Heinz Säring

Einführung in die Metrik - Teil 1

 


Einführung in die Metrik - Teil 1

 

Ein junger Dichter will sich trimmen.
er weiß, die Silbenzahl muss stimmen,
die Metrik als Gedichte-Keim, -
drum denkt er nicht nur an den Reim.

Die Silbenzahl stimmt ganz genau.
Doch Metrik? Irgendwas ist flau.

"Ich wollte doch ein Reimgedicht! -"
Nun ganz so einfach geht es nicht.

"Zum Teufel! Woran haperts noch?
Dass was nicht stimmt, das hört man
doch."

Du musst es streng beachten dann:
Auf die Betonung kommt es an!

Das ist ganz wichtig allemal, -
und nicht allein die Silbenzahl!
Es sind nicht alle Silben gleich:
Ein Hügel ist nun mal kein Teich!

 

Damit ist das Wesentliche eigentlich schon gesagt. Aber damit ist allen,die
mit der Metrik nicht auf bestem Fuße stehen, noch nicht viel geholfen.
Ich will hier versuchen, all denen, die es brauchen können, und wirklich  daran interessiert sind, weiterzuhelfen.


Die Metrik ist neben den Reimen bei allen Reimgedichten das wichtigste Form-Element. (Beides spielt keine Rolle bei Aphorismen, bei Elfchen, beim Haiku,Tanka und anderen Kurzformen). Es werden aber heutzutage auch reimfreie Gedichte teilweise mit Metrik geschrieben. Für mein Empfinden ist die Metrik wichtiger, als es die Reime sind.

Sonderformen, wie Limericks, Sonette und Schüttelreim-Gedichte
sind natürlich auch Reimgedichte, sind also auch durchweg metrisch gebunden, nur dass hier außerdem noch weitere, spezielle Regeln einzuhalten sind.

 

Voraussetzung für das Einhalten von Metrik ist - so banal das klingt -, dass man zwischen betonten und unbetonten Silben klar unterscheiden kann.

Für alle mehrsilbigen Wörter ist in vielen Wörterbüchern die betonte Silbe unterstrichen. Für viele Menschen ist das überflüssig, sie wissen einfach bei jedem bekannten Wort auch, wie es betont wird.

Wenn mehrere einsilbige Wörter aufeinander folgen, hängt die Betonung vom Zusammenhang ab, und nur dort gibt es manchmal auch verschiedene Möglichkeiten der Betonung, die dann auch den Sinn variieren.

Die Metrik ist nun nichts anderes, als ein regelmäßiges Schema für betonte und unbetonte Silben. Diese Regelmäßigkeit in Verbindung mit den Reimen macht den besonderen Reiz eines Reimgedichtes aus. Wird diese Regelmäßikeit verletzt, dann sagt man auch, es "holpert".

Die Begriffe "Metrik", "Versmaß" und "Rhythmus" haben ungefähr die gleiche Bedeutung, weshalb ich hier nicht näher darauf eingehen will.

Ich benutze für die Darstellung der Metrik folgende Symbole, weil es damit sehr einfach und übersichtlich wird:

+ = betonte Silbe

- = unbetonte Silbe

(-) = unbetonte Silbe (optional)

 

Drei einfache Beispiele für das Betonungs-Schema, das man auch
als Metrik-Schema bezeichnen kann:

1.) Alle Vögel sind schon da: + - + - + - +

2.) Es klappert die Mühle am rauschenden Bach: - + - - + - - + - - +

3.) Einigkeit und Recht und Freiheit + - + - + - + -
    
für das Deutsche Vaterland         + - + - + - +

 

Wenn du das Schema richtig hinbekommst, dann kannst du schon rein optisch erkennen, ob die Regelmäßigkeit vorhanden ist, ob also die Metrik stimmt.

Das A und O ist, dass die verwendeten Wörter in das Metrik-Schema hineinpassen, für welches man sich zu Beginn entschieden hat.

"Das erste steht uns frei, beim zweiten sind wir Knechte."(Goethes Faust).

Darum muss man natürlich für jedes benutzte mehrsilbige Wort die Betonung kennen.

Man kann es bei einem gemischten "Publikum" niemals jedem recht machen. Was dem einen zu selbverständlich, zu primitiv, zu banal erscheint, kann für den zweiten gerade richtig, sinnvoll sein und für den dritten vielleicht sogar zu schwierig. Man muss darum immer besser zu weit unten anfangen, als zu weit oben.

 

Deshalb beginne ich hier zunächst mit einigen Wort-Beispielen, zuerst mit Lösung. Wo die Lösung fehlt, bitte ich dich, wenn du dich beteiligen willst, diese dahinter zu schreiben und mir das zuzuschicken, ebenso wie die Lösungen für weitere Aufgaben, die ich noch stellen werde.

Selbverständlich ist es jedem freigestellt, mir etwas zuzuschicken oder nicht. Diskreton wird zugesichert.

Ich werde aber die Lösungen für alle gestellten Aufgaben hinterher auch veröffentlichen, sodass jeder selbst vergleichen kann.

Also, du weißt: Betonte Silbe: +, unbetonte Silbe: -

 

Zimmer + - Gedicht - + Vergnügen - + - Klavier - + Wurzel + -

Professor - + - Alphabet - - + Kartoffelpuffer - + - - - Ausweis + -

Garage - + - Politik - - + Politiker - + - -

 

Regal     Geige     Schaukelpferd       Abend     Januar     April

Vertrauen     Liebe     Karton     Gelände      laufen    gewinnen

Apfel     Banane      Weintrauben      Ballon     Besteck    Ober    Kellnerin

Revier    Theater      Stadttheater       Musik     Aquarell      Mundharmonika

Hase     Kaninchen       Nashorn     Krokodil      Giraffe      Kamel

Karawane      Europa      Afrika     Amerika      Kanada

 

Herzliche Grüße von Heinz

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.11.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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