Joana Angelides

Wasseroberflächen




Eine ruhige Wasseroberfläche scheint eine Einheit zu sein.
Sie kann auch wie ein Spiegel sein, eine glatte, aber in jedem Fall eine sensible und labile Fläche. Man blickt hinein und sieht sich selbst darin, den Himmel und die Wolken über uns, auch den Menschen, der hinter uns steht. Sie nimmt das Bild in sich auf und wirft es unverändert zurück.
Man vergißt jedoch, daß sich jede Wassermenge aus unzähligen einzelnen mikroskopisch kleinen Einzelteilen besteht, auflösbar in einzelne Tropfen. Sie kann geteilt und vermischt werden. Kann sich unter äußeren Einflüssen verändern, kann durchsichtig und klar sein, aber auch undurchsichtig und trübe werden.
Der geringste Atemhauch kräuselt diese Oberfläche und das Bild verändert sich, erzeugt kleine Wellen. Man kann diese Wasseroberfläche nun mit einer Seele vergleichen und meinen, sie will nach außen, sich durch unser Gesicht ausdrücken, sich durch das Spiegelbild zeigen; obwohl sie jede Bedrängnis von außen ängstlich scheut, den sie ist sensibel und empfindlich.
Je näher wir nun kommen, sich nun der Atem an der Oberfläche weiter pflanzt, um so größer wird die Zerstörung des glatten, sich spiegelnden Bildes. Vom Mittelpunkt ausgehend entsteht Bewegung.
Man kann diese Bewegung nicht Aufhalten, man würde ein neues Zentrum der neuen Bewegung schaffen. Die Wellen würden unruhig werden, sich kreuzen und ein überschneidendes Muster bilden. Es ist als würde die Seele in Bedrängnis kommen, hilflos werden.
Es ist nun bedeutungsvoll, wie groß die Fläche, wie stark die Seele ist. Wenn sie groß und stark genug ist, dann verlaufen sich die Wellen in der Ferne, die aufgenommenen Bilder verschwimmen und tauchen ein in die Unendlichkeit und sie nimmt keinen wesentlichen Schaden. Wenn sie klein und ängstlic ist, genügt schon eine kleine Veränderung und die Turbulenz ist unaufhaltbar.
Nun gibt es Menschen mit einer ungeheuer großen Seele, dem Ozean gleich, die gleichzeitig verschiedene Bewegungen, Berührungen und sogar Stürme verkraften.
Die Seele gestattet manchen Kräften einzudringen und mit ihr zu verschmelzen. Die geringste Unebenheit erzeugt vielleicht Unruhe, bringt die Seele ein wenig in Bewegung und Aufruhr, breitet sich aus, läßt ihr aber Zeit, sich vom Mittelpunkt her wieder zu beruhigen und wieder wie eine stiller, glatter See zu erscheinen, auf die nächste Erschütterung zu warten.
Es ist oft wiederholbar, doch nicht auf Ewig.
Wenn es immer wieder zu Erschütterungen kommt, wird sie jedoch müde, kann sie nie wieder klar und ruhig werden. Oder braucht sehr, sehr lange um zur Ruhe zu kommen.





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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.02.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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