Ingo Baumgartner

Sonderbare Namen



Eidechsen

Wie trennt man das Wort „Eidechse“? Ei=dechse geht wohl nicht, da es nirgendwo auf der Welt Dechsen gibt. Bleibt also nur Eid=echse. Echsen gibt es und Eid ist ebenfalls ein geläufiger Begriff.
Nach dieser Feststellung läuten bei den Hobbyetymologen die Alarmglocken. Wie kommen diese Echsen zu ihren Namen? Welchen Eid haben sie geleistet, welchen Schwur wo und wann abgelegt? Vor allem aber, warum? Gibt es unter ihnen auch Meineidechsen. Welche Strafe erwartet diese? Und was, bitte, ist ein Zauneid? Ein Schwur an der Grundstücksgrenze? Fragen über Fragen!
Viel leichter tut man sich da schon mit den Vertretern der großen Echsenfamilie aus südlichen Gefilden. Man grübelt nicht lange nach, sondern merkt sich die Namen einfach. Wer kennt nicht die herzigen Ginkos, die Mauerginkos, die im südlichen Mittelmeerraum des Abends die Wände hinauf und herunter laufen? Wer hat in Tunesien nicht schon eine der heftig nickenden Agaven, zum Beispiel die Dornschwanz-Agave beobachtet? Die kurzbeinigen Skunke, wie der Apotheker-Skunk, laufen dir schon in Griechenland über den Weg, wenn du nicht gerade ihnen über den Weg läufst. Der Südamerika-Reisende wird von den mächtigen Grünen Legionen beeindruckt sein, so wie der Fernreisende von den Kommoden-Merianen Haarsträubendes zu berichten weiß. Es ist durchaus möglich, dass du für die genannten Echsen Namen wie Gecko, Agame, Skink, Leguan und Waran hörst oder liest, nun gut, so kann man sie auch nennen.
Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass sich für die Zubereitung von Eidechseneierspeise einzig und allein Eidechseneier eignen. Achte darauf, dass die Eier von glücklichen Eidechsen aus Bodenhaltung stammen. Eidechsenfreunde essen überhaupt nur Eier von freilaufenden Eidechsen.

Das Reh

Was Hornträger sind, sollten Sie eigentlich wissen. Wollen wir diesen nun die Geweihträger gegenüberstellen. Haben Sie sich schon einmal überlegt, woher der Name „Reh“ kommt? Ich nicht. Und ich gedenke auch nicht, darüber lange nachzudenken. Fällt mir nicht im Schlaf ein. Soll das Reh doch Reh heißen. Ist doch mir Wurst. Selbst wenn das Vieh Rah hieße, würde ich mich nicht kränken. Aber es wundert mich nicht mehr, dass dieses Tier so gerne gejagt wird, meuchlings erschossen, hingerichtet. Wer so heißt, soll nicht rehleidig sein. Bevor ich mich über Gebühr in begründete Wut rede, schweife ich von diesem Thema ab. Nicht ohne festzustellen, dass das Reh zu meiner Freude keinen Schweif hat, nicht einmal einen Schwanz. Recht geschieht ihm!
Ich nehme mir fest vor, in Hinkunft Wörter die mit „Re- oder re-„ beginnen, tunlichst zu vermeiden. Ich will nicht andauernd an dieses unsympathische Geschöpf mit diesem herausfordernden Namen erinnert werden. So werde ich in Zukunft statt „reparieren“ „parieren“ und statt „rekonstruieren“ einfach „konstruieren“ sagen. Wie ich das dann bei „rechnen“ oder „ Rentier“ handhaben werde, weiß ich noch nicht.


Es liegt mir fern, mich über ein Tier lustig zu machen. Es kann aber vorkommen, dass mich der Name zu allerlei Unfug reizt und so das betreffende Tier insgesamt etwas zu leiden hat. Mit Menschen mache ich es freilich auch nicht anders.Ingo Baumgartner, Anmerkung zur Geschichte

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