Alexander Grau

Der Bambusvorhang

Montag:

"Nein. Den mit den Schmetterlingen möchte ich nicht. Der mit der halbnackten Frau gefällt mir viel besser", antwortete Frank auf die Frage seiner Mutter. Sie waren bei Mögrossa, um etwas für den Durchgang zu seiner Küche zu holen.
"Ich zahle ihn dir schon", sagte seine Mutter und ging mit dem Bambusvorhang zur Kasse. Nach dem Zahlen sagte sie zu Frank: "Schau lieber mal nach, ob er auch heile ist."
"Warum denn? Wird er doch schon sein, aber ist gut mache ich schon." Es war ihm ein bisschen peinlich den Vorhang im Laden auszupacken, aber wenn es seine Mutter so wollte.
Nach ein paar Versuchen hatte er den Vorhang aus dem Karton gezogen. "Siehst du Muttern alles ok."
"Man erkennt ja gar nichts", sagte seine Mutter ein bisschen enttäuscht.
"Lass ihn mich erst mal ordentlich aufhängen, dann wird man es wohl besser erkennen können." Frank klaubte den Vorhang grob zusammen und verließ im Schlepptau seiner Mutter den Laden.

"Siehst du? Habe ich es nicht gesagt, kaum hängt er kann man auch die Figur erkennen", sagte Frank ein wenig besserwisserisch.
"Ja, ist schon gut, hast ja Recht gehabt, mein Sohn. Dann kann ich ja jetzt fahren oder soll ich noch was machen."
"Nö. Eigentlich nicht. Dann noch mal danke."
Beim Hinausgehen rief sie ihm noch zu: "Denk an Samstag."
"Mache ich", erwiderte Frank leicht angenervt. Er schloss die Tür hinter ihr und sah sich noch mal die Frau auf dem Vorhang an. Sie war hübsch.

Frank lebte schon seit längerer Zeit alleine, noch immer auf der Suche nach der richtigen Frau für sich. Die Suche stellte sich jedoch schwieriger heraus, als sie seiner Meinung nach sein sollte. Er war viel zu schüchtern um eine Frau kennen zulernen oder er wollte nichts von ihr oder sie vom ihm.
Es war kurz vor elf, als Frank seinen Fernseher ausmachte und ins Bett gehen wollte. Auf dem Weg dahin kam er an seinem neuen Bambusvorhang vorbei. "Gute Nacht Schatzi!", sagte er aus Spaß zu der abgebildeten Frau.

Dienstag:

Die Arbeit war endlich zu Ende und Frank wärmte sich was im Mikrowellenherd auf. Abwartend, das sein Essen heiß werden würde, setzte er sich auf den Küchenstuhl und ließ seinen Blick durch den Raum streifen, bis er am Bambusvorhang hängen blieb. Er konnte es nicht fassen, er fing sogar an mit ihm zu reden. Es war so wie manche Leute mit ihren Blumen, Haustieren oder der Wand reden, weil sie vor Einsamkeit nicht wissen, mit wem sie sonst reden sollten. Das schlimmste war für ihn, das er glaubte, dass die Frau im Vorhang ihm zuhören würde. Frank kam zu dem Schluss, dass er aufhören sollte, mit irgendwelchen Gegenständen zu reden. Am Samstag würde er mit den anderen in die Disco fahren und all seinen Mut zusammen nehmen. Vielleicht klappt es ja dieses mal. Er glaubte zwar selber nicht dran, aber das Letzte was man verlieren sollte, ist ja die Hoffnung.

Frank hatte einen erotischen Traum diese Nacht. Kurz bevor es ein feuchter wurde, wurde er wach. Langsam und enttäuscht kämpfte er sich aus der Schläfrigkeit hervor. Er hörte den Bambusvorhang leise rascheln, das musste wohl an dem Wind liegen, dachte er sich, der auch seine Vorhänge im Schlafzimmer wehen ließ. Mit halbgeschlossenen Augen sah er auf seinen Wecker, es war kurz nach zwölf. Mühsam kroch er aus dem Bett und erleichterte sich im Badezimmer, um darauf wieder traumlos einzuschlafen.

Mittwoch:

Frank öffnete das Fenster in der Küche, bevor er zur Arbeit ging. Ein leichter Windstoß kam herein und ließ die Bambusröhrchen aneinander vorbei streichen. Es klang fast wie raschelndes Laub. Frank nahm sich sein Frühstück und schlenderte dann zur Arbeit.

An diesem Abend ging Frank wieder früh zu Bett. Der Traum kam auch wieder. Dieses Mal aber nicht so heftig wie die Nacht zuvor. Morgens als er aufwachte, hatte er jedoch noch immer ein erregtes Glied.

Donnerstag:

Als er am Nachmittag nach Hause kam, berührte Frank beim Anblick des Vorhanges ein warmes wohliges Gefühl. Er zerteilte den Vorhang mit seinen beiden Händen, um nicht mit seinem Rucksack dran hängen zu bleiben. Als dabei seine linke Hand die eine Brust der Frau berührte, fuhr für eine Millisekunde ein kribbeln durch sein Glied. Bevor es Frank richtig registrieren konnte, war es auch schon wieder vorbei.
Frank ertappte sich dabei, dass er wieder mit dem Vorhang sprach. Erschrocken sprang er auf und verließ die Wohnung. Eine Schnur verfing sich in seiner Jacke. In Panik löste er sie und knallte die Haustür hinter sich zu. Es war ihm so vorgekommen, als hätte er aufgehalten werden sollen.
Als ihm draußen vor dem Haus die Sonne ins Gesicht schien und der Wind leicht durch sein Haar blies, musste er laut über sich selbst lachen. "Mein Gott jetzt werde ich auch noch paranoid." Lachend setzte er sich ins Auto und fuhr davon. Aber irgendwie war ihm immer noch unwohl zu Mute.
Als Frank abends um acht nach Hause kam, schien es ihm, als ob irgendwas anders war. Hatte er nicht seine dreckige Wäsche, einfach auf den Boden geworfen? Doch da lag sie nicht mehr. Überrascht sah er in der Wäschetonne nach. Die Wäsche war drin. Genauso war die Wolldecke im Wohnzimmer ordentlich zusammengelegt. Hatte er das am Abend zuvor gemacht? Er wusste es einfach nicht mehr.
Sein Handy klingelte. Es war ein Freund von ihm, der nur noch mal den Termin mit der Disko am Samstag bestätigt wissen wollte. Nachdem Frank wieder aufgelegt hatte, waren die Ungereimtheiten auch schon wieder vergessen. Er ging in die Küche, um das Geschirr abzuwaschen. Stand es ordentlicher da? Der Gedanke verflog so schnell wie er kam. Nach dem Abwasch ging Frank zurück ins Wohnzimmer, köpfte ein Alster und zappte zwei Stunden die Kanäle rauf und runter, bevor er müde ins Bett ging. Der Bambusvorhang raschelte leicht, als er an ihm vorbeiging.
In dieser Nacht schlief er so ruhig wie schon seit langem nicht mehr. Es war so, als ob er nicht alleine da liegen würde. Er spürte eine sanfte Nähe, die zwar nicht da sein konnte aber doch irgendwie da war.

Freitag:

Frank erwachte glücklich und völlig ausgeruht. Ein leichter Duft von Blumen hing in der Luft. Pfeifend zog er sich an und ging ins Bad. Er zwinkerte der Frau auf dem Vorhang zu und für einen kurzen Augenblick kam es ihm vor, als hätte sie zurück geblinzelt. Das Herz rutschte ihm in die Hose und sein Herzschlag schien auszusetzen. Doch dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen, es musste wohl nur ein Lichtreflex gewesen sein, das jedenfalls redete er sich ein.
Es war schon Freitagnacht. Frank lag auf dem Sofa. Die Osborneflasche war schon zur Hälfte geleert und ihm war schon leicht schummrig. Nichtsdestotrotz trank er weiter. Das Programm im Fernseher war langweilig, also hatte er sich eine DVD ausgeliehen. Der Film war nicht schlecht, mehr aber auch nicht.
Es war schon nach zwölf, als der Film dann zu Ende war. Frank zappte noch ein wenig hin und her. Beim DSF lächelte ihn eine hübsche junge Frau an und entblößte langsam aber zielstrebig ihren lieblich anzusehenden Körper. Wärme machte sich in seiner Lendengegend breit. Er wanderte mit seiner Hand langsam seinen Bauch hinunter. In der Küche schepperte es laut, als ob etwas umgefallen sei. Genervt stand Frank auf um nachzusehen. Beim Vorbeigehen machte er auch gleich den Fernseher aus. Jetzt hatte er auch keine Lust mehr.
Ein Frühstücksbrett war vom Halter gerutscht. Musste er wohl gestern schlecht aufgehängt haben, schoss es ihm durch den Kopf. Er hing es wieder auf und ging zu Bett.
Frank machte leise ruhige Musik an. Bevor der dritte Titel abgespielt wurde, schlief er auch schon tief und fest. Auch in dieser Nacht träumte er wieder. Er hatte Sex mit einer Frau, die ihm irgendwie bekannt vorkam. Doch Frank konnte das Gesicht nicht zuordnen. Der Traum wurde immer wilder. Sein Mund war um ihre Brust geschlossen, als sich sein Saft in ihr verbreitete. Genüsslich knabberte er ihr leicht an der Brustwarze.
Frank wurde von seinem Sperma wach, das ihm warm im Schritt runter lief. Ein trockener hölzerner Geschmack im Mund, ließ schnell die Schönheit des Traumes verfliegen. Er ging wiederwillig ins Bad um sich zu waschen. Der Bambusvorhang wiegte leicht von rechts nach links, obwohl die Fenster, bis auf das im Badezimmer, geschlossen waren. Frank runzelte seine Stirn. Da lief im auch schon ein warmer Tropfen am Innenschenkel hinunter. Er ging rasch ins Bad und wusch sich. Er hätte lieber geduscht, doch wollte er es nicht machen wegen seiner Untermieter, die sich bestimmt freuen würden, wenn er nachts um drei plötzlich anfinge zu duschen. Ihn würde es jedenfalls stören. Frank ging zurück ins Bett. Unterm Bett lag etwas, das bei dem wenigen Licht, das seine Nachttischleuchte ausstrahlte, wie ein Bambusröhrchen aussah. Er schaltete die Deckenlampe ein. Der Glühfaden verbrannte in einem hellen Blitz. Durch dieses plötzliche grelle Aufflackern konnte Frank eine Zeit gar nichts mehr sehen. Fluchend tastete er sich ins Bett. Er würde morgen früh nachsehen, was es war. Mit diesem Gedanken schlief er wieder ein. Es war ein unruhiger Schlaf. Er fühlte sich beobachtet. Doch jedes Mal wenn er die Augen aufschlug war niemand da. Er hörte nur das leise Klacken der Bambusröhrchen, die gegeneinander schlugen. In den frühen Morgenstunden ließ das Gefühl dann nach und er konnte endlich ruhig schlafen.

Samstag:

Als er kurz vor Mittag aufwachte, sah er gleich unter sein Bett. Doch da war nichts, rein gar nichts. Verwundert stand er auf und duschte lang und ausgiebig. In der Küche schmierte er sich ein Brot und aß es auf der Fahrt zu seinen Eltern, bei denen er heute helfen sollte.

Frank hatte sich geduscht, gründlich rasiert, die Haare gestylt und sich einparfümiert. Er war heute mal wieder dran mit Fahren, was ihn auch keineswegs störte. Er wollte nüchtern bleiben, vielleicht klappte es ja heute Abend endlich mal wieder. Auch wenn es nur für eine Nacht war, das war ihm heute egal. Hauptsache ficken, ging es ihm durch den Kopf.

Sonntag:

Frank schloss leise die Haustür auf, um ja keinen zu wecken. Die Sonne ging schon langsam auf. Frank trat an die Seite und deute Felicitas den Weg die Treppe hoch, zu seiner Wohnung.

Ja es hatte geklappt, er wusste immer noch nicht, wie er es geschafft hatte. Aber er hatte es geschafft. Sie war mit einer Freundin in der Disko gewesen, mit der Frank früher in die gleiche Klasse gegangen war. So hatten sich die beiden kennen gelernt. Sie verbrachten den Großteil des Abends miteinander. Wenn sie nicht tanzten, saßen sie am Tisch und redeten miteinander. Es war so einfach, Frank konnte befreit reden, seine Schüchternheit war vergessen. Bei einem ruhigen Lied kam dann der erste zaghafte Kuss, von ihr. Er sollte nicht der einzige bleiben. Sie verstanden sich vom ersten Moment an blendend. Sie wäre trotzdem nicht mit ihm nach Hause gefahren, aber ihre Freundin hatte mit einem Mann angebandelt, den sie mit nach Hause nehmen wollte. Daher wusste Felicitas nicht mehr, wo sie diese Nacht schlafen sollte. Sie wollte es sich jedenfalls nicht antun auf dem Sofa zu schlafen, während die andern beiden Sex hätten. Da hatte ihr ihre Freundin vorgeschlagen, doch mit zu Frank zu fahren, da er ja ein Sofa frei hätte. So endete es dann auch nach einigem hin und her.

Frank drückte die Haustür wieder leise zu und überholte Felicitas auf der Treppe, um ihr den Weg zu zeigen.
"So das ist hier also mein Reich. Es ist zwar nicht das Taj Mahal, aber man kann hier ganz gut leben." Frank öffnete die Tür und zeigte ihr den Weg in das Wohnzimmer.
"Das ist auch ganz gut so, das es nicht das Taj Mahal ist. Ich wollte nicht in einer Totenkammer übernachten", sagte sie freundlich. Sie ging ins Wohnzimmer und setzte sich auf die Couch. Interessiert musterte sie den Raum. "Hast es ja schön sauber hier. Kommt deine Mama zum Putzen?", lachte sie schelmisch.
"Nein, dafür habe ich meinen kleinen Hauself. Kann ich dir noch etwas anbieten?" Frank gähnte in seine Hand, die er schützend vor den Mund hielt.
"Hast du vielleicht eine Cola oder so? Na, sind wir ein bisschen müde?" Sie unterdrückte selber ein Gähnen.
"Ja, habe ich?, Frank ging in die Küche und holte eine Flasche Cola, "hier bitte schön." Er schenkte Felicitas und sich ein Glas ein.
"Danke.? Eine unbequeme Stille machte sich zwischen den beiden breit. "Wollen wir noch ein bisschen Fernsehen, oder willst du schon ins Bett?", unterbrach sie die immer bedrückender werdende Stille.

Sie sahen noch einen Film, der mit der Zeit aber immer mehr zur Nebensache wurde. Frank hatte das Sofa ausgezogen, damit sie bequemer liegen konnten. Er hatte sich in einer kleinen Distanz neben sie gelegt, die Felicitas aber mit der Zeit immer mehr auflöste. Erst berührten sie sich leicht an den Händen, bis sie sich irgendwann eng umschlungen auf dem Sofa wälzten. Der Bambusvorhang raschelte heftig.

"Hey, wollen wir nicht in dein Bett gehen?", fragte Felicitas etwas direkt.
"Gerne, aber wolltest du nicht auf dem Sofa schlafen? So hatte es sich doch erst angehört."
"Wenn dir das natürlich lieber ist, bleibe ich hier auf dem Sofa." Sie zog sich etwas aus seiner Umklammerung zurück. Ein gespielt beleidigter Blick traf Frank.
"Gott bewahre! Dann wäre ich ja noch dümmer, als ich immer denke. Ich will ja nur, dass du nicht etwas machst, was du nicht willst und mir dann die Schuld in die Schuhe schiebst." Frank richtete sich auf.
"Pass mal lieber auf, dass du es nicht bereuen wirst. Im Bett bin ich eine sehr einnehmende Person", lachte sie und stand mit ihm auf.
Sie gingen ins Schlafzimmer. Als sie am Bambusvorhang vorbeigingen verspürte Frank eine elektrische Spannung, so dass sich seine Nackenhaare aufrichteten. Er gab ihr ein T-Shirt und Felicitas verschwand noch mal für kurze Zeit im Bad. Sie kam mit dem T-Shirt bekleidet zurück, nur mit dem T-Shirt wie er später feststellen sollte. Ihr Gesicht glänzte noch leicht vom Wasser mit dem sie sich ihre Schminke abgewaschen hatte. Sie sah noch hübscher aus, als vorher dachte Frank. Er stand fassungslos da, mit offenem Mund.
"Mach den Mund zu, deine Mandeln werden kalt. Mein Gott bist du süß", lachte sie. Sie legte sich ins Bett. Frank zog sich langsam aus, als er sich auch selbst ein T-Shirt überziehen wollte, erntete er nur einen spöttischen Blick und ließ es. Er legte sich ins Bett, worauf sich sofort ihr warmer Körper an ihn schmiegte.
"Besser so?, hauchte Felicitas Frank ins Ohr und bedeckte seine Brust mit leichten Küssen. Er wurde fast wild vor Verlangen.

Sie liebten sich dreimal an diesem Morgen. Beim ersten Mal kurz und heftig, beim zweiten Mal schon länger und beim dritten Mal schien es fast kein Ende zu nehmen. Sie schliefen völlig glücklich und erschöpft ein. Frank hatte zwischendurch die Schlafzimmertür geschlossen, weil ihm das Geraschel des Bambusvorhangs auf die Nerven ging. Sekunden später fiel sein Schlüsselhalter runter, der mit Saugnäpfen am Herd befestigt war. Das passierte so oft, dass er sich darüber keine Gedanken machte und kehrte ins Bett zurück, zu Felicitas, die ihn schon erwartete, zum dritten Akt.

Das Telefon riss sie aus dem Schlaf. "Mein Gott, was ist das denn für ein wildes Gebimmel?", fragte Felicitas ihn gähnend. Sie schmiegte ihren Hintern an sein bestes Stück.
Widerwillig löste er seine Umarmung und ging ans Telefon. Fünf Minuten später kam er zurück ins Schlafzimmer. "Es war meine Mutter. Ich hatte ihr versprochen, heute kurz zu helfen."
"Wann denn?", fragte Felicitas etwas enttäuscht.
"Ich habe ihr gesagt frühestens in einer Stunde. Dauert auch nicht lange. Ich muss nur kurz was anschließen. Dauert höchstens eine halbe Stunde bis Stunde. Wenn du nichts dagegen hast. Ist zwar scheiße, aber..."
"Nein, ist schon gut. Ich werde es schon überleben." Sie sah ihn lüstern an. "Und was machen wir jetzt noch, wir haben ja noch eine Stunde. Wie geht es denn euch beiden?"
Sie liebten sich erneut. Nach dem Sex schmusten sie noch eine Zeit lang, bis Frank dann in die Dusche ging. Frisch geduscht kam er zurück ins Schlafzimmer und zog sich an. "Kann ich noch was Gutes für dich tun?"
"Ja, kannst du. Erstens mir einen Kuss geben, zweitens dich beeilen, damit du so schnell wie möglich wieder hier bist." Felicitas hob die Decke leicht an, um ihm zu zeigen, was dann auf ihn warten würde.
Sie küssten sich ein letztes Mal. Bevor Frank ging, drehte er sich noch mal zu ihr um. "Wenn du etwas essen möchtest, findest du alles in der Küche, wenn du duschen willst, weißt du ja wo das Bad ist. Da müsste auch noch eine neue Zahnbürste im Schrank liegen." Er wollte sich noch schnell einen Kuss abholen, doch Felizitas verweigerte ihn ihm. "Ne, jetzt reicht es. Sieh zu, dass du so schnell wie möglich wieder da bist, dann kriegst du einen. Vielleicht treibt dich das ja an, dich zu beeilen", sagte sie verführerisch, dann fügte sie in einem fragendem Ton hinzu, "einen Fön hast du nicht, oder?"
"Tut mir leid. Bei meinen Haaren brauche ich so etwas nicht."
"Dachte ich mir schon. Na ja, wird schon gehen. Dann weißt du jedenfalls, was du dir in nächster Zeit mal holen musst, wenn ich öfter bei dir schlafen soll."
Sein Herz schlug Purzelbäume vor Glück, so stammelte er nur: "Mache ich."
Beim Rausgehen rief ihm Felicitas noch spaßig hinterher: "Ach ja übrigens, ich dulde keine Konkurrenz. Ich meine damit die schöne Frau auf dem Bambusvorhang."
"Mal sehn", lachte Frank, "als ob sie eine Konkurrenz für dich wäre."
Gleichzeitig zerplatzte ein Bambusröhrchen am Vorhang und fiel leise klackend zu Boden. Frank ging runter zur Haustür.

"Na, sind wir heute nicht alleine gewesen?", fragte Peter neugierig, der mit seiner Frau unter Frank wohnte, "hat sich jedenfalls so angehört."
"Der Gentleman genießt und schweigt", versuchte Frank ernst zu sagen, musste dann aber doch lächeln.
"Aha. Dann möchte ich mal nicht wissen, wie Gentlemanlike du warst", lachte Peter und ging runter in den Keller.
Frank stieg in sein Auto und fuhr zügig zu seinen Eltern, wo er schnellst möglich die neue Lampe seiner Mutter anschloss.

Es waren fünfzig Minuten vergangen, als Frank in seine Straße einbog. Blaulicht flackerte am Ende der Straße. Genau vor dem Haus, in dem er wohnte. Sein Herz setzte für ein zwei Schläge aus. Angst und Panik machten sich in ihm breit. Er ließ sein Auto einfach mit offener Tür und laufendem Motor auf der Straße stehen und rannte zum Haus. Ein Polizist wollte ihn aufhalten. Frank rannte ihn jedoch einfach über den Haufen. "Nein, bitte nicht, nein", stammelte er die ganze Zeit vor sich hin. Im Hauseingang standen Peter und Heike. Der Schock stand in ihren Augen. Sie mussten etwas Furchtbares und Schreckliches gesehen haben.
"Nein, Frank, geh nicht da hoch", brachte Peter mit aller Kraft, die er noch hatte, gerade soeben hervor. Er versuchte Frank den Weg zu verstellen, doch er hatte genauso wenig eine Chance, wie der Polizist.
Frank rannte die Treppe hoch. Er nahm bis zu drei Stufen auf einmal. Kurz bevor er oben ankam rutschte er aus und knallte hart auf die Fliesen. Den Schmerz missachtend rappelte er sich wieder hoch und stürmte in die Wohnung. Er stieß mit einem Sanitäter zusammen. Beide fielen zu Boden. Frank sah für kurze Zeit nur Sterne und Lichtblitze. Der Anblick dann brannte sich bei ihm für immer in seine schrecklichsten Erinnerungen und Träume ein. "NEEEEEEEEEEEEEEEEEIIIIIIIIIIIIIIIIINN", hallte es durch das Haus. Peter begann unten zu weinen.

Frank wurde von einem Sanitäter die Treppe hinunter geführt. Sein Gesicht schien einer Totenmaske gleich. Frank wurde für diese Nacht, zur ärztlichen Überwachung, mit ins Krankenhaus genommen. Dreimal erwachte er schreiend aus seinen Träumen.

Montag:

Am nächsten Tag erfuhr Frank dann, was und wie es wohl passiert war.

"Als ich aus dem Keller wieder hoch kam, kurz nachdem du gefahren warst", erklärte Peter, mit einigen Aussetzern, "hörte ich oben die Dusche laufen und dachte mir, dass deine kleine Freundin wohl duschen würde."
Frank lief eine Träne übers Gesicht.
"Geht es?", fragte Peter ihn.
"Ist schon gut. Erzähl bitte weiter", antwortete Frank mit einem misslungenem Lächeln.
"Jedenfalls hörte ich dann, als ich das nächste Mal in den Keller ging, wie die Dusche ausging. Als ich dann wieder aus dem Keller hoch kam, nach zehn Minuten oder so, hörte ich", Peter stockte kurz und sah seine Frau hilflos an. Sie nickte nur, was auch Frank tat. "Mein Gott, ich hörte einen leisen Knall, als wäre etwas zerbrochen oder so, ich habe mir nichts dabei gedacht. Es tut mir so leid, wie sollte ich das wissen." Peter schluchzte und begann zu weinen.
Es dauerte fünf Minuten, bis er sich wieder gefangen hatte. Frank saß nur da mit einem starren Blick ins Nichts und wartete darauf, dass Peter den Rest erzählen würde.
"Ich ging zurück in die Wohnung, um etwas zu suchen. Ich brauchte einen Pinsel. Mein Gott, ich hätte ihr vielleicht noch helfen können. Es tut mir so leid. --- Auf dem Flur hörte ich dann ein leises Röcheln und Stöhnen, was von oben kam und irgendwas quietschte über den Boden. Ich wusste erst nicht, was ich machen sollte, bis das Stöhnen und Röcheln leiser wurde. Auf einmal hatte ich eine schreckliche Vision, die sich noch schrecklicher heraus stellen sollte, als ich dachte. Ich stürmte die Treppe hoch, so ähnlich wie du gestern und dann sah ich sie im Durchgang zur Küche. Ihre nackten Füße hatten Schleifspuren auf dem Linoleum hinterlassen. Ihr Hals hatte sich in den Bambusschnüren verfangen. Warum waren sie nicht abgerissen" Sie bäumte sich noch ein letztes Mal auf und hing dann schlaff in der Luft, einen halben Meter mit dem Kopf über dem Boden. Blut war in ihre Augen getreten." Peter sammelte sich noch mal kurz: "Es tut mir so verdammt leid."

Frank hatte den Vorhang abgenommen, er schien sich leicht zu wehren. Er packte ihn ins Auto und schmiss ihn irgendwo in den Wald. Danach fuhr er nach Hause und legte sich heulend ins Bett.

Karl spazierte durch den Wald, alleine mit seinem Hund Hulk. Er war die einzige Lebensform, die er liebte und die ihn liebte, leider, bis vielleicht auf seine Mama. Da sah er ihn. Einen Bambusvorhang und noch sehr gut erhalten. Er nahm ihn mit und hängte ihn noch am gleichen Abend in seiner Wohnung auf. Hulk mochte ihn gar nicht. Zwei Tage später war er tot.

ENDE

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.12.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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