Manfred H. Freude

Das Mädchen von Treppi (freie Interpretation)

 freie Interpretation:

 

zu Paul Heyse: Das Mädchen von Treppi   Novelle  (1855)

 

Analyse

 

Typisch oder abweichende Novelle?

 

Was ist ihr Erkenntnisinteresse? Argumentation

 

biblisches Titelmotiv

 

 

Hinzuziehung „Meine Novellistik“ Paul Heyse

 

Falkentheorie Silhouette wie der „Inhalt der Geschichte des Decamerone“

 

„ in fünf Zeilen berichtet sich dem Gedächtnis tief einprägt“

 

 

Wir befinden uns in der Zeit dieser Novelle Im Realismus  1840 -1897 / Naturalismus 1880 - 1900

 

 

 

Diese große allgemeine Frage: Was will der Dichter uns mit dieser Novelle sagen?

 

In fünf Zeilen die Zusammenfassung:

 

 

Ich bin Leser, kein Kritiker, daher lediglich an der Geschichte interessiert.

 

Ein Kritiker wird sicher aus den einzelnen Worten mehr herausarbeiten. Wird die Worte zerlegen, verdrehen, vergleichen. Wird die Dinge in die Worte hineindichten, hineinlegen die nie so von Paul Heyse gedacht wurden.

 

Er wird vergleichende Texte und Autoren von Platon, Aristoteles, von Kant bis Goethe heranziehen und Worte in Verbindungen bringen die bereits geschrieben oder geäußert wurden.

 

 

Aber auch als Leser suche ich den Ort in dem ich mich wieder finde – die Orientierung und notiere den letzten Absatz von Paul Celans Meridian Rede:

 

„ Meine Damen und Herren, ich finde etwas, das mich darüber hinwegtröstet, [ …….]  - wie die Sprache – Immaterielles, aber irdisches, terrestrisches etwas kreisförmiges, über beide Pole in sich selbst zurückkehrendes und dabei heitererweise – sogar die Tropen durchkreuzendes - : ich finde – einen Meridian. „

 

 

Wo liegt nun dieser Meridian zwischen den Göttinger Hain und der Gruppe 47

 

Nicht in den Gedichten

 

auch nicht in der Novelle

 

Er liegt in der Kritik, in der Analyse

 

in der Form der Sprache die sich über die Dichter entwickelte

 

Göttinger Hain / Gottsched / Hölty / Klopstock / Münchener Dichterkreis / Paul Heyse / Gruppe 47

 

 

So geht es wohl jedem Dichter der sein letztes Wort opfert, hinausschreibt.

 

Das er sicher noch gut gebraucht hätte.

 

Hätte er geschwiegen. Es ist nur ein gutes Gedicht das geschwiegen ist.

 

Und doch bewerten wir das Gedicht ( die Kunst ) nach dem Opfer.

 

Erst dann werden wir einer Analyse geopfert.

 

 

Paul Heyses Falkentheorie:  er opferte den Falken als letzte Speise.

 

Der Falke der ihm zum Broterwerb diente.

 

Diese Geschichte hat eine starke Silhouette. “Auf der Höhe des Apennin, wo er sich zwischen Toskana und
dem nördlichen Teil des Kirchenstaats hinzieht, liegt ein
einsames Hirtendorf, Treppi genannt. „
So beginnt der Text dieser Novelle.

 

 

Aber ist es die Silhouette dieser Bergwelt von der es schon zu Anfang heißt: „ Auf der Höhe des Apennin, wo er sich zwischen Toskana und dem nördlichen Teil des Kirchenstaates hinzieht, liegt das einsame Dorf Treppi genannt. „

 

Ist dies für diese Novelle wichtig? War es Heyse wichtig? Widerspricht die folgende ausführliche Erklärung nicht der Theorie Heyses wonach der Wert einer Novelle sich in der Kürze auszeichnet.

 

Müssen wir ihm nicht, wie den meisten Schreibern (ich will das Wort Dichter vermeiden) ,  sagen: das ist zu lang, bitte kürzen. Oder kann und darf man hier nicht kürzen.

 

Gewiss kann man viele Prosatexte bis Romane in wenigen Sätzen (Falkentheorie) zusammenfassen.

 

Die Frage bleibt aber, wie viel Stoff benötigt eine Novelle?

 

 

In dem Stoff der Novelle „ Das Mädchen von Treppi“

 

Ein Mann, Fillipo wird über die Berge geführt, da er sich am anderen Tag zu einem Duell treffen muss. Bei  der Ankunft in der Berghütte erkennt die Wirtin den Mann den sie seit sieben Jahren liebt. Sie verhindert das Duell entgegen dem Willen des Fillipo.

 

 

„Sie waren kaum allein, als Fenice eine Messinglampe, die seitwärts
am Herde stand, ergriff und hastig anzündete. Das Herdfeuer
erlosch mehr und mehr, die drei roten Flämmchen der Lampe
erhellten nur einen kleinen Teil des weiten Raumes“
  So beginnt der zweite Teil

 

 

In diesem Zwischen Hauptteil entsteht ein Drama.

 

 

Die Zuspitzung der Geschichte wird von einem alleinigen Weg der Hauptpersonen Fellipo und Fenice durch das Gebirge geführt auf dem Weg nach Pistoja.

 

Eine Wendung der Geschichte entsteht als Fillipo entdeckt das sie ihn in eine falsche Richtung führt:

 

 „ Halt! sagte Fillipo.Ich sehe es noch beizeiten, dass du mich dennoch begrüßt….“ und sie antwortet: „ Man kann alles, man ist mächtiger als Teufel und Engel, wenn man liebt „

 

Sie sagte man und nicht ich!

 

Noch wusste er nicht, dass sie ihn „vergiftet“ hatte mit einem Liebestrank – Aberglaube

 

und nachdem sie ihm erklärte wie sie ihn verzaubert hat ihr wie ein Hund zu sein, stürzte er in die Schlucht und „sie stieß einen Schrei aus der wie ein Falkenschrei über die Schlucht klang!“

 

Ist dies der Falke? Hat Heyse hier den Falken skizziert?

 

 

Meiner Meinung nach ist der Liebestrank in den das Blut des Hundes eingerührt ist der Falke der Novelle.

 

 

Ist dies der Wendepunkt der Geschichte das es soweit kommen musste das es ihn fast umbrachte?

 

„da lag er. Er hatte die Augen geschlossen, Stirn und Haar von Blut überströmt“

 

„Gelobet sei Jesus“ sprach sie als sie erkannte, das er lebte. Also glaubte sie an Gott, war doch nicht die Hexe für die man sie halten konnte.

 

 

Doch im Tal als sie ihre Geschichte erklärte wurde sie gefragt:

 

„Du bist wohl die gute Freundin des Avvocato, he? „ und sie antwortete: „ Nein, die Madonna weiß es! „

 

Haben wir dies nicht schon einmal gehört?

 

Waren das nicht die Worte Petrus als er gefragt wurde?

 

Nein, antwortete er, ich kenne diesen Menschen ( Jesus ) nicht.

 

 

Nachdem Felippo wieder genesen, die Angelegenheit erledigt ist, gesteht er ihr seine Liebe die sie zunächst ablehnt und sie sagt „ ihr sollt nicht denken, das dieser mein armer Kopf nichts lernen kann“

 

Ist es das was die Novelle lehrt?

 

Ist es das der Leser denken muß, das er etwas lernen kann!

 

Lernen z.B. „ dass man einen Menschen nicht erkaufen kann „

 

und nur bedeutet Fillipo das er außer ihr nichts anderes mehr auf der Welt besitzt.

 

 und sie hob ihn auf und sprach wie in einem Gedicht von 1150 eines unbekannten Verfassers:

 

Du bist min, ich bin din

 

des solt du gewiss in

 

du bist beslozzen

 

in minem herzen

 

verlorn ist daz sluzzelin:

 

du muost ouch immer darinne sin.

 

Wie sagte Sie?

 

„ Ihre kräftigen Arme hoben ihn auf – du bist mein!

 

sagte sie bebend. So will ich dein sein! „

 

 

So endet die Novelle:  „Zu beiden Seiten zogen sich Höhen und Gründe
des schönen Apennin in der Klarheit des Herbstes, die Adler
kreisten über den Schluchten und fern blitzte das Meer. Und
still und leuchtend wie dort das Meer, lag vor den Wanderern die
Zukunft.“
Nochmals als sie Richtung Genua zogen endet die Novelle

 

„ und still und leuchtend, wie dort das Meer, lag vor dem Wanderern die Zukunft.“

 

Wie dort das Meer: groß, weit, fruchtbar, glänzend, blau, unendlich.

 

 

Vom Himmel (Berg)

 

kamen sie zur Hölle ( Tal)

 

ins Paradies (Ehe)

 

 

fassen wir nun zusammen:

 

Nein – beziehen wir uns auf Interpretationen, auf Interpretationen von Interpretationen, auf Interpretationen von Interpretationen, auf Interpretationen von Interpretationen, -

 

genau, beziehen wir uns auf die Reclam Interpretation.

 

 

Aufgrund einer Notiz über einen französischen Troubadour Luco de Grimauld die Paul Heyse fand,

 

machte er ein Gedicht und später diese Novelle des Mädchens von Treppi.

 

Über den Inhalt dieser Novelle habe ich nun ein Gedicht geschrieben ( siehe Anlage).

 

Und aufgrund einer Schilderung ( eines Reiseberichtes ) , an seinen Onkel über eine kühne Wanderung über die hohen Pässe des Apennin, verfasste er die Landschaftsschilderung.

 

 

 

 noch einmal Skizziert: des Mädchen von Treppi.

 

2 Personen stehen im Mittelpunkt Fenice und Filippo

 

Die Frau ist Hauptperson Fenice

 

Ebenfalls ein Kriminalstück? Vielleicht

 

Vor sieben Jahren lief Fenice durch die Berge

 

danach irrt Filippo durch die Berge

 

Unfreiheit und Erniedrigung

 

Schluss: Freiheit und Blick in die Zukunft

 

 

Vielleicht, wenn wir richtig hinhören und den Stil Heyses betrachten,

 

 sehen wir ihn ebenfalls „durch die Berge“ laufen.

 

Immer an den schwierigsten Stellen, mit Leichtigkeit, immer oben, das Tal ist ihm fremd.

 

Dort will, ja kann er nicht hin.

 

Für sein Schreiben brauchte es keinen Mut. Eher etwas Bescheidenheit.

 

Aber konnte er diese aufbringen.

 

 

Zu beiden Texten: 1. Das Mädchen von Treppi und 2. Der verlorene Sohn

 

 

1.            Mädchen = Hauptperson, die unglückliche Liebe wendet sich

 

2.            Mutter = Sohn entzieht sich bis zum Tod, dafür erhält sie einen neuen Sohn

 

 

Die Tendenz in dieser Novelle ist naturalistisch, expressionistisch. Sie zeigt in erkennbaren Merkmalen das Leben.

 

Eine Darstellung der inneren Verfassung.

 

Es sind keine Holzpuppen wie bei Büchner/Lenz beschrieben sagen lässt, und damit auf Schillers idealistische Dichtung anspricht.

 

 

Heyse ist einem bürgerlichen Realismus eines Fontane, Storm oder Keller verpflichtet. Ist also Heyse modern? Seiner Zeit vorraus?

 

 

Zwei Menschen aus Fleisch und Blut sind beschrieben (keine Holzpuppen).

 

Wichtig ist das es eine Novelle ist und kein Drama. Im Drama reden die Personen selber.

 

 

Der Anfang der Novelle ähnelt der Erzählung G. Büchner Lenz der Naturschilderung.

 

„Die Gipfel und hohen Bergflächen im Schnee, die Täler hinunter graues Gestein,

 

 grüne Flächen, Felsen und Tannen „.

 

Heyse beschreibt die Bergwelt von der es schon zu Anfang heißt: „ Auf der Höhe des Apennin, wo er sich zwischen Toskana und dem nördlichen Teil des Kirchenstaates hinzieht, liegt das einsame Dorf Treppi genannt. „

 

 

Die beiden Paul Heyse Novellen: erheben beide den Anspruch eines bedeutsamen Menschenschicksals,

 

eines seelischen – sittlichen Konfliktes.

 

Nicht nur das wunderbar Einzigartige, was Goethe von einer Novelle forderte

 

nein, auch nicht nur die romantisch moderne Novelle die Tieck forderte.

 

Beide Novellen liegen in der Qualität eines Gottfried Keller und Theodor Storm.

 

 

Zuletzt möchte ich ( aus persönlichem Grund ) auf eine Datierung hinweisen, den 2. April.

 

Paul Heyse starb am 2. April 1914 ,  Paul Fleming starb am 2. April

 

der 2. April ist der Geburtstag der Schriftsteller: Hans Christian Andersen, des Malers Max Ernst.

 

P.S. Mein Geburtstag ist der 2. April

 

 

Ist die Novelle heute noch zeitgemäß? Diese Frage müsste man stellen. Ganz ausgereift war ihre Theorie auch die von Paul Heyse nicht. Die Frage ist ob sie heute von der amerikanischen/anglistischen Shortstory verdrängt wurde. Gehört aber die Novelle zur Mittleren Prosa wie Erzählung, Groteske, Innerer Monolog.

 

 

Im Nachtrag zum Münchener Dichterkreis ist es so das auch heute wieder aufgerufen wird sich als Dichter in München (bei der Autoren Werkstatt Münchener Lyrik-Kabinett-Werkstatt) zu bewerben.

 

Es hat sich also nicht viel geändert in 150 Jahren.

 

 

* die kursiv gesetzten Stellen sind Zitate

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

und hier das Gedicht:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Mädchen von Treppi

 

Manfred H. Freude  05.01.2005

 

nach der Novelle „das Mädchen von Treppi „ von Paul Heyse

 

 

Laut im Gebirg der Himmel blau

 

und hoch und rau

 

Im Lampenscheine ein Gesicht

 

er kannt es sieben Jahre nicht

 

Sie aber hatte Tag und Nacht

 

mit einer Liebe zugebracht

 

Zum Tale hin zu dem Duell

 

da sollte er noch auf der Stell

 

Doch weil ihr Herz er nicht genommen

 

so sollte er ins Tal nicht kommen

 

Doch auf sein ärgerböses Flehn

 

da sollte sie nun mit ihm gehen

 

Ihr Hund der muss sein Leben lassen

 

soll er sie lieben oder hassen

 

Er wollte sich nicht zu ihr legen

 

sie führte ihn auf falschen Wegen

 

Er ging allein es sollte sein

 

Er stürzte tief zur Schlucht hinein

 

Als sie ihn traf in Schmerz und Blut

 

da sprach sie es wird alles gut

 

Ich werd im Tal Erklärung geben

 

Du gehst ins Haus und du wirst leben

 

Sie bracht die Sache bald zum Reinen

 

doch blieb ihr weiter nichts als Weinen

 

Da sprach er Liebste barme dich

 

verzeihe mir und du hast doch mich

 

So zogen sie zum Meer dem Blauen

 

und konnten froh der Zukunft schauen.

 

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Gedichte Edition. Manfred H. Freude, geboren in Aachen, lebt und arbeitet in Aachen. Erste Gedichte 1968. Er debütierte 2005 mit seinem Gedichtband: Alles Gedichte – Keine Genichte. Weitere Gedichte und Essays in verschiedenen Anthologien, Zeitschriften; Prosa und Lyrik im Rundfunk und in weiteren sechs Gedichtbänden. 2007 wurde eines seiner Dramen mit dem Titel: Im Spiegel der Ideale aufgeführt; 2008 sein Vorspiel zum Theaterstück: Faust-Arbeitswelten. Sein letzter Gedichtband heißt: Vom Hörensagen und Draufsätzen. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Anerkennungen. Er studiert an der RWTH Aachen Literatur, Kunst und Philosophie.

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