Elia Nazemi

ERWACHEN



Ich schlief

und als ich erwachte,

war ich Erwachsen.

Die Welt hatte sich gewandelt,

ich war in einer dunklen Zukunft.

Die Menschen waren herzlos,

herzlos wie Maschinen.

Sie waren wohlgenährt, doch ohne Willen,

liefen und schliefen, nur um zu funktionieren.

Liebe kannte man nur aus alten Büchern,

Bücher die keiner mehr las.

Freundschaft war bedeutungslos,

keiner war für den anderen da.

Gott war allein im Himmel,

verlassen von den Menschen.

Der Glaube war tot,

ersetzt durch Gier, berauscht vom Wein.

Ist das ein Traum, fragte ich.

Wenn das das Leben ist, wenn das die Liebe ist,

möchte ich nie das Antlitz der Erde sehen.

Lass mich wieder schlafen und nie wieder erwachen!

Lass mich wieder Kind sein.

Zu einer Zeit als die Herzen sich nahe standen.

Zu einer Zeit als der Name Gottes nicht verstaubt im Regal lag.

Lass mich in den Strassen Kabul spielen.

Lass mich die Sonne in den Augen meiner Freunde sehen.

Lass mich Herzen mit meinem Lächeln berühren.

Lass mich den frischen Duft des wahren Sommers riechen.

Lass mich die Sterne wie reife Früchte von Kabuls Himmel pflücken.

Lass mein Herz noch einmal schlagen,

nur heute Nacht.

Lass mich die Barmherzigkeit des Allmächtigen noch einmal spüren,

nur heute Nacht.

Lass mich zu Hause sein,

nur heute Nacht.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.09.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Als junges Mädchen erfand ich schon lustige Geschichten, die ich meiner Nichte erzählte. Meine Dichterei geriet in Vergessenheit, erst meine Kinder Walter und Beatrix gaben mir, durch ihren herzigen Kindermund die Idee wieder zu schreiben.
Wie sie sehen, ging meine Phantasie mit mir durch und etliche Gedichtbände kamen raus. Ich hoffe auch sie finden das Eine oder Andere, worüber sie lächeln können. Viel Vergnügen beim Lesen wünscht ihre Margit.

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