Sofia Allende

Liebe dort wo Hoffnung stirbt-Zweitausend Meter unter der Erd

Zweitausend Meter unter der Erde
Die Tür ging auf und der grelle Lichtschein des Flurlichtes blendete sie, als der Schatten zweier Männer auf das Holzlaminat fielen.
Der eine machte Licht der andere schloss die Tür. Sie waren mitten in eine Art Diskussion vertieft, wobei einer von ihnen immer wieder nervend auf den anderen Einredete.
Obwohl sie deutlich in ihrer Sprache redeten konnte Lena sie nicht verstehen oder unterscheiden. Sie stand noch von den heutigen Ereignissen völlig unter Schock und befand sich in eine Art Trance. So bemerkte sie das eintreffen dieser kalt aussehenden Männer erst verspätet. Doch als sie es bemerkte schoss plötzlich blanke Angst in ihr hoch. Ihr wurde fast schlecht vor Angst, vor dem Ungewissen, denn zum Anfang konnte sie nichts sehen außer ihre Schatten, ihre Augen mussten sich erst an das künstliche Licht gewöhnen.
Obwohl sie die zwei Männer immer noch nur umrissartig erkennen konnte, fuhr sie plötzlich zusammen als sie diese skrupellose und unberechenbare Stimme des einen erkannte.
Der jüngere, jedoch größere und Brille tragende Typ, unterbrach abrupt das Gespräch als er Lena sah und wandte sich mit einem fragenden Blick zu seinem Partner.
"Ach ja, das hatte ich ganz vergessen dir zu erzählen. Die kleine haben wir vorhin Draußen gefunden. Sie saß hinter ein paar Büschen und kuckte sich das Schauspiel unten im Tal an. Die Männer dachten sie wär ’ne Spionin. Aber dafür war ihr Versteck nicht gut genug. Sie ist wahrscheinlich nur ’ne Touristin die sich verlaufen hat. Eigentlich hat sie ja Glück gehabt. Sie heißt Lena Stiel. Aber sei vorsichtig sie kratzt und beißt." Er macht einen Pause und lächelt sie widerwärtig an, der andere folgt immer noch fragend seinen fragend seinen Blick.
Lena saß mit Handschellen gefesselt, dreckigen Klamotten, verheulten Augen, die sich inzwischen an das Licht gewöhnt hatten, auf einen teuer aussehenden Couch. Die Knie an den Körper gezogen, so das sie auch ihren Kopf hinter diesen verstecken kann und die Arme vor den Beinen verschränkt, sah sie sich in einer Art Schutzposition in der ihr, so hoffte sie zu mindestens, niemand etwas antun könnte.
"Als wir mit den Verhör fertig waren hab ich sofort an meinen alten Freund Marc gedacht und das ich ihm zu seinem Geburtstag noch gar nichts geschenkt habe. Ich dachte du könntest deinen Spaß mit ihr haben. Hübsch ist sie ja."
Bei diesen Worten lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken und sie musste sich zusammen reißen nicht hemmungslos los zu heulen. ‘Sie wurde einfach verschenkt wie eine Sklavin.’ 
Die Gedanken in ihrem Kopf überschlugen sich, doch sie fand keinen Ausweg. Was sollte sie denn gegen einen zwei-meter-Mann schon groß tun können.
Marc wandte sich, jedoch mit einem noch fragenden Blick, wieder an den etwas kleineren, stabileren Mann, der einen viel zu feinen Anzug für diese Umgebung, trug, zu.
Marc selbst jedoch trug nur eine völlig schwarze Uniform.
"John, ich hatte vor einem halben Jahr Geburtstag, außerdem habe ich deinetwegen Arbeit für gut eine Woche in einer Nacht zu schaffen. Mir bleibt da keine Zeit für Spaß!"
Er war total wütend, nur durch das schlampen seines Partners musste er nun dreiundachtzig Akten noch einmal durchgehen und kontrollieren. ‘Und das einzige woran der denkt ist Spaß mit irgendwelchen Touristen.’
Noch dazu kam das Marc die Verhörmethoden von ihm kannte und wusste das dieses Mädchen jetzt völlig fertig sein musste. ‘Es würde sie umbringen, wenn er sie jetzt wieder mit nehmen würde.’
Daher meinte er erschöpft, aber nachdrücklich, mit offensichtlich, gespielter Freude über sein nachträglich bekommendes, Geschenk:
"Ja aber vielen Dank!"
Er warf seinen Aktenkoffer auf einen der nebenstehenden Sessel und ging sichtlich genervt von der Situation ins Bad in der Hoffnung das John daraufhin verschwinden würde. Doch als er es wieder verließ sah er das sein Partner immer noch ekelerregend zu Lena hinüber grinste. In so einem Moment war er glücklich nicht Gedanken lesen zu können.
Um diese Art der seelischen Belästigung so schnell wie möglich zu beenden, schwenkte er seine Hand vor Johns Augen, bis dieser aus seinen Phantasien wieder erwachte. Dann forderte Marc den Schlüssel für ihre Handschellen, als er diesen hatte öffnete er die Tür, vor der zwei, scheinbar unbewaffnete Wachen standen und wünschte John eine gute Nacht.
Daraufhin ging dieser widerwillig und Marc schloss unter erleichterten seufzen die Tür.
Plötzlich schaltete er völlig unerwartet das Licht aus.
Lena fühlte sich wie im Wechselbad der Gefühle, gerade hatte sie noch gedacht es wäre alles vorbei als dieser Dreckskerl gegangen war, sie war richtig erleichtert, doch der andere, dieser Marc, scheint wohl doch ein größeres Interesse an ihr zu haben als das er es ebbend zu geben wollte.
‘Wieso hat er das Licht ausgemacht? Wieso nur?’
Sie konnte kaum atmen vor Anspannung, sie fühlte sich, wie so oft an diesem Tag, so hilflos. Doch als sie merkte das er sich ihr näherte wurde sie fast ohnmächtig. Er kam immer näher, ging genau auf sie zu, er beugte sich zu ihr herunter, auf der Couchlehne neben ihr sah sie umrissartig seine rechte Hand.
"Oh man wo ist denn dieses Scheißding?" fluchte er direkt neben ihr erschöpft und gleichzeitig wütend auf.
‘Was meint er bloß? Wen meint er bloß? Meint er sie? Wenn ja, fand er sie etwa nicht?’ Bei diesem Gedanken schöpfte sie schon einen Moment lang Hoffnung, doch fuhr sie zusammen, als es plötzlich direkt neben ihr ganz hell wurde.
"So das hatten wir! Ich hasse dieses grelle, künstliche Licht!" meinte Marc zufrieden und deutete auf eine verkleidete Designerlampe die eine angenehm, gelbliches Licht verbreitete. Dann kniete er sich vor Lena, die ihm total verblüfft und gegen jede Erwartung, mag sie auch noch so negativ gewesen sein, anstarrte, hin.
In dem Moment wo er ihren Arm berührte um die Handschellen zu öffnen, trat sie ihm aus einem Reflex heraus so heftig mit ihren Schuhen das er völlig überrascht zu Boden fiel und sie nur entsetzt anstarrte!
"Was soll das denn? Ich wollte dir doch nur Helfen! Ich will dir nichts tun!" Er richtete sich auf.
"Wirklich nicht!"
Dies sagte er so dringlich und doch liebevoll, dass Lena ihm fast glaubte, doch diesen Gedanken verwarf sie ganz schnell wieder als sie sich die Umgebung bewußt machte in der sie sich befand. Er ging wieder auf sie zu um erneut einen Versuch zu starten. Diesmal setzte er sich jedoch neben ihr auf die Couch um ihren gefährlichen Tritten zu entkommen.
Ganz vorsichtig schloss er ihre Ketten auf und dabei versuchte er sie so wenig wie möglich zu berühren.
"Du siehst Kaputt aus! Na ja kein Wunder John ist ja auch ziemlich brutal! Ich sollte mich wohl für ihm entschuldigen, aber ich glaube kaum das du sie annehmen wirst. Vor mir brauchst du jedenfalls keine Angst zu haben. Ich hab nicht vor dir was zu tun!"
Lena war total verblüfft und irgendwie erleichtert als sie das hört, doch das wollte sie nicht zeigen, denn sie hatte immer noch wahnsinnige Angst vor ihm, obwohl er ja wirklich nicht so brutal zu seien schien wie sein Partner.
"Also du bist Lena?! Ich bin Marc! Willkommen in meinen, im wahrsten sinne des Wortes, bescheidenem Heim." Er streckte ihr die Hand hin doch diese Geste erwiderte sie nicht.
‘Das alles sagte er so als ob wir schon ewig Freund wären oder es zu mindestens werden wollen. In einer normalen Situation hätte ich über die Bemerkung mit dem Heim einfach nur gelacht, denn eigentlich war sie auch nur lächerlich, denn das bezeichne ich eher als mein Grab als mein Heim!’
"Hey, kannst du aufstehen? Ich zeig dir hier alles und dann muss ich auch erst mal meine Arbeit erledigen."
Bei diesen seufzenden Worten nahm er ihre Hand, stand auf und zog sie nach sich. Unweigerlich und etwas wacklig folgte sie ihm, obwohl sie es eigentlich gar nicht wollte, denn so war sie auch noch ohne ihre Sicherheitsposition.
Er zog sie, mehr oder weniger, in eine Ecke des Raumes an der zwei Türen waren. Als er eine der beiden öffnete und das Licht anknipste, sah sie ein höchstens drei mal drei Meter großes, weiß gefliestes Bad. Er schob sie hinein und öffnete einige Schränke.
"Das ist das Bad! Hier ist eine Zahnbürste, Kamm, Bürste, Creme und so weiter. Ich glaub kennst dich damit auch allein aus. Hier ist noch ein Bademantel und in der Dusche stehen drei verschiedene Duschbäder, ach und hier ist noch ein Föhn versteckt! So das wär’s erstmal fürs Bad!"
Er ging hinaus und sie blieb etwas unschlüssig darin stehen, der Gedanke hier zu duschen machte ihr Angst.
"Hey, nun komm schon wir sind noch längst nicht fertig!" rief er aus dem Raum, in den die andere Tür führt.
Das ist mein Arbeitszimmer. Ich würde dich bitten hier nichts durcheinander zu bringen, ich seh hier nämlich selbst nicht so richtig durch!"
Das Zimmer, so fand Lena, war eher eine Mischung aus einer Altpapier-Müllhalde und einem Büro. Überall lagen Papierstapel und Aktenordner, die meist aufgeschlagen waren, auf dem Boden, der Schreibtisch und die Regale waren jedoch mit Hightech Geräten vollgestopft.
Zur rechten Hand deutete er auf einen schmalen Gang frei von alle dem, der an der Wand entlang führte und an einer weiteren Tür endete.
"Na mach schon auf, das ist die Küche."
Die Küche war zwar etwas großer als das Bad dafür aber ausladender. Der Fussboden bestand genauso wie die Wände und der Tresen aus unverblendeten Beton, an der Wand gegenüber vom Tresen, hinter dem zwei eingestaubte leere Regale standen, befand sich ein alter Metalltisch mit zwei dazugehörigen Stühlen. Das einzige moderne in diesem Raum war ein großes quadratisches fensterartiges Ding in der Wand. Man hätte vermuten können das es eine Art Mikrowelle war.
Lena schaute sich traurig und ohne sich große zu bewegen um.
"Das sieht alles schlimmer aus als es ist." sagte er als könnte er ihre Gedanken lesen.
"Hey, ich weiß das du einen anstrengenden Tag hinter dir hast aber könntest du wenigstens so tun als ob du mich verstehst? Du verstehst mich doch?" Erwartungsvoll blickte er sie an, doch sie wich seinen Blicken aus.
"Du kannst doch sprechen, oder?" Wieder ein erwartungsvoller, fast bittender Blick dem Lena auswich.
"OK, OK! Also pass auf hier ist eine Karte, auf der sämtliche Gerichte und Getränke drauf stehen, die jeweils eine Nummer haben. Du brauchst sie nur einzugeben und zu bestätigen und schon hast du sie!" Er zeigte auf die Maschine in der Wand.
"Ich hab keinen Hunger!" meinte Lena so als würde sie nie wieder etwas essen wollen, aber Marc nahm es gelassen.
"Hurra! Sie spricht! Na jetzt kann ja nur noch alles besser werden." Das sage er zwar mit etwas viel Sarkasmus, doch dafür klang:
"Du musst doch aber was essen!" wieder ziemlich besorgt.
Sie blickte starr gerade aus und ärgerte sich über sich selbst das sie überhaupt etwas gesagt hatte. In diesem Moment berührte er ihre Schultern mit seinen Händen, dann stützte er seinen Kopf auf diese.
Lena erstarrte, sie wollte ihre Ellenbogen nach hinten rammen, doch die Angst vor dem was passieren würde war zu groß.
"Ohne dich jetzt beleidigen zu wollen: Du siehst irgendwie ziemlich müde und fertig aus. Willst du vielleicht erstmal das Schlafzimmer sehen?" flüsterte er mit einer gespielten eiskalten Stimme.
Lena konnte nicht mehr, sie war mit ihren Nerven am Ende: ‘Dieses verdammte Schwein, erst schickt er seinen Partner vor um mich bei diesem Verhör total fertig zu machen so das ich mich kaum noch bewegen kann und dann macht er einen auf >netter Retter< und versucht mich ‘rum zu kriegen! Dieses Schwein!’
Gerade in diesem Augenblick, ihrer Wut, wollte sie nun endlich mit ihrer ganzen Kraft ausholen, ihm so sehr schlagen das er taumelnd zurückweichen muss und sie fliehen kann. Doch auch jetzt kommt es ihr so vor als könnte er ihre Gedanken lesen, denn als sie auszuholen versuchte, ergriff er ihre Ellenbogen und hielt sie fest.
"Hey, hey, hey! Ganz ruhig! So war das doch nicht gemeint, du bist wirklich total fertig mit den Nerven. John diese Sau! Hey aber ich werd’s wieder gut machen. Hast du einen Wunsch aber einen den ich dir jetzt noch schnell erfüllen kann? Wie z.B. ein heißer Tee, n’ Aspirin, ein bestimmtes Buch oder so was?"
Lena bricht innerlich zusammen! ‘Er fragt sie tatsächlich ob sie einen Wunsch hätte, als ob sie in einem Hotel oder so was wäre. Verdammt ich weiß nicht mal wo ich bin, geschweige denn was ich hier wirklich soll oder warum man mich überhaupt gefangen hält! Ich weiß nur das ich in Gefahr bin und das dieser Typ mit meiner Angst spielt und dann fragt er mich ob ich einen Wunsch hätte!’
Doch plötzlich kam ihr ein schrecklicher Gedanke: ‘War sie vielleicht bei Menschenhändler gelandet!’
Nun hielt ihr Körper dem seelischen Druck auch nicht mehr stand und brach nun auch noch zusammen.
Marc, der sie aufgefangen hatte, setzte sie vorsichtig in eine Ecke auf dem Boden ab. Völlig bestürzt und verzweifelt beute er sich über, die am ganzen Körper zitternde und hemmungslos weinende, Lena.
"Was hast du, was hab ich denn gesagt oder getan? Sag schon, was ist mit dir?" flehte er und tätschelte sanft ihr Gesicht als sei sie Bewußtlos.
Etwas zögernd schluchzte sie anfangs: "Du hast mich gefragt ob ich noch einen Wunsch hätte! Ich will hier raus! Wo immer ich auch bin. Ich will raus! Ist das denn so schwer zu übersehen?!" ihr letztlich wütendes Schreien ging aber bald auch wieder in ein weinendes Flehen über: "Ich will doch nur hier raus. Bitte! Ich nutze ihnen doch gar nichts und wenn doch dann tue ich doch auch alles, aber bitte lassen sie mich hier raus!"
Er stand auf und eilte aus der Küche, kam aber gleich mit einer rechteckigen Taschentuchbox und einer Decke zurück.
"Nun beruhige dich erstmal und dann sehen wir weiter." Er nahm sie hoch und wickelte sie in die Decke ein dabei musste er sie richtig festhalten denn sie brach immer wieder zusammen. Als sie wieder saß gab er ihr die Taschentücher und setzte sich neben sie.
"Das du hier raus willst ist mir schon klar aber selbst für mich nicht so einfach. Ich kann dir nicht einfach die Tür öffnen und schon bist du draußen und selbst wenn wie willst du hier überleben? Was hast du eigentlich so tief in der Wüste zu suchen? Hat dich hier jemand ausgesetzt?"
"Nein ich hab nur einen Spaziergang gemacht."
"Einen Spaziergang?" wiederholte er mit ungläubiger Stimme.
"Die nächst Oase ist mindestens zehn Meilen entfernt und die ist unbewohnbar! Tahari ist, meiner Meinung nach, sogar zwölf Meilen entfernt. Wo kommst du überhaupt her?"
"Aus Deutschland. Ich war hier bei einer Freundin wir hatten einen Streit, darüber hab ich nachgedacht und da bin ich einfach immer tiefer in die Wüste gelaufen. Aber ich kenne mich in der Wüste eigentlich aus, ich war schon öfter hier im Urlaub." Ihre Stimme klang jetzt schon etwas gefasster und nur noch selten kullerten Tränen über ihr Gesicht, die dann jedoch gleich von Marc zärtlich weggewischt wurden.
"Um was ging ’s bei eurem Streit?" fragte er scheinbar besorgt.
"Is nicht so wichtig." Meinte sie ausweichend, sie hatte schon genug gesagt!
Er stand auf und half ihr hoch, als er jedoch bemerkte, dass sie immer noch nicht richtig ihr Gleichgewicht halten konnte, nahm er sie auf den Arm und trug sie durchs Arbeitszimmer wo gegenüber von der Küchentür noch einen Tür auf ihre Öffnung wartete. Diese stieß er auf und trat ein.
Sie befanden sich in einem Raum, der wie alle anderen auch keinen Fenster hatte und aus Betonwänden bestand. Auf der rechten Seite war ein großer Holzschrank, dahinter ein modernes Doppelbett, das Lena einen Schauer über den Rücken ließ.
Mal wieder Gedanken lesend oder auch nur Blicke deutend meinte er: "Keine Sorge, du kannst ganz in Ruhe schlafen. Ich hab heut noch so viel zu tun das ich das wahrscheinlich gar nicht mehr lebend schaffen werde!" meinte er seufzend.
"Und wenn doch schlafe ich solange wie du ihr bist auf der Couch im Flur. Versprochen! Du hast sowieso nichts von mir zu befürchten, im allgemeinen bin ich nämlich nicht so wie John oder die anderen! Wenn du etwas möchtest oder besser wenn du etwas nicht möchtest brauchst du es nur zu sagen. Verstanden?"
Sie nickte gedankenverloren.
"Und du hast wirklich keinen Hunger?"
"Nein...Danke!"
"Na gut dafür bekommst du Morgen ein reichliches Frühstück! Soll ich das Licht anlassen?"
Sie schüttelte traurig den Kopf.
Das Licht erlosch und die Tür wurde leise geschossen. Lena, die noch in der Decke gewickelt auf dem Bett saß, lauschte angestrengt, doch alles was sie hörte war das tippen der Tastatur, das zuschlagen von Aktenordnern, das Ankommen von Faxen, das Geräusch von zerreißenden Papier und manchmal hörte sie ihn leise fluchen.
Sie hörte kein Geräusch in diesem Zimmer, auch nicht das jemand die Tür öffnete oder das Zimmer betrat. Nach etwa einer Stunde, des konzentrierten Lauschen, kam langsam das Gefühl der Sicherheit in ihr hoch und sie merkte wie müde sie doch eigentlich war, sie befreite sich von der Decke und legte sich schließlich aufs Bett. Sie glaubte das es Abend bzw. Nacht sein musste, doch hatte sie jedes Zeitgefühl verloren, bis sie in einer Ecke auf einem flachen Schrank eine Digitaluhr entdeckte.
Nach drei weiteren Stunden hatte sie immer noch nicht geschlafen, doch die Frage, ob er sie eigentlich eingeschlossen hatte, drängte sich ihr auf. So beschloss sie aufzustehen um nachzusehen. Denn sie hatte seit langen auch kein Geräusch mehr aus dem Arbeitszimmer gehört.
‘Vielleicht war er sogar weggegangen und sie allein.’ immer mehr Hoffnung hier unversehrt herauszukommen leuchtete in ihr auf.
Sie öffnete die Tür so vorsichtig wie Marc sie geschlossen hatte, dabei bemerkte sie das er sie nicht eingeschlossen hatte. Sie trat hinaus und schaute sich unsicher um. Marc war auf dem Sessel hinter seinem Schreibtisch eingeschlafen, in der Hand eine aufgeschlagene Akte.
Lena betrachtete ihm lange und ihr fiel auf wie sich ihre Denkweise über ihre Situation in den letzten vier Stunden durch ihm geändert hatte.
Als er das Zimmer betrat, diese Schwarze Kälte, ausstrahlende Gestalt dessen Blicke
sie zu durchbohren versuchten, wie er die Tür schloss und das Licht erlosch, wie er sie in der Küche berührte, das sie bei all dem, vor Angst fast in Ohnmacht gefallen wäre und dann wie er jetzt da lag und seelenruhig schlief, so friedlich und unschuldig. Doch erst jetzt erkannte sie das er doch eigentlich die ganze Zeit zur ihr nett und freundlich sogar höflich war, er hatte sie nicht einmal bedrängt wenigstens nicht bösartig. War er vielleicht doch anders als sie dachte?
Plötzlich erwachte er und bemerkte sie sofort.
"Was ist denn los?" fragte er gähnend.
"Gar nichts!"
"Und warum stehst du denn da und starrst mich an, wenn ich versuche zu schlafen?"
"Ich konnte nicht schlafen und ... wollte mir die Hände waschen." meinte sie als hätte er sie bei etwas verbotenes erwischt und sie müsste sich jetzt irgendwie raus reden.
"Is schon gut! Wenn du doch noch duschen willst ich hab dir ja alles erklärt, nicht war?"
"Ja, aber ich will nicht duschen!" sagte sie so energisch und wütend das er erstaunt von seinem Schreibtisch aufsah.
"OK, ich meinte ja nur." fügte er unsicher hinzu.
"Ich dusche nämlich gern nach einem anstrengenden Tag, aber wenn du nicht willst ..." er sprach schon wieder mehr mit seinen Akten als mit ihr.
Überraschend stellte sie fest das sie sich darüber Ärgerte. Schnell verwarf sie diese Gedanken und ging eilig ins Bad.
Marc sah auf und lächelte ihr hinterher.
Beim Hände waschen sah sie in den Spiegel, sie hatte Augenringe, wie nach einer Schlägerei, ihre Haare waren zerzaust und insgesamt war ihr Gesicht mit Schmutz übersät. Duschen wäre jetzt wirklich schön, aber nicht wenn die Gefahr bestand das dieser Typ hier einfach die Tür aufriss.
‘Er war zwar die ganze Zeit über ziemlich nett gewesen, aber trotzdem... Ach nett sind sie alle zu erst.’
So stritt sie mit sich selbst darüber war sie nun tun sollte, besser was sie tun konnte.
"Hey Lena liegen da irgendwo meine Kaugummis ‘rum?" riss sie aus ihren teils positiven meist aber doch negativen Gedanken.
Sie öffnete die Tür und trat langsam heraus, Marc schaute sie erstaunt an, denn er hatte damit gerechnet das sie sich doch um entschieden hätte.
"Ist was?"
"Äh, ich wollte fragen ich wo die Duschhandtücher finde."
"Das hatte ich ganz vergessen! Die liegen da unten."
"Danke!"
"Keine Ursache. Meine Kaugummis?"
"Ja hier. Bitte"
Sie ging wieder ins Bad mit den Handtuch in der Hand schaute sich noch einmal um und traf dann die Entscheidung doch zu duschen. Als sie fertig war und sich im Spiegel wieder ansehen konnte trat sie wieder, in einen Bademantel und ihre alten Sachen unter dem Arm in sein Arbeitszimmer. Er sah auf und lächelte sie zufrieden an.
"Na hat es dir geholfen?"
Lena nickte beschämt.
"Aber du brauchst noch saubere Sachen?"
"Mhmm"
Er stand auf, ging auf sie zu und nahm sie in den Arm, einfach so!
"Na dann komm."
Sie wurde von ihm in den Flur geführt wo sich neben der Badtür noch ein Podest befand, über dem ein roter Vorhang gespannt war, der Lena vorher gar nicht so aufgefallen war.
Er schob ihn zur Seite und führte sie in einem riesigen begebbaren Kleiderschrank.
Plötzlich verlor sie jede Furcht und schaute sich mit offenen Mund, staunend um.
Marc stand in einer Ecke und sah ihr grinsend zu. Doch dann schien er plötzlich wieder zu erwachen.
"Wenn du noch etwas brauchst ich bin...ach du weist ja wo ich bin!"
"Ja klar!"
Nach einer Weile hatte sie sich für einen dicken Schlafanzug entschieden und sich bereits im Badezimmer umgezogen, als sie dann abermals das Arbeitszimmer betrat fand sie dieses völlig leer vor, genau wie die Küche. Als sie daraufhin in das Schlafzimmer eintrat, sah sie Marc halb auf dem Bett liegen und tief schlafen. Eigentlich saß er mehr auf dem Boden und hatte nur die Hände und den Kopf aufs Bett gelegt.
Sie ging vorsichtig auf ihm zu und setzte sich dann auf ihre Hälfte, dabei ließ sie die Augen nicht von ihm. Doch nach einer Weile fielen ihr ebenfalls die Augen zu und auch sie schlief halb sitzend, jedoch komplett auf dem Bett, ein.
Ende des 1.Kapitels.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.03.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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