Andrea Küppers

Fernweh


Neulich war ich am Köln/Bonner Flughafen. Ich habe dort die riesigen Abflugtafeln studiert und meine Favoriten herausgesucht. Dann habe ich mir noch die Starts der “großen Vögel“ angesehen. Langsam rollen sie in die Warteposition. Sobald sie die Starterlaubnis erhalten, rollen sie, immer schneller werdend, über die Startbahn. Dann heben sie steil ab. Diese Schauspiele lösen bei mir immer starke Emotionen aus . Im Bauch kribbelt es überall und es läuft mir heiß und kalt den Rücken herunter. Das gleiche Gefühl habe ich auch, wenn ich die chic gekleideten Flugkapitäne mit ihren Pilotenkoffern und die anderen Crewmitglieder sehe. Wenn ich mit fliege habe ich diese Regungen besonders stark. Sobald man beim Start in den Sitz gepreßt wird und die Erde immer kleiner wird, schwinden gedanklich die Probleme.

Als ich ca. 12 - 13 Jahre alt war, lebte meine Schwester für einige Zeit in Wien. Wenn sie manchmal zu uns reiste, kam sie mit einem TEE. Dieser hieß Donaukurier und fuhr durch halb Europa, von Budapest nach Amsterdam. Mein Vater und ich holten meine Schwester dann am Kölner Hauptbahnhof ab. Als die Stimme der Bahnhofsprecherin durch den Lautsprecher das Einfahren des Zuges und die anderen Haltestationen welche auf dem langen Weg lagen ankündigte war ich immer ziemlich aufgeregt.

Ich hatte schon als Kind immer starkes Fernweh. Dann lief ich mit meinem kleinen Kinderkoffer von zu Hause weg, meine Eltern mußten mich dann suchen und fanden mich hunderte von Metern entfernt wieder. Im Sommer denke ich auch oft an die vielen Autoreisen, welche meine Eltern mit mir, manchmal auch zusammen mit meiner Schwester, unternahmen. Wir sind dann immer nachts aufgestanden und sehr früh morgens losgefahren. In der letzten Nacht vor der Reise konnte ich nie gut schlafen, da ich mich zu sehr auf den Urlaub freute. Daran hat sich bis heute kaum was geändert.

Als ich elf Jahre alt war machten meine Eltern mit mir die erste Flugreise, es ging nach Tunesien. Ab dem 21. Lebensjahr reiste ich dann meistens alleine. Im Laufe der vielen Jahre reiste ich in über 30 Länder bzw. Inseln, in ca. die Hälfte davon mit dem Flugzeug, in andere mit dem Auto oder Reisebus. Viele Länder bereiste ich auch zwei- oder mehrfach. Ich war mit Ausnahme Australiens auf allen Kontinenten.

Nun möchte ich noch etwas über die verschiedenen Erinnerungen, über die ich Dank meiner vielen unterschiedlichen Erlebnisse verfüge und nach belieben gedanklich ablaufen lassen kann, berichten.

Möchte ich mir z. B. schöne Landschaftsbilder vor Augen führen, dominieren die gewaltigen Fjorde Norwegens und das unendliche Grün sowie die riesigen Reisterrassen Sri Lankas. Als exotischstes Erlebnis empfinde ich die temperamentvollen Bewegungen der vielen nur leicht bekleideten aber sehr farbenprächtigen kubanischen Tänzerinnen im Rahmen der karibischen Show im Tropicana in Havanna. Denke ich zurück an schöne Badeurlaube so kommen mir u. a. die langen und breiten Strände der Kanarischen Inseln und Tunesiens sowie die romantischen Buchten Mallorcas bzw. Menorcas in Erinnerung. Wenn ich zeitweise den Eindruck habe, daß mir an der Erdoberfläche alles zu viel wird tauche ich mental ab um die phantastischen Korallenriffe und die dutzendfach verschiedenen, in allen erdenklichen Farben leuchtenden, Fischarten und anderes Meeresgetier schnorchelnd zu bestaunen und erkunden. Oft denke ich auch an die tierischen Erlebnisse zurück, welche ich sowohl auf dem Rücken eines Elefanten im thailändischen Dschungel als auch mit Dromedaren in der nordafrikanischen Sahara hatte. Manchmal ist es mir aber auch religiös zumute, dann zapfe ich am liebsten meine Eindrücke von Jerusalem an. Nur hier können die höchsten Heiligtümer der drei Weltreligionen Judentum, Islam und Christenheit auf engstem Raum besucht werden.

Vielleicht ist es mir mit diesem Bericht gelungen einige Leser für das Reisen zu begeistern. Ich kann es nur jedem der die Möglichkeit zur Entdeckung des Globus hat sehr empfehlen. Die vielen Länder und Kontinente mit den unterschiedlichsten Völkern, ihre verschiedenartigen Mentalitäten und Sitten sowie diverse Landschaftsformen bieten jedem eine vorher kaum zu erwartende geistig-horizontale Bereicherung und Erweiterung. Ich freue mich schon auf meine nächste Reise. Im Februar geht es zur Versüßung unseres häßlichen Winters für zwei Wochen mal wieder in einen Urlaubsclub nach Tunesien.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.01.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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