Angela Vegh

Weites Land

Weites Land

 

Wie sagt man so schön: „Am Anfang war...“

 

Auch meine Geschichte beginnt so: Am Anfang waren wir sechs Personen, da war Lill und Ben, beide 26 Jahre alt. Dann Britta und Lars, beide 25 Jahre alt und zum guten Schluss, Tom und ich,  34 und 22 Jahre alt. Noch dazu bemerkt, die Fünf kannten sich seit Jahren, nur ich war erst ein Jahr mit ihnen befreundet und das rein zufällig.

 

Ich hatte wieder einmal Lust in eine kleine Kneipe zu gehen, wie ich wusste würde sie sehr voll sein, weil es ein beliebter Ort von jungen Leuten war. Man nannte sie

 

„Omas kleine Kneipe“ und klein war sie. Ich ging hinein und wie üblich alles besetzt. Meine Augen irrten umher, doch nichts zu machen, alles voll. Ich spürte wie jemand an meinem Pullover zog und sagte, dass ich mich dazu setzen könne. Natürlich nahm ich die Einladung an. Schnell hatten wir uns vorgestellt und schon begann die Plauderei an. Die Fünf erzählten mir von ihren Plänen, die ich am Anfang recht blöd fand, doch mit der Zeit, fing auch ich an davon zu schwärmen.

 

Es ging darum, dass alle fünf auswandern wollten. Dafür wurde seit 4 Jahren gespart. Wohin es gehen sollte, wussten sie noch nicht.  „Das eile nicht“ , sagten sie. So ging der Abend schnell dahin und wir verabschiedeten uns. Lill fragte mich noch, ob ich am nächsten Mittwoch auch wieder dabei sein wolle und ich sagte zu. Die Woche wollte und wollte nicht vergehen, alles zog sich in die Länge. Abends, nach meiner Arbeit, wenn ich es mir gemütlich gemacht hatte, dachte ich an das erste Gespräch mit ihnen. Und der Gedanke, irgendwo ein neues Leben anzufangen, gefiel mir auf einmal sehr. Ich würde sie fragen ob ich mitkommen könne. Geld hatte ich schon gespart, es würde fürs erste reichen, denn ich war sehr sparsam. Und wann es richtig

 

losgehen würde, wussten sie auch noch nicht, da waren so viele Vorbereitungen zu treffen, dass es bestimmt noch ein Jahr dauern würde.

 

So freute ich mich schon auf den Mittwochabend. Als es dann soweit war, klopfte mein Herz wie verrückt. Gespannt darauf, ob man mich in der Gruppe haben wollte oder nicht. Ich machte mich besonders fein an diesem Abend. Vor dem Spiegel sah ich meine Augen, sie glühten fast. Aufregung hin oder her, ich musste los.

 

Als ich die Kneipe erreichte und hineinging, konnte ich keinen von ihnen entdecken. Ich suchte mir einen Platz in der äußersten Ecke des Raumes und war traurig. Schade, niemand von ihnen war da. Ich hatte mir eine Cola bestellt und schaute in mein Glas. Plötzlich ein lautes „Hallo“

 

und ich wurde mit Küssen auf die Wange begrüßt. Nur Tom gab mir die Hand. –

 

Schnell war das Thema Auswanderung wieder auf dem Tisch und ich fragte ob nicht noch eine Person gebraucht würde. Alle schauten sich an und ein Lachen ging über ihre Gesichter. Lars meinte, dass sie schon darüber geredet hätten und wollen mich fragen, was ich davon halte auch mit zu kommen. Mir wurde vor Aufregung heiß und kalt, voller Begeisterung sagte ich zu. Ben fragte noch was meine Eltern dazu sagen würden. Ich habe keine mehr, sie sind vor einem Jahr bei einem Unfall ums Leben gekommen, ich bin allein und entscheide selbst. „Na prima!“, sagte Tom. „Dann ist ja alles klar. Dann sind wir sechs Leute und das passt gut.“ Die Zeit verging wie im Fluge, hatte ich doch endlich ein Ziel vor Augen, ein richtiges Ziel.

 

Wir hatten uns in Kanada ein Stück Land gekauft, welches wir später unter uns aufteilen würden. Und nun ging die Reise endlich los. Wir würden bis an unser Ziel ungefähr 5 Tage brauchen. Erst der Flug nach Kanada und dann einen in „die Wildnis“, so nannte ich unser Ziel. Von dort aus mit der Bahn nach  „Bear paw“ , zu Deutsch Bärentatze. Von da mit einem Jeep zu unserem Land, das ca. 1 Stunde von diesem Ort entfernt war.

 

Tom hatte alles in die Wege geleitet, damit schon alle Sachen, die wir besaßen, zu unserer Hütte gebracht wurden. Auch Lebensmittel und alles was noch so gebraucht wird, hatte man dort hin gefahren. Auch diesen alten Jeep, in den wir nun einstiegen, hatten wir vorher gekauft. Ein paar Männer aus Bear paw begleiteten uns mit dem restlichen Gepäck. Sie würden  einige Zeit bei uns bleiben und helfen die Häuser zu bauen, die wir erst einmal brauchten, um über den Winter zu kommen. Der Winter war zwar noch weit, wir hatten erst Mai, aber sicher ist sicher. Wir fuhren um 13 Uhr Ortszeit los, und ab dieser Zeit führte Britta Buch über alles was wir machten.

 

Als wir ankamen, es waren 2 Stunden vergangen, weil unser Wagen im Schlamm stecken geblieben war, bekamen wir unseren ersten Schreck. Die „Hütte“ war ein kleines Häuschen mitten in der Pampa. Ok, das es kein Schloss sein würde, wussten wir, aber so eine kleine Hütte. Ich lachte, lachte und lachte, konnte mich nicht mehr halten vor lachen und alle schauten mich an. „Ich weiß nicht was ihr habt. Wollten wir nicht frei und unabhängig sein, so sieht „Das“ nun mal aus. Ich freue mich endlich hier zu sein, mit euch hier zu sein. Und nun lasst gehen und freut euch.“ „Sie hat Recht“, meinte Tom. „Auf zu neuen Taten.“ So schauten wir uns erst einmal die Umgebung an und  „bestaunten“ unsere Hütte. Klein aber oho, dachte ich  so bei mir. Licht hatten wir auch, der Generator stand im Stall und die Geräte, die wir brauchten, auch. Da hatten wir noch ein Gehege für Federvieh und im Stall ein paar Boxen für Pferd und Kuh, oder des Gleichen. Ich kicherte. Erschrak aber im gleichen Moment, da plötzlich Tom hinter mir stand und sagte: „Na gefällt es dir hier?“

 

„Aber sicher!“, antwortete ich, drehte mich um und gab ihm einen Kuss auf die Wange.  „Das ist dafür, dass ihr mich mitgenommen habt, ich weiß, dass du dagegen warst.“ Ich ging in die Hütte und ließ Tom verdutzt im Stall stehen.

 

Die Helfer schliefen im Stall und wir suchten uns ein Plätzchen in unserer Hütte, wo wir schlafen konnten.

 

Am nächsten Tag fingen die Männer an, Bäume zu fällen. Die Einheimischen, so werde ich sie nennen, zeigten wie die Stämme zu recht geschnitten werden mussten. Eine Woche später stand unser Gemeinschaftshaus im Rohbau da. Es war prächtig, so fanden wir. Es wurde am selben Abend Richtfest gefeiert, dazu kamen die Frauen der Einheimischen hinzu und brachten viel gutes Essen mit, dazu wurde ein Schweinchen über offenem Feuer gebraten. Das war also unser erster Abschnitt. In den nächsten Wochen wurde das Haus „Winterfest“ gemacht, Ritzen verschmiert, mit Lehm natürlich, wie es so üblich war, auch darüber amüsierte ich mich köstlich. Lill und Britta beschwerten sich bereits über die schwere Arbeit, und ich, wie ich nun mal bin, lachte sie aus. „Was ist los mit euch, ihr seid doch nicht etwa Weicheier? Ihr solltet mit Spaß an die Arbeit gehen, dann ist es halb so wild.“ Die Männer hörten mich und klatschten Beifall, ops, da hatte ich was angestellt. Die beiden Mädels gingen beleidigt in die kleine Hütte und ließen sich nicht mehr blicken. Ich half den Männern beim Bauen von unseren Betten. Dabei machte ich meins um ein Brett breiter, aber dafür schauten sie mich böse an, sagten aber nichts. Als es dunkel wurde gingen wir in unsere Hütte. Der Tisch war gedeckt, die Suppe brodelte auf dem Herd und wir setzten uns gemütlich hin und aßen von der köstlichen Speise.

 

Es war gemütlich warm in dem Zimmer und mir fielen die Augen zu. Als ich sie wieder öffnete, lag ich auf meiner Pritsche, bis zum Hals zugedeckt. Die Sonne stach mir in die Augen und ich stand auf, ging in die andere Kammer und wurde mit einem „Na gut geschlafen?“ begrüßt. Ich gähnte herzhaft und fragte Lill: „Sag mal Lill, wie bin ich ins Bett gekommen, kann mich nicht erinnern, dass ich mich rein gelegt hätte?“  „Hast du auch nicht, Tom hat dich hineingetragen und dich zugedeckt.“  Dann muss ich mich bei Tom bedanken, dachte ich. Ich ging hinaus und stapfte zu unserem Gemeinschaftshaus, rief nach Tom, doch niemand war hier. Ich schaute mich verdutzt um, weit und breit niemand da. Ich ging zurück und fragte Lill wo alle sind. Sie sagte: „Sie sind nach Bear paw gefahren, Material holen und Britta ist mit  ihnen, um noch einige Lebensmittel einzukaufen.“ Ich ging zum Schrank und nahm mir eine Scheibe trockenes Brot heraus, schob sie in meinen Mund und kaute genüsslich darauf herum. „Ihh“, sagte Lill. „Wie kannst du nur trockenes Brot essen und wie es scheint, schmeckt es dir auch noch.“  Aber sicher schmeckte es mir, dumme Pute, dachte ich. Verließ abermals die Hütte und ging ein Stückchen in den Wald. Ich fand dort einige Pilze, die ich pflückte und mitnahm. Auch ein paar Beerensträucher fand ich und dachte gleich an einen Kuchen,  „mmmmh lecker“. Ich eilte zurück und holte mir ein Eimerchen für die Beeren. Als ich zurück ging war mein Eimer voll dieser Köstlichkeiten. Ich stellte ihn auf den Tisch und meinte: „Nun könntet ihr einen Kuchen backen.“ Lill schaute mich entsetzt an. „Was ist, kannst du keinen backen?“, fragte ich sie. Sie schüttelte den Kopf zur Verneinung. „Alles klar, dann mache ich es.“ Und eins, zwei, drei war der Kuchen im Ofen und Lill platt vor Staunen. Ich sah sie an und lächelte ihr zu, aber was war das denn? „Lill, was ist mit dir los?“ Sie weinte und schluchzte. „Bitte, sag nichts den anderen, ich habe Heimweh.“ „Ach Lill das geht jedem so, habe ich auch manchmal.“, tröstete ich sie. „Ja, wirklich? Das merkt man dir nicht an.“  „Das soll man auch nicht, dafür sind wir nicht so weit weg von unserer Heimat, um zu heulen. Wir sollten uns freuen, weil wir schon so viel geschafft haben.“  „Du hast ja Recht“, meinte Lill und ging hinaus um Wasser aus dem Brunnen zu holen. Wir wuschen gemeinsam das Geschirr ab und als wir fertig waren, hörten wir, dass die Autos vor fuhren. Ein Gelächter kam uns entgegen als wir vor die Tür traten. „Hallo, was ist mit euch los?“ Britta kam uns kreidebleich entgegen und  konnte noch schnell die Toilette erreichen, bevor sie sich übergab. „Was habt ihr mit Britta gemacht?“  „Lars hat einen Bären geschossen“, sagte Tom. „Das ist ihr nicht bekommen.“ „Was? Einen richtigen Bären“, freute ich mich, „dann gibt’s Bärensteak. Klasse!“

 

Ich ging schnell zu Britta, half ihr wieder auf die Beine zu kommen. Brachte sie in die Hütte und sie legte sich auf ihre Pritsche. Ich holte Wasser und ein Tuch, befeuchtete es und legte das Tuch auf ihre Stirn. „Danke, das tut gut“. „Was ist denn passiert?“, fragte ich sie. „Nur weil er einen Bären geschossen hat, ist dir schlecht? Das kann ich nicht glauben.“ „Nein“, sagte Britta, „ich glaube ich bin schwanger.“ Ich wurde blass. „Bist du dir sicher?“ „Ja.“ „Warum gerade jetzt, konntet ihr nicht warten“?

 

„Es war nicht unsere Absicht, das kannst du mir glauben.“

 

„Was wollt ihr jetzt machen?“ „Nichts, einfach abwarten bis es soweit ist.“ „Aber wir können dich dann nicht ins Krankenhaus bringen, wir sind zu der Zeit eingeschneit.“ „Ich werde es allein bekommen, das haben schon andere geschafft, warum nicht ich?

 

Bitte sag den anderen nichts davon.“ „Ja ist gut, besser ihr sagt es ihnen selbst.“

 

Ich sah aus dem kleinen Fenster, die Männer waren damit beschäftigt den Bären zu enthäuten. Dann hackten sie die Teile auseinander. Ich holte ein paar große Messer aus der Küche, ich hatte sie mir mitgebracht, und ging hinaus. „Was willst du denn hier?“, fragte Tom. „Na was schon, das Fleisch ordentlich zerlegen, was denn sonst.“ Die Männer lachten und scherzten über mich. „Eine Frau einen Bären zerlegen, ich lach mich kaputt.“

 

„So, so“, sagte ich, „du kannst es wohl besser? Dann zeig was du kannst.“ Ben nahm sich ein „Messerchen“ und fing an die eine Bärenkeule zu zerteilen. Ich kicherte in mich hinein, es war schrecklich anzusehen, wie er schon das Messer hielt. Er schnippelte daran herum, es war..... schrecklich. Ich ging zu dem anderen Tisch auf dem die zweite Keule lag und setzte mein großes Fleischmesser an, schnitt bis zum Knochen durch und löste das Fleisch mit schnellen, aber korrekten Schnitten vom Knochen.

 

Die drei Männer und einige der Arbeiter standen um mich herum und schauten mit bewundernden Blicken auf mein Werk. Als ich fertig war und das Fleisch in bratgerechte Stücke geschnitten hatte, natürlich auch Steaks, klatschten mir alle Beifall, auch Ben legte einen bewundernden Blick auf. Ich freute mich riesig, muss ich zugeben, dass ich auch etwas konnte, das eigentlich den Männern, so meinten sie, zustand. „Super, das hast du gut gemacht“, sagte Tom, „du könntest alles zerteilen und wir bringen es in die Küche zum Braten und Einfrieren.“ „Na klar, mache ich doch gern.“

 

Nach dem Abendessen ging ich noch ein Stückchen spazieren. Der Mond stand voll am Himmel und es war sehr hell. Tom kam hinter mir her und fasste mich beim Arm. „Bitte, bleib mal stehen, ich möchte mich mit dir unterhalten.“ Er sagte mir, das ich geschickt sei und wie gut ich den Bären zerlegt hätte. Fragte nach einigen privaten Dingen und erzählte von sich.

 

Was war nur mit ihm los, so redselig hatte ich ihn noch nie erlebt, also fragte ich ihn, was er denn nun wirklich wissen wolle.

 

„Ich wollte nur sagen, dass ich dich sehr gern mag.“ Ops, ich war überrascht. „Danke, du bist auch ein netter Mensch“, mehr bekam ich nicht raus. Wir schlenderten noch ein wenig umher und gingen dann gemeinsam zur Hütte zurück.

 

Es wurde Herbst und die Nächte waren noch sehr lau. Unser Gemeinschaftshaus war fertig und eingerichtet. Lill und Ben hatten ein großes Zimmer für sich, wie auch Lars und Britta. Auch ich bekam ein großes Zimmer und Tom hatte sich bereit erklärt, in der Hütte zu bleiben. Für ihn allein reichte der Platz.

 

Mir war nicht wohl dabei, denn Tom stand die Hälfte von meinem Zimmer zu.

 

Jeden Tag zogen wir los und sammelten Holz für den Winter. Große Berge hatten wir vor der Hütte und dem Gemeinschaftshaus aufgestapelt. Alles was essbar war, wurde angeschleppt und eingefroren oder eingekocht. Ich machte aus den zu weichen Beeren Marmelade. Köstlich, sagten alle.

 

Die Arbeiter waren auch nach Hause gegangen, nachdem sie noch einen großen Stall gebaut hatten. Auch ein Abschlussfest hatten wir gefeiert. Britta hatte sich tapfer gehalten und viel mitgearbeitet. Nun konnte sie sich ausruhen und sich auf ihr Baby freuen.

 

Bei unserem Supereinkauf, alles was wir noch für den Winter brauchten, hatten wir, Britta und ich, für das zu erwartende Baby Sachen gekauft. Alles was das Baby und die Mutter brauchen würde. Ich war in die Bibliothek gegangen und hatte mir einige Bücher über das „Kinderbekommen“ ausgeliehen. „Ich werde mich schlau machen“, sagte ich zu Britta, „falls wir dich nicht rechtzeitig ins Krankenhaus bringen können.“ „Du bist eine gute Freundin“, sagte sie, „und ich habe keine Angst mit dir das Baby zu bekommen. Du hast es wirklich allen gezeigt, was du für eine Frau bist.“ Wir stimmten beide in ein lautes Gelächter ein. „Nun ja, ich werde tun was ich kann.“

 

Woran wohl niemand gedacht hatte, war Weihnachten, aber ich.  Ein großer Karton wurde auf den Wagen geladen, auf dem mein Name stand. Vor zwei Monaten hatte ich diese Sachen alle in Deutschland bestellt und die Adresse von dem Laden, hier in Bear paw angegeben. Nun war auch Weihnachten gesichert, zumindest was den Baumschmuck anbelangte. Den Baum würden wir aus den Wäldern, die um unsere Häuser lagen, holen.

 

So fuhren wir gegen Abend wieder zurück und stellten die Autos sofort in den großen Stall, um sie dann am nächsten Morgen zu entladen.

 

Die Monate vergingen wie im Flug. Brittas Bäuchlein war zu einem stattlichen Bauch geworden und natürlich wussten alle bescheit und niemand machte sich Sorgen, denn so sagten sie, du bist ja da und kannst helfen, einfach so, fertig. Ich musste wohl ganz blöd aus der Wäsche geschaut haben, denn alle lachten lauthals über meinen Gesichtsausdruck.

 

In den letzten zwei Wochen hatte es schon tüchtig gefroren. Das Thermometer zeigte auf minus 15°C. Es war drei Tage vor Advent. Wir standen zeitig auf, um in den Wald zu gehen und Zweige und einen Baum für Weihnachten zu holen. Als ich hinausschaute, sah ich, dass es in der Nacht geschneit hatte. Ich jauchzte laut und lief hinaus. Wie herrlich die Landschaft aussah und... ach ich kann’s nicht beschreiben, ich fühlte mich super wohl. Ich machte einen Schneeball und lief zu Toms Haus, riss die Tür auf und stürmte hinein. Oh... das hätte ich wohl lassen müssen, denn Tom stand splitterfasernackt in dem Zimmer in einer großen Wanne und badete gerade. „Entschuldigung“, sagte ich mit hochrotem Gesicht, „ich wusste ja nicht...“ „Na ist schon gut. Was ist denn los, dass du so reinrennst?“ „Es hat geschneit und ich wollte...“, stotterte ich und schmiss den Schneeball genau auf Toms Brust, drehte mich um und rannte schleunigst hinaus. An die Tür gelehnt blieb ich vor ihr stehen und hatte immer noch das Bild vom nackten Tom vor Augen. Ich schüttelte meinen Kopf und ging wieder ins Gemeinschaftshaus zum Frühstücken.

 

Es dauerte den ganzen Tag, ehe wir von unserem Ausflug zurück waren. Dafür hatten wir den schönsten Weihnachtsbaum der Welt mitgebracht und auch die duftenden Kieferzweige wurden nicht vergessen. Am Nachmittag sagte ich zu den Mädels, dass ich eine Überraschung habe und sie fragten neugierig, was es wohl sein würde. „Kommt her und schaut es euch an“, sagte ich. Sie machten die Kiste auf, holten viele kleinere heraus und öffneten sie. „Wunderschön“, sagte Lill. Tränen liefen ihr über die Wangen und auch Britta und mir kullerten ein paar herab. Die Männer sahen das und kamen herüber. „Was ist denn mit euch

 

los, habt ihr Heimweh?“ „Nein, aber wir werden ein wunderschönes Weihnachtsfest haben mit Kugeln und Lametta aus unserer Heimat für unseren Weihnachtsbaum“, flüsterte ich, stand auf und lief in mein Zimmer. Wenig später klopfte es an meiner Tür und Tom trat ein. Er setzte sich zu mir auf mein Bett, legte seine Arme um meine Schulter und versuchte mich zu trösten. „Danke Tom“, sagte ich, „es geht schon wieder.“ Ich sah im dabei in seine Augen und dachte ich müsse darin versinken. Plötzlich fühlte ich seine warmen, weichen Lippen auf meinen und wir küssten uns zärtlich. Danach legte ich meinen Kopf an seine Schulter und schloss meine Augen für einen Moment. Als ich sie öffnete, lag ich zugedeckt in meinem Bett und es war dunkel geworden. Schnell stand ich auf, kämmte meine langen Haare und ging ins „Gesellschaftszimmer“, wir nannten es so, weil wir uns gemeinsam dort aufhielten. Gerade wurde der Tisch gedeckt.

 

Lill sagte: „Wir können zu Abend essen, hast du dich ein wenig ausgeruht?“ „Ich bin einfach eingeschlafen“, versuchte ich mich zu entschuldigen.  Tom kam auf mich zu und prompt errötete ich. „Geht es dir besser?“  Ich konnte nur nicken und ging mit ihm zum Tisch. Er rückte mir einen Stuhl zurecht und – Ben und Lars pfiffen:  „WOW, unser Tom - ganz Gentleman“.

 

Britta und ich bastelten am anderen Tag einen Adventkranz aus Tannenzweigen, schmückten ihn mit Zapfen und Schleifen. 4 dicke rote Kerzen wurden darauf platziert und ein paar Nüsse legten wir auch noch hin. Morgen sollte die erste Kerze brennen.

 

Ich ging in die Küche und machte Glühwein, legte Plätzchen, die wir selbst gebacken hatten, in eine Schale und brachte dann alles ins Zimmer, wo wir es uns schmecken ließen. Tom setzte sich in den letzten Tagen immer an meine Seite, ich muss sagen, dass es mich freute. Tom gefiel mir vom ersten Moment an, als wir uns in „Omas Kneipe“ zum ersten Mal begegneten. „Es wir noch kälter werden, der Wetterbericht sagt, dass es einen Blizzard geben wird, dann werde ich nicht mehr zu euch rüber kommen können.“

 

Mein Herz machte einen Sprung und klopfte schneller, als ich das hörte. „Aber du könntest die Hälfte von meinem Zimmer haben, sie steht dir doch zu, dann brauchst du nicht allein in der Hütte bleiben.“ „Das wäre natürlich wunderbar, ich hatte auch schon Angst davor, so ganz allein zu sein.“ „Abgemacht“, sagte ich, „und wir holen morgenfrüh deine Sachen herüber.“ Tom nickte nur und man konnte sehen, dass ihm ein Stein vom Herzen gefallen war, eine kleine Träne schimmerte in seinem rechten Augenwinkel. Ich freute mich auch darüber und zugleich erschreckte es mich. Ich mit einem Mann in einem Zimmer, oh je, ob das gut ging, wo ich doch so pingelig bin. Es wurde noch ein super schöner Abend. Wir machten Spiele und unterhielten uns über Dies und Das.

 

Als wir am nächsten Morgen Toms Sachen herüber holten, stürmte es schon kräftig. Die Nase klebte von der Kälte zusammen und ich zog meinen Schal mehr über mein Gesicht. Tom lachte bei meinem Anblick und ich lachte zurück. Plötzlich fiel mir Britta ein, es ging ihr heute nicht so gut, sie hatte in der Nacht Schmerzen bekommen und das Baby strampelte in ihrem Bauch wie wild. Es durfte noch nicht kommen, erst Anfang Januar war es soweit. Ich machte mir große Sorgen um sie. Tom sah meinen besorgten Blick und fragte mich, was los sei. „Ich bin beunruhigt, Britta geht es nicht gut, ich werde noch mal in den Büchern nachlesen, was es sein könnte und wie ich mich darauf vorbereiten kann, damit es keine Komplikationen gibt, falls das Baby früher kommen sollte.“ „Ist in Ordnung, ich werde dir helfen und auch ein wenig in den Büchern lesen, dann könnten wir die Sache durchsprechen und sind wenigstens einigermaßen gewappnet.“

 

Ich schaute ihn liebevoll an, denn das hätte ich nicht von ihm gedacht, dass er mir dabei helfen würde. Wir waren nun fertig und ich ging in mein Zimmer, legte mich aufs Bett und las in den Büchern. Kurze Zeit später kam Tom herein, legte sich neben mich, nahm sich ein Buch zur Hand und fing an zu lesen. „Ich war gerade bei Britta, ihr geht’s wirklich nicht sehr gut.“ „Ich weiß, ich war auch bei ihr, hoffentlich hält sie durch.“

 

Die Tage vergingen recht langsam, der Sturm riss uns eine Ecke von unserem Dach weg und die Männer reparierten es schnell, damit der nächste Sturm nicht das ganze Dach abdecken konnte.

 

Nun war es soweit, morgen war Heiligabend. Ich freute mich darauf, endlich mal wieder mit einer Familie Weihnachten feiern zu können. Ja, ich nannte uns eine Familie, denn wir waren in der Zeit unseres Aufenthaltes hier zu einer solchen geworden, wo jeder jedem half und jeder ein Ohr für den anderen hatte, wenn Sorgen ins Haus standen. Und Sorgen hatten wir, Britta ging es immer schlechter. Heute Morgen hatte sie Wehen bekommen und weinte oft vor Schmerzen. Ich stand ihr bei und streichelte liebevoll über ihren Bauch. Ich hatte gelesen, dass es Mutter und Kind wohl tun würde. Es stimmte, wenn ich bei Britta am Bett saß und sie streichelte, wurde sie ruhiger, auch das Baby strampelte nicht mehr wie verrückt.

 

Am nächsten Tag fingen wir an den Weihnachtsbaum zu schmücken. Zwischendurch machte ich mit Lill das Essen für den Abend fertig. Britta saß in dem großen Ohrensessel und schlief ein wenig. Wir hörten Weihnachtslieder und jeder sang, so gut er konnte, mit. Es war lustig, Lars schmückte seine Britta heimlich mit Lametta und gab ihr einen Schmatz auf den Mund. Sie machte die Augen auf und lächelte Lars an. Er nahm sie vorsichtig in die Arme und herzte sie. Ein lauter Schrei von Britta ließ uns alle hochfahren. Mein Herz klopfte wie wild und ich rannte schnell zu ihr. „Ich bekomme mein Baby, bitte hilf mir.“ „Natürlich helfe ich dir Britta, ganz ruhig und atme tief ein und aus, so wie wir es geübt haben. Lars wird dich ins Bett tragen.“

 

Ich lief voraus und breitete die Gummilaken auf das Bett aus, legte ein Kissen zurecht und alles war wir brauchten. Wir, Tom und ich, desinfizierten uns so gut es ging. Lill machte heißes Wasser und Tücher wurden gewärmt. Lars hatte Britta inzwischen ins Bett gelegt und setzte sich so wie ich es ihm geheißen, hinter Britta und sie winkelte ihre Beine an. In diesem Moment platzte die Fruchtblase und ein Schwall kam heraus. Eine halbe Stunde später setzten die Presswehen ein und nach der 5. Wehe kam ein Köpfchen hervor, dann der Hals und die Schultern; ich half das Baby heraus zu ziehen. Ich hielt es an den Füssen und klatschte ihr auf den kleinen Po, ein mächtiger Schrei und das Baby atmete. Ich war glücklich und reichte Lars die Schere zum Zerschneiden der Nabelschnur. Er nahm sie mit zittriger Hand und schnitt sie durch. Danach legte ich ein warmes Handtuch um das Baby und legte es Britta auf die Brust, damit sie ihr kleines Mädchen sehen konnte. Uns allen standen die Tränen in den Augen, nie hätten wir gedacht, dass es so schön sein könnte, wenn so ein kleines Wesen das Licht der Welt erblickt. Und das noch zum Heiligabend. Nach einer Weile gab ich Lill das Baby und sie badete es, zog dem kleinen Ding eine Windel, ein Hemdchen und Jäckchen mit Strampler an. Sie sah so niedlich aus, die kleine Weihnachtselfe, so nannte ich sie in meinen Gedanken. In der Zwischenzeit hatte ich mich um Britta gekümmert und ihr einige Kissen in den Rücken gelegt. Nun bekam sie ihre kleine Weihnachtselfe in den Arm und sah sie ganz verträumt an. Ich lächelte: „So, damit braucht ihr mich ja nicht mehr, ich werde die jungen Eltern mal allein lassen.“ Ich ging aus dem Zimmer und hörte noch wie Britta sagte: „Vielen Dank, mein Glücksengel.“

 

Tom kam mir entgegen und nahm mich in seinen Arm, „Das hast du gut gemacht, ich bin stolz auf dich.“ Ich fing an zu heulen, wie ein Schlosshund, erst jetzt kam die Aufregung in mich gefahren und ich merkte wie die Spannung in mir wich. „Weine ruhig, das wird dir gut tun, komm wir gehen in unser Zimmer.“ Er geleitete mich dorthin und ich legte mich auf das Bett. Tom legte sich zu mir und nahm mich wieder in seinen Arm. Ich schlief wohlig behütet ein. Erst ein leises Leuten weckte mich. Ich zog mich fein an und kämmte mich, danach ging ich ins Gesellschaftszimmer zu den anderen. Lill sagte: „Wir können essen, bitte nehmt Platz.“ Im Hintergrund spielte leise Weihnachtsmusik und die Kerzen am Weihnachtsbaum brannten.

 

Als wir mit dem Essen fertig waren, räumten die Männer das Geschirr weg und spülten sogar, sie meinten, weil heute Heiligabend sei. Als wir wieder alle zusammen waren, setzten wir uns um den Weihnachtsbaum, natürlich auf die Erde, wir hatten große Kissen, jeder eins, die hatten wir uns zu Weihnachten geschenkt. Ich hatte für jeden eine Kleinigkeit gebastelt und gab sie unter den Baum. Dort lagen schon viele kleine, bunt eingepackte Teile. Alle waren mit kleinen Kärtchen versehen.

 

Lars kam auch zu uns. „Britta und das Baby schlafen“, sagte er und legte auch einige kleine Päckchen unter den Baum. Tom meinte, dass der frischgebackene Vater doch die Geschenke verteilen könne, so geschah es dann auch.

 

So viele Geschenke hatte ich noch nie bekommen, wie sollte es anderes sein, ich bekam feuchte Augen. Tom sah mich an, zum ersten Mal, küsste er mich vor den anderen. Nun lagen noch die für Britta unter dem Baum, später würden wir zu ihr gehen und auch ihr Frohe Weihnachten wünschen. Ich begann meine Geschenke zu entpacken, war entzückt bei ihrem Anblick.

 

Von Lill und Ben hatte ich Süßigkeiten erhalten, in einer Tonschale.  Lill hatte sie getöpfert und bemalt, sie waren einfach zu lieb, diese Lill und ihr Freund Ben. Von Britta und Lars bekam ich einen Nähkasten, den Lars gebaut und Britta bemalt hatte.

 

Von Tom hatte ich nichts bekommen, ich hatte ihm dicke Socken gestrickt, weil er immer kalte Füße hatte, so sagte er.

 

Tom stand nun auf und klingelte mit einer kleinen Glocke. „Darf ich euch um Aufmerksamkeit bitten?“ Alle lauschten neugierig, auch ich. Er nahm meine Hand und zog mich auf die Füße, was mich sehr erstaunte. „Ich, ich...“, stotterte Tom, „Nun ja, ich habe mich schrecklich verliebt.“ Mein Herz machte einen Sprung, ich errötete und musste husten. Alle klatschten und sagten: „Gratulation Tom, du Schwerenöter.“

 

Tom sah mich an und stutzte: „Was ist los?“ „Ach, nichts.“

 

„Na gut, dann möchte ich dich fragen, ob du meine Frau werden willst.“ Ich machte große Augen und fiel ihm um den Hals: „Ja, ich will.“ Tom öffnete ein kleines Kästchen und nahm meine Hand, dann steckte er mir einen wunderschönen Diamantring auf den Finger. In dem Kästchen war noch ein Zweiter, den steckte ich Tom an den Finger. Wir küssten uns lange.......

 

Später gingen wir alle zu Britta und gaben ihr die Geschenke.

 

Sie sagte: „Ich weiß jetzt einen Namen für meine kleine Prinzessin. Ich kann sie leider nicht „Weihnachtsengel“ nennen, das wäre grausam, aber ich, das heißt wir, werden sie Angel nennen.“ Sie sah mich dabei sehr lieb an, und ich lächelte ihr zu, denn ich wusste warum.

Nach unserem Besuch bei Britta gingen wir in unseren Gemeinschaftsraum und unterhielten uns noch eine Weile über alles mögliche. Ich vermied dabei Tom anzusehen, denn ich spürte seine Blicke auch so und es wurde mir ganz anders in meiner Magengegend.

 

Plötzlich nahm er meine Hand und sagte: „Sollen wir jetzt auch schlafen gehen Schatz?“ Ich sah ihn an, wurde rot und stammelte: „Ja klar mein Schatz, können wir machen.“ Wir wünschten allen eine Gute Nacht und gingen in Richtung unseres Zimmers, als wir noch ein paar lästerliche Worte von den anderen zu hören bekamen. „Dann mach’s mal gut Tom“ sagte Lars. Tom antwortete darauf: „Ja natürlich Lars, aber noch nicht so gut wie Du, denn damit lassen wir uns noch Zeit.“ Am liebsten wäre ich in ein Mauseloch gekrochen, so sehr schämte ich mich. Doch Tom drückte meine Hand uns flüsterte: „Lass sie nur reden Schatz, wir werden wissen was wir tun, wovon ich bei den anderen nicht so überzeugt bin.“

 

Dann traten wir in unser Zimmer und setzten uns aufs Bett. Tom legte den Arm um meine Schulter und drückte mich so ins Kissen, dann küsste er mich leidenschaftlich und legte seinen Kopf neben meinen. Wir redeten noch eine Weile belangloses Zeug ehe er anfing die Knöpfe an meiner Bluse zu öffnen....

 

Als ich erwachte kitzelten ein paar Sonnenstrahlen meine Nase und ich musste niesen. „Gesundheit meine Kleine“, sagte Tom und kam zu mir ans Bett. Er hatte ein Tablett in den Händen und es duftete nach Kaffee und Marmelade. Er hatte zwei Brötchen bestrichen und sie auf einen Teller gelegt, dazu gab es Frühstückseier. Er setzte sich zu mir und wir Frühstückten gemeinsam.

 

„Das Wetter ist heute hervorragend“, sagte er, „wir sollten ein wenig spazieren gehen.“ „Können wir machen, aber zuerst muss ich mich mal um Britta kümmern.“ Ich stand auf, wusch mich und kleidete mich an. Ging dann zum Zimmer von Britta und Lars, klopfte an die Tür und hörte: „Komm herein, ich warte schon auf Dich.“ Ich ging hinein und sah zu meiner Überraschung, dass Lill schon bei Britta war und sie gewaschen und das Baby versorgt hatte. „Guten Morgen ihr Lieben. Wie ich sehe ist hier alles in bester Ordnung.“

 

Es klopfte und Lill trat mit Ben ins Zimmer. Ben trug mit Tom eine große Kinderwiege herein. Ein „Ohhhhhhhhh“ war wie auf Kommando von allen zu hören. „Das ist für das erste Baby in unserer Gemeinschaft und soll weitergereicht werden für jedes Paar, das ein Baby bekommt“, sagte Ben. „Und wenn es so sein sollte, dass mehr als ein Baby unterwegs ist, auch kein Problem, dann bauen wir noch einige.“ Wir lachten alle und freuten uns über seine drolligen Worte.

 

Es war auch eine weiche Matratze in der Wiege und feine Kissen, dass hatte alles Lill zustande gebracht, meine Achtung wuchs für Lill.

 

Ich nahm das Baby aus Brittas Arm und legte es in die weichen Kissen. „Schau Britta, es scheint sich sehr wohl zu fühlen.“ „Ich danke euch beiden von Herzen“, sagte Britta und Lars schloss sich den Worten seiner Frau an. Wir verließen dann wieder das Zimmer und gingen in den Gemeinschaftsraum. Tom kam mit meinen dicken warmen Stiefeln und mit meiner Pelzjacke, auch er hatte sich dick angezogen. Als wir hinaus traten, blieb mir die Luft in den Lungen stecken, es war als ob alles in meiner Lunge zugefroren war. Ich hustete und rang nach Luft. Tom sagte: „Du musst ganz langsam einatmen mein Schatz, die Lunge muss sich erst an den Wärmeunterschied gewöhnen.“ Tom schnallte mir die Schneebretter unter und wir gingen los. Es war wunderschön, die Landschaft, die Luft, die Sonne und an meiner Seite, Tom. Ich war glücklich an diesem Tag, so richtig glücklich.

 

Unser Weg führte uns an den See  „Big Water“, der ganz zugefroren war. Wir schauten über das große Wasser und sahen wie ein Flugzeug auf uns zuflog. Es landete auf dem See und ein großer Mann stieg aus. Er winkte und rief uns etwas zu, was wir nicht verstehen konnten. So schnell es ging liefen wir auf den Mann zu. Es war Piter, aus Bear Paw. Wir begrüßten uns herzlich und er sagte: „Ich wollte nur nachsehen, ob ihr alle noch da seit, oder jemand schon fortlief, weil er die Einsamkeit nicht vertragen konnte.“ Er lachte herzlich und wir mit ihm. „Nein“, sagte Tom, „es ist alles noch in bester Ordnung, wir haben sogar Zuwachs bekommen.“  „Ich hätte jetzt Durst auf einen echten deutschen Kaffee“, sagte Piter.“ „Tut mir leid Piter, aber wir haben schon sehr lange keinen Kaffee mehr.“ „Ha“, meinte Piter, „ich habe aber welchen mitgebracht, extra aus Deutschland importiert und nur für meine Freunde hier.“ Ich sprang ihm an den Hals und gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Danke“, sagte ich unter Tränen.

 

Dann gingen wir gemeinsam zurück zu unserem Haus. Tom trug das Paket mit dem Kaffee.

 

Als der Kaffeeduft durch das Haus zog, hörte ich nur ein: „Ahhhhhhhh“ und „mmmmmmmmmmmm, köstlich.“ Schnell trug ich die Kanne hinein und schenkte jedem Kaffee in eine große Tasse. Lill hatte in der Zwischenzeit einen Teller mit belegten Broten gemacht, Marmeladenbrote. Alle fassten  zu und schlürften den heißen, wohl- riechenden Kaffee. Piter erzählte,  dass  in diesem Winter schon acht Babys zur Welt gekommen seien und noch einmal sieben erwartet würden. Ein Unfall sei  passiert, wobei ein älterer Mann einen Arm verloren habe  und das drei ältere Leute gestorben seien. Und das es wohl bald Tauwetter geben würde, er merke es an seinen alten Knochen.

 

Die  Zeit war so schnell vergangen, bald würde es schon dunkel werden. Piter machte sich auf den Weg zu seinem Flugzeug und flog davon.

 

Und wieder war ein Tag verflogen,  wie schnell das doch ging, wenn die Tage so kurz waren. Aber bald wird es Frühling und die Abende werden länger. Mit diesen Gedanken ging ich in mein Zimmer und legte mich aufs Bett. Ich träumte von blühenden Wiesen und jungen Schafen. Wie ich auf Schafe kam,  weiß ich nicht mehr zu sagen.

 

Als ich erwachte, graute schon der Morgen  und Tom war schon auf-

 

gestanden. Ich roch den frisch gebrühten Kaffee und stand schnell auf.

 

Ich machte mich zurecht und ging ins Gemeinschaftszimmer. Der Tisch war schon gedeckt und Tom kam herein, nahm mich in den Arm und küsste mich. „Guten Morgen mein Schatz“, sagte er und drückte mich fest an sich. Als wir schon am Tisch saßen kamen, auch die anderen und wir Frühstückten zusammen.

 

Zwei Monate später traten Tom und ich vor den Priester, der uns traute. Auch Lill und Ben, Britta und Lars  ließen sich an diesem Tage trauen. Es war eine wunderschöne Feier, wir waren unendlich glücklich. Am gleichen Tag wurde auch unser Sonnenschein auf den Namen Angel getauft.

 

An dieser Stelle werde ich mich kurz fassen, denn in den folgenden Jahren wurden Häuser gebaut und das Land bestellt. Wir schufteten alle, um unsere kleinen Besitztümer auf einen guten Stand zu bekommen. In den nächsten drei Jahren wurde Vieh gekauft und Stallungen gebaut. Dann war es soweit, wir waren fertig, hatten alles geschafft, was wir uns vorgenommen hatten. In der Erntezeit hatten wir auch ein paar Männer eingestellt, die uns bei der Arbeit halfen.

 

Ich muss noch hinzufügen, dass wir alle sechs in dieser Wildnis sehr glücklich und zufrieden waren.  Es  ging uns allen gut und wir waren alle gesund. Angel hatte ein Brüderchen bekommen und war nun stolze „Schwester“, wie sie berichtete.

 

Ich arbeitete gerade im Gemüsegarten, es war sehr heiß heute und mir war schlecht. Ich kniete vor meinem Salat und rupfte Unkraut, als mir schwarz vor Augen wurde und ich in den Salat fiel. Ich hörte Tom nach mir rufen, doch ich konnte nicht antworten, versuchte aber selbst aufzustehen, doch daraus wurde nichts. Als ich die Augen aufschlug, lag ich in meinem Bett und hatte ein kühles Tuch auf der Stirn liegen. Tom saß neben mir und schaute mich ängstlich an. „Was ist passiert?“, fragte er besorgt. „Ach nichts, es geht schon wieder, mir war nur sehr heiß und ich hatte nichts gegessen, da ist mir schlecht geworden, mach dir keine Sorgen.“ „Stimmt das auch?“ „Ja, Tom.

 

Ich bleibe noch etwas liegen und mache dann das Essen fertig.“

 

„Das Essen werde ich heute mal kochen, du bleibst liegen.“

 

Ich war froh, dass er das machen würde, war mir doch noch so schlecht und schwindelig. Am nächsten Morgen musste ich mich erbrechen und da wusste ich, dass ich schwanger war. Ich freute mich sehr darüber, es war die beste Zeit ein Kind zu bekommen. Bevor ich es Tom sagen würde, wollte ich noch nach Bear Paw zum Doktor fahren.

 

Bei unserem nächsten großen Einkauf ging ich bei Doc. Finley vorbei, und meine Vermutung bestätigte sich, wir würden ein Baby bekommen. Tom wird sich freuen, dachte ich und eilte schnell zu ihm.

 

Er kam mir schon entgegen und fragte auch sofort, warum ich beim Arzt war, ob ich krank sei. „Nein mein Schatz“, sagte ich, „du wirst Papa.“ Er schaute mich verdutzt an, als hätte er mich nicht verstanden.

 

Doch dann, er hob mich hoch und drehte mich im Kreis. „Ja,ja,ja ich werde Papa.“ Er küsste mich stürmisch und hörte gar nicht mehr auf.

 

Sechs Monate später bekamen wir ein Töchterchen, sie wurde auf den Namen Brittany getauft. Ein Jahr danach brachte ich noch einen gesunden Jungen zur Welt, den wir auf den Namen Timo taufen ließen.

 

 

Die Jahre zogen ins Land und ich kann mit Bestimmtheit sagen, dass es glückliche Jahre waren. Heute ist unser Hochzeitstag, der 50. und all unsere „Kinder“ sind bei uns. Wenn ich Kinder sage, meine ich auch unsere Enkel und Urenkel. Tom spielt gerade mit dem kleinen Simon. Er ist der Sohn unserer Enkelin Evelin und ihres Mannes Lars.

 

Tom kommt gerade mit dem Kleinen zu mir und gibt ihn mir auf den Schoß. Aber nicht ohne mir vorher einen Kuss gegeben zu haben, so wie er das schon seit 50 Jahren macht. Mich küssen wo und wann auch immer und ich lächle ihm zu, so wie schon seit 50 Jahren......

 

 

Nachsatz: Leben in der Freiheit und in Liebe ist das schönste Glück

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.03.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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