Jürgen Wagner

MODRANECHT

Die tiefste Nacht des Jahres,
das Dunkelste in mir
gebiert ein Licht, ein klares,
ein neues Leben hier

Es scheint im Dunkel stille,
bringt Stürme selbst zur Ruh
Dahin, da führt kein Wille, 
ein Sterben braucht's dazu

Zu Bethlehem geboren,
zu Jul man isst und trinkt
Die Welt ist nicht verloren,
doch bin ich selbst das Kind!



Althochdeutsch hieß die heilige Nacht MODRANECHT, die ‚Mutternacht‘. Man meinte die Zeit, wenn das Sonnenkind geboren wird und Licht und Hoffnung zurückkehren. Die Geburt des göttlichen Kindes kannte man von Ägypten (Isis und Horus) bis Griechenland (Kore und Jakchus) und bis in den keltischen Raum.

 
 

Bild zum Gedicht MODRANECHT

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Diese Sammlung von Gedichten und Aphorismen aus den Jahren 2016-19 spiegelt auch die globalen und klimatischen Entwicklungen, deren Auswirkungen immer sichtbarer und deren Folgen immer konkreter werden. Die Poesie hat ihre eigene Art, damit umzugehen und darauf zu reagieren. Diese Gedichte schüren weder Ängste, noch flüchten sie in ein poetisches Traumland. Sie bleiben verwurzelt im Hier und Jetzt, der Erde treu und dem Himmel geöffnet wie die Bäume. Sie setzen besonnene Ruhe gegen panische Zukunftsängste; sie setzen aber auch ein waches Bewusstsein gegen ein bequemes Immer-weiter-so! Sie ziehen einige große Linien in die Vergangenheit – und in die Zukunft. Zentral ist die Liebe zum Leben, die Freude am Dasein und der Natur, die Verbundenheit mit allen Wesen, mit allem, was ist.

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