Werner Kistler

Die Burg

Alte Gemäuer, Sagen und dunkle, unterirdische Gänge faszinierten mich schon immer. Kein Buch wart ungelesen, denn ich träumte immer von diesen Abenteuer.
Bis ich die alte Burgruine im unserem Dorf, in Visier genommen hatte. Bis jetzt galt sie als neutrales Monstrum. Unsere Eltern hatten uns bereits ausgiebig vor diesem ausgebrannten Gemäuer gewarnt. Nun träumte ich sogar nachts von geheimen Schätzen und dunklen Verliesen. Mehrmals hatte ich schon dieses Gemäuer umrundet. Immer mehr entflammte das Interesse an dieser alten Ruine. Sie wollte ich doch einmal genauer in Augenschein nehmen. Da die Stätte im letzten Krieg total ausgebrannt war, konnte ich nicht auf große Schätze hoffen. Von der Seite betrat ich die Burg und hoffte, einen Zugang nach unten zu finden. Aus der Nähe, sahen die dicken, rissigen Mauern noch gewaltiger aus. An manchen Stellen wuchsen bereits mittlere, große Bäume aus dem Mauerwerk heraus. Am Boden herrrschte ein wüstes Durcheinander.Unter der bemoosten Freitreppe, gähnte ein schwarzes Loch.Ein windschiefes Türfragment quietschte im steten Windzug.War hier mein Zugang zu den Kellergewölben? Bückend erreichte ich den Zugang. Eine schmutzige Treppe führte nach unten. Feuchte schlug mir entgegen. Fast wäre ich die restlichen Stufen nach unten gefallen, als ich auf einen gebrochenen Ziegel trat. Wie gut, dass ich eine Taschenlampe eingesteckt hatte. Überall lag Schutt herum. Hier hatte das Feuer aber nicht gewütet. Nun erreichte ich das Kellergewölbe. Alte Möbel lagen in ungeordneter Anordnung übereinander. Sogar ein alter Schrank stand verdeckt unter einer mit Staub bedeckten Plane. Vielleicht befanden sich noch Gegenstände in den Schubladen? Aber alle Fächer waren leer. Nur einen alten Zettel, beschrieben in französischer Sprache fand ich in einer der Läden. Im Licht der Taschenlampe konnte ich folgendes lesen:“Unter dem frühren Schloss Val-de Croix liegt der Schatz des Templerordens. Geh hin und suche. Der Heilige und die Wahrheit zeigen Dir den Weg.“ Damit konnte ich wenig anfangen. Stolpernd lief ich den Gang weiter. Ein wenig Enttäuschung machte sich schon in mir breit. Aber der Weg führte noch weiter in die Dunkelheit. Der Forscherdrang entwickelte sich wieder neu, denn der Weg führte nun über weitere Treppen nach unten. Nun gelangte ich in einen größeren Raum. Als ich den Lichtkegel meiner Lampe in den Raum hielt, glänzt es von allen Seiten. Von diesem Funkel übermannt, trat ich automatisch einen Schritt vor. Es krachte und der Boden unter meinen Füßen gab nach. Irgendwie war ich eingebrochen und fiel in ein dunkles Nichts. Auf nassem Boden schlug ich auf und fühlte mich von dem Sturz ganz benommen. Offensichtlich hatte ich mir aber nichts gebrochen. Aber wo war ich gelandet? Bei dem Unglück war auch noch meine Lampe zerbrochen. Wo lag mein Lichtspender eigentlich? Den feuchten, schlammigen Boden abtastent, fand ich anschließend die Bruchstücke. Ich begann das Loch weiter zu erkundigen. Überall nasse, undefinierbare, weiche Gegenstände. Die Wände waren wohl aus Ziegelstein gemauert. Wie kam ich hier wieder heraus? Keinen Mauervorsprung konnte ich ertasten, auf den ich meinen Fuß setzen konnte. Panik in nicht gekannter Größe stieg in mir hoch und ich begann panikartig zu rufen. In meiner Hosentasche führte ich immer ein sehr solides Taschenmesser mit mir herum. Vielleicht konnte ich so einzelne Steine aus der Wand lösen und eine Behelfstreppe in die Wand stemmen. Zwischendurch rief ich immer wieder aus Leibeskräften um Hilfe. Schon ganz brüchig, hörte sich meine Stimme an. Warum hörte mich den niemand? Hin und wieder konnte ich sogar Fahrzeuge über die nahe Dorfstraße fahren hören. Wenn die Wände leicht zitterten, fuhr bestimmt der Bus von dem bekannten Süßwarenhersteller über die Straße. Der Bus holte am Morgen die Mitarbeiter ab und brachte die Leute abend wieder nach Hause. Heute endlich, löste sich der erste Steinklumpen aus der Wand. Zweimal hatte es in der Wand gezittert. Also befand ich mich mindestens schon einen Tag in meinem Gefängnis. Verdursten konnte ich ja bei der Feuchte hier unten wohl nicht. Die Drecksbrühe schmeckt aber trotzdem scheußlich.Mit dem Stein hämmerte ich immer wieder auf den Boden. Jemand musste mich doch hören. Immer wieder schlug ich auf den Boden. Meine Ohren schmerzten schon beträchtlich. War das eine Einbildung? Über meinem Kopf, in ziemlicher Höhe, hörte ich ein Hecheln. Das war ein Hund! Meine ganze Kraft mobilisierend, rief ich um Hilfe.Nun begann auch das Tier zu bellen. Das musste den Begleiter doch neugierig machen. Aber der Hund wurde nur zurück beordert. Langsam schwanden meine Kräfte. Wie lange ich mich wohl schon in diesem Loch befand? Ich hatte die Orientierung verloren. Sollte dieser Ort mein Grab werden? Oben zum Greifen nahe, die Reichtümer und hier unten lebte ich von einer widerlichen Wasserbrühe. Wie lange noch? Langsam öffnete ich meine müden Augenlider. Alles weiß! War ich schon im Himmel? “Sie befinden sich hier im Krankenhaus. Ich bin Docktor Schulz. Da haben wir aber noch mal Glück gehabt.“ “Wie habt ihr mich gefunden?“ Meine Stimme hörte sich immer noch sehr eingerostet an. “Nun - der Wirt aus der Nachbarschaft, hat sich bim Ordnungsamt über seltsame Klopfgeräusche an der Wasserleitung beschwert.Diesen Geräuschen ist man dann nach gegangen und dabei wurden Fußabdrücke auf der staubigen Treppe gefunden. Diese Spuren führten aber nur in eine Richtung - nach unten. Darauf setzte die Polizei Suchhunde ein. Die Tiere schlugen plötzlich an." “Was ist mit dem Goldschatz?“ Dieser Fund ging mir nicht mehr aus dem Sinn. “Von einem Goldschatz war nie eine Rede." Die Worte des Arzte hämmerten in meinem Kopf. "Man hat nur den lange vermissten Theaterfundus der Burg gefunden. Er galt lange als in der Burg verbrannt. Als es noch kein Fernsehen gab, zerstreuten sich die Reichen, die Zeit, mit Theaterspielen. Wer es sich leisten konnte, unterhielt eben ein kleines Theater. Aber ich glaube nicht, dass die Gegenstände aus Gold waren. Aber jetzt schlafen sie besser ein wenig und morgen geht es ihnen dann schon wieder besser.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.02.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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