M. Wolfram Kutzscher

Die Sache mit dem Affen

„Er, Akademiker, 33, 175, Nichtr. sucht nette Sie für gemeinsame Stunden.“

Ich nahm die Anzeigenzeitung vom Tisch und wählte die angegebene Telefonnummer. Seine Tiefe Stimme gefiel mir sofort. Wir vereinbarten für unser erstes Treffen einen Zoobummel und als Zeichen eine einzelne Nelke. Heutzutage ist das ja ohne weiteres zu realisieren. Nach dem starken Gewitterregen am Mittag, wurde es ein sonniger, milder Nachmittag. Wir beobachteten nicht nur uns, sondern auch viele Tiere. Wie die meisten Besucher zog es auch uns zu den Affen. Ein älterer Schimpanse saß an der vordersten Ecke des Käfigs und schaute uns scheinbar gelangweilt an. Mein Begleiter beugte sich etwas vor, um sich den Affen näher zu betrachten. Plötzlich, es geschah alles in sekundenschnelle, spitzte der Schimpanse den Mund und spuckte Reiner, wir hatten das Sie schon abgelegt, mitten in das gut rasierte Gesicht. Reiner, zutiefst erschrocken, sprang zurück, rutschte aus und landete mit seinem hellen Anzug in einer Pfütze. Der Schimpanse stand auf, klatschte in die Hände und rief: „Hu hu hu!“. Eine Kindergartengruppe hatte es besser als ich, die Kinder lachten herzhaft. Wir eilten zum Auto, damit sich Reiner zu Hause von dem nassen Anzug befreien konnte. Mit Sekt und viel Lachen wurde dann auch noch der Abend für uns unvergesslich.

Zur Hochzeit schenkte ich meinem Reiner einen Plüschaffen.

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