Joana Angelides

Die Angst des Autors vor dem ersten Satz

Bei größeren Vorhaben erfordert der erste Schritt, das erste Wort, immer eine gewisse  Überwindung.

Besonders, wenn es sich um das Vorhaben handelt, ein Buch zu schreiben, oder ein Magazin herauszugeben.

Egal, wozu man sich entschlossen hat; das leere Blatt Papier starrt einen herausfordernd an. Früher hatten es die Autoren leichter. Sind die ersten Worte misslungen, konnte man seiner Enttäuschung Luft machen, indem man es einfach aus der Maschine riss, zerknüllte und in den Papierkorb warf, wenn man ihn traf!

Heute kann man höchstens die Maus zerbeißen, oder den Stecker ziehen.

Die tägliche Flut der erscheinenden Bücher  und Magazine  sollte einem eigentlich Mut machen. Das Gegenteil ist der Fall. Wer liest denn all diese Bücher, die laufend erscheinen  und vor allem, w a s  wollen die Leute  lesen?

Nach eingehender Erforschung der menschlichen Seele und da vor allem jener in meiner unmittelbaren Umgebung, kam ich zu folgendem Schluss.

Im Falle von bunten Magazinen oder der Yellow-Press lesen die Menschen  gerne  über irgendwelche  Skandale die vermeintlich die Menschheit  erschüttern und da möglichst Alles und  in allen schmutzigen Details.

Am liebsten mit „geheimen“ Bildern von nackter Haut und,  oh welch ein angenehmer Schock, mit fremden Fingern in knappen Bikinihöschen.

Wem gehört die Hand, wem das Höschen?

Auch „Wer mit Wem?“ ist ein beliebtes Thema. So wie „One-Night-Stands“ von mehr oder weniger wichtigen oder gewichtigen  Persönlichkeiten, werden sofort in allen Facetten beschrieben und besprochen.

Neiderfüllt starren Männer auf Bilder hörbar aufheulender Boliden, geschmückt mit fast nackten Mädchen, mit noch nie gesehener Oberweite dank der Erfindung des  Silikonbusens. Wo sind denn all diese, in Fitness-Studios gezüchteten weiblichen Exemplare der menschlichen Rasse eigentlich in unserem täglichen Umfeld?

Können die auch sprechen, oder nur lächeln? Ist aber schlussendlich auch egal.

Der tiefe Sturz irgendwohin ins dunkle Nichts von Stars, oder bisher scheinbar  unantastbaren Politikern verursacht kalte Schauer am Rücken und zaubert nicht selten ein schadenfrohes Lächeln ins Gesicht. Hat man es nicht schon lange vorausgeahnt, ja gewusst, dass da was nicht mit rechten Dingen zugehen kann?

Man lehnt sich genüsslich zurück und genießt seinen Triumph im Geheimen.

Darüber zu schreiben, braucht es aber auch ein gewisses Maß an Freude am Leid der anderen, oder zumindest eine gesunde Portion Schadenfreude und Sensationslust. Die haben aber die meisten Menschen sowieso!

Nicht wir, sondern die Anderen selbstverständlich!

Man kann sich aber auch vornehmen, ein Buch zu schreiben. Das bringt vermutlich mehr Ehr´,  Selbstachtung, Ruhm und Geld. Selbstverständlich aber nur dann, wenn man einen Verleger findet! Wie viele Literatur-Nobelpreisträger  aufgrund dieses Problems leider nie zu dieser Auszeichnung kamen, wird ewig im Dunkeln liegen. Zum anderen  ist der Menschheit  an geistigen Ergüssen, die nun in Schubladen vor sich hinschlummern,  viel erspart geblieben

Ein neues Buch!

Und schon raunt die Öffentlichkeit und hier besonders die weibliche:

 „Waaaaaas, ein neues Buch  über den großen Tenor ist erschienen, mit all seinen „heimlichen“ Liebesgeschichten, die nun aber in allen Details  öffentlich sind! Welch ein Ereignis, er signiert es auch persönlich und man kann ihm zehn Sekunden in die strahlenden Augen schauen,  den eigenen Namen nennen und sich dem Gefühl hinzugeben, er beachtet uns.

Man kann sich auch ausmalen, was wäre wenn...? Aber schon wird man abgedrängt und er strahlt genauso intensiv den Nächsten an. Alles Routine.

Sensationen sind es,  die die Welt bewegen. Aber Sensationen die uns unmittelbar berühren, nicht solche, die irgendwo weit weg in der Welt geschehen und Tausenden das Leben kosten, die wir schließlich  gar nicht kennen.

Oder vielleicht gar Berichte  über  Amöben die im tiefen Meer entdeckt wurden und  der erste Baustein der Menschheit sein sollen. Ist doch gar nicht so  interessant, wir haben ja schon die Affen und das genügt uns völlig.

Und wo ist nun der nächste Skandal?

Keine Bange, bis zur nächsten Ausgabe des Magazins oder dem nächsten Buch wird sich sicher was finden!

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Joana Angelides).
Der Beitrag wurde von Joana Angelides auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.07.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Buch von Joana Angelides:

cover

Im Schatten des Olivenbaumes von Joana Angelides



Ein Olivenbaum zieht die Menschen in seinen Bann und bestimmt besonders das Leben einer leidenschaftlichen Frau.
Sie trifft eine überraschende Entscheidung.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Gesellschaftskritisches" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Joana Angelides

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Der Vampir von Joana Angelides (Unheimliche Geschichten)
Ali von Claudia Lichtenwald (Gesellschaftskritisches)
Ein Tag wie jeder andere... von Rüdiger Nazar (Autobiografisches)