Heike Henning

Krankenpfleger!

Zeitig früh, noch vor dem Hahn, kreist der Pfleger seine Bahn, von Patienten zu Patienten. Wann wird seine Fahrt heut´ enden? Windeln und Pflaster hat er dabei, Tabletten und allerhand Arzenei, außerdem noch Binden und Mull.
Er hebt den Patienten vom Bett auf den Stuhl. Dann tut er ihn waschen und salben. Der alte Mensch zeigt Fotoalben: „Die Kinder kommen nur selten, sie sagen, es sei zu weit.“ Der Pfleger hat zum Plaudern leider nicht viel Zeit.

Und im Galopp und nicht im Trab, fährt er seine Ziele ab. Mit der Zeit, da zieht´s im Rücken. Er merkt es deutlich, vor allem beim Bücken.
Nun kommt er gleich zur netten Frau Schmidt. Er hat auch ihren Einkauf mit, den er am Vortag für sie hat erledigt. Vom Chef gab´s deswegen wieder ´ne Predigt: „Einkaufen wird nicht bezahlt von der Kasse!“ Doch wer hilft Frau Schmidt? Na Klasse! So tut er es heimlich. Die Frau dankt es ihm. Denn im kirchlichen Dienst ist Nächstenliebe nicht immer legitim. Auch hier regiert das Kapital. Und das Kreuz an der Wand, das wackelt manchmal.

Der Pfleger muss nun im Dienstfahrzeug bleiben. Dort kann er in Ruhe Berichte schreiben. Jeder Patient hat eine Nummer. Der viele Schreibkram macht jeden Tag Kummer, denn Amtsschimmel und Bürokratie, kürzen massiv die Zeit für die Pflege. Welch Idiotie!
Der Mensch zählt heute leider nicht mehr. Dafür müssen rechtliche Sicherheiten her. Alles wird penibel festgehalten, per Smartphone - das ist neu, denn man muss mit der Technik mithalten.
Der Pfleger stöhnt, ist unter Stress. Das Smartphone klingelt sich heiß indes.

Er erfährt: „Es kommen noch zwei Patienten hinzu. Beeil´ dich und denk´ dran, hol die Schlüssel herzu! Ach, noch etwas: Der alte Meier hat um fünfe ´ne Familienfeier. Deswegen sollst du früher kommen, damit er vorher seine Medizin genommen!“
Der Pfleger macht sich eilig Notizen, von den neuen Adressen noch ein paar Skizzen. Nun muss er sich sputen, für den nächsten Patienten hat er nur wenige Minuten!

Sein Pech, dass es der Griesgram ist, der sich nie wäscht und den ganzen Tag isst. So viel, dass oh Graus, oh Graus, alles kommt bald zu den Ohren heraus! Übersehen kann man diesen Menschen nicht, und durch die Tür, da passt er nicht.
Der Pfleger muss spritzen, denn er hat Diabetes. Und er mahnt wiederholt: „Nur ohne Süßes geht es! Wenn Sie immer wieder Schokolade verdrücken, wird die Krankheit eines Tages Ihren Körper besiegen!“ Doch der Dicke ist gegen die Worte immun. Seine Familie will hier wohl auch nichts tun. Ach, wer soll das wohl verstehen? Und morgen schon, wird er ihn wieder sehen.

Das Smartphone mahnt: „Beeil´ dich, schnell! Ein Notfall!“ Der Pfleger rennt, sein Herz rast schnell. Er fühlt sich furchtbar angespannt. So schnell ist er lange nicht gerannt! Atemlos steht er in der Tür. Die Oma meint: „Ich kann nichts dafür! Bin auf den roten Knopf gekommen, bin irgendwie da ran gekommen. Hab gemeint, es wär´ der Schalter fürs Licht. Bitte sei´n sie mir böse nicht!“

Fehlalarm! Nun geht’s gleich weiter. Feierabend ist noch lang nicht in Sicht. Des Pflegers Rücken, der schmerzt weiter. Und neben ihm vibriert auch schon – sein alter Freund, das Dienst-Smartphone. Der Pflege-Notstand fordert Tribut: ´Ne Kollegin ist krank, ihr geht es nicht gut. So heißt es: „Vertretung! Du übernimmst diesen Dienst!“ Am anderen Ende, die Dame, sie grinst. Sie geht jetzt nach Hause, nach acht Stunden, hat ´nen besseren Beruf gefunden.

Der Pfleger, der funktioniert jetzt nur. Motivation? Wie? Keine Spur. Innerlich wie ausgebrannt, fährt er durchs Patienten-Land. Fehler schleichen sich leis´ ein - er ist einfach müd´ und schläft fast ein!

Am nächsten Morgen konnt´ er nicht mehr. Die Batterie war einfach leer! Sein Kreislauf war zusammengebrochen. Die Frau tat besorgt gleich Tee ihm kochen. Er bat erschöpft, ihn krank zu melden. --

Oh, oh, der Chef tat´s gleich vergelten: „Was bilden Sie sich denn nur ein? Was soll das, einfach krank zu sein? Wo soll ich Personal hernehmen? Sie sollten sich mal kräftig schämen! Kommen Sie zum Dienst, aber schnell! Ich will Sie sofort hier sehen, auf der Stell´!“

Die Frau, die dachte, sie hörte nicht recht. War dieser Chef denn wirklich so schlecht? Wie kann ein Mensch so grausam sein? Tarifverträge sind nur Schein?

Der Pfleger schleppte sich mit letzter Kraft, zum Dienstfahrzeug und hat´s wirklich geschafft, der Chef-Anweisung Folge zu leisten. Doch nach zehn Minuten die Geier kreisten, über der traurigen Unfall-Stelle. Er war gefahren viel zu schnelle. Für ihn gabs keine Rettung mehr--

Der Chef tat das bedauern sehr! Wortgewandt und wirklich klug, hielt er eine Rede. Die Ehefrau bekam einen kurzen Händedruck.

Und sie fragte Gott, warum er ihn schuf:  Krankenpfleger – diesen Traumberuf!

Hinweis zum Gedicht: Eine ähnliche Geschichte hat sich in Bayern, im Jahr 2017 ereignet.
Ob nun Krankenschwester oder Krankenpfleger, beide leisten auch in der heutigen Zeit eine aufopferungsvolle und schwere Arbeit. Das sollte von allen anerkannt werden!
Heike Henning, Anmerkung zum Gedicht

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.09.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Buch von Heike Henning:

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Time to chill... Poesie und Fotografie zum Schmunzeln und Entspannen von Heike Henning



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