Stefan Schauf

Sven und der Leuchtturm

Sven wachte plötzlich in seinem Bett auf. Es war stockdunkel in dem kleinen Zimmer, bis auf einen hellen Lichtschein der über die Wände und seine Bettdecke huschte. Doch einen kurzen Augenblick später war das Leuchten auch schon wieder verschwunden.
Der Raum war ihm fremd und ein bisschen unheimlich. Erst heute Mittag war Sven mit Mama, Papa und seiner kleinen Schwester in der Ferienwohnung angekommen. Die Familie machte Urlaub auf einer Insel in der Nordsee.
Da war das Leuchten schon wieder. Jetzt wurde Sven neugierig und wollte wissen wo das Licht herkam, das ihn geweckt hatte. Er stand so schnell in seinem Bett auf, dass die Matratze unter seinen Füßen quietschte und ächzte. Nun konnte er aus dem kleinen Fenster sehen, das sich direkt in der gegenüberliegenden Dachschräge befand. Es war sehr dunkel draußen und zuerst sah Sven nur ein helles Licht in der Ferne, welches kurz aufblinkte und dann direkt wieder verschwand. Nachdem er aber etwas länger hingeschaut hatte, konnte er einen Turm erkennen, aus dessen Spitze das Leuchten kam. Es blinkte auch nicht nur einfach auf, sondern das Licht wanderte wie der Strahl einer Taschenlampe über die ganze Insel. Sven sah sogar, wie das Licht in der Ferne auf dem weiten Meer glitzerte.
Nun bekam er ein wenig Angst. Was war das? Was leuchtete dort? Er sprang von seinem Bett herunter und tapste mit schnellen Schritten, über den kleinen Flur, direkt in das Schlafzimmer von Papa und Mama. Den Weg hatte ihm Papa extra vorm Zubettgehen gezeigt, damit Sven wusste wie er nachts zu Ihnen kommen konnte. Mit einem Satz hüpfte er in das große Bett und kuschelte sich ganz fest an Mama.
„Was ist denn los mein Schatz?“, fragte sie überrascht. „Hast du schlecht geträumt?“
Doch als Sven von dem unheimlichen Leuchten in seinem Zimmer erzählte, lächelte sie ihn gleich wieder fröhlich an und sagte:„Du brauchst keine Angst haben. Das ist nur der Leuchtturm.“
"Leuchtturm?" Jetzt verstand Sven überhaupt nichts mehr. "Was ist denn ein Leuchtturm?"
Inzwischen war auch Papa aufgewacht und murmelte noch etwas verschlafen: „Das ist ein hoher Turm mit einer ganz hellen Lampe oben drauf. Der Leuchtturm zeigt den Schiffen, die nachts draußen auf dem weiten Meer unterwegs sind, den richtigen Weg. Wenn die Matrosen auf den Schiffen das Licht des Leuchtturms sehen, wissen Sie genau wo das Wasser aufhört und das Land anfängt. Das ist ganz wichtig, damit die Schiffe sich nicht verfahren!“
Das gefiel Sven. „Wie eine große Laterne, nur für Schiffe?“ fragte er aufgeregt.
„So ähnlich“, lachte Mama.
„Ich habe eine Idee“, flüsterte Papa. „Heute Nacht darfst Du mit in unserem Bett schlafen und morgen früh schauen wir uns den Leuchtturm einmal aus der Nähe an. Ich wette, wir können sogar bis ganz nach oben hinauf klettern und uns die riesige Glühlampe ansehen.“
Am nächsten Morgen machte sich die Familie, nach dem Frühstück, gleich auf den Weg zum Leuchtturm. Aus der Nähe betrachtet sah er wirklich riesig aus. Papa kaufte die Eintrittskarten und ging, mit Sven an der Hand, die vier Stufen zum Eingang hinauf. Mama wartete unten und passte während dessen auf Svens kleine Schwester auf. Die war nämlich noch etwas zu klein, um die vielen Treppenstufen bis zur Spitze schaffen zu können.
Innen im Turm war es dämmerig und Sven und Papa mussten wirklich ganz viele Treppenstufen hinaufsteigen. Das war ziemlich anstrengend, fand Sven. Als er gerade dachte nicht mehr weiterzukönnen, waren sie endlich oben angekommen. Sven bestaunte die riesige Glühlampe, die in der Nacht so hell strahlte und ihr Licht bis auf das weite Meer hinaus schickte. Von dort oben auf dem Turm konnte man auch über die ganze Insel sehen. Papa zeigte Sven das Haus mit ihrer Ferienwohnung. Obwohl es aus dieser Höhe betrachtet ganz winzig aussah, glaubte Sven das Fenster seines Kinderzimmers erkennen zu können. 
Als er an diesem Abend, bis zur Nasenspitze zugedeckt, in seinem Bett lag und das Licht des Leuchtturms hereinstrahlte hatte er gar keine Angst mehr.
„Gute Nacht Leuchtturm“, flüsterte er, drehte sich auf seine Lieblingsseite und schlief ein.

Hallo zusammen,

vielen Dank für das positive Feedback. Ich habe die Geschichte noch einmal überarbeitet und sprachlich etwas geglättet. Ich hoffe sie gefällt auch weiterhin.
Stefan Schauf, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.10.2002. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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