Vera Böhme

Klein Teddy und der Osterhase

 

Klein Teddy und der Osterhase


Ganz hinten im Garten unter den Holundersträuchern liegen
Klein Teddy und sein bester Freund Mücke auf der Lauer.
Morgen ist Ostern und sie haben sich fest vorgenommen in diesem Jahr den Osterhasen mal zu erwischen.

„So dieses Mal geht er uns nicht durch die Lappen“,
meint Mücke zu Klein Teddy mit einem verschmitzten Lächeln und seine dunklen Augen glitzern direkt vor Vorfreude.

„Bist du sicher?“ meint Klein Teddy. „Wir haben das doch schon im  letzten Jahr versucht und auch nichts dabei erreicht.“

„Mann Teddy, im letzten Jahr waren wir noch kleine Kinder, die von nichts eine Ahnung hatten. Jetzt sieht das doch wohl schon ganz anders aus, schließlich gehen wir schon zur Schule. Da ist man dann kein Baby mehr.“

„Ja schon“, meint Teddy, aber wie willst du das denn schaffen? Er kommt doch wohl nur und da müssen wir schlafen.“

„Das kann nicht sein, Teddy. Wie soll er denn das alles schaffen?
Er muss früher anfangen, oder warum liegen wir hier seit Stunden auf der Lauer? Außerdem haben wir immer noch Plan B.“
„Mhmm, bei den vielen Kindern wirst du wohl Recht haben
und bestimmt hat er auch Helfer!“

„Klaro, hat der Helfer, der ist doch nicht doof.“

Sie rutschen noch tiefer unter die Sträucher und blinzeln alle paar Sekunden vorsichtig durch einen kleinen Spalt in den Büschen.
Ab und zu huscht ein kleines Eichhörnchen durchs Gebüsch und beobachtet die beiden Jungen neugierig. Langsam wird es dunkel und noch immer hat sich nichts getan. Sie haben weder den Osterhasen noch einen seiner Helfer entdeckt. Aber stur bleiben die Beiden da sitzen und warten ab. Keiner von ihnen traut sich, auch nur laut zu atmen.

„So, so, hab ich euch endlich gefunden!“

Erschreckt zucken beide Kinder zusammen und schauen hinter sich.
Dort steht Papa Teddy und muss sich ein Lächeln verkneifen.
„Was macht ihr hier? Klein Teddy wir suchen dich schon seit einer halben Stunde. Hast du unser rufen nicht gehört?“

„Nein Papa, entschuldige aber ich habe wirklich nichts gehört“, stottert
Klein Teddy immer noch erschrocken.

„Nun, dann mal ab mit euch Beiden. Es ist bald Schlafenszeit und ihr turnt hier noch in den Büschen rum. Deine Eltern suchen dich auch schon, Mücke.“

Betrübt folgen die beiden Papa Teddy der ihnen vorangeht.

„Denk an Plan B“, flüstert Mücke Teddy zu und rollt mit den Augen.
Teddy nickt und legt einen Zeigefinger auf seine Lippen.

Zu Hause angekommen geht es noch schnell in die Badewanne und dann gibt es Abendbrot.
Kurze Zeit später muss Klein Teddy dann auch schon ins Bett. Papa Teddy der ihn ins Bett bringt, fragt Klein Teddy:

„Verrätst du mir was ihr da hinten im Garten gemacht habt?“

Er zieht eine ernste Mine, obwohl er sich das Lachen kaum verkneifen kann. Natürlich ist ihm klar was die beiden Jungen da gemacht haben. Versuchen sie es doch in jedem Jahr.

„Ach nix weiter Papa, wir haben nur das Eichhörnchen beobachtet“,
meint Teddy ausweichend und wird ein wenig rot dabei. Denn gerne flunkert er seinen Papa nicht an.

„So, das Eichhörnchen, - und -  hat`s Spaß gemacht?“

„Mmhh, murmelt Klein Teddy und tut, als wäre er schon am einschlafen.

„Gut, dann schlaf schön mein Großer und morgen wenn du aufwachst,
war der Osterhase da.
Mal sehen was er in diesem Jahr so alles versteckt.“

Dann geht Papa Teddy leise aus dem Zimmer und schließt noch leiser die Türe. Klein Teddy scheint schon eingeschlafen zu sein.
Leise Schnarchgeräusche sind im Kinderzimmer zu hören.
Später, als es ruhig im Teddyhaus ist und alle schon in ihren Betten liegen, hörte Klein Teddy das Rufen einer Eule.
Das ist sein Zeichen.
Schnell springt er in eine lange dunkle Hose und einem schwarzen, dicken Pullover.
Dann schleicht er sich auf Zehenspitzen die Treppe nach unten hinunter und passte höllisch auf, nicht auf die Stufe zu treten,
die immer knarrt.
Draußen sitzt Mücke im Garten auf der Bank. Auch er ist dunkel angezogen, so dass man die Jungen im Dunkeln der Nacht kaum sehen kann.

„Hier, schmier dir das ins Gesicht“, sagt Mücke und reicht Teddy eine Handvoll  Schlamm.

Obwohl Klein Teddy sich davor ekelt, sich diesen Schlamm ins Gesicht zu schmieren, macht er aber doch mit.
Schließlich soll ihn Mücke ja nicht für ein Baby halten.
Nachdem sie mit ihrer Tarnung fertig sind, legen sie sich wie schon am Abend, auf die Lauer…
Sie sehen beide ziemlich abenteuerlich aus und erschrecken sich fast, wenn sie sich gegenseitig anschauen.
Ungefähr eine Stunde liegen sie still und beobachteten durch einen Spalt im Gebüsch, was sich da draußen in ihren Gärten abspielt.
Gott sei Dank ist die Nacht ziemlich warm
und so frieren sie nicht.
Aber es ist doch sehr ermüdend,
dem Treiben der nächtlichen Tiere zuzuschauen.
Eine große Eule sitzt ihnen gegenüber im Baum und lässt
ab und zu ihren Ruf erklingen.
Auch das vorwitzige Eichhörnchen besuchte sie für kurze Zeit wieder. Aber sonst tut sich nichts Besonderes.

„Mensch, wie will der das denn alles schaffen“, flüstert Mücke.


„Keine Ahnung, meinst du der kommt vielleicht nicht zu uns, in diesem Jahr?“

„Red doch keinen Quatsch, natürlich kommt der Osterhase wie immer
auch zu uns. Ich frage mich nur, - wann taucht der endlich auf? Psst, lass uns leise sein, vielleicht hört er uns ja hier reden und kommt deshalb noch nicht!“ flüstert Mücke.

Klein Teddy nickt nur und verhält sich ganz still.
So sitzen die Beiden noch eine ganze Zeit lang,
ohne einen Mucks von sich zu geben.
Dann auf einmal
hört man ein leises Geräusch.
Es ist das schnarchen von Mücke, er ist tief und fest eingeschlafen und auch Klein Teddy kann kein Wort
mehr von sich geben.
Denn auch er ist im Land der Träume…

Die ersten, vorwitzigen Sonnenstrahlen kitzeln die beiden schlafenden Jungen an der Nase.
Noch müde reckt sich Klein Teddy und schaut sich erschrocken um.

„Schnell Mücke, aufwachen….wir sind eingeschlafen!“ sagt er hastig und schubst Mücke ziemlich derbe an.

Mücke erschreckt sich und sieht sich noch mit Schlafaugen um.


„Oh was für ein Mist, jetzt sind wir doch tatsächlich eingeschlafen.“

„Ja wir sind wirklich tolle Krieger“, kichert Klein Teddy und versucht
sich den Schlamm aus dem Gesicht zu streichen. Was ihm natürlich nicht gelingt, denn dieser ist so fest geworden, dass da sicher nur noch ein heißes Bad helfen wird.

„Und was machen wir jetzt?“ sagt Teddy verzweifelt.
„War alles umsonst, was?“

„Nur die Ruhe, lass uns erst einmal nachsehen ob der Osterhase hier war.“

Die Beiden suchen nun jeden Busch und jede Ecke nach Osterüberraschungen ab und sind sehr enttäuscht als sie nichts finden.

„Das ist jetzt bestimmt unsere Strafe“, sagt Teddy kleinlaut.
„Weil wir den Osterhasen überraschen wollten, hat er für uns jetzt nichts gebracht!“

Am liebsten würde Teddy heulen, aber das ging ja wohl schlecht, hier vor seinem Freund.
Mücke aber ist es auch nicht anders zu Mute.

„Lass uns jetzt erst einmal von hier verschwinden, bevor uns noch jemand entdeckt und wir so richtig Ärger kriegen.“

Leise schleichen sich die zwei in ihre Häuser und versprechen sich, sich in wenigen Stunden wieder zu treffen,
um zu beraten was da wohl zu tun sei.
Klein Teddy sieht sein Bett und vergisst alles um sich herum.
Mit einem Male ist er wieder sehr müde und da es noch ziemlich früh ist, lässt er sich in sein Bett fallen und schläft noch einmal tief und fest ein.
Mücke, der ja direkt nebenan wohnt,
geht es nicht anders. Nur denkt er noch daran,
sich den Schlamm aus dem Gesicht zu waschen.

„Aufstehen, aufstehen!“ ruft Mama Teddy einige Stunden später und schaut in jedes Kinderzimmer dabei.

„Na Teddy, du Schlafmütze, willst du denn heute gar nicht wissen was der Osterhase für euch versteckt hat?“

Müde schaute Teddy seine Mutter an und dann fällt es ihm wieder ein.

„Ich komme sofort Mama“, sagt er und steht immer noch sehr müde auf.
Dann geht er wie alle im Haus in den Garten und sieht, dass seine kleine Schwester schon einen ganzen Korb voll Eier gefunden hat.
Freudestrahlend läuft Teddy nun auch los, um seinen Osterkorb zu füllen.

„Wann der Osterhase wohl da war?“ denkt Klein Teddy und wundert sich immer noch sehr.
Mama und Papa Teddy schauen sich an und fangen an zu lachen.

„Na das wird ihnen vielleicht eine Lehre sein“, meint Papa Teddy und lacht übers ganze Gesicht.

„Ja, ich bin mal gespannt wie er uns gleich sein schmutziges Gesicht erklären will“, kichert Mama Teddy.
Und zufrieden schauen sie zu, wie ihre Kinder all die Köstlichkeiten vom Osterhasen einsammeln.

„Nachher muss ich aber einen Mittagsschlaf halten“, sagt Papa Teddy zu Mama. „Es war doch ganz schön anstrengend die beiden Racker die ganze Nacht über zu beschützten…"

Und wie immer lächelt Mama Teddy nur weise.
Dann winken sie noch Mücke und seiner Familie zu, die im Nachbargarten stehen und auch ihren Kindern zusehen. Die Eltern zwinkern sich an und rufen gemeinsam:


„Frohe Ostern!“

 

 

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.03.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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