Jörg Dahlbeck

Nachtengel

 

 
Ein Tisch, ein Herd und Stühle: vier.
Kühlschrank, Fliesen, weiß wie sie.
Sie raucht zitternd, trinkt ein Bier -
heute ist wie immer und nie.

Draußen endlos Fensterreihen,
hinter jeder – atemlos - das Glück.
Käfigmenschen, Papageien.
Niemand schaut zu ihr zurück.

Und ein Engel steht vor ihrer Tür,
seit ewig auf dem Weg zu ihr.
VollerSehnsucht, still allein,
denn ein Engel kann nicht schreien.


Ihr Kind hat sie schon früh verloren,
es grüßt sie nachts als Sternenlicht.
Die Hoffnung war so blau verfroren
wie ihr zerschundenes Gesicht.

Sie hatte ihn schon lang verlassen,
er klebte kalt wie Schweiß an ihr.
Keine Kraft um ihn zu hassen,
er trat mit Füßen in ihr Wir.


Und ein Engel steht vor ihrer Tür,
seit ewig auf dem Weg zu ihr.
Voller Sehnsucht, still allein,
denn ein Engel kann nicht schreien.


Im Morgengrauen ging er fort
mit ihrer Liebe im Gepäck.
Kein letzter Schlag, kein letztes Wort -
sie war für ihn der letzte Dreck.

Er fuhr dann ziellos in den Tod,
sein Engel stand ganz still dabei.
Im atemlosen Morgenrot
war ihre Liebe wieder frei.




Ein Tisch, ein Herd und Stühle: vier.
Kühlschrank, Fliesen, weiß wie sie.
Sie raucht zitternd, trinkt ein Bier -
heute ist wie immer und nie.

Dieses Gedicht gibt es auch noch als Songversion,auch demnächst bei e-stories. Frei nach einer Kurzgeschichte von Nicole Dohrmann.
Jörg Dahlbeck, Anmerkung zum Gedicht

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.06.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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