Wolfgang Meiser

Die Geister des Windes

Um den Giebel des Hauses tost brausend der Wind.
In seinem Bettchen schläft friedlich das Kind.

Die Geister des Windes, sie toben und schrein:
"Öffnet die Türen, lasst uns herein.

Wir sehnen uns alle nach Wärme und Licht,
wir wecken das schlafende Kindlein auch nicht.

Wir möchten es streicheln, liebkosen und wiegen,
ganz friedlich wird's schlafend im Bettchen dann liegen".

Geöffnet sind Fenster und Türen im Haus,
hinein weht der Wind mit großem Gebraus.

Er suchet das Bettchen und findet das Kind.
Man höret sie klagen, die Geister im Wind.

Sie streicheln die Haut und das flachsblonde Haar.
Das Kindlein es lächelt im Traume sogar.

Ganz leise, fast wispernd ein Stimmchen erklingt,
es ist so, als ob ein Engelein singt,

mit einem Stimmchen ganz rein und zart,
übertönt von den Stimmen der anderen - hart.

Sie heben die Decke und ziehen geschwind
sie über das blonde Köpfchen vom Kind.

Das wispernde Stimmchen nun jammert und klagt,
es wird aber von den harten verjagt.

Mit bösem Lachen und lautem Gebraus
ziehen sie durch den Schornstein hinaus.

Zurück bleibt das Kind, in seinem Bettchen, ganz still.
Es ist halt passiert. Wie das Schicksal es will.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.01.2003. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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