Andrea Schwerdt

Gestüt Shagya (Kapitel 1)


I.



„Hey, das ist echt toll geworden.“ Freute sich Gabrielle O´Connor, als sie mit ihrer Freundin Alexandra van Halen und deren Vater den ehemaligen Kuhstall betrat. Jetzt befanden sich dort 30 geräumige Pferdeboxen. „Ja, danke Daddy. Es war wirklich nett von Mrs. Bennett uns den Bauernhof zu vererben. Damit haben wir eine Menge Zeit und Geld gespart.“ „Schön, dass es euch hier gefällt. Aber denkt daran, es gibt nur noch ein bestimmtes Maß an Unterstützung.“ Meinte Alexandras Vater. „Kommt, wir sehen uns die Wohnräume und eure Zimmer an.“ Damit führte Mr. Van Halen die beiden Mädchen zu einem langgezogenen Gebäude etwa hundert Meter von den Ställen entfernt. In dem alten Bauernhaus befand sich nun die Wohnung der beiden 19 Jährigen Mädchen und etwa 40 Fremdenzimmer. „Das Personal für die Pension wird in einer Woche kommen. Morgen fahren wir dann nach Dallas auf den Pferdemarkt. Okay, ich geh jetzt, dann könnt ihr euch einrichten. Und morgen um 5 Uhr hole ich euch ab.“ „Okay, bye Daddy.“ Alexandra gab ihrem Vater einen Abschiedskuss. Als der Mercedes vom Hof fuhr, atmeten die Mädchen tief durch, dann meinte Gabrielle: “Komm, Alex, wir gehen noch die restlichen Sachen auspacken.“ Alexandra nickte und hakte sich bei ihrer Freundin unter, dann meinte sie: „Du Gab, ich freu mich wahnsinnig auf morgen.“

„Mann, hier ist es verdammt voll, und es ist doch erst 7 Uhr:“ gähnte Gabrielle. Die beiden Mädchen hatten kaum ein Auge zugemacht, da sie viel zu nervös waren. Das ständige Gebell von Rohan, Alex Schäferhund hatte nicht gerade dazu beigetragen ruhiger zu werden. Heute war der Vierbeiner allerdings zu Hause geblieben. „Okay Mädels. Auf geht´s.“ forderte Henry Van Halen die Mädchen auf. Langsam schoben sie sich durch die Menge. Vor dem ersten Paddock blieben sie stehen. Dort grasten friedlich Trakehner, New Forest Ponies, Criollos, Appaloosas. Der Händler kam sofort angelaufen. Offenbar sah er, dass er hier einige seiner Pferde an den Mann, bzw. in diesem Fall an die Frau bringen konnte. Alex deutete auf einen braunen Trakehner und fragte: „Könnten sie den mal vorführen.“ „Natürlich, junges Fräulein.“ Der Händler schickte einen seiner Angestellten den braunen Wallach zu fangen. Das geschah ohne weitere Schwierigkeiten. Als das Pferd gesattelt und aufgezäumt, begutachteten es die beiden Mädchen näher. „Das Pferd ist 9 Jahre alt und ist ruhig, schnell und ausdauernd. Dimitri wird es ihnen jetzt einmal vorführen.“ Der Angesprochene schwang sich in den Sattel. Alex beobachtete jede Bewegung argwöhnisch, konnte jedoch nichts außergewöhnliches feststellen. Die Übergänge in die verschiedenen Gangarten waren weich und flüssig. Gab stellte dem Händler einige Fragen: „Ist das Pferd kinderlieb oder leicht schreckhaft, hat es einen Mangel, zum Beispiel Koppen oder Weben?“ „Nein, nichts dergleichen.“ „Gut, dann würde ich ihn gerne Probereiten, sollten sich dabei keine weiteren Problem ergeben, kaufen wir das Pferd.“ Der Händler nickte und winkte seinen Angestellten mit dem Pferd zu sich, Gab stieg auf und ritt einige Runden.
„es wäre gut wenn du ihn auch noch mal ausprobierst...“ Meinte sie zu Alex, diese stimmte zu und stieg auf. Nach wenigen Minuten war man sich schließlich einig und der Verkäufer führte das Tier in eine ruhige Box wo es später abgeholt werden würde.
Danach gingen die Mädchen weiter zum nächsten Paddock wo die beiden zwei Islandponies und ein Shetlandpony kauften. Nach einer halben Stunde entdeckten sie ein vielversprechend aussehendes Quarter Horse, das sie ebenfalls kauften.
„Wir haben schon fünf Pferde, wir sind richtig gut!“ Freute sich Alex, ihr Blick schweifte über den Platz und plötzlich deutete sie nach rechts.
„Sieh mal da, der Shire Horse Hengst!“ Meinte sie und Gab drehte sich um, in einem kleinen Auslauf stand ein Pferd mit stumpfem schwarzen Fell und einer weißen Blesse. Sein Kötenbehang war weiß. Eigentlich konnte das nicht mehr als weiß bezeichnen, es war eher vergilbt.
„Das willst du doch nicht etwa wirklich kaufen, das ist halb kaputt.“ Meinte Gabrielle ungläubig und tippte sich an die Stirn.
„Wie kannst du so was sagen, es ist hinreißend, ich will es mir ansehen, komm mit.“ Damit zog sie ihre Freundin mit sich und die beiden standen vor dem Paddock. Gab lockte das Tier mit einem Stück Karotte, es kam vorsichtig näher und schnupperte.
„Na ja ganz nett ist es ja schon...“ Doch zu früh gefreut, der Rappe schnappte plötzlich nach ihrer Hand und legte die Ohren an.
„Das ist ja ein Monster, lass uns gehen!“ Meinte Gab und machte einige Schritte rückwärts.
„Warte mal, es ist nur verstört...“ Alex stieg langsam in den Auslauf und ging auf das Pferd zu, das jetzt nervös auf der Stelle trippelte.
„Komm da raus, bist du lebensmüde, der trampelt dich tot!“ Ertönte plötzlich eine Stimme aus der Ecke, und ein relativ kleiner dicker, feistgesichtiger Mann kam hervor. Er hielt in der linken Hand eine abgebrochene Gerte und in der rechten ein abgewetztes Halfter.
Alexandra ließ sich nicht beirren und ging noch einige Schritte näher auf den Hengst zu, der nun angstvoll die Nüstern blähte. Alex streichelte vorsichtig über den Hals des Pferdes und sprach beruhigend auf es ein.
„Alex, komm da raus, ich trau dem Vieh nicht... außerdem ist er nicht für den Schulbetrieb geeignet, sieh in dir doch an...“ Meinte Gab aufgeregt.
„Der ist nur noch für den Abdecker gut...“ Schaltete sich der Händler wieder ein, doch Alex hörte nicht auf das was der Mann sagte.
„Ich will ihn für mich haben, was soll er kosten?“ Fragte sie kurzerhand.
„Was? Bist du lebensmüde? Du willst die Schindmähre kaufen? Falls du es noch nicht bemerkt hast, das Monster beißt wie ein Pitbull!“ Regte sich Gabrielle auf, doch ihre Freundin meinte nur ruhig:
„Mich nicht...“
„Wer weiß was das Monster für Krankheiten hat! Würmer oder Läuse!“
Der Händler sagte nichts, sonder hörte der Unterhaltung der beiden Mädchen nur stumm zu, schließlich meinte er:
„Für 800 Dollar gehört er dir mein Fräulein...“
„Das ist aber nicht der Schlachtpreis...“ murmelte Gab, doch Alex hörte nicht auf die Einwände ihrer Freundin, und schlug in den Handel ein.
Wenig später, Gab war mit ihrem Vater losgegangen um die gekauften Pferde aus den Boxen zu holen, versuchte Alex alleine ihr neues Pferd in den Hänger des Transporters zu bekommen. Das erwies sich jedoch als schwierig, den obwohl der Hengst entkräftet aussah war er stark genug um Zicken zu machen. Vor der Rampe stieg er immer wieder und stemmte sich gegen Alex ziehen und manchmal schon zerren.
„Hast du Probleme?“ fragte ihr Vater als er das geschehen eine weile lang beobachtet hatte.
„Nicht wirklich... es liegt nicht daran das er Bösartig ist, er hat nur Angst.“ Erklärte Alex, obwohl ihr Vater nichts dergleichen behauptet hatte, sie hatte nur das Bedürfnis das Verhalten ihres Hengstes zu erklären.
Die Minuten verstrichen, alle Geduld ging mal zu Ende und so auch Alex´, alle Pferde waren bereits verladen, nur ihr Hengst wollte einfach nicht in den Hänger. Schließlich entschied man sich doch ihn zu zwingen, was blieb schon anderes übrig schließlich wollte man auch wieder nach Hause. Fünfzehn Minuten später stand der Rappe aber doch im Transporter, er benahm sich zwar wie ein Irrwisch aber immer hin, er war drin...
„Stell ihn ja weit weg von den anderen... der macht die sonst noch wuschig.“ Sagte Gabrielle und betrachtete den Hengst genau.
„Ist ja schon gut, keine Sorge Gab, er wird sich benehmen, schließlich gehört er jetzt mir und bekommt eine ordentliche Pferdegerechte Erziehung.“
„Trotzdem, es gefällt mir nicht ihn auf dem Hof zu haben, wir werden bald die ersten Schüler bekommen und wenn er da rumschnappt oder er tritt einen mit seine Suppentellergroßen Hufen, dann sind wir die auch gleich wieder los.“
„Wir stellen ihn eine von den Quarantäneboxen, da kommt keiner von den Schülern hin.“ Alex war selig, sie würde ihr Pferd schon hinbekommen, das einzige was es brauchte war Vertrauen, Liebe und Zeit, weder die Peitsche noch Sporen.
„Na ja, stell dir das nur mal nicht alles so einfach vor. Nun ja, wenn er jetzt schon dir gehört, braucht er auch einen Namen weißt du schon einen?“
„Ich dachte an Black Boy, was hältst du davon?“ Meinte Alexandra.
„Passt zu seiner Farbe und zu seinem Charakter...“ Murmelte Gab, als sie sich im Rücksitz zurück lehnte und streckte.
„Du bist fies, weißt du das?“ Meinte Alex und verpasste ihrer Freundin einen leichten knuff in die Seite. Alex nahm es Gabrielle nicht übel das sie schlecht über den Hengst dachte, schließlich hatte jeder seine Meinung.
„Wie wollen wir die anderen nennen?“ Fragte sie nach einer Weile.
„Für den Trakehner dachte ich an Goldfever, weil sein Fell so glänzt...“ Schlug Gab vor und Alex war einverstanden.
„Der Quarter könnte doch Ginger heißen.“ Meinte Gab.
„Ja, das hört sich gut an.“ Stimmte Alex zu
„Das Shetlandpony muss unbedingt Little Miracle heißen, so was kleines wie den hab ich noch nie gesehen, ein echtes Wunder...“ Schwärmte Alex sofort weiter, Gabrielle war einverstanden und nickte zustimmend.
„Jetzt brauchen nur noch die Isländer einen Namen..., aber welchen?“ Überlegte Gabrielle laut, ihr Vater der den Transporter fuhr meldete sich auf einmal zu Wort:
„Ihr meint diese beiden Zotteligen, nicht wahr?“
„Ja, warum?“ Wollte Alex wissen.
„Na ja, zu der ganz hellen Stute würde finde ich Sunrise passen.“
Gabrielle und Alexandra waren sofort begeistert, die kleine Islandstute hatte also nun auch einen Namen, fehlte nur noch die andere.
„Wie wärs mit Sofie?“ Schlug Alex vor.
„Nee, so heißt meine Oma... ist ja dumm.“ Kommentierte Gabrielle kopfschüttelnd.
„Dann eben nicht, dann eben... mhh, ah ja wie wärs mit Jagna?“
„Lang dir mal ans Hirn! Das bedeutet Opfer, die Stute soll nicht heißen als würde sie gleich von den Reitschülern gefressen!“ Lachte Gab auf und Alex stimmte ein.
„Du hast recht, na dann eben Star.“
„So heißt doch jedes zweite Pferd auf der Welt.“ Gab Alex Vater vom Fahrersitz seinen Kommentar ab.
„Wie denn dann?“ Stöhnte seine Tochter theatralisch auf.
„Ich weiß was, wie findet ihr Trini?“ Schlug Gab vor, doch sie erhielt nur wenig Zustimmung.
„Luna! Luna ist doch gut, oder?“ Fragte Alexandras Vater dann schließlich nach einer heftigen Diskussion um den Namen Flash Lady, den Alex vorgeschlagen hatte. Alle hielten inne und plötzlich stimmten alle zu, die Islandstute sollte Luna heißen.

„Nimmst du das Futter für Goldfever mit Gab?“ Alex hielt ihrer Freundin einen Eimer voll Mash entgegen, sie nahm es und begab sich zu der Box des Trakehners.
„Wie geht´s ihm heute?“ Fragte Alex als sie wenige Minuten später ebenfalls in der Box des Wallachs stand.
„Nicht viel besser... wann kommt der Tierarzt?“ Fragte Gabrielle, während sie die geschwollenen Fesseln des Pferdes entlang fuhr.
Das Pferd hatte war vor einer halben Wochen an einer Bakterieninfektion erkrankt und stand seitdem in einer Einzelbox in Quarantäne.
„Er sagte gestern er wäre gegen vier Uhr hier.“
„Er frisst auch nichts, und trinken tut er auch nur wenig. Ich versteh das nicht, vor drei Tagen ging´s ihm noch prima. Hoffentlich stecken sich die anderen Pferde nicht bei ihm an.“ Gabrielle verließ zusammen mit Alexandra die Box, der Wallach schnaubte leise, dann hustete er erbarmungswürdig.
„Na ja, lassen wir ihn in Ruhe bis der Tierarzt kommt, die nächste Reitstunde fängt sowieso gleich an. Machst du oder soll ich?“ Fragte Gab und Alex meinte:
„Ich mach. Max hat den Papierkram fertig, oder?“
„Ja, und Lara und Michael haben schon heute Morgen gemistet und geputzt. Die leisten gute Arbeit und sind freundlich, ich bin froh das wir solches Glück mit der Arbeitersuche hatten.“
Die drei Personen waren die neuen Mitarbeiter auf dem Gestüt, Max war der Verwalter, Lara und Michael Pferdepfleger. Außerdem gab es da noch Cassandra sie war für die Organisation, sprich Buchungen der Gäste, Ausflüge und sonstiges zuständig.
Gabrielle und Alexandra gaben Reitunterricht, ein Mann Namens Walter O´Reilly würde in den nächsten Tagen noch eintreffen und für speziellen Springunterricht und Geländeritte zuständig sein.
„Wie kommst du mit Black Boy voran?“ Fragte Gab auf dem weg zu den anderen Pferden.
„Na ja, er ist wie soll ich sagen... nicht ganz ausgeglichen. Ich bekomme ihn schon so wie ich will, keine Sorge. Sobald Goldfever wieder gesund ist stelle ich Blacky auch wieder in die separate Box, wo er niemanden stört. Er kann außerdem keinen beißen weil ich extra die Box mit dem Gitter genommen habe, außerdem...“
„Ist ja schon in Ordnung, ich hab doch nur gefragt wie du mir ihm vorankommst.“
„Entschuldige.“ Sagte Alex kleinlaut, wenn sie jemand nach ihrem Pferd fragte wurde sie schnell ungehalten, den er Hengst war schwieriger als sie gedacht hatte.
„Schon Okay, ich fahre jetzt zu Frau Potter wegen der Saghya-Araber Stuten, Ciao!“ Gab stieg in den Transporter, sie wollte heute die ersten Pferde für die Zucht kaufen. Alex winkte und wandte sich dann den Schülern zu, die soeben eingetroffen waren.



~*~

„Da sind sie Gab!“ Rief Frau Potter überschwenglich, als sie Gabrielle zu der riesigen Koppel führte auf der an die dreißig schneeweiße edle Pferde grasten.
„Sie sind schön wie immer, ich hätte nie gedacht, das wir jemals auch nur eines ihrer herrlichen Pferde besitzen würden Frau Potter.“ Gab lehnte am Zaun und ließ ihren Blick über die Tiere schweifen, sie waren alle hinreißend, es würde schwer werden sich für zwei oder drei zu entscheiden.
„Ich weiß noch wie du und Alex immer zu mir kamt und die Pferde füttern wolltet, da wart ihr gerade mal fünf. Uns jetzt wollt ihr selber züchten und mir Konkurrenz machen, ha ha, nein, ich werde die Zucht aufgeben, aber ich hoffe ihr werdet sie mit meinen Stuten weiter führen...“
„Wir werden unser bestes geben,...“ Murmelte Gab, die kleine Frau neben ihr zog sie mit sich in die Koppel.
„Hier, sieh sie dir alle an, du hast sicher schon einen Favoriten, oder?“
„Nein, um ehrlich zu sein nicht, sie sind alle super.“ Mit fachmännischen Blick musterte Gab die Stuten nacheinander, sie waren alle gut gebaut und ruhig.
„Die gefällt mir.“ Gabrielle zeigte auf ein zierliches Pferd, sein Fell war schneeweiß, doch das Maul war dunkel und die Hufe ebenfalls.
„Das ist Vezudras, willst du sie testen?“
So ging es zwei Stunden weiter, die beiden Frauen sahen sich so gut wie jedes Pferd auf der Weide an und Gab entschied sich für vier hervorragende Stuten. Der Tierarzt erledigte noch am selben Tag die Ankaufsuntersuchung, und Gabrielle konnte die ersten Zuchtstuten mit zum Gestüt nehmen.
„Und, wie ist‘s gelaufen?“ Fragte Alex aufgeregt, als ihre Freundin mit dem Transporter in die Hof fuhr.
„Vier habe ich gekauft, du musst sie dir ansehen, einfach perfekt. Frau Potters Zucht ist immer noch genauso gut wie früher, irgendwie schade das sie aufhört.“
„Tja, so ist das halt.... Los, komm, laden wir sie aus!“ Aufgeregt öffnete Alex die Ladeklappe und betrat den Hänger, Gab folgte ihr.
„Sie sind wunderschön, wie heißen sie!“ Schwärmte Alex sofort als sie die vier weißen Stuten sah, die nervös in den Boxen standen.
„Von links nach recht sind es: Vezudras, ich hab sie als aller erste ausgesucht, und dann kommt Hydra, dann Sunflowers Dream und die letzte heißt Listria.“ Erklärte Gab, nachdem die Stuten in den Zuchtflügel verfrachtet worden waren, gab es noch viel zu tun.
Am Abend fielen alle todmüde ins Bett, seit zwei Wochen gab es ununterbrochen Arbeit, Gab und Alexandra waren aber nicht überfordert, ganz im Gegenteil sie meisterten fast alle Schwierigkeiten mit Bravour. Doch bald sollte ein Ereignis folgen, das den beiden schwer zu schaffen machen sollte.

„Alex! Schnell!“ Gabrielle stand in Goldfevers Box, der Wallach lag gestreckt am Boden und zuckte nur noch mit den Hinterbeinen, sein Atem ging schwer und er schwitzte stark.
„Was ist los?!“
„Ruf den Tierarzt, Goldfever stirbt!“
Der Tierarzt konnte dem Wallach nicht mehr helfen, die Infektion hatte mit ihm gekämpft und Goldfever hatte diesen Kampf verloren. Bestürzung herrschte auf dem Gestüt, niemand verstand richtig was eigentlich mit dem Wallach gewesen war, am wenigsten die Reitschüler. Goldfever war vielen von ihnen ans Herz gewachsen, den er war sanft und freundlich gewesen und nun war er tot.
„Er leidet nicht mehr...“ Meinte Max leise um Gab und Alex zu trösten. Sie hatten soeben den Verlust ihres ersten selbstgekauften Pferdes miterlebt, er war etwas besonderes gewesen, er war nicht einmal lange bei ihnen gewesen...
Der Tierarzt meinte die Infektion musste er sich noch auf dem Pferdemarkt geholt haben, da vorher ja noch alle Tiere untersucht worden waren und auf Alex und Gabrielles Gestüt konnte man keine Ursachen finden.
Bei aller Trauer musste jedoch der Schulbetrieb mit den Verbleibenden Pferden fortgesetzt werden, da man Goldfever ersetzten musste, musste für kurze Zeit eine der Zuchtstuten einspringen, bis passender Ersatz angeschafft war.
„Gab, die nächsten Reitschüler sind da, aber wir haben nicht genug Schulpferde jetzt wo Goldfever...“ Begann Max, Gabrielle kämpfte noch immer mit den Tränen den sie stand in Goldfevers leerer Box und betrachtete die Holzwand, neben ihr stand Alex die soeben mit der Faust an die Boxwand schlug.
„Dann.. dann sattelt meinetwegen Sunflowers Dream, sie ist ruhig genug. Alex und ich werden so bald wie möglich ein neues Pferd kaufen. Wir hatten ja... sowieso vor noch viel mehr anzuschaffen...“
„Ist in Ordnung Gabrielle, wir nehmen Sunflower...“ Max verschwand hinter einer Ecke und begab sich zum Zuchtflügel um die Stute zu holen.
Die Schüler waren nicht so aufmerksam wie sonst, das merkte Alex als sie inmitten der Reitbahn stand und die Anweisungen gab. Vermutlich waren sie alle bedrückt wegen Goldfevers Tod, oder aber wegen der schwülen Mittagshitze.
„Marlene! Hör auf Sunflower im Maul rum zuziehen, du musste sie ganz locker anfassen, komm mal in die Mitte.“ Befahl Alex ruhig, das Mädchen den Shagya Araber ritt, endete und kam in der Mitte neben Alex zum stehen.
„Pass auf, Sunflower ist super weich im Maul, verstehst du? Sie gehorcht auf die kleinsten Hilfen, auch auf die Schenkel, du musst sie richtig Handhaben. Sunflower ist nicht so wie Luna oder Sunrise oder Ginger, du musst sie weich führen und mehr mir den Schenkeln und deinem Gewicht arbeiten, okay? Sie wird sonst hart im Maul und widerspenstig, sie versteht es nicht wenn man sie einmal hart und einmal weich anpackt, das sie eigentlich kein Schulpferd ist, es ist eine Ausnahme das sie geritten wird, also sei vorsichtig mit deinen Zügelhilfen.“
Das Mädchen nickte und übernahm wieder die Spitze der Abteilung.
„Ganze Abteilung Arbeitstempo Te- rab! Leichttraben!“ Befahl Alex mit dem gewohnt tiefen Tonfall den sie immer benutzte wenn sie Unterricht gab.
Am nächsten Tag wurden zuerst die Pferde gefüttert, Goldfevers Tod lastete noch schwer auf den Gemütern, doch die Arbeit musste dennoch getan werden.
„Gab, bringst du Black Boy schnell wieder zurück in die alte Box?“ Rief Alex aus Gingers Box, sie war gerade dabei der Quarter Stute die Hufe auszukratzen und sie zu putzen.
„Ist er schon geputzt?“ Fragte Gab, als sie die Tür zu Black Boys Box öffnete, sie wurde mit einem bösen Blick und misstrauischen Schnauben empfangen.
„Ja, hab ich schon gemacht, ich hab nur vergessen das er jetzt wieder um ziehen kann.“
Gabrielle hackte vorsichtig den Führstrick ein und ging langsam vorwärts. Der Hengst ging zögernd einige Schritte vorwärts, in der Boxengasse drehte er plötzlich durch. Er stieg auf die Hinterbeine und schlug anschließend nach hinten aus.
„Ruhig Junge! Alles in Ordnung! Es passiert dir nichts!“ Versuchte Gabrielle das Pferd zu beruhigen, doch er zog mit einem Ruck am Strick und warf sie zu Boden, dann keilte der Hengst noch mal aus und traf Gabrielle am Arm.
Black Boy raste nach draußen, er stolperte fast, so überstürzt galoppierte er.
„Ist dir was passiert?“ Fragte Alex ihre Freundin, die sich nun vorsichtig aufsetzte und ihren Arm betrachtete. Das Gelenk war blau und stark geschwollen.
„Ist er gebrochen?“ Fragte Alexandra.
„Keine Ahnung... ach, geh und fang das Monster ein, bevor er noch mehr Schaden anrichtet.“ Mit zusammengebissenen Zähnen erhob sich Gab, Alex rannte zur Stalltür, sie drehte sich noch kurz um und meinte betroffen:
„Es tut mir Leid, ich wusste nicht dass es gefährlich ist...“
Wenig später konnte Alex den Hengst mit Hilfe von Walter O´Reilly der am Vortag angekommen war wieder ein fangen. Max fuhr mir Gabrielle ins Krankenhaus, als die beiden ankamen wartete Alexandra bereits ungeduldig.
„Ist es schlimm?“ Fragte sie, als Gab mit verbundenem Arm aus dem Wagen stieg.
„Angeknackt, in drei Wochen ist es wieder okay... habt ihr das Monster wieder eingefangen?“ Fragte Gab missmutig.
„Äh, ja er ist in der Separaten Box.“ Erklärte Alex.
„Schön.“ Erwiderte Gab schlicht und begab sich ohne ein weiteres Wort zum Zuchtflügel. Alex folgte ihr, schließlich meinte sie nochmals:
„Es tut mir echt leid Gab, ich wusste nicht das er so reagieren würde. Ich dachte eben es wäre gut das du dich mit ihm anfreundest, du bist doch nicht sauer, oder?“
Gab drehte sich um ihr Blick verriet nichts, dann begann sie ruhig:
„Ich habe dir von Anfang an gesagt er ist gefährlich. Na ja, ich will nicht sagen das man ihn nicht wieder hinbekommen kann, aber so wie du dir das vorstellst geht das nicht. Ich weiß das du ihn am liebsten ganz allein erziehen willst, aber jeder braucht Hilfe. Seit du ihn hast hat er Null Fortschritte gemacht, es kommt mir sogar so vor als wäre er noch garstiger geworden. Wenn du ihn hinbekommen willst musst du dir von uns helfen lassen, ich weiß, du verstehst viel von Pferden und gerade deshalb müsstest du wissen das Pferdeerziehung keine leichte Sache ist, aber er ist dein Pferd, entscheide du was du tun willst. Ich sage nur so viel, wenn er sich nicht ändert sehe ich schwarz für unser Gestüt, ganz einfach weil er mit seinem Unmöglichen verhalten unseren Ruf zerstört, so scheiße das jetzt auch klingt.“
Alex sah sie an, starr und ausdruckslos, dann erwiderte sie:
„Du hast recht.“
„Schön, das du es so schnell eingesehen hast. Ich will dir nicht vorschreiben was du zu tun hast, aber du solltest die Hilfe von den Leuten hier annehmen. Sie alle wollen das Black Boy ein anständiges Pferd wird, ich ebenfalls auch wenn ich es nicht unbedingt in die Welt hinausposaune.“ Gab lächelte, Alex erwiderte das lächeln, sie waren sich einig, Black Boy sollte ein ordentliches Reitpferd werden und dazu war Hilfe nötig. Alex hatte zuvor jede Art von Tipps und Vorschlägen abgelehnt, den sie wollte ihren Hengst so erziehen wie sie es wollte, doch nun sah sie ein das es ein Fehler gewesen war. Wenn man ihr Pferd akzeptieren sollte, musste sie sich helfen lassen.





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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.12.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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