Uri Shani

Buchvorstellung Nemashim: Ein arabisch-hebräisches Theaterprojekt

  Nemashim ist ein hebräisch-arabisches Theater- und Kommuneprojekt aus Israel, das jungen Menschen aus beiden Gruppen Gelegenheit gibt, ein Jahr miteinander in einer Kommune zu leben und miteinander Theater zu machen.
Shani schildert schonungslos den Weg, den das Projekt seit dem Jahr 2002 genommen hat, mit allen Höhen und Tiefen, allem Scheitern und aller Ermutigung.
Dabei geht es weder um Mitleid noch darum, den 'Anderen kennenzulernen', es geht um Solidarität und Zusammenarbeit: Gleich berechtigt und gleich verpflichtet, auch wenn die Situation von Mächtigen und Entmächtigten um sie herum vorerst noch bestehen bleibt.
'Wir sehen eine ungerechte, grausame Welt. Wir müssen eine andere erfinden, denn wir wissen, eine andere Welt ist möglich.' (Augusto Boal)

Leserrezessionen:
das lob gilt zu gleichen teilen dem buch und der sache.
das buch: sehr differenziert. so präzis wie möglich.selbstkritisch.authentisch.nicht egoistisch.bildhaft.fair. sowohl persönlich als auch objektiv. emotional als auch rational. dicht. gut geschrieben.
die sache: david gegen goliath. der fraglose mut, das richtige zu tun. klug und human, nicht blind vor eifer. wach. hasta la victoria por siempre.


Leseprobe: (S. 66-67)
Tod eines Akrobaten
Von: Michael Geller

Es war ein schöner Winterfreitag. Die NEMASHIM-Kommune besuchte den Markt in Hadar (Haifa). Sogleich nahm jede(r) seine/ihre Position ein: Afek am nördlichen Spähpunkt, Orit vertiefte sich in Auberginen mit ‚verkehrter' Krümmung und Hila verschwand hinter den Eierbergen und lauerte mit der versteckten Kamera. Javier und Michael erblaßten, erröteten, wechselten scheue Blicke. Die Zigarre wird entzündet - das Spiel beginnt!
"Meine Damen und Herren, meine Damen und Herren", so startet der Marktschreier (oder Conferencier oder Direktor des Wanderzirkus oder Kunstzuhälter - Michael), "sammelt euch um mich!" Sogleich würden die Zuschauer ein Spektakel sondergleichen erleben. Der Akrobat (Javier) macht Aufwärmübungen. Nur wenige Zuschauer kommen zusammen. Der Markt bietet viele Attraktionen und die beiden müssen alles einsetzen, um ein bißchen Aufmerksamkeit zu erhaschen. Nach ein oder zwei akrobatischen Übungen, während denen wir unter anderem erfahren, daß slawische junge Frauen ihre Mütter verkauften, um den Akrobaten zu sehen, erscheint ein junger, netter orthodoxer Jude und gibt einen Schekel. Die Münze kullert ein bißchen herum, bis sich plötzlich ein Tomatenverkäufer auf sie stürzt, in der Meinung, sie stehe ihm eher zu als dem Marktschreier und seinem Akrobaten. Da steht plötzlich der junge Orthodoxe vor ihm und besteht darauf, daß derjenige seinen Schekel erhält, den er dafür auserwählt hat. Nach einer kurzen Querele findet die Münze ihren Weg in den Hut.
Während der ganzen Schekel-Episode zeigt der Akrobat ein paar Kunststücke, unter anderem einen Kopfstand, der offenbar außergewöhnlich ist, denn er wird vom Conferencier als absolutes Weltwunder beschrieben.
Nun geht die Aufführung ihrem Höhepunkt entgegen. Der Akrobat werde, so der Zirkusdirektor, über den kleinen Platz schweben! Der Akrobat konzentriert sich. Seine ersten Schritte sind vielversprechend. Der Conferencier verkündet: "In wenigen Sekunden wird dieser urslawische Akrobat bis zu euch schweben!" Doch dann, urplötzlich, krümmt sich der Kraftprotz vor Schmerzen. Der Conferencier biedert sich beim Publikum an und verspricht, sein Schützling werde es auch mit nur einem Arm schaffen, doch noch bevor er den Satz beenden kann, muß er sich verbessern: "ohne beide Arme!" Nur ein paar Sekunden später, nach weiteren Verkrümmungen des Akrobaten, gibt der Marktschreier kund, der Akrobat werde es zusätzlich mit nur einem Bein, nein, ganz ohne Beine schaffen! Der Arme windet sich auf dem Boden, und der begeisterte Zirkusdirektor verkündet: "ein international berühmter, multikontinentaler Akrobat stirbt hier auf dem Markt von Hadar in Haifa, zu eurem Vergnügen!" Lange zuckt der Körper auf dem Boden, während sich der ‚Kunstzuhälter' eine Zigarre anzündet. Seine Begeisterung übersteigt nun alles Vorangegangene, er läuft rot an, ekstatisch ruft er immer wieder: "Er stirbt! Er stirbt! Er stirbt!" Und dann, nach einer kurzen Kunstpause: "Er ist tot!"
Der Conferencier bedeckt den toten Akrobaten mit seinem Mantel, verbeugt sich mehrmals dankbar und verschwindet. Der Akrobat bleibt tot liegen. Die drei als Zuschauerinnen getarnten NEMASCHIM-Frauen beschützen die Leiche.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 2011-09-08. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).