbusse mit jeweils 6 Sitzen, so das der Transfer auf Grund der Wartezeit nochmals eine Stunde in Anspruch nahm.
Die Organisation im Hotel war gut, nach meiner Ankunft kurz nach 23 Uhr wurde ich sofort in das Restaurant zum Abendessen geleitet. Das Zimmer war auch in Ordnung, ich glaube, immerhin schien es sich um ein 4-Sterne-Hotel zu handeln. Jedoch fand ich ob der Ungewissheit über den weiteren Lauf der Dinge kaum Schlaf.
Am Samstag begab ich mich nach einem ausgedehnten Frühstück auf eine kleine Erkundungstour, stellte jedoch rasch fest, das dass Hotel in einem völlig reizlosen Gewerbegebiet fernab der Amsterdamer Innenstadt lag. Als ich gegen 13 Uhr zum Mittagessen in das Restaurant wollte, erhielt ich den zufälligen Tipp, mich lieber am Flughafen nach den Boardingpässen für die Weiterreise am Abend zu erkundigen. Ursprünglich hatte es am Vorabend geheißen, das man sich zwecks Sicherung des Weiterfluges bis spätestens 18 Uhr am Schalter einfinden solle – nun hatte es jedoch den Anschein, als würden die Plätze knapp werden! Derartig alarmiert verzichtete ich auf das Mittagessen, checkte aus dem Hotel aus und ließ mich zurück zum Flughafen bringen. Emotional zwischen bangen und hoffen schwankend, reihte ich mich in die Warteschlange am CheckIn von KLM ein. Innerlich hatte ich mich schon damit abgefunden, wohl wieder die Heimreise nach Berlin antreten zu müssen.
Glücklicherweise erhielt ich jedoch ohne Probleme einen neuen Boarding-Pass. Nach meiner Erfahrung vom Vorabend war mir aber auch klar, das dieser allein keinen allzu großen Wert hatte.
Nun galt es noch knapp 6 Stunden totzuschlagen. Vermutlich wäre in dieser Zeitspanne ein kurzer Ausflug nach Amsterdam möglich gewesen, aber ich wagte es nicht, das Risiko war mir zu hoch. Ziellos wanderte ich auf dem Flughafen umher und malte mir dabei aus, was wohl als nächstes schief gehen würde.
Natürlich war der Flieger am Samstag Abend bis auf den allerletzten Platz besetzt und ich fragte mich, wie viele der geprellten Reisenden wohl an diesem Abend wieder unverrichteter Dinge in Schiphol zurückbleiben würden. Das Personal von KLM bat um Entschuldigung, jedoch war ich in keinster Weise bereit, diese zu akzeptieren, bevor ich nicht meine Füße auf Asiatischen Boden setzen und mein Gepäck in der Hand halten würde.

An Bord der 747 musste ich dann erneut feststellen, wie schlecht der Service der KLM ist. Es gab keine Schlafmasken um die Augen zu bedecken und das Flugzeug verfügte anstatt über die mittlerweile überall üblichen persönlichen Videobildschirme in der Rückenlehne des Vordersitzes lediglich über einige winzige in den Gängen hängende Monitore, die wohl circa aus der Zeit kurz nach der Erfindung des Farbfernsehens stammten.


Endlich in Asien

Am Sonntag Nachmittag kam ich mit 25stündiger Verspätung endlich in Singapur an.
Nachdem ich am Gepäckausgabeband erleichtert festgestellt hatte, das auch meine Reisetasche den Weg gefunden hatte, begab ich mich zum nächsten Geldautomaten um mich mit der örtlichen Währung, dem Singapur-Dollar, auszurüsten. Dort bekam ich den nächsten Schock, weil mir schlagartig einfiel, das ich die PIN meiner Kreditkarte vergessen hatte! Nach 3 vergeblichen Versuchen bestätigte mir der ATM, das ich nicht in der Lage war, meine Geheimzahl zu erraten und verweigerte jede weitere Kommunikation, die mit dem herausrücken von Bargeld in Zusammenhang stand. Leider kam mir erst nach den 3 möglichen Fehlversuchen die geniale Idee, meinen Cousin zu bitten, kurz in meine Wohnung zu gehen und mir die Nummer durchzugeben. Entnervt lief ich kreuz und quer durch den Flughafen und fragte mich, warum Gott mich momentan so hasste. Glücklicherweise stieß ich auf einen Geldwechsel-Schalter und konnte mir dort mit meiner Kreditkarte und meinem Pass 100 S$ aushändigen lassen. Derartig versorgt, wanderte ich zur U-Bahn hinunter, kaufte mir ein elektronisches Ticket und trat endlich den Weg in die Innenstadt an.

Am Abend traf ich mich mit Pei Juan und wir gingen in ein chinesisches Restaurant. Wie es überall in Asien zu sein scheint, wurden wir auch dort von mindestens 3 Kellnerinnen umschwirrt, die sofort eifrig nachschenkten, sobald man nur kurz an der Teeschale genippt hatte. Außerdem amüsierten sich die Einheimischen einmal mehr darüber, das der trottelige Europäer nicht mit Stäbchen essen kann und eine Gabel bzw. einen Löffel benötigt – na ja, man gewöhnt sich daran.


Das Klima in Singapur

Zwei Stationen nach dem Verlassen des Flughafens bekommt der Reisende einen ersten Eindruck der tropischen Verhältnisse, weil man nämlich merkwürdigerweise in Tanah Mera umsteigen muss. In Singapur herrschen das ganze Jahr gleichbleibend Temperaturen von 28 – 32 Grad, Tag wie Nacht. Die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch. Wer einen klimatisierten Bereich verlässt, läuft praktisch gegen eine Wand aus Hitze. Dennoch empfand ich das Wetter als angenehme Alternative zum spätherbstlichen Deutschland. Des weiteren sollte man in Singapur mit sehr spontanen und sehr heftigen Gewittern rechnen – in diesem Punkt hatte ich ausgesprochenes Glück, denn ich sah nur ein Gewitter, als ich mich noch im Inneren des Changi Flughafens aufhielt und hörte ein weiteres einmal irgendwann mitten in einer Nacht. Ansonsten verwöhnte mich Singapur mit purem Sonnenschein, verpasste mir jedoch, beinahe wie aus Rache, auch sogleich Sonnenbrände an beiden Armen sowie im Gesicht.
Da man in dieser Hitze natürlich Schwitzenderweise sehr viel Wasser verliert, lautet die oberste Devise, selbiges ständig nachzufüllen. Insofern erwies es sich als unglaublich praktisch, das dass Leitungswasser in Singapur trinkbar ist, ich hatte also die Möglichkeit, seine Vorräte in jeder öffentlichen Toilette aufzustocken.
So absurd es klingen mag, empfiehlt es sich jedoch auch, stets einen Pullover, eine Strickjacke oder ähnliche Kleidungsstücke mit sich zu führen, da die Klimaanlagen in Einkaufszentren, Bahnen und Bussen offenbar grundsätzlich auf Stufe Nordpol eingestellt sind.


Ein Rundgang durch die Stadt

Am Montag startete ich voll durch und wanderte vom Hotel aus quer durch den Bezirk Orchard bis zum Singapore River und von dort aus weiter nach Chinatown.
Die Orchard Road ist die beliebteste Einkaufsmeile der Stadt, in der sich ein Einkaufszentrum an das nächste reiht. Ich stellte fest, das in Singapur sehr viel gebaut wird, überall entstehen neue Gebäude oder es finden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an alten Häusern statt. Das ohnehin hervorragende Straßennetz wird allerorts noch ausgebaut. Es herrscht ein regelrechter Bauboom. Die Stadt wächst sehr schnell und vielen Vierteln sieht man an, das sie noch keine 10 Jahre alt sein können. Obwohl auf der Insel eigentlich genügend Platz zu sein scheint, neigt man offenbar auch mehr und mehr dazu, ganze Blöcke mit dicht beieinander stehenden Hochhäusern zu bauen. Zwischen diesen Häusergruppen findet man jedoch wieder ausgedehnte brachliegende Flächen. Dennoch ist Singapur extrem grün, wirklich beinahe alle Straßen werden von wunderschönen tropischen Bäumen gesäumt. Es gibt auch einige Parkanlagen, die jedoch meist eher schlicht ausfallen. Empfehlenswert sind auf jeden Fall der historische Fort Canning Park, sowie der Esplanade Park an der Marina Bay.
Mein Weg führte mich am Fluss entlang bis in den Kommerz-Distrikt hinein. Hier beeindruckten mich natürlich die sehr dicht zusammenstehenden gewaltigen Wolkenkratzer. Auch hier wird an allen Ecken eifrig gebaut, so das in wenigen Jahren noch mindestens ein Dutzend weitere Glastürme das Stadtbild zieren werden. Ich marschierte weiter nach China Town – auch dieser Stadtteil ist einen Besuch wert, allein schon wegen der unglaublichen Vielfalt der Gerüche. Jäger und Sammler fernöstlichen Kitsches werden hier auf jeden Fall fündig werden.

Nach Sonnenuntergang begab ich mich erneut zum Singapore River, um in einem der zahllosen Restaurants am Boat Quay zu speisen. Die Auswahl des Restaurants gestaltete sich als eine Art Spießrutenlauf, da von allen Seiten die Kellner potentiellen Gast zustürmen um ihm mit ihrer Speisekarte vor der Nase herumzufuchteln sowie seltsame Sonderangebote zuriefen. Schließlich ließ ich mich zum betreten eines japanischen Restaurants überreden, nachdem mich der Kellner, auf meine skeptische Frage nach Sushi hin, mit einer 10minütiger Präsentation der komplett bebilderten Speisekarte davon überzeugte, das hier auch totes Getier in gegrillter statt roher Form im Angebot war.
Allgemein ist das Essen in Singapur spottbillig, in den Restaurants am Boat Quay zahlt man allerdings einen Touristenaufschlag, der aber zu verschmerzen ist. Bei den Getränken sieht es ein bisschen anders aus, Alkohol ist sehr teuer. Wer sich dennoch vom vorzüglichen Geschmack des leckeren Tiger-Biers verführen lassen möchte, sollte damit rechnen, für einen halben Liter ca. 6 – 8 Dollar zu bezahlen.
Trinkgelder sind übrigens absolut unüblich, jedoch erheben viele Restaurants eine extra Servicegebühr von 10% des Rechnungsbetrags.


Fortbewegungsmittel

Der Verkehr in Singapur entspricht etwa dem von Berlin, wobei das Straßennetz wirklich in einem ausgezeichneten Zustand ist. Die meisten Hauptstraßen verfügen über 3 Spuren für jede Fahrtrichtung sowie oftmals über 2 Abbiegerspuren an den Kreuzungen, viele Nebenstraßen haben ebenfalls 2 Spuren. Die Kreuzungen sind übersichtlich und die Beschilderung absolut Idiotensicher. Die Autobahnähnlichen Expressways ermöglichen ein schnelles Vorwärtskommen. Wer im Mietwagen oder noch besser mit einem Motorrad herumfahren möchte, kann dies also meines Erachtens bedenkenlos tun – vorausgesetzt man traut sich den Linksverkehr zu.
Allerdings sind die öffentlichen Verkehrsmittel Konkurrenzlos billig! Mit der elektronischen Fahrkarte, der EZ-LinkCard, ist das benutzen von Bussen und Bahnen ein Kinderspiel. Die U-Bahn (MRT) ermöglicht eine äußerst rasche Fortbewegung für größere Entfernungen, in der Fläche verkehren hunderte Buslinien in dichten Taktraten. Natürlich ist die MRT grundsätzlich gerammelt voll und ein Sitzplatz ist auch in den späten Abendstunden eher eine Seltenheit. An den Knotenpunkten Dhoby Ghaut, Raffles Place und City Hall kann man während des Berufsverkehrs vereinzelt sogar auf die berühmt-berüchtigten „Schieber“ treffen, die mit weißen Handschuhen ausgestattet die Aufgabe haben, so viele Fahrgäste wie nur möglich, in den Waggon zu pressen.
Beim benutzen von Bussen besteht oftmals die Wahl zwischen Klimatisiert und nicht Klimatisiert, wobei letztere vom Fahrpreis her geringfügig billiger sind. Im Gegensatz zur modernen MRT waren jedoch viele Busse rußende Schrottgurken, die mit allerlei farblich retuschierten Beulen und Dellen, abgenutzten Reifen, schweißgetränkten Sitzen und grauenvoll quietschenden Türen durch die Straßen juckelten, während aus ihnen das Kondenswasser der stets voll aufgedrehten Aircondition regelrecht heraus rann.
Alternativ kann man für kurze Strecken oder in der Nacht ein Taxi benutzen. Die Preise sind gerade noch erschwinglich. Die meisten Taxifahrer machen durch ein kurzes Anhupen der Fußgänger auf ihre freie Kapazität aufmerksam, zum Annehmen des Angebots genügt ein kleiner Wink.


Sentosa

Die angenehmste Möglichkeit, auf diese Vergnügungsinsel zu gelangen, ist natürlich mit der Seilbahn, die sich bis zu 70m hoch in die Lüfte erhebt. Die Zentrale Haltestelle befindet sich im 15. Stockwerk eines Hochhauses an der MRT-Endstation Harbour Front. Die einzelnen Eintrittspreise für die Attraktionen auf der Insel liegen meist bei 10 S$, für Underwater World sogar 17.50 S$ - es lohnt sich auf jeden Fall, eines der angebotenen Kombi-Pakete zu kaufen. Während der Fahrt mit der Seilbahn kann man sich in der Kabine einen interessanten Kommentar (sogar auf Deutsch!) über die riesigen Hafenanlagen und Sentosa anhören.
Nach Ankunft auf der Insel und möglichst zügiger Durchkämmung des Souvenirgeschäfts steht man sofort vor dem Carlsberg Sky Tower, der einen Atemberaubenden 360° Rundblick aus 110m Höhe bietet. Diese Attraktion nutzte ich jedoch erst zum Sonnenuntergang. Zuerst besuchte ich den Merlion, das berühmte Wahrzeichen Singapurs. Leider musste ich auch auf der „Insel der Ruhe“ feststellen, das dort überall gebaut wird und es an einigen Stellen auf Grund des Erbebenartigen Pressluftgehämmers alles andere als ruhig und friedlich zuging.
Im Merlion Tower sah ich mir die Geschichte des Fisch-Löwen-Mischwesens als abstrusen Zeichentrickfilm an. Hernach wagte ich einen Blick in das innere des Löwenmauls, das gerade von einer Gruppe japanischer Touristen in ein Blitzlichtgewitter gehüllt wurde. Außerdem stieg ich auf den Kopf des Wesens, von wo aus ich zwar einen sehr schönen Ausblick hatte, jedoch schutzlos der prallen Sonne ausgeliefert war. Hinter der gewaltigen Staute befindet sich der Merlion Walk, ein langer, abstrakter Springbrunnen, dessen Konstrukteur sich offenbar auf einem LSD-Trip befand. Dann durchquerte ich den sehr schön angelegten Fontänengarten und fuhr eine Station mit der Monorail. Diese Bahn ist kostenlos, jedoch nicht klimatisiert, weshalb man spätestens nach 3 Minuten am Sitz festklebt.
Ich betrat Underwater World, das unter anderen zu einer Wanderung durch einen Unterwasser-Acrylglastunnel bietet und somit das absolute Highlight von Sentosa darstellt. Die Vielfalt und Größe der dort lebenden Fische ist sehr beeindruckend. An einem mehrere Meter hohen zylindrischen Aquarium drückten sich chinesische Kinder die Nasen an der Scheibe platt und riefen die dort umherschwimmenden blauen Segelflossen-Doktorfische und Anemonenfische mit „Dori“ und „Nemo“ an.

Ich fuhr erneut mit der Monorail und passierte dabei das Fort Siloso, das wohl hauptsächlich für Militär-Fans interessant sein dürfte. Sehr empfehlenswert ist auf jeden Fall der Nature Walk / Dragon Trail, dessen Eingang etwas versteckt in der Nähe der Cable Car Station liegt.
Ich benutzte die Seilbahn noch einmal, diesmal auf der gesamten Streckenlänge und gelangte so zum Mount Faber. Am Faber Point (der so ziemlich höchstgelegene natürliche Punkt von Singapur) hat man eine hervorragende Aussicht, jedoch war der Weg dorthin auf Grund der Hitze doch recht beschwerlich. Bergab ging es wesentlich leichter, ich wanderte den Panoramaweg entlang, am Marina Deck (Schiffsförmige Gaststätte, Touri-Falle) vorbei erneut zur Station Harbour Front und nutzte die Cable Car ein letztes Mal, um wieder nach Sentosa Island hinüber zu gelangen.
Jetzt schwang ich mich im Eisgekühlten SkyTower hoch hinaus in die Luft und genoss dort einen sehr genialen Sonnenuntergang.
Da ich mir um 19.40 Uhr noch die vielgepriesene Magical Sentosa Show ansehen wollte, überbrückte ich die Wartezeit mit einem Besuch im Volcano Land, das jedoch ziemlich enttäuschend und furchtbar kitschig ist.
Die Magical Sentosa Show ist ebenfalls kostenlos und ist so eine Art Musical mit Lasershow und diversen überraschenden Effekten. Die Show dauert eine halbe Stunde und ist absolut sehenswert. Man tut gut daran, sich mindestens 20 Minuten vor Beginn einen Sitzplatz zu sichern, da es wirklich sehr schnell sehr voll werden kann.
Vom Hunger getrieben begab ich mich nach der Show zum Food Centre, in dem man preiswert und lecker essen (und natürlich ein Tiger Bier schlürfen!) kann. Hier stellte ich überrascht fest, das man mit absoluter Selbstverständlichkeit Toilettenpapier aus einer Spendebox bereitstellte – und zwar als Serviette!
Danach wollte ich eigentlich ganz bequem mit der Seilbahn wieder zurück zur MRT fahren, stellte jedoch nach erklimmen des Hügels fest, das diese bereits um 21 Uhr schließt. Also musste ich erneut durch den halben Park zur Busstation laufen und dort den kostenlosen Transfer über die Autobrücke zur Harbour Front nehmen.


Jurong Bird Park / Singapore Zoo

Ursprünglich hatte ich mir vorgenommen, beide Sehenswürdigkeiten an einem Tag zu besuchen, jedoch ist dies auf Grund der großen Distanz nicht ohne weiteres realisierbar.
Der Jurong Bird Park ist sehr einfach zu erreichen, in dem man mit der MRT bis zur westlichen Endstation Boon Lay fährt und von dort aus die Buslinie 194 oder 251 nimmt. Der Park ist sehr interessant, insbesondere die Lory Loft ist ein absolutes Muss. Hierbei handelt es sich um eine riesige, über Hängebrücken begehbare Voliere, in der sich eintausend bunte und Handzahme Kanarienvögel aller Art tummeln.
Genau gegenüber vom Vogel Park befindet sich der Reptile Park, den ich allerdings überhaupt nicht empfehlen kann. Ein Besuch dort ist reine Geld- und Zeitverschwendung. Die Anlage ist ungepflegt und erweckt den Eindruck, als ob sie kurz vor der Schließung stünde. Außerdem liegt sie an einer Verkehrsreichen Straße und bietet daher nicht gerade eine Oase der Ruhe.
Auf dem Rückweg vom Jurong Bird Park entdeckte ich von der U-Bahn aus den Chinese Garden, welcher ebenfalls sehr sehenswert sein soll, aber zu meinem Pech leider wegen Umbaumaßnahmen geschlossen war.

Der Singapore Zoo befindet sich weit im Norden der Insel und vom Stadtzentrum aus sollte man mindestens eine 1.5 Stunden für die Fahrt dorthin einplanen. Auf dem Hinweg stieg ich in Ang Mo Kio aus und nahm die Buslinie 138. Für den Rückweg entschied ich mich für den Bus 927 nach Choa Chu Kang, um von dort aus die große Runde mit der MRT um die halbe Insel zu drehen. Diese Rundfahrt ist zwar ziemlich Zeitaufwendig, aber als eine Art Stadtrundfahrt durchaus empfehlenswert, da die MRT auf dieser Strecke größtenteils oberirdisch verkehrt.
Der Zoo selbst ist wirklich schön (vor allen Dingen schattig!) und auch relativ groß, so das man schon einige Stunden für einen ausgiebigen Rundgang einplanen sollte. Allerdings sah ich dort, bis auf die weißen Tiger, keine besonderen Tiere, die man nicht auch in jedem anderen x-beliebigen Zoo der Welt finden würde. Die Anlage verfügt über großzügige Gehege für die Tiere und ist in der Gestaltung teilweise offen, so das sich viele Tiere auf dem gesamten Gelände frei bewegen können (nein, die Tiger nicht!).
Des weiteren bietet der Zoo eine Nachtsafari an, die ebenfalls sehr spannend sein soll, diese war für mich jedoch aus Zeitgründen nicht realisierbar.


Weitere Sehenswürdigkeiten

Tja, wo war ich noch überall...
Natürlich in Suntec City, dort befindet sich die größte Fontäne der Welt. Allabendlich findet dort eine spektakuläre Lasershow statt. Suntec City erreicht man am besten von Raffles Place aus über den unterirdischen Verbund der City Link shopping mall, die jedoch auf Grund der hohen Preise mehr zum gucken als zum kaufen einlädt. Weitaus günstiger einkaufen kann man in Bugis bzw. gleich nebenan in little India, dort gibt es auch verschiedene Tempel zu besichtigen. Personen, die eine Abneigung gegen enorme Menschenmassen haben, sollten diese Plätze allerdings eher meiden.
Dann machte ich in der Albert Street eine Entdeckung, die mich gleichermaßen schaudern und erstaunen ließ: Ein riesiges Zelt von Erdinger Weißbier, wo eine bayrisch gestylte Musikgruppe offenbar gerade einen volkstümlichen Liederabend vorbereitete. Ja, auch in Singapur feiert man das Oktoberfest, das German Beer Festival und zwar gleich einen ganzen Monat bis zum 31.10. Als ich dort so etwa gegen 16 Uhr vorbeikam, saßen bereits ein gutes Dutzend Deutsche am Tresen und übten sich in der hohen Kunst des Humpen-Stemmens. Na denn „oans, zwoa, g’suffa“ oder „one, two, drink!“ wie die Chinesen riefen… Au weia…

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist das Discovery Centre, das meines Erachtens aber nur für ausgesprochene Militär-Fanatiker interessant sein dürfte. Dorthin gelangt man ebenfalls mit der MRT, die man bis zur Station Boon Lay nimmt, von da aus fährt dann ein Bus. Im Discovery Centre musste ich die äußerst unangenehme Erfahrung machen, das mein Magen nicht für einen Ritt in Asiens größten Motion Simulator geeignet ist. Die Vorstellung (irgendein kurzer Sciencefiction Film) dauerte nur 4 Minuten, die mir aber wie eine halbe Stunde vorkamen. Derartig durchgeschüttelt verzichtete ich großzügig auf die ebenfalls dort stattfindende Dinosaurier-Show und ging lieber in das sehr geniale 3D-Kino. Es gab zwar nur einen 3D-Film, nämlich „Lego Racers“, den ich aber richtig gut fand. Danach sah ich mir im gleichen Kino noch die spannende Geschichte des Antarktisforschers Ernest Shackleton an.
Im Discovery Centre gibt es noch eine nette Ausstellung über die Geschichte Singapurs, ansonsten findet man dort nur jede Menge Militärkram. Quasi hinter dem Gebäude befindet sich auch eine Militärschule, die man ebenfalls mittels einer Rundfahrt oder zu Fuß besichtigen kann. Die Einheimischen sind offenkundig sehr stolz auf ihr Militär und irgendwie fühlte ich mich in vielerlei Hinsicht an die Nationale Volksarmee der ehemaligen DDR erinnert.


Preise in Singapur

2 S$ entsprechen ziemlich genau 1 Euro. Noch einfacher ist es, sich an die gute alte DM-Zeit zu erinnern, dann ist nämlich das Verhältnis in etwa 1:1 und es erübrigt sich somit jegliche Umrechnung.
Singapur ist sehr preiswert, nicht zuletzt deswegen, weil die Mehrwertsteuer nur 5% beträgt. Insbesondere das Essen ist spottbillig, ein wirklich umfangreiches Mittagessen gibt es schon für 4 – 8 Dollar. Kleidung aller bekannten Marken lässt für etwa 50% des Preises erwerben, den man in Deutschland bezahlt. Insbesondere bei Schuhen besteht ein deutlich spürbarer Preisunterschied. Auch die neuesten elektronischen Spielzeuge sind ebenso etwa um die Hälfte günstiger, als in Deutschland. Z.B. kostet ein schicker neuer Laptop, für den man hier 1999 Euro bezahlt, dort nämlich 1999 Dollar!! Die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel kostet je nach Entfernung etwa zwischen 0.65 und 1.50 S$ - Pei Juan wollte mir nicht glauben, das man in Berlin mittlerweile für eine einfache Fahrt umgerechnet 4 S$ bezahlen muss. Das elektronische Ticket, die EZ-Link Card, lässt sich beinahe an allen MRT-Stationen für 15 Dollar erwerben (Preis der Karte 5 Dollar, Ladung 10 Dollar). Die Karte kann an Add-Value Automaten per Kreditkarte (vorausgesetzt, die Karte ist nicht auf Grund der falsch eingegeben PIN gesperrt) oder mit Bargeld am Passenger Service Schalter aufgeladen werden.
Möchte man in eines der unzähligen gigantischen und technisch perfekt ausgestatten Kinos gehen, bezahlt man im Schnitt etwa 8.50 S$.
Für den Zugang zum Internet sind ca. 4 –5 Dollar pro Stunde fällig, wenn man eines der teilweise gut versteckten Inet-Cafes gefunden hat. Alternativ kann man in eine der zahlreichen Spielhallen gehen, dort ist es aber meist extrem laut.


Zusammenfassung / Fazit

Trotz aller Hindernisse war es im großen und ganzen ein schöner Urlaub. Singapur ist auf jeden Fall eine Reise wert. Die meisten Touristen kennen die Insel ja lediglich als Transitort auf den Weg nach Indonesien oder Australien. In einer Woche kann man jedoch alle Sehenswürdigkeiten der Insel bequem „abarbeiten“ und positive Eindrücke gewinnen. Jedoch stimmt nicht alles, was der Reiseführer so verspricht.
Zum Beispiel habe ich im Vorfeld irgendwo gelesen, das Singapur die sauberste Stadt der Welt sein soll, was ich absolut nicht bestätigen kann. Auf den ersten Blick handelt es sich vielleicht um eine saubere Stadt, aber dieser Eindruck ist trügerisch und entsteht vor allem durch die vielen neuen oder schön sanierten Gebäude. Sieht man etwas genauer hin, stellt man schnell fest, das an einigen Plätzen ziemlich viel Müller herumliegt und so manche Wand mit extrem einfallslosen Graffiti beschmiert sind. Aber im Vergleich zu Berlin ist Singapur auf jeden Fall deutlich sauberer.
Die Einheimischen sind hauptsächlich Chinesen, aber auch viele Inder, Araber und andere Völker – eigentlich sind in Singapur so ziemlich alle ethnischen Gruppen als kunterbunter Mischmasch vertreten. Ich empfand die Leute als angenehm freundlich und hilfsbereit, dabei aber eher zurückhaltend als aufdringlich.
Schwitzen lässt sich beim besten Willen nicht vermeiden, wird aber allgemein als genauso normal angesehen, wie z.B. das äußerst geräuschvolle Bewegen des Naseninhalts. Es scheint keine großartig ausgeprägte Subkultur zu geben, jedenfalls habe ich keine Punks oder ähnliche Aussteiger gesehen. Ich habe kaum Polizei auf den Straßen gesehen, jedoch gibt es fast überall Überwachungskameras. Es gibt keinerlei Anlass, sich nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit vollkommen sicher fühlen zu können.
In Singapur gibt es eine Vielzahl an höchst merkwürdigen Verboten, bei deren Missachtung teilweise hohe Geldstrafen drohen. Z.B. war es für mich beim besten Willen nicht nachvollziehbar, wieso Kaugummi kauen verboten ist, aber es gibt ganz sicher einen triftigen Grund dafür...
Alles in allem ist Singapur wirklich ein tolles Land, das ich bestimmt auch noch einmal besuchen werde.

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Uwe Härtel).
Der Beitrag wurde von Uwe Härtel auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.10.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Menschen ohne Skrupel von Ursula Aswerus



Im Altenheim „Sonnenschein “gehen merkwürdige Dinge vor sich. Plötzlich erkranken Bewohner an seltsamen Symptomen Schmuck und Geld verschwindet aus den Schränken und Spinden. Die Angst greift um sich unter den Senioren, die um ihr Hab und Gut und um ihr Leben fürchten müssen ...

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie Reiseberichte Singapur

Weitere Beiträge von Uwe Härtel

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Uwi in China 2005 von Uwe Härtel (Reiseberichte)
Pilgertour XI. von Rüdiger Nazar (Reiseberichte)
Manitoba-zweiter Teil - Thompson von Karl-Heinz Fricke (Autobiografisches)