Angela Heise

Julia - Liebe hat eine Chance

Patricia ist erschöpft. Der Rücken macht ihr mal wieder zu schaffen. Müde geht sie die Treppe hinauf und betritt die Wohnung. Sofort kommt Peter angesaust. “Du sollst doch nicht schwer tragen“, schimpft er liebevoll, als er die Einkaufstasche bemerkt. Patricia lächelt und schmiegt sich an ihn. Er kann sie kaum noch umfassen. Der Bauch ist schon kräftig gewölbt.
Beim Essen schaut Peter sie an. Die Schwangerschaft bekommt ihr. Sie sieht entspannt aus, die Haut ist rosig und weich. Sicher auch deshalb, weil sie mit dem Rauchen aufgehört hat. Patricia isst nur wenig. Nach dem Essen legt sie sich auf`s Sofa. Kaum liegt sie fängt der kleine Strampelmaxe an zu turnen. Da! Sie kann das Baby fühlen. “Peter“, ruft sie, “komm schnell her“! Peter stürzt herbei. Er denkt an ein furchtbares Unglück. Patricia nimmt seine Hand und legt sich auf ihren Bauch. “Fühl mal“. Peter ist ganz still und wartet ab, was geschieht. Da spürt er es plötzlich ganz deutlich. “Ist das unser Baby“, fragt er überrascht. Patricia nickt. Sie spürt dieses winzige Wesen in ihrem Bauch schon seit einigen Tagen, aber so heftig wie heute war es noch nie. Peter kann sich garnicht trennen, lässt seine Hand noch lange auf dem gewölbten Bauch liegen, aber es rührt sich nichts. Er hat noch viele Begegnungen dieser Art und erwartet den Tag der Geburt schon ungeduldig.
Mitten in der Nacht ist es soweit. Peter schläft ganz fest, als die Wehen anfangen. Patricia steht leise auf und geht ins Wohnzimmer. Es wird noch eine Weile dauern, bis sie los müssen. Sie legt sich auf`s Sofa, trinkt ein wenig Saft und schaut auf die Uhr. 0.30 Uhr, keine ideale Zeit für Peter, wie sie weiss. Nach einiger Zeit geht sie ins Bad und macht sich fertig. Der Abstand zwischen den Wehen wird immer kürzer und sie beschliesst Peter zu wecken. Er ist sofort hellwach und springt hektisch auf. Lachend schickt Patricia ihn ins Bad. “Wir haben noch Zeit“, beruhigt sie ihn. Hoffentlich vergisst er sie nicht auf dem Weg ins Krankenhaus, denkt sie und lacht leise in sich hinein.
Vor dem Kreissaal erwartet sie die nette Hebamme schon. “Na, ist es soweit“, fragt sie. Patricia nickt. Gemeinsam gehen sie hinein. Patricia zieht sich mit Hilfe der Hebamme um und legt sich auf`s Bett. Eine kurze Untersuchung. Die Hebamme ist zufrieden. “Der Muttermund ist schon ziemlich geöffnet“, teilt sie den Beiden mit. Peter versteht nicht, um was es geht, aber er fragt auch nichts. Viel zu aufgeregt ist er und auch gespannt, was passieren wird. Als Patricia aufschreit wird er kreidebleich. Die Hebamme beruhigt ihn und meint das seien die Presswehen. Peter versteht sie nicht. Wieso kann sie nicht etwas machen, dass Patricia keine Schmerzen hat. Gerade will er dazu etwas sagen als ein winziger dunkler Flaum sichtbar wird. “Das Köpfchen ist draussen“, meldet die Hebamme. Minuten später hält Patricia dieses winzige Menschlein, dass gerade zur Welt gekommen ist in den Armen. “Deine Tochter“, lächelt sie und zieht Peter nah heran. Ganz vorsichtig, als könnte er etwas kaputt machen streichelt Peter über das winzige Händchen. “Ein Mädchen“, sagt er, und kann es noch garnicht fassen. Die Hebamme zerstört mit ihrer Frage die glückliche Stille. “Wie soll sie denn heissen?“, will sie wissen. Julia, da waren sie sich schon lange einig.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.01.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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