“Schreiben ist eine Art von Therapie, manchmal frage ich mich, wie jene Menschen die nicht schreiben, komponieren oder malen, es fertig bringen, dem Wahnsinn, der Melancholie oder der panischen Angst zu entfliehen, die mit dem Menschsein verknüpft sind.“
Graham Greene (aus Bücher 1998)
Diese Zeilen von Graham Greene bündeln bei mir die Gedanken, die ich schon lange Zeit unformuliert in mir trage. Nämlich die Tatsache, dass in Europa bis zum Holocaust die Zahl der jüdischen Schriftsteller und Musiker im Vergleich zu nichtjüdischen Künstlern unverhältnismäßig hoch war.
Viele Menschen wissen nicht, dass u. v. a. die Schriftsteller Franz Kafka, Hugo von Hofmannsthal, Carl Zuckmayer, Franz Werfel, Stefan Zweig, Lion Feuchtwanger und Kurt Tucholsky aber auch Musiker wie Felix Mendelssohn-Bartholdy, Gustav Mahler, Oscar Strauss, Emmerich Kalman und Kurt Weill, um nur einige zu nennen, Juden waren. Außerdem brachte das Judentum so groß-artige Maler wie Marc Chagall und Max Liebermann hervor.
Juden waren es, die viele Jahrhunderte lang dem Wahnsinn der Menschheit, dem Antisemitismus, und der daraus entstehenden Melancholie entfliehen mussten.
Jüdische Mitmenschen waren es auch, die in panischer Angst erst ihre schriftstellerischen Werke durch Bücherverbrennungen und ihre komponierte Musik bzw. gemalten Bilder als entartete Kunst gebrandmarkt und schließlich ihre eigene Existenz vernichten sahen.
In diesem Zusammenhang möchte ich noch erwähnen, dass Juden auch in Bereichen wie z. B. Theater und Film aber auch Technik und Naturwissenschaften maßgeblichen, zum großen Teil sogar führenden Anteil hatten. Sehr viele Juden waren auch in Berufen wie z. B. Rechtsanwalt, Arzt oder Apotheker erfolgreich tätig. Bemerkenswert finde ich darüber hinaus, dass sowohl der Entwickler der Psychoanalyse (Sigmund Freud) als auch der Entdecker der Relativitätstheorie (Albert Einstein) Juden waren.
Die USA, Israel und andere Staaten gewannen durch die Immigration der Juden welche sich vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten retten konnten viel dazu, was bei uns für immer verloren ging.
Wie viel schöner und reicher würde heute das geistige, wissenschaftliche und kulturelle Leben Europas sein, wenn das Unfassbare, der mehrere millionenfache Mord, nicht passiert wäre?
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.02.2005.
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