Nina Schusteritz

Von Steppen und Brücken

Der Himmel ist dunkel und fast schwarz. Tief ziehen die großen Gewitterwolken über die trostlos erscheinende Steppe.
Sie verbreiten eine düstere Stimmung. Ich möchte mich verkriechen, wenn grelle Blitze mir die verhassten Bilder meiner Vergangenheit zeigen.
Ich bin allein unter diesem Himmel. Schutzlos irre ich, immer auf der Suche nach einem Ort, wo ich mich ausruhen kann.
Einem Ort wo ich mich geborgen fühle. Ich finde diesen Ort nicht. Ich wandele auf meinen kargen Pfaden, traue mich nicht wirklich neue Wege zu gehen.
Bin ich doch schon so oft verletzt worden, wann immer ich meinen Weg verlies. Eines Tages wurde ich von Stimmen angelockt. Die Sehnsucht trieb mich zu ihnen.
Ungeachtet meiner Angst wieder verletzt zu werden, fand ich ein Lager umherziehender Nomaden, die dicht an meiner kleinen Steppe rasteten.
Nur ganz wenige hatten spärliche Hütten, die sie vor den Stürmen schützen. Sie hatten ein kleines Feuer angezündet und ich setzte mich an den Rand des kleinen Trupps.
Ich war fasziniert. Sie lachten, obwohl, wie ich später feststellte, auch sie eigentlich nicht zu lachen hatten. Sie gaben wärme, wo sie doch selbe welche suchten.
Einige Wanderer kamen zu mir, sie wickelten mich in ihre Decken, nahmen mich in ihre Mitte und führten mich weiter, zur entfachen Feuerstelle. Ganz langsam fing ich an mich bei ihnen wohl zu fühlen.
Ich besuchte sie öfter und fand liebe Wesen unter ihnen. Ich war froh jemanden zu reden zu haben. Welche die mich verstanden.
Nach einiger Zeit unterhielt ich mich mit ihm. Mit ihm, der es schaffte die Gewitterwolken über einem Gebiet, meines Teiles der Steppe, zu verscheuchen.
Wie weis ich bis heute nicht. Ihn nahm ich mit zu mir, zeigte ihm mein kleines Reich in dem ich bis jetzt lebte. Wir stellten fest das sich unsere Welten an einem Punkt berührten.
Fast unmerklich baute ich über den Canyon, der unsere Reiche von einander trennte, eine Brücke. Doch ist sie nicht fertig. Nur zur Hälfte langte mein Baumaterial und sein Material ist verbaut, doch kann ich nicht aufhören zu hoffen das er irgendwann seine alte Brücke einreißt und sich traut neu zu bauen.
Zu sehr sehne ich mich nach ihm. So streife ich unruhig an meinen Teil der Schlucht auf und ab, getrieben durch die Peitschen der Angst, er könnte nicht anfangen zu bauen. Wann immer ich ihn am Lagerfeuer, der einsamen Seelen, treffe genieße ich seine wärme, seine lieben Worte und kann für einen Moment den klaren blauen Himmel, der nicht eine kleine Wolke zeigt, sehen und mich darüber freuen. Bei ihm darf ich sein, wenn auch (bis jetzt?) nur in meinen Gedanken.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.03.2002. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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