Andrea Küppers

Das Attentat von Colombo

Vor vielen Jahren machte ich auf Sri Lanka Urlaub. Nach einer schönen und interessanten 1-wöchigen Rundreise verbrachte ich einen Tag in der Hauptstadt Colombo. Ich nutzte die freie Zeit um u.a. in dem auf dem Dach des Hotelhochhauses befindlichen Swimming-Pool zu baden. Gerade als ich aus dem Wasser stieg vernahm ich einen gewaltigen durchdringenden Knall. Ich wußte, daß die Singhalesen gerade Neujahr feierten und hatte deshalb schon seit Tagen viele Knallereien gehört. Aber diesmal war es doch anders wahrzunehmen. Es war eine einmalige, dumpfe, laute und durch den ganzen Körper ziehende Explosion. Und was bedeuteten diese lauten, entsetzlichen Schreie unmittelbar danach?

Am Abend saß ich dann mit einigen Leuten aus meiner Gruppe in netter Runde an der Bar. Plötzlich kam ein elegant gekleideter Herr, es war der Hotelmanager, auf uns zu und sagte wir sollten auf keinen Fall das Hotel verlassen. Später stellte sich dann der grausame Grund heraus. Tamilische Terroristen hatten an einer Ampel im Stadtzentrum eine Bombe gezündet, welche zahlreiche Menschenleben auslöschte und viele Verwundete hervorrief. Bevor ich mir reale Gedanken über die Opfer machen konnte, stieß mir als erstes in den Kopf, was mit mir passiert wäre, wenn ich zum selben Zeitpunkt an dieser Ampel gestanden hätte.

Dann wurde über dem nächtlichen Colombo der Ausnahmezustand ausgerufen und damit einhergehend auch eine Ausgangssperre. Ich stand in meinem noblen Zimmer der ca. 11. Etage dieses Luxusklotzes und starrte verängstigt auf die wie tot erscheinende Metropole herab. Mein einziger Trost war die Tatsache, daß wir am nächsten Morgen auf die Malediven weiterfliegen sollten.

Der Morgen kam, aber der Fahrer unseres Transferbuses zum Flughafen ließ uns bedingt durch die Aufregungen im Stich. Wahrscheinlich ist er nicht bis zu uns durchgekommen. Also sah sich außer mir noch ein Ehepaar aus unserer Gruppe, welches ebenfalls auf die Malediven wollte, gezwungen die Mitfahrgelegenheit in einem exclusiven Taxi einer vornehm wirkenden Italienerin in Anspruch zu nehmen. Nachdem wir einige Kilometer durch diese situationsbedingt panikartige, gestreßte und von schwer bewaffneten Polizeieinheiten dominierte Metropole gefahren waren fiel dieser südländischen Dame auf, daß sie aufgrund der Aufregungen ihre Papiere im Hotelsafe vergessen hatte und uns nichts anderes übrig blieb als umzukehren.

Phasenweise kam mir die ganze Situation wie ein dramatischer Abenteuerfilm im Fernsehen vor. Endlich raste das Taxi mit Vollgas Richtung Flughafen und die Bemerkung des Fahrers “last Chance“ ist mir bis heute gut in Erinnerung geblieben. Er wußte so gut wie wir, daß die Zeit bis zum Abflug drängte. Am Flughafen erwartete uns eine neue unerwartete Streßsituation. Die Abflughalle war überfüllt von Touristen und privilegierten Bürgern welche in Kurzschlußpanik ebenfalls das von Gewalt bedrohte Sri Lanka verlassen wollten. Ab schließlich erreichten auch wir noch unser Flugzeug und kamen wohlbehalten auf den zum Landezeitpunkt zwar verregneten aber sicheren Malediven an.

Obwohl dieses schreckliche Ereignis schon sehr lange her ist kommen die Bombenexplosion, die Schreie der Opfer und Passanten und die Situationen danach zwar immer seltener und verblaßter aber dennoch in meinen Erinnnerungen hoch und belasten mich dann durch ein Gefühl von Trauer und Unbehagen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.10.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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