Michael-Theodor Behrens

Winterspaziergang

Es war im Winter, ein kalter Winter war es, mit Schnee und Eis, aber auch viel Sonne. Dieser eine Tag war besonders schön. Der Schnee war kniehoch und die Sonne schien so hell wie schon lange nicht mehr. Nach tagelangen Stürmen schien der Wind endlich mal eine Pause einzulegen – es war den ganzen Tag über Windstill. So entschloss ich mich an diesem schönen Tag einen Spaziergang durch den nahe gelegenen Wald zu machen. Ich zog mich dick an, da das Thermometer einige viele Grade unter Null anzeigte. So ging ich los. Ich genoss die kalte Luft die mein Gesicht umfüllte. So ging ich dann also los. Es dauerte nicht lange da erreichte ich auch schon denn Wald und hier und da traf ich auch mal noch andere Spaziergänger, die mich fröhlich grüßten. Als ich an meinen Lieblingsplatz angekommen war, er befand sich inmitten des Waldes auf einer kleinen Anhöhe von der man einen wunderschönen Blick auf eine Lichtung hatte, nur noch eine Baumreihe trennt diesen Platz von der Lichtung. Also als ich da angekommen war, lehnte ich mich an einen Baum, zündete eine Zigarette an und schloss die Augen. Ich genoss diese Ruhe und den Frieden den dieser Wald ausstrahlte. Man konnte nichts anderes hören als das Gezwitscher der wenigen Vögel, die dageblieben waren, und entferntes Geraschel von den Hasen. Wenn man die Augen öffnete sah man nur einen wunderschönen Flecken unberührter Natur.
Als ich nach einiger Zeit meine Augen wieder aufmachte, sah ich mir gegenüber, ebenfalls an einen Baum lehnend und rauchend, ein Mädchen stehen, die mich ganz genau zu beobachten schien. Ich schaute sie einige Momente an, ohne etwas zu sagen; zumal ich dazu gar nicht in der Lage gewesen wäre, so gefesselt war ich von ihrem schönen Gesicht. Es war das schönste was ich je gesehen hatte, aber auch die Art wie sich mich ansah, sie hatte so einen unbeschreibbaren Blick, ich werde diesen wohl nie vergessen. Er war sehr eindringlich, zugleich aber schien er auch etwas neugierig und dann wiederum sehr ernst, aber vor allem war er liebenswürdig. Ich nahm einen Zug von meiner Zigarette und schloss die Augen. Mir wurde warm und kalt zugleich und es war mir als würde ich fallen, ein Kribbeln durchzog meinen ganzen Körper. Als ich meine Augen wieder öffnete stand sie immer noch so da und beobachtete mich. Ich sah sie einfach nur an – so was Schönes hatte ich noch nie zuvor gesehen. Ich war richtig fasziniert von ihrer Schönheit. Lange standen wir so da; dann merkte ich, dass meine Zigarette abgebrannt war. Ich nahm die Schachtel aus meiner Tasche und bot dem Mädchen eine Zigarette an – ich wollte versuchen mit ihr ins Gespräch zu kommen – sie nahm dankend an und auch ich nahm mir eine Zigarette aus der Schachtel und dann verfielen wir wieder in die gleichen Positionen wie zuvor. Ich sah sie an – sie sah mich an. Ich war nicht in der Lage zu sprechen. Nachdem ich meine Zigarette verscharrt hatte, wagte ich es doch diese wunderbare Stille zu durchbrechen: „Was machst du hier?“ – „Ich mache hier das selbe wie du.“ Kam es zurück – ihre Stimme klang so schön: sanft, lieblich aber dennoch fest und bestimmt. Ihre Antwort aber ließ mich stutzen – was machte ich denn eigentlich hier an diesem Ort? Irgendwie wusste ich es selbst nicht so richtig – was machte ich hier? „Und was mache ich hier?“ – „Du suchst.“ ‚Ich suche? – was suche hier denn hier?’ Nun war ich vollkommen verwirrt. Woher sollte sie denn überhaupt wissen dass ich etwas suche? Wusste sie dann auch was ich suche? Sie konnte wohl meine Gedanken lesen, und sie schien es zu wissen. „Nun hast du es gefunden.“ Mir wurde ziemlich mulmig zu Mute, sie konnte nur das eine meinen, und zwar dass ich auf der Suche nach einer Freundin war – das stimmte auch, das muss ich zugeben – aber das würde dann ja bedeuten, dass sie... Ich wagte nicht weiter zu denken, ich kam auch nicht weiter, denn schon sprach sie weiter: „Aber noch ist es nicht an der Zeit. Wir werden uns wiedertreffen. Das wird im Frühling sein – die Sonne wird scheinen und die Blumen blühen. Du wirst da stehen und ich werde hier stehen, aber du wirst nicht mehr wissen wer ich bin.“ Hier senkte sie ihren Kopf und schien ein wenig traurig darüber zu sein. Dann hob sie aber wieder ihren Kopf, sah mich wieder mit ihrem sonderbaren Blick an und sprach ganz eindringlich: „Aber du sollst mich nicht suchen, ich werde dich finden!“

MTB 01‘02

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.02.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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