Lutz Ryback

Urlaub im Süden - zwischen Kühlschrank und Badewanne

Was machte der Urmensch wenn der Sommer kam und es warm wurde? Er zog sein Bärenfell aus und legte sich drauf oder kroch etwas tiefer in seine Höhle, denn dort war es kälter.
Was machen wir heute? Wir fahren in den Süden weil es da noch wärmer ist!
In diesem Jahr war das natürlich eine echte Alternative, denn der Juli hierzulande hatte als Sommermonat nicht seinen Namen verdient, eher Spätapril und dafür hatten wir doch ganz klasse Wetter!
Also lockte der Süden auch uns und wir fuhren los. Erst einmal mit dem Auto zum Flugplatz, mit aufgedrehter Heizung versteht sich denn es war mitten in der Nacht und außerdem hatten wir nur luftige Sommerkleidung an. Damit fiel man bei den Urlaubern in der zugigen Abflughalle wenigstens nicht auf, die Menschenansammlungen dort schützten auch ganz gut vor dem kalten Nachtwind. Diesen nahmen wir dann ins Flugzeug mit - jetzt aber künstlich erzeugt und für jeden Platz individuell einstellbar. Ich regelte die Düse auf volle Leistung weil damit mein zugebuchter Platznachbar wenigsten geruchsmässig von mir getrennt war.
Nach der Landung auf der Insel - immer noch keine Wärme, in endlosen Röhren und Gängen wurden wir durch künstliche Klimawinde förmlich hindurchblasen um an Ende hinter einer Glastür endlich die frische Morgenluft zu genießen. Dachten wir so, doch 28 Grad waren erst einmal schweißtreibend, die Koffer halfen dabei. Egal, wir freuten uns an dieser wohligen Wärme. Komisch, der freundliche Taxifahrer war im Vergleich zu uns dick angezogen, das erklärte sich dann von selbst, als wir in seinen fahrenden Kühlschrank stiegen: 18 Grad Klimaanlage! Nun gut, die Stunde Fahrt hielten wir aus ohne etwas zu sagen, es war ja schließlich der Arbeitsplatz des guten Mannes. Mein Trinkgeld am Hotel angekommen, hielt sich in Grenzen. Auf dem kurzen Weg in der schönen Gartenanlage des Hotels nahmen wir die Wärme und die Meeresluft besonders gern auf, herrlich! Es reichte aber nicht weit, die Hotelhalle - der nächste Kühlschrank! Es war früh am Morgen um 6:15 Uhr und wir irgendwie dankbar, als uns der Nachtportier erst einmal einen starken Kaffee anbot, heiß versteht sich!
Dann endlich ans Wasser, natürlich natürliches Wasser war unser Ziel, denn 29 Grad im Hotelpool waren uns zu warm, zu laut und zu chemisch. Der Seewind machte die 42 Grad im Schatten erträglich, nur die Abkühlung im Wasser des Mittelmeeres wollte nicht so recht gelingen - bei 30 Grad Badewannentemperatur auch kein Wunder.
Zum Abend zu wurde es sehr erträglich, leider konnte man aber nicht im Freien essen. Im Hausprospekt wurde darum gebeten, in angemessener Bekleidung zum Dinner zu erscheinen. In Anbetracht der vielen Sterne des Hotels waren alle festlich gekleidet: Wir Männer natürlich in langen Hosen und Jackett, die Frauen meistens schulterfrei und tief dekolletiert oder im Minirock. Diese wunderschönen Aussichten wurden je später der Abend war immer mehr mit Schals, Jacken und Tüchern verhangen, denn das Restaurant hatte selbstverständlich eine Klimaanlage! Irgendwie hatten wir aber den Eindruck, dass diese nicht zum Wohlfühlen der Gäste da war, sondern die Speisen des üppigen Büfetts kühl halten sollte. Und natürlich steigerte es den Umsatz - Alkohol wärmt ja bekanntlich!
In den nächsten Tagen richteten wir uns ganz gut ein, auch bei der Fahrt übers Land mit einem Mietauto - Cabrio mit Klimaanlage, versteht sich!
Die Sonnenuntergänge genossen wir an der Strandbar besonders gern, die Mixgetränke schmecken da noch mal so gut. Dass es immer ein Glas mehr wurde - kein Problem, wir hatte ja Urlaub. Nebenbei sei erwähnt, es schlief sich auch besser, die Klimaanlage im Zimmer war etwas laut....Unser Versuch, mit offenem Fenster zu schlafen und die frische Meeresbriese zu genießen, ging schief, die Mückenschwärme erzeugten gleiche Geräusche wir die Lüftung, waren dazu aber weitaus schmerzhafter.
Es kam wie es kommen musste - ich holte mir einen Schnupfen. Die Apotheke, wo ich mir die Nasentropfen kaufte, war der bestgekühlteste Laden, den ich je betreten hatte, klar, auch so macht man sich Kundschaft. Ansonsten war es ein klasse Urlaub, der leider auch mal zu Ende ging. Der Rückflug war angenehm normal, in Kühlschränken zu reisen waren wir ja inzwischen gewohnt. Zuhause angekommen, genoss ich in vollen Zügen die schöne, zuggegeben etwas kalte Abendluft, legte mich dann mit meinem Schupfen ins Bett und zog die Decke über den Kopf - herrlich, meine Höhle hatte mich wieder!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.12.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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