Sonja Raab

amaruq und inukshuk- eine eskimo- erzählung

ANMERKUNG ZUR GESCHICHTE DES “AMARUQU“ von Sonja Kellermair

Weißt Du, woher der Name “Eskimo“ kommt ? Augiak hat es mir erzählt. Augiak ist Schamane. ESKIMO- Schamane. Und er mag das Wort ESKIMO überhaupt nicht.
ESKIMO bedeutet nämlich “rohes Fleisch essender“ oder “Fleischfresser“. Es ist ein Wort, das ihnen die Indianer gegeben haben. Sie lachten darüber, weil Eskimos immer rohes Fleisch essen.
Augiak sagt, daß er kein Eskimo ist. Er ist INUIT. (erster Mensch)
Die Geschichte des “Amaruqu“ erzählte mir seine Frau “Nijanani Novalinga“.
“Nija“- so ihr Spitzname- ist Ojibwe- Cree- Indianerin.
Lebt mit ihrem Mann Augiak in Marmora. Das ist ein kleiner Ort in Ontario/ Canada. In einem Zedernhaus im Wald. Zeder deshalb, weil das die Insekten fernhält.
Nijanani ist Geschichtenerzählerin. Die Geschichte zur Entstehung des “Inukshuk“ kann sie besser erzählen als Augiak. Der spricht nämlich nur INUIT. Und ich verstehe nur ENGLISCH oder DEUTSCH. Deshalb hat mir Nijanani die Geschichte erzählt.

In Canada und Alaska trifft man sie heute noch - die “Inukshuks“. (das Wort heißt übersetzt:“Mensch aus Stein“).
Bis zu 30 Meter hoch türmen sie sich auf. Tausende Jahre sind sie oft alt.
Aber auch ganz neu aufgetürmte Stein- Menschen gibt es. Sie sehen aus wie Menschen: Zwei schwere dicke Steine als Beine, ein großer langer Stein der quer darüber liegt- als Bauch. Dann ein kleiner Stein als Hals und darauf der Kopf- Stein.
Sie stehen verlassen im Eis- Meer des “Nunavut“- so nennen die Eingeborenen ihr Land. (Alaska)
Die INUIT kennen viele Bedeutungen dieser “Stein- Haufen“.
Es gibt Inukshuks die eine Höhle im Bauch haben, Vorbeikommende legen getrocknete Nahrungsmittel hinein, damit der Nächste der hier vorbeikommt etwas zu essen hat.
Es gibt andere Inukshuks, die mit den Armen in eine bestimmte Richtung weisen. Dort gibt es etwas zu jagen. Karibu- Herden vielleicht oder Robben.
Der Nächste der die Bedeutung der Inukshuks kennt, weiß, wohin er muß.
Es gibt Inukshuks, die nur anzeigen, daß “hier an diesem Ort jemand vorbeigekommen ist“.
Andere Stein- Menschen zeigen, daß hier einst ein Dorf war. Es wird gemunkelt, daß- wenn ein Inukshuk in sich zusammenfällt- das Dorf aussterben wird.
“So war es auch“- sagte Augiak- der Mann meiner Freundin. Er hat seinen Dorf- Inukshuk nämlich vor Kurzem besucht. Und er war zusammengefallen. Und sein Dorf existiert schon lange nicht mehr.
Andere Inukshuks haben Löcher im Bauch. Schaut man durch dieses Loch hindurch, dann sieht man ganz in der Ferne einen anderen Inukshuk stehen. Sie weisen den Weg aus dem Eismeer, man hat einen Verbündeten, der einem Hilft, die Richtung nie zu verlieren.
Inukshuks sind wertvolle Begleiter der Inuits. Sie freuen sich, wenn sie einen sehen.
Und sie sind so entstanden, wie die Geschichte es sagt:

Amaruq

Es war einmal ein Jäger der sehr stark war. Er war so, wie die, die ihn großgezogen hatten. Er war “Amaruq“.
Er jagte jeden Tag. Er hatte sehr viel Fleisch, aber er hatte niemanden, mit dem er es teilen konnte.
Die Wölfe entschieden, daß Amaruq ein Mensch sein mußte. Und die Menschen entschieden, daß er ein Wolf sein mußte, da er bei den Wölfen aufgewachsen war.
Und so lebte er einsam und alleine, weder Freund noch Feind für irgendwen.
Als er älter wurde, sehnte er sich immer mehr danach, mit anderen Menschen zusammen zu sein. Manchmal beobachtete er sie, versteckt hinter einem Felsen. Wenn die Menschen ihn bemerkt hätten, wären sie vor ihm davongelaufen, weil er zu sehr Wolf war.
Und so war Amaruq sehr alleine und sehr traurig.
Geduckt robbte er durchs Unterholz um die Wölfe beobachten zu können, doch wenn sie ihn gesehen hätten wären auch sie davongelaufen, weil er zu sehr Mensch war.
Eines Tages ging er ans Meer, wo er ein Mädchen beobachtete, das einen Korb flocht.
Das Mädchen hieß “Sedna“.
“Warum weinst Du?“ fragte sie ihn. “Ich weine weil ich alleine bin. Keiner will mir nahe kommen, weil ich weder Mensch noch Tier bin.“
“Ei,“ sagte Sedna, “ich könnte Dir helfen!“
Amaruq schaute ihren -halb- Wasser, halb- Mensch- Körper an. Ein kleiner Hoffnungs- Schimmer setzte sich in seinem Herzen fest.
Sedna war die Göttin des Meeres. Sie hatte unbeschreibliche Kräfte, und war imstande ihm zu helfen.
“Was muß ich tun, liebe Sedna?“ fragte er.
“Du mußt mir Deine Seele geben, und dafür werde ich Dich zum Freund aller Menschen machen. Sie werden Dich aufsuchen, wenn sie Schutz brauchen, sie werden Dich bewundern, zu Dir aufblicken, Dich respektieren und verehren. Es ist nur eine Kleinigkeit, um die ich Dich bitte und denke nur, wieviele Freunde Du dann haben wirst !“
Amaruq dachte nur eine Sekunde über Sednas Angebot nach. Was habe ich schon, dachte er sich- Keine Freunde- niemanden !
“Ich werde Dir meine Seele geben, wenn Du mich zum Freund aller Menschen machst“ sagte er schließlich.
Und in dem Moment, in dem er es aussprach, spürte er, wie sich seine Muskeln verhärteten und steif wurden, er sah an seinem Körper runter und sah, daß er zu Stein wurde.
Da stand er nun, seine dicken Beine verbunden mit der Erde, seine Arme ausgestreckt.
Er versuchte zu sprechen, doch es gelang ihm nicht. Er konnte nur hören und sehen.
Sednas Kichern und Lachen dröhnte über das Wasser, als sie in die Unterwelt des tiefen, tiefen Wassers abtauchte.
Amaruq stand am Ufer und wünschte sich, er hätte sich niemals auf diesen Pakt mit Sedna eingelassen.
Doch in diesem Moment kam eine Gruppe Jäger. “Schau nur ! Schau!“ riefen sie sich zu. “Ein Mensch aus Stein- Inukshuk!“
Amaruq hatte letztendlich viele Freunde. Es war nicht ganz so, wie er es sich vorgestellt hatte, aber Sedna hatte ihr Wort gehalten.
Die Inuits (Eskimos) verehren und respektieren ihn, sie kommen zu ihm um Schutz zu suchen, und auch wenn er nicht mit ihnen sprechen kann, so kann er sie doch hören und sehen.

ach, ich hab vergessen, meinen namen oben rauszunehmen. sonja kellermair bin ich, so hieß ich als ich verheiratet war...
die geschichte hab ich von meinem freund augiak erfahren, ich hab ihn in canada besucht, und hab mir danach einen inukshuk tätowieren lassen und baue auch ständig welche im ybbstal, wo ich zu hause bin. mittlerweile gibt`s in österreich bestimmt schon genauso viele inukshuks wie in canada *lach*.
majun/sonja

Sonja Raab, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.10.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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